AfD-Sommerfest an der Bever – Gegenwind auch aus Wermelskirchen

30. August 2026

Ein klei­ner Bau­ern­hof bei Hückes­wa­gen, ein geheim gehal­te­ner Ver­an­stal­tungs­ort, knapp 100 Demons­tran­ten: So lässt sich der Sams­tag zusam­men­fas­sen, an dem die AfD zu ihrem Som­mer­fest am Ufer der Bever gela­den hat­te. Es war kein Zufall, dass die Par­tei den Ort erst in aller­letz­ter Minu­te bekannt­gab – sie wuss­te, dass es zu Pro­tes­ten kom­men wür­de. Genau so kam es dann auch, auch wenn die Poli­zei mit einer abge­rie­gel­ten Zufahrt­stras­se dafür sorg­te,  dass die Demons­tran­ten die Gäs­te nicht wie geplant direkt mit lau­ten Sprech­chö­ren emp­fan­gen konn­ten.

Die Demons­tran­ten kamen nicht nur aus Hückes­wa­gen selbst, son­dern aus dem gesam­ten Ober­ber­gi­schen Kreis – aus Ober­berg, Wer­mels­kir­chen, Wip­per­fürth und Rade­vorm­wald, dazu Bünd­nis­se wie „Ober­berg ist bunt“. Auch Men­schen aus Wer­mels­kir­chen waren anwe­send, dar­un­ter Mit­glie­der eini­ger der dor­ti­gen poli­ti­schen Par­tei­en und des Bünd­nis­ses „Wer­mels­kir­chen gegen Rechts“ – ein wei­te­rer Beleg dafür, dass die Aus­ein­an­der­set­zung mit der AfD nicht mehr nur eine Ange­le­gen­heit von Hückes­wa­gen ist, son­dern die gesam­te Regi­on betrifft.

Die Orga­ni­sa­to­rin der Demons­tra­ti­on, die anonym blei­ben woll­te und aus Angst vor Repres­sa­li­en dar­um bat, nur als Lena H. bezeich­net zu wer­den, fass­te das Pro­blem zusam­men: Die AfD ver­tre­te „rech­te, ras­sis­ti­sche und anti­de­mo­kra­ti­sche Ideen“ und sei „zuneh­mend mit der extre­men Rech­ten ver­floch­ten“ – selbst im „beschau­li­chen“ Ber­gi­schen Land.  Ande­re Teil­neh­mer zog eine Par­al­le­le zum Län­dern, wo sich der­zeit zeigt, was pas­siert, wenn Men­schen­rech­te und grund­le­gen­de demo­kra­ti­sche Wer­te ver­lo­ren gehen.

Mar­kus Liet­za, Vor­sit­zen­der der AfD in Hückes­wa­gen und Orga­ni­sa­tor des Som­mer­fes­tes, wies die Vor­wür­fe zurück: Der Begriff „Nazi“ wer­de über­stra­pa­ziert, sag­te er, und die Gleich­set­zung der Par­tei mit dem his­to­ri­schen NS-Regime ver­harm­lo­se des­sen Ter­ror und wer­de den Opfern nicht gerecht. Er bezeich­ne­te Ras­sis­mus­vor­wür­fe als „absurd“, da vie­le Par­tei­mit­glie­der einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund hät­ten – sei­ne eige­ne Mut­ter stam­me aus Ita­li­en und sein Vater aus Polen. Laut Liet­za brin­gen radi­ka­le Mit­glie­der die Par­tei in Ver­ruf; die Par­tei distan­zie­re sich von ihnen und gehe not­falls sogar so weit, sie aus­zu­schlie­ßen.

Die Kund­ge­bung ver­lief über­wie­gend fried­lich. Kurz­zei­tig kam es zu Unru­he, als eine Grup­pe die Absper­rung unter dem Vor­wand einer Pin­kel­pau­se umging und sich in unmit­tel­ba­rer Nähe zum Som­mer­fest posi­tio­nier­te – mit Rufen wie „Nazi­schwei­ne raus”.

Was bedeu­tet das für Wer­mels­kir­chen und das Ber­gi­sche?

Ein Som­mer­fest an einem Stau­see mag auf den ers­ten Blick harm­los erschei­nen. Ent­schei­dend ist jedoch, was Lena H. als Kern des Pro­blems beschrie­ben hat: die zuneh­men­de Ver­net­zung der AfD über Kreis­gren­zen hin­weg – und genau das ist die eigent­li­che Bot­schaft für uns in Wer­mels­kir­chen. Wer glaubt, das The­ma blei­be an der Bever oder im Ober­ber­gi­schen ste­hen, unter­schätzt, wie sol­che Struk­tu­ren arbei­ten: Sie suchen gezielt Anschluss an Orts­ver­bän­de, Ver­ei­ne und loka­le Milieus – auch bei uns.

Für Wer­mels­kir­chen bedeu­tet dies kon­kret: Es lohnt sich, genau hin­zu­se­hen, wo die AfD in den kom­men­den Mona­ten ver­sucht, vor Ort Fuß zu fas­sen – sei es durch Auf­trit­te bei Ver­eins­fes­ten oder durch geziel­te Annä­he­rungs­ver­su­che an Kul­tur­ver­ei­ne und ehren­amt­li­che Orga­ni­sa­tio­nen. Die Posi­tio­nen der Par­tei zu Migra­ti­on, Inklu­si­on und der Fra­ge, wer als „för­de­rungs­wür­dig“ gilt – wie bun­des­weit doku­men­tiert –, sind bekannt und kei­nes­wegs neben­säch­lich für eine Stadt wie Wer­mels­kir­chen, die auf Viel­falt, gut funk­tio­nie­ren­de Schu­len und ein leben­di­ges Gemein­schafts­le­ben setzt. Genau des­halb ist die Prä­senz von Wer­mels­kir­che­ner Bür­gern und des Bünd­nis­ses „Wer­mels­kir­chen gegen Rechts“ bei der Gegen­de­mons­tra­ti­on nicht nur ein sym­bo­li­scher Aus­flug ins Nach­bar­dorf, son­dern ein logi­scher Schritt: Wer die­ser schlei­chen­den Nor­ma­li­sie­rung ent­ge­gen­wir­ken will, muss dort hin­schau­en, wo sie tat­säch­lich statt­fin­det – auch über die eige­nen Stadt­gren­zen hin­aus.


Hin­weis: Die­ser Bei­trag beruht auf dem WDR-Bericht „Unru­hi­ger Sams­tag in Hückes­wa­gen: Pro­test gegen AfD-Som­mer­fest” (29.08.2026) sowie auf der Teil­nah­me von Wer­mels­kir­che­ner Bünd­nis­mit­glie­dern. Der Ein­ord­nungs­teil gibt die poli­ti­sche Ein­schät­zung des Autors wie­der

Bild: Pri­vat, Wer­melsk­ri­chen gegen Rechts

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Kommentare

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Ein Kommentar zu „AfD-Sommerfest an der Bever – Gegenwind auch aus Wermelskirchen“

  1. Avatar von A. Borchert
    A. Borchert

    Guten Tag,

    lei­der wur­de dies vom WDR auch falsch berich­tet. Da ich ges­tern selbst anwe­send war, kann ich bestä­ti­gen, dass kei­ner der Demons­tran­ten irgend­wel­che Absper­run­gen durch­bro­chen hat.
    Eine Anwoh­ne­rin von dort, hat die Demonstranten*innen ein­ge­la­den, bei ihr auf die Toi­let­te zu gehen.
    Dies wur­de dan­kend ange­nom­men. Hier­bei muss­te man über eine Wei­de zu deren Wohn­haus gehen.
    Scha­de, dass immer eine angebliche“Gewaltbereitschaft” von den Demonstranten*innen von den Medi­en falsch dar­ge­stellt wird. Die Demons­tra­ti­on war sehr fried­lich bei allen Betei­lig­ten!

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