Erstellt von Stephan Singer | 02.02.2026
Wie heizen wir in Zukunft? Welche Heiztechnik macht Sinn, wenn die bisherige ausgedient hat? Auf dem Weg zur klimaneutralen Wärmeerzeugung kommt der oberflächennahen Geothermie – sprich der Wärmepumpen-Technik – in Wermelskirchen eine führende Rolle zu. Das stellt die Bestands- und Potenzialanalyse im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung fest.
Analyse als Download und Info-Abend
Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind auf 62 Seiten dokumentiert und stehen als Download zur Verfügung: hier.
Wer es „mundgerechter“ mag und die Informationen inklusive Erläuterungen bekommen möchte, ist am Donnerstag, 5. Februar, ab 17 Uhr im Bürgerzentrum an der Telegrafenstraße 29–33 richtig. Dort erwartet die interessierten Bürgerinnen und Bürger eine Informationsveranstaltung, die die Inhalte der Bestands- und Potenzialanalyse vorstellt und auch Fragen zum Thema ermöglicht.
Wohnen benötigt die meiste Wärmeenergie
Die Untersuchung zeigt: Derzeit benötigt der Haushaltssektor – also das Wohnen – knapp 80 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs in Wermelskirchen. Dabei verbrauchen Heizen und Trinkwarmwasser 278,6 Gigawattstunden (GWh) an Energie. Die bekommen die Bürgerinnen und Bürger vor allem durch Erdgas. Das liefert im Stadtgebiet jährlich 169,1 GWh, was 61 Prozent des Wärmebedarfs im Haushaltssektor ausmacht. Deutlich weniger Wärme wird mit Heizöl erzeugt: 67,1 GWh – 24 Prozent des Jahresbedarfs. Damit sind aktuell fossile Brennstoffe die wichtigste Energiequelle zur Wärmeerzeugung in Wermelskirchen.
Wie dieser Bedarf klimaneutral zu decken ist
Rechnerisch können nach Untersuchungen der Wärmestudie NRW Solarkollektoren im Stadtgebiet pro Jahr 1649 GWh liefern und damit den jährlichen Gesamtwärmebedarf von derzeit 357 GWh „locker“ decken. Aber, so stellt die Analyse fest: „Solarthermie ist von der Sonneneinstrahlung abhängig, sodass Wärme primär im Sommer und mittags bereitgestellt werden kann. Eine zeitliche Überlappung mit dem Wärmebedarf tritt nur bedingt auf, da dieser insbesondere im Winter und morgens bzw. abends vorliegt.“
Das bringt die oberflächennahe Geothermie ins Spiel: also Wärmepumpen, die Erdwärme aus bis zu 400 Metern Tiefe (meist 100 bis 200 Metern) zum Heizen von Gebäuden nutzen. Die Analyse spricht von einem „nennenswerten Potenzial“ dank möglichen 305 GWh pro Jahr. Das entspricht 85 Prozent des aktuellen Bedarfs. „Die oberflächennahe Geothermie in Wermelskirchen wird eine wichtige Rolle spielen“, folgert die Analyse, die die Potenziale verschiedener klimaneutraler Wärmequellen verglichen hat.
Es geht vor allem um Einfamilienhäuser
Von den insgesamt 9051 beheizten Gebäuden in Wermelskirchen sind 6975 Einfamilienhäuser und bilden damit mit Abstand den Großteil. Hinzu kommen 748 Reihenhäuser, 495 Mehrfamilienhäuser und 426 große Mehrfamilienhäuser sowie 407 Nicht-Wohngebäude.
Der Weg zu klimafreundlichen Wärmequellen
Die Dominanz fossiler Brennstoffe bei der Erzeugung von Wärme soll laut Bundesgesetzgebung spätestens 2045 passé und durch klimaneutrale Wärmeerzeugung ersetzt sein. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Kommunen bis 2028 eine kommunale Wärmeplanung vorlegen. Die soll standortbezogen den Weg von fossilen Energien zu klimafreundlichen Wärmequellen aufzeigen. Ein wesentlicher Schritt auf diesem Weg ist in Wermelskirchen mit der Bestands- und Potenzialanalyse im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung gemacht.
Interkommunale Zusammenarbeit
Gemeinsam mit den Städten Hückeswagen und Wipperfürth erarbeitet Wermelskirchen die kommunale Wärmeplanung im Schulterschluss mit der Bergischen Energie und Wasser GmbH (BEW) und dem Fachbüro BMU Energy Consulting. Jeweils passgenau zugeschnitten auf die einzelnen Kommunen. „Die kommunale Wärmeplanung liefert einen strategischen Fahrplan, um die Klimaziele zu erreichen und bietet auch eine wertvolle Orientierung für Gebäudeeigentümer sowie Unternehmen“, sagt Wermelskirchens Bürgermeister Bernd Hibst.
Hintergrund und Info
Das Wärmeplanungsgesetz (WPG) verpflichtet Kommunen in der Größenordnung von Wermelskirchen, bis Mitte 2028 einen Wärmeplan zu erstellen. Die Stadt Wermelskirchen ist inzwischen etwa mit einem Großteil des Plans fertig.
Bei der Informationsveranstaltung am Donnerstag, 5. Februar, um 17 Uhr im Bürgerzentrum sind neben Bürgermeister Bernd Hibst auch Amtsleiter Florian Leßke und Bianca Wowra aus dem Amt für Stadtentwicklung dabei. Die Ergebnisse der Bestands- und Potentialanalyse werden von der BEW und dem Planungsbüro BMU Energy Consulting vorgestellt – die Fachleute beantworten auch Fragen zum Thema. Außerdem ist eine weitere Informationsveranstaltung im Messeformat vorgesehen. Außerdem: Bürgerinnen und Bürger haben vor Abschluss der Wärmeplanung noch die Möglichkeit sich in einem speziellen Beteiligungsverfahren mit Anregungen und Stellungnahmen zu beteiligen.
Fragen zum Thema beantwortet gerne vorab Bianca Wowra per Mail an waermeplanung@wermelskirchen.de oder telefonisch unter 02196 / 710–616.
Foto: KI


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