Mein persönlicher Klimaschwindel – ein Erfahrungsbericht

Ein Jux von Gus­ti Dell­mann

Mein Bru­der Carl, ihr wisst, der mit dem Wochen­rück­blick, hat­te mich damals gewarnt und ich Depp habe natür­lich nicht auf ihn gehört.

Es fing ganz harm­los an. Irgend­wann wur­de ich von den Grü­nen dazu über­re­det, Mit­glied zu wer­den. „Tu doch was für die Erde“, haben sie gesagt. „Das fühlt sich gut an“, haben sie gesagt. Ich, naiv wie ich bin, dach­te: War­um nicht? Ein biss­chen Enga­ge­ment, ein biss­chen Idea­lis­mus, was soll schon pas­sie­ren.

Tja.

Kaum war der Mit­glieds­an­trag unter­schrie­ben, ging es los mit der Gehirn­wä­sche. Plötz­lich soll­te ich Strom spa­ren. Licht aus, wenn ich den Raum ver­las­se. Gerä­te nicht im Stand­by. Kür­zer duschen. Ich mei­ne — wo kom­men wir denn da hin, wenn man anfängt, bewuss­ter mit Res­sour­cen umzu­ge­hen? Frü­her konn­te ich wenigs­tens noch mit gutem Gewis­sen ver­ges­sen, das Licht im Flur aus­zu­ma­chen.

Aber damit nicht genug. Irgend­wann “stand ich auf mei­nem Dach” und instal­lier­te ein klei­nes Solar­kraft­werk. Natür­lich nicht ich per­sön­lich, aber die Fach­leu­te der Dach­de­cker­zunft. Eige­nen Strom erzeu­gen! Ich fra­ge euch: Wo bleibt da der Ner­ven­kit­zel, wenn man nicht mehr jedes Jahr zit­ternd auf die Strom­rech­nung war­tet? Das Leben war frü­her ein­fach auf­re­gen­der.

Der Höhe­punkt kam dann, als qua­si höchst­per­sön­lich Robert Habeck in mei­nem Kel­ler stand — zumin­dest fühlt es sich rück­bli­ckend so an — und mei­ne 23 Jah­re alte Gas­ther­me raus­ge­ris­sen wur­de. Zack, weg mit der Nost­al­gie! Statt­des­sen eine moder­ne Wär­me­pum­pe. Das Moderns­te, was es gibt. Lei­se, effi­zi­ent voll modern. Ganz ehr­lich: Wie soll man sich da noch über hohe Heiz­kos­ten beschwe­ren? Das nimmt einem doch ein wich­ti­ges Small­talk-The­ma.

Und jetzt, kaum habe ich mich an die­sen gan­zen „Fort­schritt“ gewöhnt, kommt die Cäd­äu­he­spä­dä um die Ecke und erklärt mir, dass die­ses über­eil­te Kli­ma­schutz-Gedöns viel­leicht alles gar nicht so drin­gend ist. Man kön­ne ja auch ein­fach ein biss­chen ent­spann­ter sein. So unge­fähr nach dem Mot­to: War­um anstren­gen, wenn man statt­des­sen auch so wei­ter­ma­chen kann wie bis­her?

Da füh­le ich mich ehr­lich gesagt ein biss­chen betro­gen. Da spa­re ich Ener­gie, pro­du­zie­re mei­nen eige­nen Strom, hei­ze effi­zi­ent — und dann höre ich, dass wir viel­leicht doch lie­ber den ent­spann­ten Weg gehen soll­ten. So ein biss­chen wie die gro­ßen Vor­bil­der in den Ver­ei­nig­te Staa­ten: ein­fach drauf­los­le­ben und hof­fen, dass schon alles gut­geht.

Jetzt sit­ze ich hier mit einem etwas bes­se­ren Gewis­sen — und fra­ge mich: Wo bleibt eigent­lich der Spaß am Unter­gang?

Viel­leicht wur­de ich wirk­lich rein­ge­legt. Oder — und das wäre ja fast noch absur­der — viel­leicht fühlt es sich ein­fach nur unge­wohnt an, wenn Pro­ble­me tat­säch­lich mal ange­gan­gen wer­den.

Foto: Chat GPT

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