Rhombus Quartier: circa 10.000.000 Euro mehr nach nur 4 Monaten und trotzdem alternativlos?
Jetzt ist es also „amtlich“. Das Rhombus Quartier hat den viel beschworenen Prüfstand offenbar mit Bestnote bestanden – zumindest laut städtischer Erzählung. In einer Pressemitteilung verkündet die Verwaltung heute selbstbewusst: Im Sommer rollen die Bagger. Punkt. Keine Bedingungen, keine Fragezeichen. Ganz so, als sei die Finanzierung bereits in Stein gemeißelt – unabhängig davon, ob Fördermittel in der erhofften Höhe überhaupt beantragt oder später bewilligt werden.
Fast zeitgleich tauchen neue Zahlen auf. Und wie durch Zauberhand sind es plötzlich zehn Millionen Euro mehr. Einfach so. Das ging erstaunlich schnell. Man könnte meinen, Kostensteigerungen seien inzwischen fester Bestandteil der Planungskultur. Wer an große öffentliche Bauprojekte denkt, dem fallen unweigerlich Namen wie Stuttgart 21, Berliner Flughafen oder Elbphilharmonie und Kölner Oper ein. Natürlich, hier geht es „nur“ um das Rhombus Quartier. Aber genau so fangen große Geschichten bekanntlich an.
In der Pressemitteilung wird Bürgermeister Bernd Hibst vorsorglich in Schutz genommen: Er habe dieses Projekt – inklusive des stattlichen Schuldenpakets – lediglich geerbt. Das stimmt vermutlich. Ein Erbe kann man jedoch ausschlagen oder annehmen. Und wer die Worte der Mitteilung liest, merkt schnell: Dieses Erbe wird nicht nur angenommen, sondern gefeiert. Das Projekt wird vermeintlich zum persönlichen Aufbruch erklärt – mit offenem Ausgang für den städtischen Haushalt. Und kein klärendes Wort über gerade noch beschlossene unvermeidbare Grundsteuererhöhungen, einen möglichen Zusammenhang mit dem drohenden Haushaltssicherungskonzept, über Auswirkungen auf Krankenhaus, Kitas, Schulen und schwerwiegende Folgen auf andere wichtige Bürgerprojekte.
Unstrittig ist: Unsere Stadt geht hier ein Kostenrisiko ein, wie es in den letzten Jahrzehnten kaum eines gab. Und aller Wahrscheinlichkeit nach auch in den kommenden Jahren nicht noch einmal geben wird. Der regelmäßig vorgetragene Verweis auf die außergewöhnlich hohe Fördersumme soll beruhigen. Doch Förderung ersetzt natürlich kein Eigenkapital. Oder anders gesagt: Eine stark subventionierte Luxuslimousine bleibt ein Luxus, wenn man sich den Eigenanteil eigentlich nicht leisten kann.
Am Donnerstagabend um 19:00 Uhr bietet sich nun eine seltene Gelegenheit. Fraktionsmitglieder, Ausschüsse, Bürgermeister, der zuständige Dezernent und Amtsleiter können endlich für Transparenz sorgen. Viele Fragen liegen auf dem Tisch. Neue kommen hinzu. Entscheidend wird sein, wer erscheint, wer sie beantwortet – und ob offen gesprochen werden darf oder ob Kritik weiterhin als störend empfunden wird.
Denn eines ist klar: Wenn die Bagger schneller starten als die ehrlichen Antworten, dann wird aus einem Stadtentwicklungsprojekt schnell ein Vertrauensproblem dem sich alle unkritischen Befürworter aussetzen.
Pressemitteilung der Stadt Wermelskirchen vom 23. Januar 2026 auf ihrer Webseite:
Kosten Stand 9/2025
ISEK Innovationsquartier Rhombus Wermelskirchen, Übersicht Maßnahmen und Kosten Stand 01/2026:
Foto: Chat GPT KI


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