Von Jordan Mutombo
Meine persönliche Entscheidung für mein politisches Engagement

Liebe Wermelskirchenerinnen und Wermelskirchener,
in meinem letzten Beitrag (Link ganz unten) habe ich über meine persönliche Geschichte und meine Verbindung zu Wermelskirchen geschrieben. In dieser Folge möchte ich erzählen, warum ich mich entschieden habe, nicht nur zuzuschauen, sondern mitzumachen. Warum ich mich politisch engagiere und was mich dazu gebracht hat, Verantwortung zu übernehmen.
Mein erster bewusster Kontakt mit Politik war die Wahl von Barack Obama zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Ich habe diesen Abend gemeinsam mit meiner Oma und meinem älteren Bruder verfolgt. Als Kind war mir damals noch nicht vollkommen klar, dass ich Zeuge eines geschichtsträchtigen Moments war. Heute weiß ich, welche Kraft dieses Ereignis hatte. Es war mehr als nur eine Wahl. Es war ein Zeichen dafür, dass Veränderung möglich ist.
Ein weiterer Moment, der mich tief geprägt und politisiert hat, war der Einsatz meiner Mutter. In meiner letzten Folge habe ich erzählt, dass ich die Erprobungsstufe der Realschule nicht geschafft habe und danach auf die Hauptschule wechseln musste. Dieser Weg war nicht einfach. Die Hauptschule Wermelskirchen konnte mich zunächst nicht aufnehmen, weil es keine freien Plätze gab. Es stand sogar im Raum, dass ich nach Remscheid oder Burscheid wechseln müsste. Für meine Familie und mich als Dellmänsche Bub kam das aber nicht infrage. Meine Mutter hat sich damals nicht damit abgefunden. Sie hat die Bezirksregierung Köln eingeschaltet und auch die Medien informiert.

Am Ende hatte ihr Einsatz Erfolg. Ich durfte die Hauptschule in Wermelskirchen besuchen. Ohne meinen Mutter wäre das nicht möglich gewesen. Dieser Moment hat mir früh gezeigt, was es bedeutet, für etwas einzustehen, auch dann, wenn die Umstände dagegen sprechen.

Der Moment, der mein Denken endgültig in Handeln verwandelt hat, war die Black Lives Matter Demo im Jahr 2020. Es war das erste Mal, dass ich auf einer politischen Demonstration war, zu der ich auch einen persönlichen Bezug hatte. Ich habe selbst Diskriminierung und Anfeindungen erlebt. An diesem Tag war es bewegend zu sehen, wie Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten Seite an Seite standen, um für Gerechtigkeit einzutreten. Besonders im Kopf geblieben ist mir die Rede einer Demonstrantin. Sie sagte, dass Repräsentation in der Politik wichtig sei und dass sonst viele unterschiedliche Perspektiven gar nicht gehört würden.
Dieser Satz hat etwas in mir ausgelöst. Er hat mir gezeigt, dass politische Vielfalt kein Nebenthema ist, sondern eine Voraussetzung dafür, dass eine Gesellschaft sich wirklich versteht. Politik braucht unterschiedliche Stimmen. Nur so entstehen Respekt, Verständnis und am Ende auch bessere Entscheidungen.
Von 2020 bis 2023 habe ich mich weiter mit Politik beschäftigt und war politisch interressiert, aber ich habe mir bewusst Zeit gelassen, einer Partei oder Jugendorganisation beizutreten. Keine Partei hat meine Werte zu hundert Prozent abgebildet. Ich habe mich mit den Programmen der Parteien von CDU bis zu Die Linke auseinandergesetzt und wollte meine Entscheidung nicht aus dem Bauch heraus treffen. Ich wollte sicher sein, dass sie wirklich zu mir passt. 2023 habe ich mich dann für die SPD und die Jusos entschieden. Dafür gab es mehrere Gründe. Meine Familie hat einen starken Arbeiterhintergrund, mein Vater und mein Großvater kommen beide aus der Industrie. Dazu kommt die gewerkschaftliche Prägung meiner Familie, die eng mit der Sozialdemokratie verbunden ist. Auch mein christlicher Glaube spielt dabei eine Rolle, weil er für mich bedeutet, dass jeder Mensch Würde, Chancen und Teilhabe verdient, da wir alle Teil Gottes Schöpfung sind. Ein weiterer Punkt war für mich wichtig: Damals hatten mit Dr. Karamba Diaby und Armand Zorn zwei schwarze Abgeordnete für die SPD im Bundestag eine sichtbare Rolle. Das hat mir gezeigt, dass auch meine Perspektive in dieser Partei Platz hat. Nicht als Ausnahme, sondern als selbstverständlicher Teil politischer Vielfalt.
Heute weiß ich, dass diese Entscheidung richtig war. Bei der SPD und den Jusos bin ich nicht nur eine Zahl. Meine Anliegen werden ernst genommen, ich wurde herzlich aufgenommen und habe schnell gemerkt, dass hier nicht nur über Beteiligung gesprochen wird, sondern sie auch gelebt wird. Besonders prägend war für mich auch, dass ich ab November 2024 als sachkundiger Bürger dem Wermelskirchener Stadtrat angehören durfte. Damit war ich in dieser Wahlperiode die jüngste Person im Gremium. Außerdem hatte ich in der Wermelskirchener SPD das Vertrauen, von April 2024 bis zu meinem Studium in Frankfurt dem Vorstand des Ortsvereins anzugehören. Vor allem aber habe ich viele großartige Menschen kennengelernt, die mich geprägt und begleitet haben.
Auch über die Kommunalpolitik hinaus durfte ich wichtige Erfahrungen sammeln. Auf Landesebene bekam ich durch die Büroleiterin Claudia der Landtagsabgeordneten Carolin Kirsch die Möglichkeit, ein einwöchiges Praktikum im nordrhein westfälischen Landtag zu machen. Dort konnte ich die Oppositionsarbeit der SPD Landtagsfraktion miterleben und an Sitzungen des Haushalts und Finanzausschusses sowie des Wissenschaftsausschusses teilnehmen.

Im Bundestag durfte ich vom 15. März bis zum 20. März am Jugendvertreter Hospitanzprogramm der SPD Bundestagsfraktion teilnehmen. Dort hatte ich die besondere Ehre, Armand Zorn, eines meiner politischen Vorbilder und den ersten schwarzen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD Bundestagsfraktion, bei seiner Arbeit zu unterstützen. Für mich war das etwas ganz Besonderes, weil er auch mein Wahlkreisabgeordneter in Frankfurt ist. Während der Hospitanz konnte ich außerdem mit mehreren SPD Bundestagsabgeordneten ins Gespräch kommen, sowohl in Hintergrundgesprächen als auch auf den Wegen durch die Liegenschaften des Bundestages.
Eine Antwort von Bundestagsvizepräsidentin Josephine Ortleb ist mir dabei besonders im Kopf geblieben. Auf die Frage, was sie mir für meinen politischen Weg mitgeben könne, sagte sie, ich solle ich selbst sein und authentisch bleiben. Dieser Satz hat mich sehr berührt, weil er einfach und gleichzeitig sehr wahr ist. Gerade in der Politik ist es wichtig, sich nicht zu verbiegen.
Für Armand durfte ich die Arbeitsgruppe und den Ausschuss Wirtschaft und Energie besuchen. Es war eine spannende Woche, in der auch über die Deckelung der Benzinpreise verhandelt wurde. Außerdem wurde in dieser Zeit das Kraftstoffmaßnahmenpaket auf den Weg gebracht, dessen Debatte ich im Plenarsaal des Deutschen Bundestages verfolgen konnte unter anderen auch mit der Rede von Armand.

All diese Erfahrungen haben meinen Wunsch gestärkt, mich langfristig politisch zu engagieren. Denn Politik darf kein Raum sein, in dem nur über Menschen gesprochen wird. Sie muss ein Raum sein, in dem für Menschen gehandelt wird. Besonders für die, die oft übersehen werden, keine laute Stimme haben oder sich nicht trauen, selbst für sich einzustehen. Mein Ziel ist es, durch mein politisches Engagement die Bedingungen für schwächere Menschen zu verbessern. Genau deshalb bin ich politisch aktiv.Es geht um Würde, um Gerechtigkeit und darum, dass jeder Mensch eine echte Chance in dieser Welt bekommt.
Fotos: Jordan Mutombo / Lutz Balschuweit
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