Fachtag zum Kinderschutz in Wermelskirchen: Schweigen schützt nicht, es gefährdet

Bei­trag von der Web­sei­te der Stadt Wer­mels­kir­chen

In die­ser Woche fand im Rah­men des Netz­werks Kin­der­schutz Wer­mels­kir­chen ein erfolg­rei­cher Fach­tag unter dem Titel „Prä­ven­ti­on von sexua­li­sier­ter Gewalt“ statt, zu dem rund 100 Fach­kräf­te und Ehren­amt­li­che aus ver­schie­de­nen Berei­chen der Kin­der- und Jugend­hil­fe sowie der Bil­dung und Sozi­al­ar­beit kamen. Ziel des Tages war es, den Aus­tausch zwi­schen den Akteu­rin­nen und Akteu­ren zu för­dern, bestehen­de Koope­ra­tio­nen zu stär­ken und neue Impul­se für die gemein­sa­me Arbeit im Kin­der­schutz zu gewin­nen. 

Wie wich­tig das The­ma des Fach­ta­ges ist, stell­te auch Bür­ger­meis­ter Bernd Hibst in sei­ner Begrü­ßung klar: „Das Aus­maß von Miss­brauch in Deutsch­land ist erheb­lich. Für eine Stu­die aus dem ver­gan­ge­nen Jahr gaben knapp 13 Pro­zent der Befrag­ten an, min­des­tens ein­mal im Leben von sexua­li­sier­ter Gewalt betrof­fen gewe­sen zu sein. Das bedeu­tet: In jeder Schul­klas­se sind je nach Grö­ße etwa drei Kin­der, die sol­che Erfah­run­gen gemacht haben. Die Dun­kel­zif­fer ist sicher noch höher – weil das The­ma lei­der oft ver­schwie­gen und tabui­siert wird.“ 

Damit Fach­kräf­te schnel­ler reagie­ren kön­nen und Hil­fe­stel­lung bekom­men, wenn Kin­der und Jugend­li­che von sexua­li­sier­ter Gewalt betrof­fen sind, war ein zen­tra­ler Schwer­punkt des Fach­ta­ges der Impuls­vor­trag von Doris Wan­ken von der Fach­be­ra­tungs­stel­le Mehr­Blick mit dem Titel: „Hin­schau­en, stär­ken, schüt­zen: Prä­ven­ti­on von sexua­li­sier­ter Gewalt gegen Kin­der und Jugend­li­che“. Dabei gab die Exper­tin einen Über­blick über For­men und Aus­maß sexua­li­sier­ter Gewalt sowie über die Risi­ko- und Schutz­fak­to­ren. Beson­de­res Augen­merk lag aber auch auf den prä­ven­ti­ven Bot­schaf­ten für Kin­der und Jugend­li­chen wie „Mein Kör­per gehört mir und ich darf dar­über bestim­men.“ 

„Es ist wich­tig, Kin­der und Jugend­li­che dar­in zu för­dern, ihren Kör­per als ein­zig­ar­tig und wert­voll wahr­zu­neh­men“, sag­te Doris Wan­ken. „Und sie soll­ten geför­dert und bestärkt wer­den, alle Kör­per­re­gio­nen und auch Geni­ta­li­en rich­tig benen­nen zu kön­nen. So kön­nen sie sexu­el­le Über­grif­fe leich­ter benen­nen und sich Hil­fe holen.“ 

Zur Prä­ven­ti­on gehö­re auch, Kin­der und Jugend­li­che dabei zu unter­stüt­zen, unter­schied­li­che Berüh­run­gen wahr­zu­neh­men und ihnen aus­drück­lich die Erlaub­nis zu geben, unan­ge­neh­me Berüh­run­gen zurück­zu­wei­sen. Denn: All das stär­ke das Selbst­be­wusst­sein.
„Selbst­be­wuss­te Kin­der kön­nen sich eher gegen sexu­el­le Über­grif­fe weh­ren und Gren­zen set­zen.“ Ganz wich­tig, so Doris Wan­ken: „Kin­der sol­len wis­sen, dass sie das Recht haben ‚Nein!‘ zu sagen.“ Eine wich­ti­ge Bot­schaft für Kin­der und Jugend­li­che sei auch der Unter­schied zwi­schen guten und schlech­ten Geheim­nis­sen. 

„Ein gutes Geheim­nis ist bei­spiels­wei­se das selbst­ge­bas­tel­te Geschenk für Mama oder Papa, das vor dem Geburts­tag natür­lich ein Geheim­nis bleibt“, erläu­ter­te Doris Wan­ken und ergänz­te: „Ein schlech­tes Geheim­nis ist jedoch, wenn ein Kind unan­ge­mes­sen berührt wird und es zur Geheim­hal­tung gezwun­gen wird. Da sol­len Kin­der und Jugend­li­che bestärkt wer­den, die­se schlech­ten Geheim­nis­se zu erzäh­len. Das ist kein Pet­zen“, sagt die Exper­tin. 

„Die­se Bot­schaf­ten sind Schutz­schil­der, mit denen Kin­der Kraft bekom­men, um Gren­zen zu set­zen“, sag­te Bür­ger­meis­ter Bernd Hibst. „Wir als Gesamt­ge­sell­schaft müs­sen das Unmög­li­che für mög­lich hal­ten. Sen­si­bel wer­den für klei­ne Hin­wei­se, wenn ein Kind sich ver­än­dert. Und vor allem: Dem Kind Glau­ben schen­ken. Des­halb ist es so wich­tig, dass wir aktiv han­deln, uns aus­tau­schen und gemein­sam Lösun­gen fin­den, wie wir unse­re Kin­der und Jugend­li­chen wirk­sam schüt­zen kön­nen.“

Denn:Jedes Kind hat das Recht, sicher, gebor­gen und respek­tiert auf­zu­wach­sen. 

Im Anschluss an den ein­dring­li­chen Vor­trag fan­den Aus­tausch­run­den und Dis­kus­sio­nen der Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer des Fach­ta­ges statt, um prak­ti­sche Hand­lungs­op­tio­nen zu ent­wi­ckeln und Netz­wer­ke wei­ter aus­zu­bau­en. 

Info: 
Das Netz­werk Kin­der­schutz Wer­mels­kir­chen, gegrün­det im März 2023, ver­eint alle in § 9 LKSG NRW benann­ten Akteu­rin­nen und Akteu­re und hat sich mit regel­mä­ßi­gen Ver­an­stal­tun­gen sowie zwei gro­ßen Netz­werktref­fen zu einer zen­tra­len Platt­form des fach­li­chen Aus­tau­sches ent­wi­ckelt. 
Rund 100 Fach­kräf­te aus mehr als 15 Berei­chen der Kin­der- und Jugend­hil­fe, Bil­dung und Sozi­al­ar­beit – von Kitas und Schu­len über Bera­tungs­stel­len und Jugend­hil­fe­trä­ger bis hin zur Staats­an­walt­schaft und spe­zia­li­sier­ten Fach­diens­ten – betei­lig­ten sich am jüngs­ten Fach­tag. Gemein­sam mit dem All­ge­mei­nen Sozia­len Dienst bil­den die Netz­werk­part­ne­rin­nen und Netz­werk­part­ner ein trag­fä­hi­ges Fun­da­ment für einen wirk­sa­men und umfas­sen­den Kin­der­schutz in Wer­mels­kir­chen.

Netz­werk-Koor­di­na­to­rin bei der Stadt Wer­mels­kir­chen ist Jani­na Gel­ler­mann, Mail: j.gellermann@wermelskirchen.de

Die Fach­be­ra­tungs­stel­le „Mehr­Blick“ bei sexua­li­sier­ter Gewalt gegen Kin­der und Jugend­li­che im Rhei­nisch-Ber­gi­schen Kreis berät Betrof­fe­ne, deren Bezugs­per­so­nen, Freun­din­nen oder Freun­de, Bekann­te sowie Fach­kräf­te von Schu­len, OGS, Kitas und ande­ren Trä­gern der Jugend­hil­fe. Die Ange­bo­te von Mehr­Blick sind immer ver­trau­lich, frei­wil­lig und kos­ten­frei. 

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter: www.mehrblick-rheinberg.de

Fotos uns Bei­trag: Stadt Wer­mels­kir­chen / Kath­rin Kel­ler­mann / Netz­werk-Koor­di­na­to­rin Jani­na Gel­ler­mann, stv. Jugend­amts­lei­te­rin Chris­ti­ne Daun und Refe­ren­tin Doris Wan­ken der Fach­be­ra­tungs­stel­le „Mehr­Blick“ beim Fach­tag des Netz­werks Kin­der­schutz Wer­mels­kir­chen (Foto von rechts). Fotos: Stadt Wer­mels­kir­chen / Kath­rin Kel­ler­mann

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