Teil 8 von 12 + 1
1989/90 – Der Bahndamm vor dem Aus
Ende der 1980er Jahre verdichteten sich die Anzeichen, dass dem Bahndamm das Ende drohte.
Was zuvor als schwelender Konflikt bestanden hatte, wurde nun offen politisch. In Verwaltung und Kommunalpolitik wurde nicht mehr nur über Auflagen gesprochen, sondern über grundsätzliche Konsequenzen.
Der Betrieb des Bahndamms galt vielen als schwer kontrollierbar. Themen wie Haftung, Verantwortung, Sicherheit und Finanzierung rückten in den Vordergrund. Gleichzeitig hatten sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen verändert. Die Geduld für selbstverwaltete Experimente war gering, der Wunsch nach klaren Zuständigkeiten groß.
1989 kulminierte diese Entwicklung. Der bestehende Betrieb stand auf dem Prüfstand, eine Schließung wurde ernsthaft erwogen. Für viele der Aktiven war klar: Diesmal ging es nicht um Einschränkungen oder Kompromisse – diesmal ging es um Alles oder Nichts.

In dieser Situation begannen intensive Auseinandersetzungen mit der Stadt. Gespräche, Stellungnahmen, politische Manöver prägten den Alltag. Der Bahndamm wurde zum Verhandlungsgegenstand. Gleichzeitig mobilisierte sich die Szene. Unterstützerinnen und Unterstützer, ehemalige Aktive, Besucher und Bands machten deutlich, dass ein Ende des Bahndamms nicht widerstandslos hingenommen würde.
Der Konflikt war nicht nur sachlich, sondern auch emotional. Für viele stand hier ein Lebensabschnitt auf dem Spiel. Der Bahndamm war längst mehr als eine Freizeitstätte. Er war Identitätsort, sozialer Raum und kultureller Knotenpunkt. Sein möglicher Verlust traf Menschen konkret – nicht abstrakt.
1990 zeichnete sich schließlich ein Ausweg ab. Statt die bestehenden Strukturen weiter durch Verwaltung oder Träger zu kontrollieren, entstand eine radikale Idee: Der Bahndamm sollte vollständig in Selbstverwaltung übergehen. Keine sozialpädagogische Betreuung mehr, keine institutionelle Trägerschaft – dafür volle Verantwortung der Nutzerinnen und Nutzer.
Dieser Schritt war riskant. Für die Stadt bedeutete er Kontrollverlust, für die Aktiven eine enorme Verantwortung. Doch genau in dieser Zuspitzung lag die Chance. Der Bahndamm konnte entweder verschwinden – oder sich neu erfinden.
Mit der Übernahme des Bahndamms durch eine selbstverwaltete Struktur im September 1990 begann ein neues Kapitel. Aus einem ständig infrage gestellten Projekt wurde ein bewusster Gegenentwurf: getragen von denen, die ihn nutzten.
Im nächsten Teil geht es um diese Entscheidung und ihre Folgen:
Überlassungsverträge, Verantwortung, interne Konflikte – und was Selbstverwaltung im Alltag wirklich bedeutete.
Bilder: Jugendinitiative Wermelskirchen e. V. / AJZ Bahndamm
Teile der Bahndamm Chronik:
-
Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (1)
-
Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (2)
-
Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (3)
-
Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (4)
-
Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (5)
-
Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (6)
-
Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (7)
-
Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (8)


Schreibe einen Kommentar