Neujahrsempfang: Ehrung für Henning Conrads – die Laudatio des Bürgermeisters

20.01.2026

Sehr geehr­te Damen und Her­ren,

wir haben eine Über­ra­schung ver­spro­chen – und die kommt jetzt. Aller­dings muss ich Sie ein wenig ent­täu­schen: Es ist kei­ne Über­ra­schung für Sie alle, son­dern für einen Men­schen, der heu­te hier ist und noch gar kei­ne Ahnung hat, dass es um ihn geht.

Und ich geste­he: Es ist gar nicht so leicht, die gro­ße Wert­schät­zung unse­rer Stadt in eine Lau­da­tio zu gie­ßen, wenn der Mensch, um den es geht, eigent­lich schon alles bekom­men hat, was man für außer­ge­wöhn­li­che Ver­diens­te ver­ge­ben kann. Er – das kann ich schon ver­ra­ten – hat die Ehren­pla­ket­te der Stadt Wer­mels­kir­chen erhal­ten, eben­so das Ehren­ab­zei­chen, und er ist Trä­ger des Bun­des­ver­dienst­kreu­zes.

Aus gutem Grund: weil er sich seit nun­mehr 50 Jah­ren ehren­amt­lich für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger die­ser Stadt und für Wer­mels­kir­chen selbst enga­giert.

Eigent­lich müss­te man einen ganz eige­nen Orden erfin­den, um einen so uner­müd­li­chen, lang­fris­ti­gen ehren­amt­li­chen Ein­satz für unse­re Gesell­schaft zu wür­di­gen.

Doch er selbst ist so beschei­den, dass er, wenn man ihn auf sein Enga­ge­ment anspricht, meist nur sagt:
„Ich habe eben immer gedacht, es muss was pas­sie­ren. Ich woll­te etwas bewe­gen und letzt­end­lich habe ich das doch für mei­ne Hei­mat­stadt gemacht.“

Was sagt man also über einen Ehren­amt­li­chen, der seit Jahr­zehn­ten ver­läss­lich, beschei­den und ohne gro­ßes Auf­he­ben wirkt? Der gemein­sam mit dem Künst­ler Gün­ter Lil­ge vor genau 50 Jah­ren als Geschäfts­füh­rer des Ein­zel­han­dels­ver­ban­des die Kam­pa­gne mit der klei­nen Stadt, die Herz zeigt, ent­wi­ckelt hat? Bis heu­te ist der Spruch „Die Klein­stadt mit Herz“, der damals auf Jute­beu­tel gedruckt wur­de, in vie­len Köp­fen fest ver­an­kert.

Die ehr­li­che Ant­wort ist:
Man sagt noch ein­mal ganz bewusst Dan­ke.
Dan­ke, Hen­ning Con­rads.
Und man erzählt, war­um.

Lie­ber Hen­ning Con­rads,
ich hof­fe sehr, die­se klei­ne Über­ra­schung ist uns gelun­gen. Seit nun­mehr unfass­ba­ren 50 Jah­ren enga­gierst Du Dich ehren­amt­lich für unse­re Stadt. Vie­le Wer­mels­kir­che­ner ken­nen Dich noch aus dem „Schuh­haus Zülch“ an der Tele­gra­fen­stra­ße 28, das 125 Jah­re lang im Besitz Dei­ner Fami­lie war. Dein Herz hat immer für den Ein­zel­han­del und für die Men­schen in die­ser Stadt geschla­gen.

Des­halb hast Du seit 1976 nicht nur Voll­gas in Dei­nem Beruf gege­ben, son­dern par­al­lel auch ehren­amt­lich Dei­ne Zeit, Dei­ne Kraft, Dei­ne Ideen und Dei­ne Erfah­rung in den Dienst der Gemein­schaft gestellt. Wir spre­chen hier von Gene­ra­tio­nen von Men­schen, die von Dei­nem Ein­satz pro­fi­tiert haben.

Dein Enga­ge­ment war dabei nie laut. Nie selbst­in­sze­nie­rend. Aber immer mit dem Wohl der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger im Fokus.

Aus den Wer­mels­kir­che­ner Akti­ons­ta­gen hast Du „Das Fest“ ent­wi­ckelt. Du warst einer der ers­ten, der 1973 in unse­re Part­ner­stadt Loches gereist ist, um Brü­cken zu bau­en – zwi­schen Ein­zel­händ­lern, zwi­schen Men­schen, zwi­schen Län­dern. Mit Hän­den und Füßen hast Du damals mit Dei­nem Kol­le­gen, dem Schuh­händ­ler Hen­ri Fres­lon, gefach­sim­pelt – und im Bus Voka­beln gelernt.

Du hast mit dar­an mit­ge­wirkt, dass aus dem Ein­zel­han­dels­ver­band Wup­per­tal, Abtei­lung Wer­mels­kir­chen, im Jahr 2007 der eigen­stän­di­ge Mar­ke­ting­ver­ein „Wir in Wer­mels­kir­chen“ wur­de – des­sen Ehren­vor­sit­zen­der Du bis heu­te bist.

Dir ist es zu ver­dan­ken, dass Tra­di­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen wie der Niko­laus-Umzug wei­ter statt­fin­den konn­ten. Und dabei war auch Dei­ne Ehe­frau Fre­de­ri­ke stets mit ein­ge­bun­den – jahr­zehn­te­lang hat sie sich rüh­rend um die „Ber­gi­schen Engel­chen“ geküm­mert.

Ich könn­te noch lan­ge fort­fah­ren. Aber das Wich­tigs­te ist wohl: Auf Dich war und ist Ver­lass.

Du hast Ver­ant­wor­tung über­nom­men, Ideen ent­wi­ckelt und immer wie­der neu gedacht, was die­se Stadt braucht. Du hast mit dem Kul­tur­ver­ein das Kin­der­thea­ter neu belebt und damit unzäh­li­gen Kin­dern gro­ße Freu­de geschenkt.

All das zeigt: Ehren­amt ist kei­ne Fra­ge von Zeit. Ehren­amt ist eine Fra­ge der Hal­tung.

Unse­re Stadt wäre ohne Men­schen wie Dich eine ande­re. Weni­ger ver­bun­den. Weni­ger mensch­lich.

Und ein sol­ches Enga­ge­ment über so vie­le Jah­re hin­weg ist nie­mals eine Ein­zel­leis­tung. Es braucht jeman­den, der mit­trägt. Der ver­steht, dass Aben­de, Wochen­en­den und Gedan­ken oft der Sache gehö­ren. Der Geduld hat, wenn Ter­mi­ne drän­gen. Und der stärkt, wenn Zwei­fel auf­kom­men.

Lie­be Fre­de­ri­ke Con­rads,
Sie waren die­ser Rück­halt – im Beruf, in der Fami­lie und im Ehren­amt. Dafür möch­te ich Ihnen heu­te aus­drück­lich dan­ken. Denn Ehren­amt ist oft auch Fami­li­en­sa­che, und ohne Sie wäre die­ser Weg für Hen­ning so nicht mög­lich gewe­sen.

Ist es in Ord­nung, wenn ich ver­ra­te, dass Sie in die­sem Jahr Ihre Gol­de­ne Hoch­zeit fei­ern? 50 Jah­re Ehe. 50 Jah­re Mit­ein­an­der. 50 Jah­re Zusam­men­halt. 50 Jah­re ein star­kes „Wir“. Und 50 Jah­re Enga­ge­ment für unse­re Stadt.

Lie­ber Hen­ning Con­rads,
im Namen der Stadt, der Ver­wal­tung und vor allem der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger dan­ke ich Dir von Her­zen für alles, was Du geleis­tet hast. Du bist Vor­bild und Inspi­ra­ti­on. Du hast unse­rer Stadt viel Zeit geschenkt. Und das ist etwas, das unbe­zahl­bar ist.

Und jetzt freue ich mich sehr, wenn Du gemein­sam mit Dei­ner Fre­de­ri­ke zu uns auf die Büh­ne kommst, um Dir den ver­dien­ten Applaus abzu­ho­len. Und damit wir Fre­de­ri­ke ein „Engel­chen“ über­rei­chen kön­nen.

Foto: Stadt Wer­mels­kir­chen / Ste­phan Sin­ger

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