Deutsch sein – irgendwie schwierig

Von Wal­ter Schu­bert

Zum aktu­el­len Fah­nen-The­ma noch fol­gen­de Geschich­te:

Vor vie­len Jah­ren, als im Bis­tro der Katt noch viel Musik gemacht wur­de, war ich aktiv in die­ser Sze­ne. Der dama­li­ge Wirt Lothar Hein­rich war immer offen für neue Ideen und neue Ver­an­stal­tun­gen. Mei­ne Idee: „Ich möch­te mal einen deut­schen Abend machen.“ Da hat­te ich etwas in die Welt gesetzt und erleb­te Unver­ständ­nis, Skep­sis und auch Ableh­nung. Und mit mei­ner Idee stand ich schon fast in der rech­ten Ecke.

Hät­te ich einen spa­ni­schen, eng­li­schen, fran­zö­si­schen oder ita­lie­ni­schen Abend vor­ge­schla­gen hät­te nie­mand ein Pro­blem damit gehabt. Aber deutsch?

Dabei war die gan­ze Sache völ­lig unpo­li­tisch. Ich hat­te Tex­te und Lie­der geschrie­ben, die ich vor­tra­gen woll­te. Mit Pia­no und als fei­ne Beglei­tung war der Man­fred Isen­berg aus der Jazz-Sze­ne am Saxo­phon dabei.

Sascha Thamm mach­te mit sei­nen wun­der­ba­ren, lus­ti­gen Geschich­ten mit und aus Köln hat­te ich Mit­glie­der der Grup­pe „5 vor Zwölf“ ein­ge­la­den.

Also nichts ande­res als ein deut­scher Abend, mit deut­schen Tex­ten und deut­schen Lie­dern. Ein Abend in unse­rer Spra­che.

Wir haben es auch gemacht und es wur­de ein schö­ner Abend. Aber die Reak­tio­nen auf die­se Idee sind bis heu­te haf­ten geblie­ben und mir bis heu­te unver­ständ­lich.

Kein Land hat offen­bar so ein Pro­blem mit der eige­nen Iden­ti­tät. Ganz sicht­bar und deut­lich zeigt es sich bei der Fah­nen-Dis­kus­si­on. In den Vor­städ­ten Ame­ri­kas wird ganz selbst­ver­ständ­lich das Ster­nen­ban­ner hoch­ge­zo­gen, trotz oder wegen Trump. Ganz Euro­pa zeigt Flag­ge, nur wir tun uns schwer und müs­sen wie­der dis­ku­tie­ren. Müs­sen wie­der abwä­gen ob irgend­ei­ne win­zig klei­ne Min­der­heit even­tu­ell, also nur mal ange­nom­men, benach­tei­ligt oder dis­kri­mi­niert wer­den könn­te, also unter Umstän­den. Und wenn über­haupt nur in Ver­bin­dung mit der Euro­pa­fah­ne. Ja und wenn die dabei ist gehört natür­lich auch die Bun­des­land­fah­ne dazu und auch noch die Stadt­fah­ne. Und zu beach­ten ist natür­lich auch in wel­cher Rei­hen­fol­ge die Fah­nen neben­ein­an­der ste­hen. Alles ganz schwie­rig. Am bes­ten wäre ein Aus­schuss oder noch bes­ser einen exter­nen Bera­ter. Wie fast immer ste­hen wir uns wie­der selbst im Weg und machen alles furcht­bar kom­pli­ziert.

Ich hat­te mal einen Fah­nen­mast im Gar­ten mit einer Deutsch­land­fah­ne. Ich fand das schön und hat­te gar kein Pro­blem damit. Vie­le ande­re schon. „Bist du rechts?“ Welch eine blö­de Fra­ge. Ich habe sie dann gegen die NRW-Fah­ne aus­ge­tauscht und spä­ter gegen die schö­ne Wer­mels­kir­chen-Fah­ne. Heu­te wür­de ich mich für eine Pira­ten­fah­ne ent­schei­den. Aber da hät­te wahr­schein­lich auch wie­der jemand etwas zu mäkeln.

Zeich­nung: Wal­ter Schu­bert

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Kommentare

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2 Kommentare zu „Deutsch sein – irgendwie schwierig“

  1. Avatar von Lutz Balschuweit

    Ich habe mich tat­säch­lich erst heu­te beim Kaf­fee mit mei­nem Freund Bul­bul über genau die­ses The­ma unter­hal­ten. Dabei ging es um die Fra­ge, war­um es in Deutsch­land offen­bar so schwie­rig ist, eine Form von Natio­nal­stolz zu ent­wi­ckeln und auch nach außen zu zei­gen.

    Ich glau­be, dass wir dabei unse­re Geschich­te nicht aus­blen­den kön­nen und dür­fen. Die Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus und das, was im Namen Deutsch­lands gesche­hen ist, ste­hen immer mit im Raum. Das schafft eine beson­de­re Zurück­hal­tung, wenn es dar­um geht, die eige­ne Nati­on und ihre Sym­bo­le posi­tiv zu zei­gen. Und lei­der hat es die extre­me Rech­te über Jahr­zehn­te geschafft, die Deu­tungs­ho­heit über natio­na­le Sym­bo­le zumin­dest teil­wei­se für sich zu bean­spru­chen. Wer heu­te unbe­fan­gen eine Deutsch­land­fah­ne zeigt, muss des­halb gele­gent­lich erklä­ren, dass er kei­nes­wegs rechts steht.

    Bul­bul erzähl­te mir, dass es sol­che Gedan­ken und Vor­be­hal­te gegen­über der eige­nen Natio­nal­fah­ne in sei­ner Hei­mat nicht gibt. Das hat mich nach­denk­lich gemacht. Viel­leicht ist das tat­säch­lich eine Beson­der­heit unse­rer deut­schen Geschich­te und unse­res Umgangs damit.

    Ich per­sön­lich hal­te es des­halb eher mit dem Ver­fas­sungs­pa­trio­tis­mus. Stolz auf die Wer­te unse­res Grund­ge­set­zes, auf Demo­kra­tie, Frei­heit, Rechts­staat­lich­keit und Men­schen­wür­de zu sein, erscheint mir wesent­lich sinn­vol­ler als ein Natio­nal­stolz, der sich allein über Her­kunft oder natio­na­le Sym­bo­le defi­niert.

    Eine Deutsch­land­fah­ne ist für mich durch­aus in Ord­nung. Am liebs­ten aller­dings in Ver­bin­dung mit der Euro­pa­fah­ne. Denn für mich gehö­ren ein demo­kra­ti­sches Deutsch­land und ein geein­tes Euro­pa untrenn­bar zusam­men.

    Viel­leicht müs­sen wir ler­nen, unse­re natio­na­len Sym­bo­le wie­der selbst­ver­ständ­li­cher zu ver­wen­den, ohne dabei unse­re Geschich­te zu ver­ges­sen oder sie zu rela­ti­vie­ren.

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    1. Avatar von Harald H
      Harald H

      Hal­lo Lutz, Hal­lo Herr Schu­bert, jetzt erst wird mir bewusst war­um ich, was die Fah­ne angeht, soviel minus Punk­te bei mei­nem “Kom­men­tar post“bekommen habe.
      Das Minus bezieht sich auf rechts… jetzt habe ich das kapiert.
      Mei­ne Güte.…so schnell wird man auf rechts gedreht.

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