Ein persönlicher Erlebnisbericht von Philipp Scholz:
Karneval im Dorf bei Wermelskirchen ist kein Termin im Kalender. Es ist ein Zustand!
Zwischen Pendeln nach Bergisch Gladbach zum Zoch im Sonnenschein – wo Gläbbisch sich in ein jeckes Puppenspiel verwandelte – und Kinder zu Auftritten begleiten, weil die Grunewalder eben überall sind, wo das Herz pulsiert.
Und mittendrin: WIR
Rosenmontag in Dabringhausen. Regen? Schnee? Egal. 21 Gruppen, rund 850 Teilnehmende, Kamelle flogen, „Dawerkusen Alaaf“ schallte durchs Dorf. Regencapes über Kostümen, volle Bollerwagen, nasse Füße – aber trockene Stimmung. Der Zusammenhalt war stärker als jede Wetter-App.
„Wir unter uns“ – 1.200 bunt gekleidete Jecke, ausverkauftes Haus.
Die kleinen Grunewalder eröffnen den Abend und lassen die Herzen höherschlagen. Das Dawerkuser Dreigestirn wird gefeiert, das Blasorchester sorgt für Gänsehaut, „Dawerkuser Allerlei“ hält eine der Theken am Laufen. Rut-Wiess mit Herzchen. Rot-Wiess mit ordentlich Energie.
Und wir Eltern? Wir kassieren, verkaufen Bons, machen Einlass, spülen Gläser, verkaufen Pommes. Wir sind Wagenengel. Bühnenrand-Steher. Taschenhalter. Motivatoren.
Wir sind überall Karneval. Auf meinem Button stand: Bunt statt braun. Und genau das fühlt man hier. Miteinander statt Gegeneinander.
Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht.
Die Kinder werden größer. Man selbst kommt leicht angeschlagen raus – aber glücklich. Dieses Jahr sogar ohne Alkohol. Kein Tropfen. Einfach alles bewusst erlebt. War intensiv. War gut. Und jetzt?
Neustart.
Der Außendienst ruft. Ich verlasse wieder öfter das Land. Die Kinder schreiben Arbeiten. Schule fordert. Meine Frau arbeitet. Die Hunde wollen raus. Der Alltag klopft an.
Bis Ostern fasten die Kinder freiwillig Süßigkeiten, wir verzichten auf Alkohol – unsere kleine Challenge. Der Frühling zögert noch, aber er kommt.
Karneval war unsere Flucht aus all dem politischen Dauerrauschen. Ein kollektives Durchatmen.
Der Nubbel ist verbrannt. Aber das Gefühl bleibt. Und irgendwo im Dorf hört man es leise nachhallen:
Alaaf. (oder auch “ich bin ne Karnevalsmaus…” Ohrwurm inklusive!)
Fotos: Philipp Scholz


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