Bahndamm Wermelskirchen – Eine Chronik in 12 Teilen (7)

Teil 7 von 12 + 1

Rockbüro, DIY und neue Generation

Nach den kon­flikt­rei­chen Jah­ren der Mit­te der 1980er befand sich der Bahn­damm an einem Schei­de­weg. Vie­le der Akti­ven der ers­ten Pha­se hat­ten sich zurück­ge­zo­gen, aus­ge­brannt von Dau­er­kon­flik­ten, poli­ti­schem Druck und inter­nen Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Gleich­zei­tig rück­te eine neue Gene­ra­ti­on nach – mit eige­nen Ideen, aber auch mit dem Bedürf­nis, Struk­tu­ren neu zu ord­nen.

In die­se Pha­se fiel die stär­ke­re Eta­blie­rung des Rock­bü­ros. Ursprüng­lich als orga­ni­sa­to­ri­sche Unter­stüt­zung für Kon­zer­te gedacht, ent­wi­ckel­te es sich zu einer Art Motor für den Bahn­damm. Hier wur­den Kon­tak­te geknüpft, Bands gebucht, Tech­nik orga­ni­siert, Ter­mi­ne koor­di­niert. Das Rock­bü­ro brach­te Struk­tur, ohne den selbst­ver­wal­te­ten Cha­rak­ter grund­sätz­lich infra­ge zu stel­len.

Der Fokus ver­la­ger­te sich wie­der stär­ker auf Musik und Kul­tur. Kon­zer­te wur­den pro­fes­sio­nel­ler geplant, Abläu­fe kla­rer defi­niert. Gleich­zei­tig blieb der DIY-Gedan­ke zen­tral: Wer mit­ma­chen woll­te, muss­te sich ein­brin­gen. Die­se Mischung aus wach­sen­der Erfah­rung und wei­ter­hin ehren­amt­li­chem Enga­ge­ment sta­bi­li­sier­te den Betrieb – zumin­dest vor­über­ge­hend.

Mit der neu­en Gene­ra­ti­on änder­te sich auch der Umgang mit Ver­ant­wor­tung. Wo zuvor vie­les aus dem Bauch her­aus ent­schie­den wur­de, ent­stan­den nun infor­mel­le­re Regeln: Schich­ten, Abspra­chen, Zustän­dig­kei­ten. Nicht als Kon­trol­le von oben, son­dern als not­wen­di­ge Ant­wort auf die Anfor­de­run­gen eines zuneh­mend kom­ple­xen Betriebs.

Trotz­dem blieb der Bahn­damm ein Ort per­ma­nen­ter Aus­hand­lung. Poli­ti­sche Fra­gen, der Umgang mit Dro­gen, der Anspruch auf Offen­heit – all das ver­schwand nicht. Doch die Kon­flik­te wur­den prag­ma­ti­scher geführt. Weni­ger ideo­lo­gisch, mehr auf den Erhalt des Ortes aus­ge­rich­tet.

Die­se Pha­se sorg­te für eine gewis­se Atem­pau­se. Der Bahn­damm gewann wie­der Ver­trau­en, Besu­cher­zah­len sta­bi­li­sier­ten sich, der Betrieb lief ver­läss­li­cher. Nach außen wirk­te das Zen­trum wie­der kon­trol­lier­ba­rer – nach innen blieb es ein fra­gi­les Gleich­ge­wicht.

Doch die grund­le­gen­den Fra­gen waren nicht gelöst. Die recht­li­che Situa­ti­on blieb unsi­cher, die Abhän­gig­keit von poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen groß. Spä­tes­tens Ende der 1980er Jah­re wur­de klar, dass eine blo­ße Sta­bi­li­sie­rung nicht aus­rei­chen wür­de.

Der Bahn­damm brauch­te eine trag­fä­hi­ge Per­spek­ti­ve – oder wür­de frü­her oder spä­ter wie­der in eine exis­ten­zi­el­le Kri­se gera­ten.

Im nächs­ten Teil geht es um genau die­sen Moment:
1989/90, dro­hen­de Schlie­ßung, poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen – und der Kampf um das Über­le­ben des Bahn­damms.

Bil­der: Jugend­in­itia­ti­ve Wer­mels­kir­chen e. V. / AJZ Bahn­damm

Tei­le der Bahn­damm Chro­nik:

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