“Ich, die ich Männer nicht kannte”

Das Forum Wer­mels­kir­chen ver­öf­fent­licht regel­mä­ßig Buch­emp­feh­lun­gen für sei­ne Lese­rin­nen und Leser. Denn – Das gan­ze Jahr über ist Lese­zeit! Schon Goe­the wuss­te: “Wer Bücher liest, schaut in die Welt und nicht nur bis zum Zau­ne!”

Hier nun ein Buch­tipp von Fran­zis­ka Berndt von der Buch­hand­lung Mara­bu.

“Ich, die ich Män­ner nicht kann­te”
von Jac­que­line Harp­man
ISBN: 9783608966701
Erschie­nen 03.2026 im Klett Cot­ta Ver­lag
Gebun­den 24,00€

Jac­que­line Harp­man “Ich, die ich Män­ner nicht kann­te” gele­sen und für Sie vor­ge­stellt von Fran­zis­ka Berndt.

„Ich, die ich Män­ner nicht kann­te“ von Jac­que­line Harp­man ist ein dys­to­pi­scher Roman der die essen­zi­el­len Fra­gen nach dem Sinn des Lebens, der Frei­heit und der Mensch­lich­keit stellt.

Die namen­lo­se Ich-Erzäh­le­rin lebt seit Jah­ren mit 39 ande­ren Frau­en in einem tie­fen, unter­ir­di­schen Gefäng­nis in völ­li­ger Iso­la­ti­on. Die Gefan­ge­nen haben zudem kei­ne Erklä­rung über den Grund ihrer Haft. Bewacht wer­den sie von sechs schweig­sa­men Män­nern. Zudem ver­hin­dert das andau­ern­de elek­tri­sche Licht und ein unre­gel­mä­ßi­ger, erzwun­ge­ner Essens- und Schla­fens­rhyth­mus ein Zeit­ge­fühl zu ent­wi­ckeln. Die älte­ren 39 Frau­en haben immer­hin noch wage Erin­ne­run­gen an ein Leben vor der Gefan­gen­schaft. Die deut­lich jün­ge­re namen­lo­se Prot­ago­nis­tin kann sich dage­gen an nichts vor dem Käfig erin­nern. In die­ser beklem­men­den Situa­ti­on ver­su­chen alle Betei­lig­ten irgend­wie zu über­le­ben (Sui­zid­ver­su­che wer­den von den Wär­tern ver­hin­dert). Die Prot­ago­nis­tin fühlt sich ohne Erin­ne­run­gen an ein vages „Davor“ zusätz­lich von den ande­ren Insas­sin­nen iso­liert. In die­sem bedrü­cken­den und andau­ern­den Sze­na­rio pas­siert eines Tages etwas Unvor­her­ge­se­he­nes im All­tag der Frau­en: ein Alarm geht los, die Wachen ver­schwin­den und die Käfig­tür steht plötz­lich offen. Zögernd wagen sich die Frau­en aus ihrem Gefäng­nis, doch was sie drau­ßen fin­den, ist nicht die ihnen bekann­te Zivi­li­sa­ti­on, son­dern eine lee­re, rät­sel­haf­te Welt.

„Ich, die ich Män­ner nicht kann­te“ war für mich das ers­te lite­ra­ri­sche High­light in die­sem Jahr. Die­ses düs­te­re und ver­stö­ren­de lite­ra­ri­sche Werk ent­fal­tet sei­ne Geschich­te durch die essen­zi­el­len Fra­gen, die er auf­wirft. In einer schnör­kel­lo­sen, fast schon sach­li­chen Spra­che schil­dert die namen­lo­se Ich-Erzäh­le­rin die Ereig­nis­se und ihre Gedan­ken, dadurch habe ich die Situa­tio­nen als noch hoff­nungs­lo­ser wahr­ge­nom­men. Ich fand die­sen Roman groß­ar­tig, eben weil es viel Lee­re und kaum Ant­wor­ten gibt, die mich dazu gezwun­gen haben, über mei­nen eige­nen Lebens­sinn und die Fra­ge, was für mich Frei­heit bedeu­tet, nach­zu­den­ken.

Bil­der: Marie-Loui­se Lich­ten­berg / Buch­hand­lung Mara­bu

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