Ein großes Versprechen: Das Haus der Vereine
Mit dem geplanten „Haus der Vereine“ im Rahmen des Innovationsquartier Rhombus verbindet die Stadt Wermelskirchen große Erwartungen. Es soll ein Ort entstehen, an dem Vereine zusammenkommen, die durch ehrenamtliches Engagement, pädagogische Verantwortung, intensive Jugendarbeit und gesellschaftlichen Mehrwert geprägt sind. Genau an diesem Punkt beginnt jedoch ein kaum nachvollziehbarer Widerspruch.
Ein Verein, der perfekt passt – und dennoch ignoriert wird
Denn mit dem Judoclub Wermelskirchen existiert in dieser Stadt ein Verein, dessen Arbeit, Struktur und Selbstverständnis nahezu deckungsgleich mit der Idee eines „Hauses der Vereine“ sind – und der dennoch im gesamten Konzept keinerlei Berücksichtigung findet. Nicht einmal eine erkennbare Reaktion der Stadt Wermelskirchen ist erfolgt. Weder ein Gespräch, noch eine Rückmeldung, noch ein Hinweis darauf, warum ein solcher Verein offenbar keine Rolle spielt.
Sportliche Spitzenleistung mit internationaler Strahlkraft
Dabei handelt es sich beim Judoclub Wermelskirchen nicht um einen beliebigen Sportverein. Im Jahr 2025 gilt er als erfolgreichster Judoclub Deutschlands, mit nationaler und internationaler Strahlkraft. Über Jahrzehnte hinweg sind aus Wermelskirchen heraus Spitzenathletinnen und ‑athleten hervorgegangen, die auf nationalen Meisterschaften, internationalen Turnieren und in Kaderstrukturen der Deutschen Nationalmannschaft Maßstäbe gesetzt haben. Diese sportlichen Erfolge stehen jedoch nicht isoliert für sich, sondern sind untrennbar verbunden mit einer außergewöhnlich intensiven und verantwortungsvollen Kinder- und Jugendarbeit.
25 Jahre Kinder- und Jugendarbeit auf höchstem Niveau
Seit nunmehr 25 Jahren prägt der Judoclub Wermelskirchen Kinder und Jugendliche weit über den Sport hinaus. Täglich trainieren Dutzende junge Menschen unter Bedingungen, die alles andere als komfortabel sind. Vermittelt werden nicht nur sportliche Fähigkeiten, sondern Werte wie Respekt, Disziplin, Fairness und Verantwortung. Diese Arbeit wird vollständig ehrenamtlich getragen und ist pädagogisch vorbildlich.
Als einer der ersten Vereine in NRW bekam der JC Wermelskirchen im vergangenen Jahr das “Zertifikat zum Schutz vor sexualisierter & unterpersoneller Gewalt im Sport”. Ein Vorzeigeverein. In jeder Hinsicht. Auf höchstem Niveau.
Umso unverständlicher ist es, dass genau diese Form von Jugendarbeit im Rahmen des Hauses der Vereine offenbar ausgeblendet wird.
Keine Förderung – seit einem Vierteljahrhundert
Besonders schwer wiegt dabei die Tatsache, dass der Judoclub seit seiner Gründung vor 25 Jahren keinen einzigen Euro an Fördergeldern von der Stadt erhalten hat. Förderanträge, etwa für die dringend notwendige Erneuerung der Heizungsanlage oder für eine zeitgemäße Ausstattung der Trainingsräume, wurden stets abgelehnt. Gleichzeitig wurden an anderer Stelle erhebliche Mittel für Sportinfrastruktur der örtlichen Fußballplätze bereitgestellt. Diese Prioritätensetzung hinterlässt bei den Verantwortlichen und Ehrenamtlichen des Judoclubs nicht nur Enttäuschung, sondern tiefe Ratlosigkeit.
Ein konstruktives Angebot ohne Resonanz
Hinzu kommt, dass der Verein im Zuge der Planungen zum Haus der Vereine nicht nur Kritik geäußert, sondern konstruktiv gehandelt hat. Es wurde ein inhaltlich durchdachtes Konzept für ein modernes Dojo im „Haus der Vereine“ vorgelegt. Angeboten wurde eine finanzielle Beteiligung an den laufenden Unterhaltskosten ebenso wie eine Mehrfachnutzung der Trainingsräume durch andere Sportgruppen, Physiokurse oder Schulen. Genau diese Offenheit und Gemeinwohlorientierung entspricht eigentlich dem Kern eines „Hauses der Vereine“. Dennoch wurde dieses Angebot im weiteren Verlauf der Konzeptionierung schlicht beiseitegeschoben – ohne erkennbare Auseinandersetzung mit den Inhalten.
Unzumutbare Trainingsbedingungen im Alltag
Währenddessen trainieren Kinder und Jugendliche weiterhin in einer Halle am Busbahnhof, deren Lage zunehmend problematisch ist. Der dichte Bus- und Autoverkehr macht die Wege für die jungen Sportlerinnen und Sportler teilweise gefährlich. Parkmöglichkeiten fehlen, die Infrastruktur ist veraltet, die Heizungsanlage wird nicht mehr ewig halten. Investitionen sind absehbar und notwendig. Dennoch trägt der Verein diese Last bislang allein.
Stimmen aus dem Verein
Die 1. Vorsitzende des Judoclubs, Kerstin Hartmann, bringt die Haltung des Vereins nüchtern auf den Punkt: Man werde auch das stemmen, so wie bisher alles aus eigener Kraft gestemmt wurde. Dass ein Verein dieser Bedeutung überhaupt in eine solche Lage kommt, wirft jedoch grundsätzliche Fragen auf.
Auch Sven Dicke, früherer 2. Vorsitzender und bis heute engagierter Trainer sowie Konzeptgeber eines neuen Dojos im „Haus der Vereine“, äußert offen seine Enttäuschung darüber, dass trotz intensiver inhaltlicher Arbeit und eines tragfähigen Konzepts von Seiten der Stadt kein einziges Wort gekommen ist. Schweigen ersetzt hier offenbar Dialog. Kai Winter, seit 2025 2. Vorsitzender des Vereins: „Intensivste Beschäftigung von Sven Dicke und seinem Team mit den Konzepten für das zukünftige „Haus der Vereine“ – das war offensichtlich Zeitverschwendung. Wir werden schlicht nicht wahrgenommen in dieser Stadt!“
Eine offene Frage an die Stadt
Es bleibt daher eine zentrale Frage: Wie geht Wermelskirchen mit einem Verein um, der national und international als Aushängeschild gilt, der Kinder- und Jugendarbeit auf höchstem Niveau leistet, der Integration lebt und Verantwortung übernimmt – und der nichts anderes erwartet als gesehen und ernst genommen zu werden?
Wenn das „Haus der Vereine“ ein Ort für engagierte, tragende Vereine sein soll, dann erfüllt der Judoclub Wermelskirchen diese Idee in nahezu idealtypischer Weise. Dass dies bislang keine erkennbare Rolle gespielt hat, ist nicht nur enttäuschend, sondern kaum erklärbar.
Foto: JC Wermelskirchen e.V.


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