Das Forum Wermelskirchen veröffentlicht regelmäßig Buchempfehlungen für seine Leserinnen und Leser. Denn – Das ganze Jahr über ist Lesezeit! Schon Goethe wusste: “Wer Bücher liest, schaut in die Welt und nicht nur bis zum Zaune!”
Buchempfehlung von Ulrike Schnütgen aus der Buchhandlung Marabu.

“Die Briefträgerin” von Francesca Giannone
ISBN: 9783442776153
Erschienen 04.2026 im Verlag btb Taschenbuch
Paperback 18,00€
“Die Briefträgerin” von Francesca Giannone gelesen und für Sie vorgestellt von Ulrike Schnütgen
In einem kleinen Dorf in Apulien, im Jahr 1934, beginnt die Geschichte von Anna und Carlo. Frisch vermählt kehren sie in Carlos Heimatort Lizzanello zurück. Während Carlo in der Rolle des Familienoberhaupts aufgeht, erlebt Anna das Dorfleben als eng und von starren Konventionen bestimmt. Die Dorfgemeinschaft erwartet von ihr Anpassung, Bescheidenheit und Pflichterfüllung. Doch Anna ist stur, eigenwillig und spürt früh, dass sie sich nicht vollständig in die vorgezeichnete Rolle fügen will.
Um sich einen eigenen Platz zu schaffen, beginnt sie als Briefträgerin zu arbeiten. Mit dem Fahrrad verteilt sie Postkarten von der Front, Nachrichten von Auswanderern und heimliche Liebesbriefe. Durch die Worte der anderen wird sie zur stillen Zeugin von Sehnsüchten, Hoffnungen, Intrigen und zerbrechlicher Liebe. Sie liest zwischen den Zeilen, erkennt verschmähte Liebe ebenso wie verbotene Leidenschaften und gerät selbst in ein Geflecht aus Gefühlen, das sie nicht mehr ignorieren kann. Denn während sie die Liebesbotschaften anderer überbringt, erwachen in ihr eigene, lange unterdrückte Emotionen. Besonders die Nähe zu Antonio, dem Bruder ihres Mannes, bringt ihr Herz in Aufruhr. Zwischen Pflichtgefühl und Begehren entsteht eine leise, aber intensive, verschmähte Liebe, die nicht gelebt werden darf. Anna ringt mit sich, hin- und hergerissen zwischen Loyalität gegenüber Carlo und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben. Gleichzeitig wird deutlich, dass Carlos Familie ein Geheimnis hat, das tief in die Vergangenheit reicht und das Machtgefüge innerhalb der Familie bestimmt. Alte Verletzungen und unausgesprochene Wahrheiten nähren Intrigen, die nicht nur Annas Ehe, sondern auch ihren Ruf im Dorf bedrohen. Je mehr Anna über die Briefe und Gespräche erfährt, desto klarer wird ihr, dass hinter der Fassade von Anstand und Tradition Abhängigkeiten und Schuld verborgen liegen.
Im Spannungsfeld zwischen Liebe und gesellschaftlichem Zwang, zwischen Intrigen und familiärer Loyalität, muss Anna entscheiden, ob sie sich dem Schicksal beugt oder ihren eigenen Weg geht. Ihre Geschichte ist die einer Frau, die in einer engen Welt um Selbstbestimmung kämpft und erkennt, dass Liebe ebenso befreiend wie zerstörerisch sein kann.

Bilder: Marie-Louise Lichtenberg / Buchhandlung Marabu


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