„Die Grünen Damen sind zurück!“ Diese Überschrift, diese Meldung ist – streng genommen – nicht ganz korrekt, denn eigentlich waren die im Wermelskirchener Krankenhaus seit vielen Jahren engagierten ehrenamtlich tätigen Damen mit den grünen Kitteln nie ganz weg. Aber während oder nach Corona gab es auch im Wermelskirchener Krankenhaus einen tiefen Einschnitt bei den Ehrenamtlern. Nur die ehemalige Leiterin Christel Krauße war mit Kollegin Christel Behling als Team übrig geblieben und sind mittlerweile aus Altersgründen ausgeschieden.
Nun gibt es den Neuanfang mit einem kompletten „Generationenwechsel“. Um die neue Leiterin, Annette Hager, hat sich seit Anfang 2025 ein Team von mittlerweile neun „Kolleginnen“ formiert, die die Tradition am Wermelskirchener Krankenhaus mit großem Engagement fortsetzen wollen. Vor wenigen Monaten gab es dazu noch einen richtigen Motivationsschub. Die Grünen Damen waren auf Anhieb unter den drei Gewinnern des Wermelskirchener Heimatpreises gelandet. Laudator Michael Faubel stellte bei der Preisverleihung besonders die „gelebte Mitmenschlichkeit und Fürsorge“ der Grünen Damen heraus.
„Wir hoffen, dass sich unser Team noch vergrößert und es wäre sehr schön, wenn sich neben den Damen künftig auch „ Grüne Herren“ zum Team gesellen würden“, wünscht sich Annette Hager, die in diesem Ehrenamt Bedarf an männlichen Kollegen sieht. Die Aufgaben der Grünen Damen und Herren hätten sich nämlich grundlegend gewandelt. „Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt heute eher in der Seelsorge als in Besorgungen. In einer Zeit zunehmender Vereinsamung, in einer Zeit, wo es kaum noch oder gar keine Angehörigen mehr gibt, werden Gespräche, die empathische Zuwendung oder einfach nur das Zuhören immer wichtiger. Und für einen selbst bringt das unvergleichliche, positive Eindrücke mit sich. Es ist beeindruckend und erfüllend, wieviel Dankbarkeit wir für unsere Arbeit zurück bekommen“.
Annette Hager ist sich sicher, dass richtige Ehrenamt nach dem Erreichen ihres beruflichen Ruhestands gewählt zu haben als sie beschloss, einen Teil ihrer Freizeit im Wermelskirchener Krankenhaus zu spenden. Zur Bestätigung erzählt sie von einem für sie bewegenden Erlebnis. Sie liest das Buch von Susanne Abel mit dem Titel „Du musst meine Hand fester halten Nummer 104“. Da geht es um einen Jungen, der in den Kriegswirren von seinen Eltern getrennt wird und diese nie wiedersieht. Er kommt von Heim zu Heim und lernt im Laufe seines Lebens nie Lesen und Schreiben, auch nicht als verheirateter Ehemann. Mit dem Tod der Ehefrau, die sich um alles gekümmert hat, bricht das normale Leben in sich zusammen. „Es ist nicht zu glauben, aber genau diese Geschichte ist mir im Rahmen meiner Tätigkeit so begegnet“.
Für die neuen Anforderungen werden die Grünen Damen oder Herren mit einer dreitägigen Basisqualifikation oder weitergehenden Leiter-Ausbildungen vorbereitet. Neue Kolleginnen und Kollegen müssen dabei keine Angst vor ihrer neuen Aufgabe haben, denn Hospitationen vor Ort ergänzen das Gelernte in der täglichen Arbeit. Das geschieht unter dem Dachverband der Evangelischen Kirchen- und Alten-Hilfe e.V.
Im Wermelskirchener Krankenhaus koordinieren die Damen ihre Einsätze komplett selbst und tragen ihre Termine in einen offenen Kalender ein, so wie sich die Zeit einteilen kann. Schon jetzt könne die Gruppe fast jeden Tag der Woche besetzen, um auf den Stationen zu Gast zu sein und ihre Unterstützung anzubieten, zeigt sich Annette Hager zufrieden mit der Arbeit, auch untereinander im Team. „Einmal im Monat treffen wir uns, und oft haben wir dann Referenten zu Gast, die uns wertvolle Hinweise und Informationen für unseren Einsatz im Krankenhaus geben“.
Im Krankenhaus selber ist die Vernetzung optimal. Die Zusammenarbeit mit Krankenhaus-Seelsorger Benjamin Floer und der Pflegedienstleitung sei sehr eng und vertrauensvoll. Kontakt bestehe ebenfalls zu den Ehrenamtlichen des Hospizvereins, stellt Annette Hager fest. „Wir kennen unsere Grenzen und sind ständig im Gespräch miteinander“.
Zum Schluss dieses Beitrags könnte man die Überschrift ergänzen: „Die Grünen Damen sind zurück – wo sind die Herren?“
Für Gespräche und weitere Informationen über die Grünen Damen und Herren steht die Gruppenleiterin für Interessierte jedenfalls gerne telefonisch unter 0176/45929643 zur Verfügung. Weitergehende Informationen zum Dachverband der Grünen Damen und Herren ekH e.V. gibt es auch auf dessen Homepage: www.ekH-Deutschland.de

Bildhinweis: Die Fotos wurden uns freundlicherweise von den Grünen Damen zur Verfügung gestellt. Unser Beitragsbild zeigt das Team der Grünen Damen (v.l.n.r): Martina Paffrath, Annette Hager, Bärbel Kieseler, Kornelia Hannebaum, Susanne Greb, Elke Weber-Matuszak


Schreibe einen Kommentar