Teil 12 von 12 + 1
35 Jahre Bahndamm: Was bleibt
35 Jahre Bahndamm lassen sich nicht auf eine einfache Formel bringen.
Zu unterschiedlich waren die Phasen, zu wechselhaft die Bedingungen, zu vielfältig die Menschen, die diesen Ort geprägt haben. Was bleibt, ist kein geschlossenes Narrativ, sondern ein Geflecht aus Erfahrungen, Konflikten, Erfolgen und Brüchen.
Der Bahndamm war nie ein fertiges Konzept. Er wuchs, scheiterte, entwickelte sich weiter. Er reagierte auf gesellschaftliche Veränderungen, auf politische Rahmenbedingungen und auf die Bedürfnisse der jeweiligen Generationen. Gerade darin lag seine Stärke – und zugleich seine ständige Gefährdung.
Für die Stadt war der Bahndamm oft unbequem. Er entzog sich einfacher Einordnung, stellte Fragen, die man nicht immer hören wollte, und ließ sich nur begrenzt steuern. Für viele Jugendliche hingegen war er ein Ort der Selbstermächtigung. Ein Raum, in dem man nicht nur teilnehmen, sondern gestalten konnte.
Die Selbstverwaltung ab 1990 markiert dabei mehr als einen organisatorischen Wendepunkt. Sie steht für einen Anspruch, der bis heute Gültigkeit hat: dass junge Menschen Verantwortung übernehmen können, wenn man ihnen den Raum dafür gibt. Nicht immer reibungslos, nicht immer konfliktfrei – aber wirksam.
Gleichzeitig gehört zur Ehrlichkeit dieser Bilanz auch, dass der Bahndamm nicht alles leisten konnte. Er war kein geschützter Raum für alle, nicht frei von Machtverhältnissen, nicht immun gegen Überforderung oder Erschöpfung. Manche blieben außen vor, manche gingen enttäuscht. Auch das ist Teil der Geschichte.
Und dennoch: Über 35 Jahre hinweg hat der Bahndamm Generationen geprägt. Er hat Musikkulturen sichtbar gemacht, politische Diskussionen ermöglicht, soziale Bindungen geschaffen. Er hat Menschen ermutigt, Dinge selbst in die Hand zu nehmen – manchmal zum ersten Mal.
Diese Serie endet hier. Die Geschichte des Bahndamms nicht.
Sie wird weitergeschrieben – mit anderen Personen, anderen Fragen, anderen Rahmenbedingungen. Was gleich bleibt, ist die Idee eines Ortes, der nicht vorgibt, sondern öffnet.
Vielleicht ist genau das das Vermächtnis des Bahndamms.
Mit dem Ende von Teil 12 endet die erzählte Geschichte nicht – sie tritt vielmehr in eine neue Phase ein. Nach Jahrzehnten des Aufbaus, der Kämpfe um Räume, Selbstverwaltung und kulturelle Freiheit war der Bahndamm längst zu einer festen Größe in Wermelskirchen geworden. Vieles lief routiniert, manches selbstverständlich, getragen von ehrenamtlichem Engagement, gewachsenen Strukturen und einer klaren Haltung.
Doch auch ein Ort mit so viel Geschichte bleibt nicht von Einschnitten verschont. Ereignisse, die alles andere überlagern, Momente, die innehalten lassen und Entwicklungen, die weit über das eigene Haus hinausreichen, sollten den Bahndamm in den folgenden Jahren auf eine harte Probe stellen.
Der folgende Teil X widmet sich diesen Zäsuren – den dunkelsten Momenten der jüngeren Geschichte des AJZ Bahndamm und den Herausforderungen einer Zeit, in der selbstverständliche Dinge plötzlich nicht mehr möglich waren.
Bilder: Jugendinitiative Wermelskirchen e. V. / AJZ Bahndamm
Teile der Bahndamm Chronik:
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (1)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (2)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (3)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (4)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (5)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (6)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (7)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (8)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (9)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (10)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (11)
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Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (12)


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