Von einer Zeit in die andere
„Transformation“ – kaum ein Wort wird derzeit häufiger benutzt und seltener erklärt. Es klingt nach Aufbruch und nach Alarm, nach Verheißung und nach Zumutung; wer es ausspricht, meint damit fast alles und gelegentlich nichts. Dabei ist die Sache im Kern schlicht. Gemeint ist der Übergang von einer Zeit in eine andere, ein Prozess, der uns alle betrifft, gleichgültig, ob wir ihn begrüßen oder beargwöhnen.
Übergänge dieser Art hat es immer gegeben, und wer sich ansieht, entdeckt eine Regelmäßigkeit: jede große Wende war an eine neue Kraftquelle gebunden, an eine neue Technik an einen neuen Weg der Verständigung. Als der Mensch sesshaft wurde, entstanden Vorratsspeicher und mit ihnen Verwaltung, Recht und Streit ums Verteilen. Als die Kohle die Muskelkraft ablöste, wurden Entfernungen klein und Städte groß. Man kann die Geschichte als eine Kette solcher Schwellen lesen-und man täuscht sich, wenn man glaubt, gerade die eigene Zeit stehe zufällig auf keiner.
Übergänge sind unbequem, weil sie verlangen, dass man etwas loslässt, das lange gut funktioniert hat. Genau das fällt schwer. Strukturen, die einmal Lösungen waren, werden mit den Jahren zu Problemen, ohne dass jemand den Zeitpunkt bemerkt hätte, an dem das eine ins andere umschlug; und wer zu lange wartet, stellt irgendwann fest, dass er dieselben guten Ergebnisse nicht mehr zustande bringt. Das gilt für Unternehmen, es gilt für Behörden, es gilt, wenn man ehrlich ist, auch für Vereine und für liebgewordene Gewohnheiten.
Und Übergänge finden nicht anderswo statt. Man könnte meinen, das alles geschehe in Brüssel, in Berlin, in Kalifornien oder in Peking, weit weg jedenfalls. Doch wer genauer hinsieht, erkennt sie längst hier: die örtliche Wirtschaft spürt sie, wenn Lieferketten reißen und die Energie teuer wird; die Verwaltung spürt sie, weil die Ansprüche steigen und digitale Wege selbstverständlich sein sollen; der Wald spürt sie, wenn die Trockenheit ihn schwächt und der Starkregen die Bäche über die Ufer treibt; und wir alle spüren sie im Verkehr, im Umgangston, in der Frage, wie wir künftig wohnen, arbeiten und miteinander reden wollen.
Ein letztes noch. Ein Übergang ist kein Sturm, der über einen hinwegfegt, sondern eine Schwelle. Auf ihr kann man stehen bleiben; nur bewegt sich die Welt dann trotzdem weiter, bloß ohne einen. Wermelskirchen ist klein genug, um überschaubar zu bleiben, und groß genug, um etwas zu bewegen. Für eine solche Stadt lautet die entscheidende Frage nicht, ob sie sich verändert, sondern was sie bewahren und was Sie verbessern will.
Diese Reihe wird in den nächsten Wochen über einzelne Felder schreiten. Verwaltung und Wirtschaft, Bildung und Zusammenhalt, Verkehr, Natur, Wohnen, Energie, Kultur, Angst und Aufbruch. Jedes Mal geht es um dieselbe Schwelle. Jedes Mal geht es um denselben Übergang.
Bildnachweis: Klaus Ulinski privat
Hier finden Sie eine Übersicht der Kolumne “Übergänge” von Klaus Ulinski
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Übergänge – Folge 1


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