Preisträger des Astrid Lindgren Memorial Award 2026 und Buchvorstellung von Marie-Louise Lichtenberg

Jon Klas­sen ist der Gewin­ner des Astrid Lind­gren Memo­ri­al Award 2026 und wird damit für sein Lebens­werk aus­ge­zeich­net. Der Preis wird jedes Jahr vom Swe­dish Arts Coun­cil ver­lie­hen und wür­digt eine Per­son oder Orga­ni­sa­ti­on für ihren her­aus­ra­gen­den Bei­trag zur Kin­der- und Jugend­li­te­ra­tur. Der Preis unter­streicht die gro­ße Bedeu­tung des Lesens für Kin­der und Jugend­li­che.

Die Jury begrün­det ihre Ent­schei­dung u.a.:

„Durch sei­ne sub­ti­le und bild­haf­te Erzähl­kunst in Wort und Bild eröff­net Jon Klas­sen neue Per­spek­ti­ven auf unse­ren Platz im Uni­ver­sum. (…) Jon Klassen‘s bril­li­an­te Geschich­ten zeich­nen mühe­lo­se Ele­ganz und viel­schich­ti­ge Tie­fe aus, in der der Leser zum Mit­ge­stal­ter wird.“

Exem­pla­risch stel­le ich nun Jon Klassen‘s her­aus­ra­gen­de Bil­der­bü­cher vor, die mit dem Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis aus­ge­zeich­net wur­den. Sie stär­ken die lite­ra­tur­äs­the­ti­sche Bil­dung von Kin­dern und sind sehr emp­feh­lens­wert.



Jon Klas­sen
Wo ist mein Hut
Aus dem Eng­li­schen von Tho­mas Bod­mer
Nord­Süd Ver­lag
Erst­auf­la­ge 2012 / 7. Auf­la­ge 2022
Ab 4
18,00 €

Wo ist mein Hut gewann den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis 2013 in der Spar­te Bil­der­buch und wur­de in mehr als 30 Spra­chen über­setzt. Die Kri­ti­ker­ju­ry begrün­de­te ihre Ent­schei­dung so: „Der Bär hat sei­nen Hut ver­lo­ren, und fragt nun ein Tier nach dem ande­ren: „Hast Du mei­nen Hut gese­hen?“ Die Ant­wor­ten fal­len recht unter­schied­lich aus, doch weit und breit kein Hut in Sicht! Dabei hät­te der Bär doch mer­ken müs­sen, dass das Kanin­chen ihn auf dem Kopf hat.

Wie auf der Spiel­leis­te eines Hand­pup­pen­thea­ters agie­ren auf den Buch­sei­ten maxi­mal zwei Figu­ren. Und die Betrach­ter über­bli­cken das Gesche­hen bis­wei­len bes­ser als die Haupt­fi­gur dies offen­bar tut. Schließ­lich erweist sich der Bär als weit­aus weni­ger harm­los, als es zunächst schien – so wie der tra­di­tio­nel­le Jahr­markts­kas­perl hat er durch­aus auch eine abgrün­di­ge Sei­te. Am Ende sitzt zwar der Hut auf dem rich­ti­gen Kopf, aber wo ist eigent­lich das Kanin­chen geblie­ben?

Mit Tin­te zeich­net Jon Klas­sen zunächst die Umris­se der Figu­ren auf chi­ne­si­sches Papier, um am Com­pu­ter alles zusam­men­zu­fü­gen, und Far­ben sowie ande­re Details zu ergän­zen. Die Typo­gra­fie ist nicht nur ein Augen­schmaus, son­dern zugleich auch seman­tisch auf­ge­la­den.“


Mac Bar­nett (Text)
Jon Klas­sen (Illus­tra­ti­on)
Drei­eck Qua­drat Kreis
Drei Bücher im Schu­ber
Aus dem Eng­li­schen von Tho­mas Bod­mer
Nord­Süd Ver­lag
Erst­auf­la­ge 2020 / 2. Auf­la­ge 2021
Ab 5
45,00 €

Das 2. Werk von Jon Klas­sen, das mich nach anfäng­li­chen Zwei­feln gefes­selt hat, heißt Drei­eck Qua­drat Kreis. Kin­der wer­den spie­le­risch an geo­me­tri­sche For­men her­an­ge­führt und erle­ben die Geschich­ten der drei Freun­de als span­nend und leben­dig. 2020 erhielt das Werk den Deut­schen Jugend­li­te­ra­tur­preis in der Spar­te Bil­der­buch.

Jury­be­grün­dung:

„Drei For­men, drei Bücher – eine eige­ne Welt. Das Team Mac Bar­nett und Jon Klas­sen zeigt, wie sich mit schein­bar ein­fachs­ten gestal­te­ri­schen Mit­teln genia­le Geschich­ten für jün­ge­re Kin­der ent­wi­ckeln las­sen. Jedes der drei Bil­der­bü­cher der zusam­men­hän­gen­den und doch auch ein­zeln zu lesen­den Tri­lo­gie stellt eine der drei Figu­ren Qua­drat, Drei­eck oder Kreis in den Mit­tel­punkt und erzählt sehr indi­vi­du­ell Geschich­ten von Wert­schät­zung, Strei­chen oder Geheim­nis­sen. Jede der drei Figu­ren hat dabei einen ganz eige­nen Cha­rak­ter, der sich kon­se­quent durch alle drei Bän­de zieht.

Wo anfan­gen? Wo auf­hö­ren? Wer die Bücher genau liest, weiß, dass es kei­ne kla­re Rei­hen­fol­ge gibt. Jedes Buch scheint die Vor­ge­schich­te des ande­ren zu sein, und so bil­den erst alle Bän­de gemein­sam ein grö­ße­res, in sich ver­floch­te­nes Gan­zes.

Die Illus­tra­tio­nen von Jon Klas­sen üben, wie schon in ande­ren Büchern zuvor, ihren ganz beson­de­ren Zau­ber aus. Hier über­zeu­gen dar­über hin­aus die erzäh­le­ri­sche Ver­we­bung und der alters­über­grei­fen­de augen­zwin­kern­de Humor. Außer­dem begeis­tert das krea­ti­ve Poten­zi­al der Bücher, denn auf­grund ihrer schein­ba­ren Ein­fach­heit las­sen sich Kin­der gut dazu anre­gen, die Geschich­ten wei­ter­zu­spin­nen oder die Prot­ago­nis­ten in eige­ne Aben­teu­er zu ver­wi­ckeln. Idee, Geschich­te, Gra­fik und seri­el­les Kon­zept – hier stimmt ein­fach alles.“

Bil­der: Marie-Loui­se Lich­ten­berg / Nord­Süd Ver­lag

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