Das kostbarste aller Güter

Buch­emp­feh­lung von Marie-Loui­se Lich­ten­berg

Anläss­lich des 81. Jah­res­ta­ges der Befrei­ung des Kon­zen­tra­ti­ons- und Ver­nich­tungs­la­gers Ausch­witz emp­feh­le ich heu­te das Buch „Das kost­bars­te aller Güter“.

Das kost­bars­te aller Güter
Ein Mär­chen
Jean-Clau­de Grum­berg (Text)
Ulri­ke Mölt­gen (Illus­tra­ti­on)
Edmund Jaco­by (Über­set­zung aus dem Fran­zö­si­schen)
Ver­lags­haus Jaco­by & Stuart, Ber­lin 2020
16,00 €
Ab 13

Der 27. Janu­ar ist in Deutsch­land seit 1996 und inter­na­tio­nal seit 2005 der Tag des Geden­kens an die Opfer des Holo­caust. An die­sem Tag erin­nern wir uns an die mehr als 6 000 000 Juden, etwa 500 000 Sin­ti und Roma und die zahl­rei­chen ande­ren Opfer, die wäh­rend der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Dik­ta­tur von 1933 – 1945 unter Adolf Hit­ler ver­folgt und ermor­det wur­den.

In Ausch­witz ermor­de­ten die Nazis etwa 1,3 Mil­lio­nen Juden, Anders­den­ken­de, Obdach­lo­se, Men­schen mit Behin­de­run­gen, soge­nann­te Aso­zia­le, Zwangs­ar­bei­te­rin­nen und Wider­stands­kämp­fer.

Den Befrei­ern bot sich ein furcht­ba­res Bild. Men­schen, die bis auf die Kno­chen abge­ma­gert waren und den Hor­ror über­lebt hat­ten, kau­er­ten neben unzäh­li­gen Toten. Vie­le waren so schwach, dass sie nicht mehr gehen konn­ten. Unter den Über­le­ben­den waren auch Kin­der.
Die Ver­gan­gen­heit ist auch heu­te noch nicht ver­gan­gen. Wir erle­ben in Deutsch­land und vie­len ande­ren Län­dern ein Erstar­ken von Extre­mis­ten und Faschis­ten. Anti­se­mi­tis­mus, Ras­sis­mus, Hass und Het­ze begeg­nen uns viel zu oft. Die aktu­el­len Krie­ge belas­ten vie­le Men­schen und zei­gen, dass Frie­den, Frei­heit und Demo­kra­tie nicht selbst­ver­ständ­lich sind, son­dern immer wie­der erar­bei­tet wer­den müs­sen.

„Das kost­bars­te aller Güter“ war 2021 für den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis von der Jugend­ju­ry nomi­niert wor­den. Die Jugend­li­chen begrün­de­ten ihre Wahl so:

„1943: Ein Vater wirft sei­ne neu­ge­bo­re­ne Toch­ter durch die Luke eines Güter­zu­ges hin­aus in den Wald und ret­tet sie so vor dem siche­ren Tod im Ver­nich­tungs­la­ger. Wie durch ein Wun­der fin­det eine arme Holz­fäl­ler­frau das „klei­ne Gut“ (S. 29) an den Glei­sen. Gegen alle Wid­rig­kei­ten zieht sie es als ihr eige­nes Kind auf.

In die­ser beein­dru­cken­den Geschich­te zeigt sich die Gat­tung Mär­chen z.B. durch die Ein­tei­lung der Hand­lung in Gut und Böse, Lie­be und Hass, Mit­ge­fühl und Gleich­gül­tig­keit. Mit wort­ge­wal­ti­ger poe­ti­scher Spra­che beschreibt der Autor die dama­li­ge Lebens­welt: Not und Armut, schwe­re kör­per­li­che Arbeit und Angst vor Krieg und Ver­bre­chen. Wir erle­ben haut­nah Beweg­grün­de, Emp­fin­dun­gen und Ent­wick­lun­gen sei­ner Cha­rak­te­re mit. Eben­so ein­dring­lich, glaub­haft und berüh­rend wer­den wir von der Kraft der Lie­be über­zeugt. Gleich­zei­tig sehen wir Men­schen gewalt­tä­ti­ge Ver­bre­chen bege­hen. Dadurch erken­nen wir, dass das Böse nichts Abs­trak­tes ist und sind auf­ge­for­dert auf­zu­pas­sen, damit so etwas wie die Sho­ah nie wie­der gesche­hen kann. Die düs­ter wir­ken­den Zeich­nun­gen grei­fen die Stim­mung des Gesche­hens auf.“

Ich emp­feh­le das Buch allen, die sich einen etwas ande­ren Zugang zu die­sem belas­ten­den The­ma wün­schen. Der Vater und Groß­va­ter des Autors Jean-Clau­de Grum­berg wur­den in Ausch­witz ermor­det. Trotz­dem gelingt es ihm, die­ses Buch als Hom­mage an die Mensch­lich­keit zu schrei­ben. Auf der letz­ten Sei­te steht:

„Das also ist das Ein­zi­ge, das zu exis­tie­ren ver­dient, in den Geschich­ten wie im wirk­li­chen Leben: die Lie­be, die Lie­be, die den Kin­dern ent­ge­gen­ge­bracht wird, den eige­nen wie denen der ande­ren. Die Lie­be ist es, die trotz allem, das exis­tiert, und allem, das nicht exis­tiert, die Lie­be ist es, die macht, dass das Leben wei­ter­geht.“

Die Ver­fil­mung die­ses Buches zei­gen wir in einer Son­der­ver­an­stal­tung gegen das Ver­ges­sen

am Sonn­tag, 25. Janu­ar 2026
um 15:00 Uhr, Ein­lass ab 14:30 Uhr
im Film-Eck, Tele­gra­fen­stra­ße 1, Wer­mels­kir­chen
für 5,00 € Ein­tritt
ab 14

Kar­ten gibt es an der Tages­kas­se oder über: www.schiffler-events.de.

Am Bücher­tisch der Buch­hand­lung Van Wah­den kann das Buch erwor­ben wer­den.

In der Fach­zeit­schrift JuLit 2/2025 auf Sei­te 48 steht zum Unter­schied Buch und Film: „…Gleich­wohl han­de­le es sich nicht um einen Film über den Holo­caust, der Holo­caust sei viel­mehr Teil sei­nes Kon­texts. Er sei ein The­ma des Films, aber nicht das The­ma selbst. Statt­des­sen ste­che in die­ser mär­chen­haf­ten Ver­fil­mung ein ande­res The­ma her­vor: Selbst in einer so schreck­li­chen Geschich­te, kön­ne sich die Schön­heit der Mensch­lich­keit zei­gen. Auch wenn es vie­le, vor allem dra­ma­tur­gi­sche Unter­schie­de zur Buch­vor­la­ge gibt, dar­in stim­men Ori­gi­nal und Film­ver­si­on über­ein.“

Fotos: Marie-Loui­se Lich­ten­berg / Ver­lag Jaco­by Stuart / Film-Eck Ser­vice­ki­no

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