Früh am Morgen bin ich unterwegs und erlebe eine junge Frau die sich mit ihrem Mini offenbar auf den Weg zur Arbeit machen möchte.
Das Auto ist komplett zugeschneit, alle Fenster sind dicht, Lampen und Rückleuchten nicht mehr zu erkennen.
Die Frau hat, zunächst mit der Hand und dann mit einer Plastik-Karte, ein kleines Sichtfeld von vielleicht 20x20 cm an der Frontscheibe freigekratzt.
Ich spreche sie an. „Wollen Sie tatsächlich so losfahren?“, frage ich.
Voller Unverständnis schaut sie mich an. „Haben Sie denn keine Winterkiste im Auto?“, frage ich weiter. „Winterkiste? Was soll das denn sein?“, sagt sie.
„Im Winter ist das hilfreich. Eine Box oder einen kleinen Eimer mit Eiskratzer, einem Besen, vielleicht noch ein Eisfrei-Spray. Gut sind Handschuhe und ein Gummi-Rakel“. Davon hat sie offenbar noch nie gehört und natürlich auch nicht dabei.
Überhaupt scheint sie auf Winter nicht eingestellt zu sein. Keine Mütze, keine Handschuhe, keine warme Jacke und keine Winterschuhe. Dafür aber in einem modischen Frühlings-Outfit. Nun, jeder wie er mag.
Aber das Auto sollte schon frei sein. Stolz erklärt sie mir, dass das Auto über eine gute Heizung verfügt, außerdem hätte es Sitzheizung und sogar ein beheizbares Lenkrad. Ja dann kann ja wirklich nichts schiefgehen. Der ganze digitale Komfort-Krempel wird, wie von Geisterhand, das Auto schon schneefrei kriegen. Wahrscheinlich gibt es eine „Schnee-frei-App“ im Display. Wischen, tippen, bestätigen und zack ist die Kiste sauber.
Ich kann ihr leider nicht helfen, da ich beim Brötchen holen keine Winterkiste dabei habe.
Etwas später sehe ich den kleinen Mini tatsächlich genau so fahren. Alle Scheiben dicht, Schnee auf der Haube und auf dem Dach und ein winziges Guckloch an der Frontscheibe. Ob sie gut angekommen ist weiß ich nicht. Ich wünsche es ihr.
Dann denke ich: „Irgendwie ist das Normale abhanden gekommen“.
Foto: Walter Schubert


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