„Draußen gibt’s nur Kännchen“

Fol­gen­de Geschich­te möch­te ich erzäh­len. Vie­le Jah­re her aber immer noch schön.

Wir waren mit einer Motor­rad-Grup­pe unter­wegs. Irgend­wo im Ober­ber­gi­schen, an irgend­ei­ner Tal­sper­re, in irgend­ei­nem Café.

Super Wet­ter, schö­ne Ter­ras­se, Aus­blick auf die Tal­sper­re – es pass­te alles.

Wir nah­men Platz, Freund Hart­mut bestell­te und es ent­stand fol­gen­der Dia­log:

„Ich hät­te ger­ne ein Stück Käse-Sah­ne-Kuchen und eine Tas­se Kaf­fee“.

Und dann kam die­ser legen­dä­re Spruch und ich glau­be den gibt es nur in Deutsch­land. Und die­ser Spruch muss auch in einer ganz bestimm­ten Wei­se rüber kom­men: Unfreund­lich, abwei­send, lust­los, unmo­ti­viert, eben so rich­tig raus­ge­kotzt. Geht nur nach einem erfolg­rei­chen Semi­nar unter dem Mot­to:

- Wie ver­trei­be ich Kun­den schnell, wir­kungs­voll und dau­er­haft -.

„Drau­ßen gibt‘s nur Känn­chen“.

„Haben Sie denn kei­ne Tas­sen?“.

„Natür­lich haben wir Tas­sen, aber drau­ßen gibt‘s nur Känn­chen“.

„Ja, soll ich denn aus dem Känn­chen trin­ken?“

„Nein, es gibt eine Tas­se dazu“.

„Dann gibt es also drau­ßen doch Tas­sen?“

„Ja, sicher“.

„Dann hät­te ich ger­ne so eine Tas­se“.

„Geht nicht, drau­ßen gib‘s nur Känn­chen“.

„Aber Sie sag­ten doch gera­de, das …“.

„Drau­ßen gibt es Känn­chen und eine Tas­se“.

„Das ist mir zu viel“.

„Wie­so zu viel?“.

„Ein Känn­chen Kaf­fee plus eine Tas­se Kaf­fee – das ist zu viel“.

„Die Tas­se ist ja leer“.

„Es gibt auf der Ter­ras­se nur lee­re Tas­sen?“.

„Natür­lich nicht oder doch? … Drau­ßen gibt es nur Känn­chen plus eine lee­re Tas­se“.

„Also gibt es drau­ßen doch Tas­sen?“.

„Natür­lich, aber eben leer“.

„Aber wenn es drau­ßen Tas­sen gibt kön­nen Sie die doch auch mit Kaf­fee fül­len“.

„Nein, drau­ßen gibt es nur Känn­chen“.

„Gut, wenn ich jetzt in das Café gehe, mich dort hin­set­ze und eine Tas­se Kaf­fee bestel­le bekom­me ich die dann?“.

„Ja, selbst­ver­ständ­lich“.

Hart­mut ging in das Café, setz­te sich, bestell­te eine Tas­se Kaf­fee, bekam die­se und kam lachend damit zu uns auf die Ter­ras­se.

„Geht doch“, sag­te er und freu­te sich.

Foto: Wal­ter Schu­bert

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