Lions feiern 60 Jahre Freundschaft!

Das war wie­der einer die­ser Gän­se­haut-Momen­te: Als wir am Sams­tag­abend vor Pfings­ten in Arras zu Beginn unse­rer Jubi­lä­ums­fei­er gemein­sam mit unse­ren fran­zö­si­schen Freun­den – musi­ka­lisch beglei­tet – die Euro­pa­hym­ne san­gen. „Freu­de, schö­ner Göt­ter­fun­ken …“ Erst die Deut­schen, dann die Fran­zo­sen, jeweils in ihrer eige­nen Spra­che. Spä­tes­tens da war sie spür­bar, die­se beson­de­re Stim­mung, die ent­steht, wenn aus poli­ti­schen Schlag­wor­ten ech­te Begeg­nun­gen wer­den.

Wenn Wer­mels­kir­chene­rin­nen und Wer­mels­kir­che­ner ihre Part­ner­stadt Loches besu­chen, gehö­ren Grup­pen­fo­tos und freund­li­che Berich­te in der Lokal­pres­se selbst­ver­ständ­lich dazu. Und das ist auch gut so. Weni­ger bekannt ist aller­dings, dass es noch eine ande­re, min­des­tens eben­so leben­di­ge deutsch-fran­zö­si­sche Ver­bin­dung gibt: Der Lions Club Wer­mels­kir­chen-Wip­per­fürth pflegt seit inzwi­schen genau 60 Jah­ren eine Freund­schaft mit dem Lions Club Arras Artois in der nord­fran­zö­si­schen Stadt Arras.

Ein run­der Geburts­tag also, der gefei­ert wer­den muss­te. Und auch weil die per­sön­li­chen Tref­fen so wert­voll sind, mach­ten sich zahl­rei­che Lions aus Wer­mels­kir­chen, Hückes­wa­gen, Rade­vorm­wald und Wip­per­fürth auf den rund 400 Kilo­me­ter lan­gen Weg nach Nord­frank­reich. 60 wird man schließ­lich nicht alle Tage.

Man muss sich das klar­ma­chen: Als die bei­den Clubs ihre soge­nann­te Jume­la­ge – die offi­zi­el­le Part­ner­schaft – ins Leben rie­fen, war der Zwei­te Welt­krieg gera­de ein­mal 21 Jah­re vor­bei. Deut­sche und Fran­zo­sen als enge Freun­de? Das war damals alles ande­re als selbst­ver­ständ­lich. Genau dar­um ging es aber. Men­schen soll­ten sich ken­nen­ler­nen, Vor­ur­tei­le abbau­en und Freund­schaf­ten schlie­ßen. Nicht auf Regie­rungs­ebe­ne, son­dern ein­mal ganz pri­vat.

Seit­dem gab es unzäh­li­ge Besu­che in bei­de Rich­tun­gen. Club-Prä­si­den­tin­nen und Prä­si­den­ten reis­ten zu den tra­di­tio­nel­len Neu­jahrs­tref­fen, Dele­ga­tio­nen über­brach­ten Grü­ße, berich­te­ten von ihren Akti­vi­tä­ten und lern­ten sich immer bes­ser ken­nen. Nicht nur als Club­mit­glie­der, son­dern auch als Fami­li­en, Nach­barn und Freun­de. Man sprach über Beru­fe, Tra­di­tio­nen, Eigen­hei­ten und die klei­nen Beson­der­hei­ten der jewei­li­gen Hei­mat­re­gio­nen.
Natür­lich gab es dabei hin und wie­der sprach­li­che Hür­den. Doch wie so oft in Euro­pa zeig­te sich, dass ein herz­li­ches Lachen und ein gemein­sa­mes Glas Wein erstaun­lich gute Über­set­zungs­hil­fen sind. Man­che diplo­ma­ti­sche Ver­hand­lung dürf­te kom­pli­zier­ter ver­lau­fen sein.

So war es auch dies­mal wie­der ein beson­de­rer Moment, als wir gemein­sam die Euro­pa­hym­ne anstimm­ten. In unse­ren Anspra­chen bekann­ten wir uns aus­drück­lich zu Euro­pa. Nicht als abs­trak­te Idee, son­dern als etwas, das wir selbst erle­ben. Wir waren gekom­men, um zu fei­ern – und um dar­an zu erin­nern, dass wir seit sechs Jahr­zehn­ten nicht nur neben­ein­an­der, son­dern mit­ein­an­der unter­wegs sind. Ver­bun­den durch den Gedan­ken von „We Ser­ve“, den Dienst an der Gesell­schaft, und durch die Über­zeu­gung, dass Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de kein Wider­spruch sind, son­dern eine Berei­che­rung.

Ganz neben­bei konn­ten wir deut­schen Gäs­te an die­sem Abend auch auf einen wei­te­ren Geburts­tag ansto­ßen: den 77. Jah­res­tag unse­res Grund­ge­set­zes. Mit dem nöti­gen Geschichts­be­wusst­sein erin­ner­ten wir dar­an, dass es mit den Wor­ten beginnt:

„Die Wür­de des Men­schen ist unan­tast­bar.“

Dafür gab es viel Applaus von unse­ren fran­zö­si­schen Freun­den. Und anschlie­ßend wur­de das getan, was die Fran­zo­sen min­des­tens genau­so gut kön­nen wie wir Deut­schen – viel­leicht sogar ein klei­nes biss­chen bes­ser: Es wur­de geges­sen, gesun­gen, gelacht und getanzt.

Wer an die­sem Abend in Arras dabei war, brauch­te kei­ne Sonn­tags­re­de über Euro­pa. Ein Blick in den Saal genüg­te.

Euro­pa kann manch­mal erstaun­lich ein­fach sein. Und genau des­halb ist es so wert­voll.

Fotos: Lothar Dähn

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