Wermelskirchen-Eipringhausen. Das evangelische Gemeindehaus in der Weller Strasse in Eipringhausen soll ein Haus der Dorfgemeinschaft bleiben. Dafür haben dieser Tage rund 50 Bürgerinnen und Bürger aus Eipringhausen, Well und den umliegenden Ortschaften den Förderverein der Dorfgemeinschaft Oberhonschaft gegründet. Der Andrang war so groß, dass hinten Plätze nachgestellt und die Türen geöffnet werden mussten.
Aus einem Schock wird ein Neuanfang
Auslöser war eine Nachricht, die viele im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten tief getroffen hat: Die Evangelische Kirchengemeinde Wermelskirchen kann das Haus aufgrund struktureller und finanzieller Veränderungen nicht mehr halten. Max Lietzau, der mit großem Engagement und detaillierter Vorbereitung durch den Abend führte, schilderte, dass seit über siebzig Jahren die Menschen der Dörfer dort zusammen kommen. Und aufgeben wolle niemand. Im Januar, so Lietzau, machten sich Vertreter auf den Weg zu einem Verein, der andernorts Ähnliches geschafft hatte, und kehrten ermutigt zurück. Arbeitsgruppen entwickelten in den folgenden Monaten die Satzung, führten Gespräche mit dem Presbyterium und klärten die Gemeinnützigkeit mit dem Finanzamt. Das Ergebnis ist ein Erbbaurechtsvertrag über 99 Jahre: Der Verein übernimmt das Haus und trägt dafür die Kosten, es bleibt aber als Dorfgemeinschaftshaus für alle offen.
In seiner Andacht zu Beginn beschrieb Pfarrer Manfred Jetter den Wechsel als zeitgemäße Wandlung und nicht als radikalen Bruch. Man wolle bewahren, was trägt, auch das evangelische Profil des Hauses, und zugleich die Türen offen halten. Die farbigen Kreise im Logo des Vereins stehen nach seinen Worten für die umliegenden Dörfer, die sich hier gemeinsam einbringen, aber auch für die Vielfalt der Menschen und Ideen, die hier einen Anknüpfungspunkt finden sollen. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftlich vieles auseinanderstrebe, brauche es mutmachende Beispiele wie dieses, wie Menschen im wohlwollenden Austausch zu guten Lösungen finden.
Gemeinsam tragen
Der Abend war lang und von sachlicher, engagierter Diskussion geprägt. Wie ernst es den Beteiligten ist, zeigte sich auch am Mitmachen: Aus mehreren Dörfern haben sich Menschen bereit erklärt, Verantwortung für das Haus zu übernehmen.
Die laufenden Kosten des sollen von den Mitgliedsbeiträgen getragen werden, für die zehn Euro im Monat für Erwachsene und fünf Euro für Minderjährige festgesetzt wurden, von der Vermietung der Wohnung und der Räume sowie von Veranstaltungen und Spenden.
Offen: die Straßenausbaubeiträge
Unklar bleibt, ob und in welcher Höhe auf die Anlieger Straßenausbaubeiträge zukommen. Das ist nach heutigem Stand völlig offen, denn der Rat hat noch nicht entschieden, und die Frage, ob die betroffene Straße nicht schon vor über hundert Jahren als Straße an die Stadt übergeben wurde, soll gegebenenfalls ein Gericht klären. Die Kirchengemeinde hat zugesagt, mögliche Beitrags-Kosten vorzufinanzieren, sodass der Verein diese über die lange Laufzeit des Erbbaurechts tragen und zurückbezahlen könnte. Die Politik wird sich frühestens Ende November erneut damit befassen.
Zuversicht
Dass aus einer schlechten Nachricht innerhalb weniger Monate ein Verein mit rund fünfzig Gründungsmitgliedern aus mehreren Dörfern geworden ist, macht Mut. Das Gemeindehaus bleibt ein Ort, an dem man sich trifft, und es gehört künftig denen, die es nutzen. Oder, wie es in der Andacht hieß: Es geht um Frieden, Zukunft und Hoffnung.


Fotos: Privat Klaus Ulinski


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