Letzter Teil dieser persönlichen Kolumne
Kurz vor Jahresende fuhr ich mit einem Konvoi aus 15 ausrangierten Rettungsfahrzeugen in die Ukraine. Ein kurzer Aufenthalt, ein vermeintlich halbwegs sicheres Gebiet. Und doch: intensiv, aufwühlend, nachhallend.
Wir trafen freundliche, mutige, unermüdliche Menschen. Unsere weihnachtlichen Mitbringsel wurden dankbar angenommen. Aber das Entscheidende war etwas anderes: dass wir da waren. Wirklich da. In ihrem Land. Mit ihnen.
Sie dankten uns für unseren Mut. Das war mir unangenehm. Fast peinlich.
Was leisten wir schon?
Und was leisten diese Menschen – seit fast vier Jahren, Tag für Tag, Nacht für Nacht?
Heute, fast drei Wochen später, sitze ich an einem Montagnachmittag zu Hause. Es ist warm. Wasser kommt aus der Leitung. Die Heizung läuft. Die Toilette funktioniert. Selbstverständlichkeiten.
In der Ukraine waren es während unseres Besuchs minus vier Grad. Gefühlt minus zehn. Kalt, windig, durchdringend.
Heute sind es in der Millionenstadt Kiew und in der gesamten Region minus 18 Grad. In den dunklen Wohnungen nicht mehr als zehn. Hunderttausende Menschen sind seit Tagen ohne Strom. Ohne Licht. Ohne Wärme. Ohne alles, was wir „normalen Alltag“ nennen.
Frauen und Kinder, Alte, Kranke, Eltern, Großeltern – sie sammeln, was wärmt. Decken, Kleidung, Holz. Alles. Minus 18 Grad. Und niemand weiß, wie lange noch.
Sie denken an ihre Männer. An ihre Söhne.
Sie liegen gar nicht weit entfernt – getarnt in Erdlöchern, reglos, frierend, wartend.
Ich frage mich: Wie lange noch?
Wie lange noch dieser moderne, mittelalterliche Scheißkrieg?
Wie lange sollen die Angegriffenen, die unmittelbar Bedrohten in Kyjiw und anderswo diese Kälte, diese Brutalität, diese Dauerangst ertragen? Wie lange können Menschen das ertragen?
Und wir?
Vielleicht beginnt unsere Antwort genau hier – im Hinsehen, im Wahrnehmen, im Mitfühlen.
Foto: KI erzeugt
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Warm in Wermelskirchen!


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