Buchempfehlung “Yesteryear!”

Das Forum Wer­mels­kir­chen ver­öf­fent­licht regel­mä­ßig Buch­emp­feh­lun­gen für sei­ne Lese­rin­nen und Leser. Denn – Das gan­ze Jahr über ist Lese­zeit! Schon Goe­the wuss­te: “Wer Bücher liest, schaut in die Welt und nicht nur bis zum Zau­ne!”

Unser Buch­tipp erreicht uns regel­mä­ßig von jeweils einer der Buch­hand­lun­gen der Stadt. Heu­te erreich­te uns der Buch­tipp zum glei­chen Buch zuerst von Andrea Swi­ta­la von der Buch­hand­lung van Wah­den und kur­ze Zeit spä­ter von Ulri­ke Schnüt­gen von der Buch­hand­lung Mara­bu.

“Yes­teryear” von Caro Clai­re Bur­ke
ISBN: 9783453275355
Erschie­nen 04.2026 im Hey­ne Ver­lag
Gebun­den 24,00€

Die Rezen­si­on von Andrea Swi­ta­la:

Nata­lie Hel­ler Mills hat es geschafft. Als ein­fluss­rei­che Influen­ce­rin berich­tet sie unzäh­li­gen Follower:innen im Inter­net aus ihrem Leben als „Trad­wi­fe“ (obwohl sie es sel­ber nie so nen­nen wür­de…). Ver­hei­ra­tet mit dem jüngs­ten Sohn eines hoch­ran­gi­gen Poli­ti­kers, lebt sie auf einer Farm und steht vor der Geburt ihres sechs­ten Kin­des. Gesun­de Ernäh­rung, eige­ne Hüh­ner, gutes Aus­se­hen, unzäh­li­ge bewun­dern­de Stim­men im Netz und ein ansehn­li­ches Ein­kom­men aus ihren Inter­net­auf­trit­ten, da scheint es nur natür­lich zu sein, dass sich auch Stim­men des Neids mel­den – die „wüten­den Wei­ber“, wie Nata­lie sie nennt.

Doch dann wacht sie eines mor­gens auf und alles ist anders. Statt Vor­zei­ge-Farm und makel­los geklei­de­ter Kin­der ist sie in einem Haus, wel­ches ihrem ähnelt, aber ohne Strom und jeg­li­ches Anzei­chen von Moder­ni­tät und Kom­fort ist. Fast als hät­te sie eine Zeit­rei­se zwei­hun­dert Jah­re in die Ver­gan­gen­heit gemacht…

Nata­lie gerät in Panik.

Mich hat die­ser Roman sehr gefes­selt.

Nata­lie ist eine sehr pola­ri­sie­ren­de Haupt­fi­gur. Sie wächst in einer ame­ri­ka­ni­schen Klein­stadt mit einer Schwes­ter bei ihrer Mut­ter in sehr reli­gi­ös gepräg­tem Umfeld auf. Mit eiser­nem Wil­len nutzt sie jede Chan­ce um ihrem Umfeld zu bewei­sen, dass sie ein „bes­se­res“ Leben führt. Nur wir Leser:innen sehen, was wirk­lich hin­ter der Fas­sa­de vor sich geht.

Unter­halt­sam, bit­ter­bö­se und auf jeden Fall lesens­wert!


Die Rezen­si­on von Ulri­ke Schnüt­gen:

Der Roman YESTERYEAR von Caro Clai­re Bur­ke han­delt von Nata­lie Hel­ler Mills, die mit ihrem Mann und ihren fünf Kin­dern in einer Welt lebt, die nach außen hin makel­los erscheint. Ihr All­tag ist geprägt von tra­di­tio­nel­len, kon­ser­va­ti­ven Wer­ten, von Ord­nung, Glau­ben und kla­ren Rol­len­bil­dern.
In den sozia­len Medi­en insze­niert sie ihr Fami­li­en­le­ben mit Hin­ga­be und Per­fek­ti­on. Sie zeigt genau das, was alle sehen wol­len: Har­mo­nie, Dis­zi­plin, Lie­be, Erfolg, eine schö­ne, hei­le Welt. Ihr Leben wirkt per­fekt, solan­ge man nicht hin­ter die Kulis­sen blickt.
Doch Per­fek­ti­on ist zer­brech­lich. Ihre Fol­lower schwan­ken zwi­schen Fas­zi­na­ti­on und Abscheu.

Sie fei­ern ihre Dis­zi­plin und zer­rei­ßen sich im nächs­ten Moment das Maul über ihre Uner­bitt­lich­keit. Hin­ter der makel­los insze­nier­ten Fas­sa­de steht ihr Ehe­mann Caleb: attrak­tiv, mit­rei­ßend, aber längst abge­drif­tet in sei­ne eige­ne Rea­li­tät. Getrie­ben von wir­ren Theo­rien und düs­te­ren Visio­nen ver­liert er sich in digi­ta­len Schat­ten­wel­ten. Wäh­rend Nata­lie um Auf­merk­sam­keit, Reich­wei­te und das per­fek­te Bild ringt, taucht Caleb Nacht für Nacht in obsku­re Foren ein, ver­folgt kryp­ti­sche Dis­kus­sio­nen und spinnt sich sei­ne ganz eige­ne Welt zurecht.

Dann kommt die­ser Mor­gen.

Als Nata­lie auf­wacht, ist nichts mehr, wie es war. Ihr Zuhau­se fühlt sich fremd an. Ihre Kin­der sind anders. Die Welt drau­ßen hat sich ver­än­dert, oder ist sie es, die sich ver­än­dert hat? Wo bin ich? Wie bin ich hier­her­ge­kom­men? Und vor allem: In wel­cher Zeit lebe ich? Fra­gen über Fra­gen. Und jede Ant­wort scheint gefähr­li­cher zu sein als die letz­te.

Der Roman zeich­net das Por­trät einer Influen­ce­rin, deren schein­bar per­fek­tes Fami­li­en­le­ben auf brü­chi­gem Fun­da­ment steht. Die Geschich­te rund um Nata­lie Hel­ler Mills ist ein packen­des Psy­cho­dra­ma über Schein und Sein, über digi­ta­le Selbst­dar­stel­lung und die Abgrün­de hin­ter per­fekt gefil­ter­ten Bil­dern. Der eigent­li­che Wen­de­punkt ist Nata­lies Erwa­chen in einer völ­lig ver­än­der­ten Rea­li­tät. Und es stellt sich die Fra­ge: Was bleibt von einem Men­schen übrig, wenn die ver­trau­te Welt zer­bricht? Die Geschich­te über­zeugt vor allem durch ihre beklem­men­de Atmo­sphä­re und ihre gesell­schaft­li­che Rele­vanz. Wie viel Social Media ver­tra­gen wir?

Ein inten­si­ver Roman über Per­fek­ti­on, Kon­trol­le und die Angst vor dem Kon­troll­ver­lust – abso­lut lesens­wert.

Bil­der: Marie-Loui­se Lich­ten­berg / Buch­hand­lung Mara­bu / Buch­hand­lung van Wah­den

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