Meinungsbeitrag von Klaus Ulinski und Lothar Dähn
Teil 1: Kritische Fragen und demokratische Beteiligung
Unsere Stadt investiert derzeit vermutlich die höchste Summe ihrer Geschichte in ein attraktives Bauprojekt – und das bei gleichzeitig angespannter Haushaltslage. Dass ein solches Vorhaben auf Interesse, aber auch auf Sorge bei Bürgerinnen und Bürgern stößt, ist nachvollziehbar. Darunter befinden sich viele Menschen, die dieses Projekt nicht grundsätzlich ablehnen, sondern es kritisch begleiten möchten: Sie stellen Verständnisfragen, wünschen sich Transparenz und könnten am Ende sogar überzeugt zustimmen. Sie möchten Teil einer gemeinsamen Entwicklung sein – jedoch auf informierter Grundlage.
Stattdessen erleben einige von ihnen eine spürbare Gereiztheit im Umgang mit Nachfragen. Fragen scheinen Unbehagen auszulösen. Bürgerinnen und Bürger hätten eine Holschuld, heißt es. Man sei dieser Fragerei müde, Antworten seien bereits gegeben worden – etwa in früheren Sitzungen oder über veröffentlichte Informationen.
Dabei entsteht mitunter der Eindruck, dass kritische Nachfragen als Ausdruck grundsätzlicher Ablehnung interpretiert werden. Wer fragt, gilt schnell als Gegner. Dass Menschen Transparenz einfordern, um sich eine eigene fundierte Meinung zu bilden, findet in diesem Deutungsmuster wenig Raum. Für das Entstehen von Vertrauen ist dies nicht förderlich.
Es geht dabei häufig nicht um provokative oder destruktive Beiträge, sondern um grundlegende Fragen: zu Kosten, Förderhöhen, Risiken und langfristigen Auswirkungen. Solche Fragen gehören zum Kern demokratischer Beteiligung – insbesondere dann, wenn politische Entscheidungen erhebliche finanzielle Konsequenzen für die Bürgerschaft haben.
Der Ratsbeschluss zum Rhombus-Areal liegt inzwischen vor, die Mehrheitsverhältnisse sind eindeutig. Am kommenden Montag soll die Beschlussvorlage für die Förderanträge voraussichtlich verabschiedet werden. Dann geht es in die nächste Phase und viele der aktuell diskutierten Fragen dürften zunächst wieder aus dem Blick geraten.
Erleichterung für bestimmte und Ruhe für viele Personen kehrt zurück.
Teil 2: Umgang mit Bürgerfragen und Verantwortung politisch Handelnder
Der konkrete Umgang mit Bürgerfragen wirft jedoch weitergehende Fragen auf. In einer Ausschusssitzung wurde auf die Bitte um eine Konkretisierung der Förderhöhe ungehalten reagiert. Dabei handelte es sich um eine sachliche Nachfrage zu einem zentralen Aspekt des Projekts. Die Irritation darüber, dass solche Fragen trotz langjähriger politischer Erfahrung gestellt werden, war für Anwesende deutlich wahrnehmbar.
Wenn von Bürgerinnen und Bürgern höhere finanzielle Belastungen erwartet werden, gleichzeitig jedoch Nachfragen zu Mehrkosten als unangemessen empfunden werden, entsteht zumindest ein Spannungsverhältnis, das erklärungsbedürftig ist. Im Zusammenhang mit Herrn Bilstein entstand für Teilnehmende der Eindruck, dass Nachfragen als belastend oder störend empfunden wurden. Solche Wahrnehmungen können das Vertrauen in politische Entscheidungsprozesse beeinträchtigen.
Berichtet wurde zudem, dass Parteimitglieder dazu angehalten worden seien, eine Bürgerfragestunde nicht zu besuchen. Auch wenn dies nicht offiziell bestätigt ist, hat bereits der Eindruck einer solchen Einflussnahme eine problematische Wirkung. Bürgerdialog lebt von Offenheit – nicht von Zurückhaltungsempfehlungen.
Auf die Einladung zu einer Bürgerfragestunde des ForumWK reagierte ein städtischer Vorgesetzter nach übereinstimmenden Berichten mit dem Hinweis auf mögliche dienstliche Konsequenzen für Mitarbeitende. Auch hier gilt: Unabhängig von der konkreten Absicht kann bereits die Wahrnehmung einer solchen Reaktion abschreckend wirken.
Sachliche und fachlich fundierte Antworten kamen in der betreffenden Veranstaltung insbesondere von Herrn Kaluscha und Herrn Kranz. Diese Beiträge zeichneten sich durch fachliche Einordnung und ruhige Erklärung aus. Die Fragen aus der Bürgerschaft waren überwiegend sachlich und zielten auf grundlegende Informationen – nicht auf Provokation.
Wer Bürgerbeteiligung auf formale Akte reduziert, ohne echte Auseinandersetzung zuzulassen, darf sich über wachsende Distanz zwischen Politik und Bürgerschaft nicht wundern. Kritische Fragen (die teils immer noch unbeantwortet blieben) sind kein Angriff, sondern Ausdruck von Interesse und Verantwortungsbewusstsein.
Gerade darin liegt ihre demokratische Bedeutung.
Foto: Lothar Dähn


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