An Halloween gehören Hexen zum Straßenbild: spitze Hüte, krumme Nasen, Besen und schwarze Katzen sind in Schaufenstern, auf Kostümparties oder in Vorgärten zu sehen. Die Hexe ist zur unterhaltsamen Gruselfigur geworden – eine Ikone des Schreckens, mit der man spielerisch kokettiert. Jedoch hinter dieser populären Figur verbirgt sich eine Geschichte, die weit weniger harmlos ist.
Die historische Hexenverfolgung war bei weitem kein mittelalterlicher Spuk. Sie erreichte ihren Höhepunkt in der Frühen Neuzeit, vor allem zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert. Zahlreiche Menschen wurden wegen des Vorwurfs der Hexerei angeklagt, unter der Folter gestanden die meisten alles, was ihre Peiniger von ihnen hören wollten. Die anschließende Hinrichtung durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen war die Folge.
Schätzungen gehen dabei von ca. 60.000 Hinrichtungen aus. Rund 80% der Opfer waren Frauen, in geringerem Umfang wurden jedoch auch Männer und sogar Kinder getötet. Die Vorstellung von Teufelspakt, Schadenszauber und nächtlichen Hexenversammlungen als Bedrohung der gesellschaftlichen Ordnung lieferte die ideologische Grundlage für eine Verfolgung, die religiöse Ängste, soziale Konflikte und patriarchale Ordnungsvorstellungen miteinander verband.
Die Figur der Hexe war dabei nicht zufällig weiblich. Anknüpfend an älteren frauenfeindlichen Vorstellungen spitzte der Malleus Maleficarum, auch bekannt als „Hexenhammer“, ein zu jener Zeit dank der neuen Technik des Buchdrucks weit verbreitetes und einflussreiches dämonologisches Werk, die Imagination der Hexe auf das weibliche Geschlecht zu. Verfasst von dem Dominikanermönch Heinrich Kramer um 1486, attestierte Kramer Frauen eine besondere physisch-moralische und soziale Schwäche, die sie besonders anfällig machen würde durch Verführungen durch den Teufel, der sie als Werkzeug für sein destruktives Werk an der Menschheit benutze.
Auch das heutige Halloween-Bild der Hexe trägt Spuren dieser Geschichte. Halloween geht zwar auf unterschiedliche Traditionen zurück, insbesondere auf das keltisch geprägte Samhain, die moderne Hexenikonografie ist jedoch stark von dieser historischen Dämonisierung geprägt, später noch einmal aufgegriffen durch die Märchenhexe der Gebrüder Grimm: eine in der Regel alte böse Frau mit Warze auf der Nase, der spitze Hut, der für den Hexenflug genutzte Besen, die schwarze Katze spiegeln das kulturelle Bild einer Figur, die über Jahrhunderte für die Verkörperung des Bösen schlechthin stand.
Die Hexenverfolgung, die letztlich ein großes Unrecht war, wurde später in der Frauenbewegung der 1970er/1980er Jahre umgemünzt in ein positives Hexenbild. Die Hexe wurde ein Symbol für weibliche Stärke und Spiritualität, Resillienz, Stolz auf die eigenen Fähigkeiten, ein Symbol des Widerstandes.
Quellen: Behringer, Wolfgang: Hexen. Glaube, Verfolgung, Vermarktung. Beck Verlag 2024
Levack, Brian P.: Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa. Beck Verlag 2020
Illustration: Mit KI erstellt


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