Nachruf auf Michael Dierks

Lie­ber Micha­el,

ein paar Zei­len an dich. Viel­leicht siehst oder hörst du uns zu. Wer weiß.

Ich wer­kel in der Küche so vor mich hin. Aus mei­ner Spo­ti­fy-Lis­te habe ich mir die Musik der Was­ser­fuhr-Brü­der aus­ge­sucht. Schö­ner, leich­ter Jazz als Hin­ter­grund. Und dann fällt mein Blick auf den Kühl­schrank an dem ganz vie­le Kar­ten, Zet­tel, Bil­der und Urlaubs­ma­gne­te ange­bracht sind. Und von einer die­ser Kar­ten lachst du mich an. Dort hängt seit dei­nem Tod die Dank­sa­gungs-Kar­te dei­ner Fami­lie. „Scha­de, dass ich nicht dabei sein kann“ steht da drauf. So woll­test du es haben. Schö­ner, schrä­ger Humor den ich ver­mis­se. Und wäh­rend ich dein Bild betrach­te schlägt die Musik um. Gera­de noch als schön und ange­nehm emp­fun­den zieht sie mich nun run­ter und macht mich trau­rig. Wie oft haben wir in den letz­ten Mona­ten vor dei­nem Tod in die­ser besag­ten Küche gestan­den und gere­det? Nicht nur gequatscht, nicht nur Small Talk, son­dern rich­tig gere­det. Mensch, Micha­el, das fehlt mir.

Ja, dein „Baby“ gibt es auch noch. Das Haus Eif­gen. Ja, es funk­tio­niert mit vie­len Ver­an­stal­tun­gen und vie­le Ehren­amt­li­che küm­mern sich. Coro­na hat bis heu­te Spu­ren hin­ter­las­sen und vie­les ver­än­dert. Ja, es geht wei­ter aber ohne dich ist es anders gewor­den. Erin­nerst du dich wie ich dir mit­ten in der Nacht eine Mail geschickt habe? „Hi, Micha­el, da gibt es die „Dawn Brot­hers“, eine Band aus Hol­land, musst mal rein hören.“

Die Ant­wort kam am nächs­ten Tag: „Alles klar. Tol­le Musik. Hab ich enga­giert.“ Du hat­test dich wie­der geküm­mert – wie so oft, weil es dir wich­tig war. Ver­eins­grün­dung, Genos­sen­schafts­grün­dung und die per­ma­nen­te Suche nach För­der­mit­teln. Arbeit ohne Ende und dan­ke dafür. Ich weiß du wür­dest es nicht hören wol­len aber ohne dich wür­de es das Haus Eif­gen in die­ser Form nicht geben.

2007 haben wir uns ken­nen­ge­lernt als du die „Blues Ses­si­on“ im Bis­tro der Katt ins Leben geru­fen hast. Ein monat­li­ches High­light mit unver­gess­li­chen Aben­den. Aus die­ser Zeit gibt es noch auf You­Tube unse­ren „don’t wan­na go home boo­gie“ mit vier Hän­den und viel Spaß gespielt. Eine herr­li­che Zeit. Doch nicht nur die Musik hat uns ver­bun­den. Es pass­te ein­fach. Viel­leicht nennt man das „Brü­der im Geis­te“.

Ach, Mist. Was woll­ten wir noch alles tun? Wir woll­ten doch noch eine Enten-Tour durchs Ber­gi­sche machen, woll­ten zum Texel-Blues-Fes­ti­val, woll­ten in dei­nem Stu­dio neue Lie­der auf­neh­men, woll­ten neue Musik­for­ma­te für das Haus Eif­gen pla­nen und pro­bie­ren und wir woll­ten doch noch …..

Scha­de, vor­bei.

Gut, dass ich dich am Ende dei­nes Lebens noch beglei­ten und besu­chen konn­te. Und über den Tod hin­aus haben wir uns, das darfst du nicht ver­ges­sen, wo auch immer das sein mag, zum Boo­gie Woo­gie ver­ab­re­det. Ob das klappt weiß ich nicht aber die Vor­stel­lung gefällt mir gut.

Micha­el Dierks (28.02.1951 – 07.08.2025)

Fotos: pri­vat Wal­ter Schu­bert / Bei­trags­bild: Micha­el und Wal­ter Schu­bert am Pia­no (Wal­ter Schu­bert noch mit Zopf) = 2023 bei Wal­ters 70.Geburtstag im Bis­tro der Katt

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Kommentare

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2 Kommentare zu „Nachruf auf Michael Dierks“

  1. Avatar von Pils
    Pils

    Dan­ke Wal­ter sehr schön geschrie­ben.
    Micha­el hat­te die Gabe eine Visi­on “Haus Eif­gen” umzusetzen.Menschen dafür zu begeis­tern und hat ihnen den nöti­gen Frei­raum gege­ben sich zu entfalten.Mit Lei­den­schaft, Hin­ga­be und Glau­ben an das Pro­jekt ist es zu einem wun­der­ba­ren Ort geworden,wo sich Musi­ker ent­fal­len kön­nen.

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  2. Avatar von Wolfgang Schindler
    Wolfgang Schindler

    Schön Wal­ter das Du an Micha­el, ein Jahr nach sei­nem Tod, erin­nerst.
    Wir alle haben unse­re per­sön­li­chen und sehr unter­schied­li­chen Gedan­ken an ihn. Bei mir ist es natür­lich auch die Musik der Blues, den er in das Katt Bis­tro gepflanzt hat­te.
    Mit dem Haus Eif­gen wur­de alles noch ein­mal eine Num­mer grö­ßer.
    Am Anfang war es für mich kaum vor­stell­bar, wie die Ideen von Micha­el dort umsetz­bar sein soll­ten.
    Er, und die vie­len Mit­strei­ter haben es aber mit ihm geschafft, das “Eif­gen” in der Kul­tur- und Musik­sze­ne zu eta­blie­ren.
    Inter­es­sant ist, dass genau ges­tern sei­ne gelieb­te alte Ham­mond Orgel in gute Musi­ker­hän­de wei­ter gege­ben wur­de.
    Viel­leicht ein Zei­chen, dass Micha­el auch an die­ser Stel­le wei­ter­lebt und uns an sein Schaf­fen erin­nert.

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