Von Jordan Mutombo
Ich heiße Jordan Mutombo, bin 25 Jahre alt, in Wermelskirchen geboren und hier aufgewachsen. Im Forum Wermelskirchen erzähle ich meine Geschichte. In meinen Beiträgen geht es darum, wie ich in Wermelskirchen aufgewachsen bin, was mich bis heute an dieser Stadt prägt, warum ich einen Podcast gestartet habe und warum ich mich in Wermelskirchen und im Rheinisch-Bergischen Kreis engagiere.
Seit Oktober 2025 lebe ich in Frankfurt, weil ich bis August 2026 an der Europäischen Akademie der Arbeit studiere. Danach möchte ich langfristig zurück nach Wermelskirchen und als Gewerkschaftssekretär arbeiten, da ich mich dafür interessiere, mich für die Rechte von Arbeitnehmenden einzusetzen.

Geboren wurde ich im Jahr 2000 in eine multikulturelle Arbeiterfamilie. Verwurzelt bin ich in Deutschland, aber auch darüber hinaus. Meine Wurzeln liegen väterlicherseits im Kongo. Mütterlicherseits gibt es kroatische und ostdeutsche Wurzeln. Und über meine Urgroßmutter mütterlicherseits gibt es auch eine bergische Linie, denn meine Oma stammt aus Wermelskirchen.
Meine ersten Jahre habe ich in einem Wohnblock auf der Neuschäferhöhe mit meiner Familie gelebt. Meine Großeltern wohnten direkt unter uns. Das hat unsere Bindung stark geprägt. Familie war bei uns nie etwas, das man nur an Feiertagen sieht, sondern sie ist Teil unseres Alltags.
Auch mein Glaube gehört zu meinem Leben. Meine Konfession ist katholisch. Ich wurde in Wermelskirchen getauft, habe hier meine Kommunion gemacht und später auch die Firmung empfangen. Diese Wurzeln trage ich bis heute.
Gleichzeitig bin ich durch eine Freundin zur Gemeinde Schillerstraße gekommen, die ebenfalls ein Teil meines Lebens ist. Was ich aus der freikirchlichen Perspektive besonders mitnehme, ist dieser persönliche Zugang. Der Glaube ist nicht nur Tradition oder Wissen, sondern eine echte, persönliche Beziehung zu Jesus. Nicht perfekt, nicht geschniegelt, sondern nah, ehrlich, im Alltag.
Und aus der katholischen Perspektive nehme ich vor allem eine klare Haltung mit: Das Gemeinwohl zählt, und jeder Mensch verdient Würde und einen fairen Umgang. Für mich ist das kein abstrakter Satz, sondern eine Messlatte dafür, wie man miteinander umgeht – in der Familie, auf der Straße und in meinem politischen Engagement. Jede Person verdient einen respektvollen und würdevollen Umgang. Nächstenliebe soll nicht nur ein Wort sein, sondern aus Taten resultieren.
Mein schulischer Weg war nicht immer einfach. Ich wurde mit sechs Jahren in die katholische Grundschule St. Michael eingeschult. Danach habe ich auf die Hauptschule gewechselt, weil ich die Erprobungsstufe nicht geschafft habe. Das war mein erster Tiefpunkt, weil es sich wie ein Scheitern angefühlt hat – und auch eines war. Trotzdem hat es mich nicht davon abgehalten, später meinen Realschulabschluss nachzuholen, anschließend eine Berufsausbildung als Fachlagerist erfolgreich abzuschließen und mir danach das Fachabitur am Berufskolleg in Leverkusen zu erarbeiten.
In meinem Leben habe ich außerdem oft Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung gemacht. Nicht, weil Wermelskirchen ein menschenfeindlicher Ort ist, sondern weil es immer wieder Menschen gibt, in deren Weltbild ich nicht hineinpasse, da ich anders aussehe. Als Kind und als Schüler fiel es mir schwer, damit umzugehen, weil ich nie verstanden habe, warum mir so etwas passiert. Je älter ich wurde, desto klarer wurde mir: Mit mir ist nichts falsch. Diese Erfahrungen sagen nichts über meinen Charakter oder mich als Mensch aus, sondern über diejenigen, die so denken.

Trotz allem ist Wermelskirchen die schönste Stadt für mich und der Ort, an dem ich mich am wohlsten fühle. Die Stadt hat mich geprägt und zu der Person gemacht, die ich heute bin. Genau deshalb möchte ich etwas zurückgeben – unter anderem durch mein Engagement vor Ort.
Wenn du Fragen bezüglich meiner Person hast, schreib sie gerne in die Kommentare oder melde dich auf Instagram unter @jordan.mtbo. Danke an alle, die sich die Zeit genommen haben, bis hierhin zu lesen.
In meinem nächsten Artikel wird es darum gehen, wie es zu meinem politischen Engagement kam und warum ich mich überhaupt für die Allgemeinheit engagiere.
Euer Jordan
Fotos: Jordan Mutombo / Lutz Balschuweit


Kommentare
6 Kommentare zu „Was mich Wermelskirchen gelehrt hat“
Lieber Jordan, bin schon gespannt auf die Fortsetzung. Es freut mich sehr, dass Du aus dem Leben schreibst, aus Deinen Erfahrung. Besonders beeindruckt mich, als Gewerkschafter (IG Metall), dass Du an der Europäischen Akademie der Arbeit studierst. Viel Erfolg wünsche ich Dir beim Studium. Assoziiere mit der Akademie insbesondere den dort ehemals lehrenden Wolfgang Abendroth, ein ungemein wichtiger Mann für die deutsche Gewerkschaftsbewegung. Rassismus zerstört Gesellschaften, gemeinsam mit vielen, auch in Wermelskirchen, lass uns weiter solidarisch einen anderen Grund legen, gegen jeglichen Rassismus, Dein Beitrag hilft da ungemein.
Vielen lieben Dank, das hat mich wirklich berührt. Ich schreibe bewusst aus meinem Leben, weil ich glaube, dass echte Erfahrungen Menschen eher erreichen als reine Schlagworte. Umso schöner, dass du das so wahrnimmst. Und danke auch für den Hinweis auf Wolfgang Abendroth. Ich kannte ihn bisher nicht, aber ich nehme das als Anstoß, mich damit zu beschäftigen. Gerade, weil die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung auch heute noch viel Orientierung geben kann. Danke außerdem für deine Solidarität gegen Rassismus. Es hilft, zu wissen, dass da Menschen an der Seite stehen 🙂
Ich glaube, ich habe dich schon mal bei einer Demo reden hören, als der eine *Herr* von den Blauzis in der Stadt war, kann das sein?
Alles Gute für das Studium.
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Vielen lieben Dank , ja das war tatsächlich ich 😀
Klasse Jordan! Eine tolle und wie ich meine eine Erfolgsgeschichte. Ich drücke die Daumen für Dein Studium und Deine beruflichen Pläne. Ich bin auf die Fortsetzung gespannt. Danke!
Danke dir, das freut mich wirklich sehr. Ich gebe mein Bestes und halte euch auf dem Laufenden.