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	<title>Portrait Archive - Forum Wermelskirchen</title>
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	<title>Portrait Archive - Forum Wermelskirchen</title>
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		<title>„Keiner ist allein” – Ein Porträt von „Wermelskirchen gegen Rechts”</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Klaus Ulinski]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 08:15:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik/Wirtschaft/Umwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>
		<category><![CDATA[Wermelskirchen gegen Rechts]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern des Bündnisses über Zivilcourage, Ermutigung und Ernüchterung sowie über den Wunsch, wieder miteinander reden zu können Es gibt in Wermelskirchen kein Vereinsregister, in dem „Wermelskirchen gegen Rechts” verzeichnet wäre. Es gibt keinen Vorstand, keine Satzung, keine Mitgliederversammlung. Auf die Frage, wie man sich dieses Bündnis vorstellen müsse, kommt die [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forumwk.de/2026/09/03/keiner-ist-allein-ein-portraet-von-wermelskirchen-gegen-rechts/">„Keiner ist allein” – Ein Porträt von „Wermelskirchen gegen Rechts”</a> erschien zuerst auf <a href="https://forumwk.de">Forum Wermelskirchen</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-x-large-font-size wp-block-paragraph"><em>Ein Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern des Bündnisses über Zivilcourage, Ermutigung und Ernüchterung sowie über den Wunsch, wieder miteinander reden zu können</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Es gibt in Wermelskirchen kein Vereinsregister, in dem „Wermelskirchen gegen Rechts” verzeichnet wäre. Es gibt keinen Vorstand, keine Satzung, keine Mitgliederversammlung. Auf die Frage, wie man sich dieses Bündnis vorstellen müsse, kommt die Antwort ohne Zögern: locker. Man trifft sich, wie es zeitlich und mental passt. Was 2024 als Kommunikationskanal für eine einzelne, spontan angemeldete Demonstration begann, ist zu etwas geworden, das die Gründerinnen und Gründer selbst überrascht hat. Ausgelöst wurde es durch die Recherchen und Veröffentlichungen über ein Treffen rechtsextremer Kreise in Potsdam, die bundesweit Empörung und große Demonstrationen auslösten. Auch in Wermelskirchen wollte und konnte man nicht abseitsstehen. Aus einem einfachen Instagram-Kanal, gedacht als Ankündigung für einen einzigen Termin, wurde eine Plattform, über die sich Menschen bis heute austauschen, verabreden und – vor allem – einander finden.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Genau darum, sagt eine der Sprecherinnen des Bündnisses, sei es am Anfang gegangen: zu zeigen, dass niemand allein ist. Man habe eine Weile das Gefühl gehabt, zu dritt oder zu viert die Einzigen zu sein, die eine bestimmte Haltung teilen. Inzwischen wisse man, dass das nicht stimmt.</p>



<p class="has-x-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Eine Frage des Grundgesetzes, keine der Parteizugehörigkeit</strong></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Wer die Mitglieder des Bündnisses nach ihrer Motivation fragt, bekommt keine parteipolitische Antwort, sondern eine, die sich auf unsere Verfassung beruft. Es gehe darum, für Vielfalt und für ein Miteinander einzustehen, für Demokratie „natürlich”, wie es eine Sprecherin formuliert – nicht in erster Linie gegen etwas, sondern für etwas. Eine andere Stimme aus der Runde bringt es auf den Punkt: Sie hätte nie gedacht, dass das Grundgesetz einmal an einem Punkt ankommen würde, an dem man sich persönlich aufgerufen fühlt, für die Würde des Menschen einzustehen. Genau dieser Satz aus Artikel eins, der zwar oft zitiert, aber selten in seiner ganzen Tragweite ausgesprochen wird, ist für viele im Bündnis der eigentliche Ausgangspunkt: nicht Ideologie, sondern ein Grundgesetzartikel, der plötzlich wieder verteidigt werden muss.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Das Altersspektrum der Unterstützerinnen und Unterstützer ist breiter, als der öffentliche Eindruck vermuten lässt. Es reicht von Schülerinnen und Schülern bis in Parteien und Institutionen hinein. Wer sich aktiv engagiert, bei Demonstrationen mitorganisiert oder online sichtbar wird, ist allerdings überwiegend jung.</p>



<p class="has-x-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Alltagsrassismus, der vor fünf Jahren so nicht existierte</strong></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Einer der Gesprächspartner, in Wermelskirchen geboren und aufgewachsen, beschreibt, was es bedeutet, hier mit dunkler Hautfarbe zu leben. Sei es der Umgang im Rathaus, der spürbar anders ausfalle. Sei es das Einkaufen, bei dem man – wenn er mit seiner Mutter eine andere Sprache spricht – von anderen Menschen angesprochen werde, mit der Bemerkung, man könne doch ruhig „mal&nbsp; deutsch sprechen”, dabei sei er ja Deutscher, der aber auch noch eine andere Sprache beherrscht. Oder die zuweilen hinterher gerufenen Beleidigungen auf offener Straße. Was ihn besonders beschäftigt, sind die Erfahrungen von Menschen im Bündnis, die sich um Wohnungen oder Arbeitsplätze für Geflüchtete bemühen, die hochqualifiziert sind, in ihrem Heimatland etwa als Ingenieur gearbeitet haben – aber allein am Namen scheitern. Hieße die Person nicht Mohammed, wäre es leicht. So bleibt es schwer, obwohl an der Qualifikation nichts auszusetzen ist.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Solche Beobachtungen, sagt eine andere Stimme aus der Runde, seien vor vier oder fünf Jahren in Wermelskirchen noch undenkbar gewesen. Man habe Begriffe, die früher allenfalls in bestimmten Regionen Ostdeutschlands verortet wurden, nicht in der eigenen Stadt gehört. Inzwischen sei eine gewisse Gleichgültigkeit eingekehrt, gegenüber Formulierungen wie auch gegenüber Haltungen, die noch vor kurzem als Tabubruch gegolten hätten.</p>



<p class="has-x-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Wenn Fakten nicht mehr zählen</strong></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ein wiederkehrendes Thema des Gesprächs ist der Zustand der öffentlichen Debatte selbst. Die Bereitschaft, Argumente überhaupt noch zuzulassen und sich einer Diskussion zu stellen, schwinde, berichtet ein Bündnismitglied. Wer mit Zahlen, mit Fakten oder mit dem Versuch komme, eine Aussage einzuordnen, stoße häufig auf verschlossene Ohren – und danach auf keine Lust mehr, überhaupt noch über Politik zu sprechen. Zugleich beobachtet jemand anderes aus dem Bündnis, dass persönliche Schicksale, konkret erzählt, sehr wohl noch etwas bewegen: Wer von einem Einzelschicksal erzählt statt von abstrakten Zahlen, erlebt oft echte Betroffenheit. Der Unterschied liege zwischen der emotionalen und der vermeintlich „sachlichen” Ebene der Debatte – nur dass auf der sachlichen Ebene, etwa in der öffentlichen Diskussion über das sogenannte Stadtbild, keine sachliche Debatte mehr zustande komme.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Genau hier liegt, was sich als roter Faden durch das ganze Gespräch zieht: der Wunsch, zu einer Debattenkultur zurückzufinden, in der unterschiedliche Meinungen ausgehalten und Argumente wieder ausgetauscht statt nur behauptet werden. Eine Stimme aus der Runde formuliert es als Appell – auch an Politik und Institutionen –, Aufklärung sachlich anzubieten, statt selbst populistisch um möglichst viele Stimmen zu werben. Das sei in den vergangenen Jahren erkennbar gescheitert.</p>



<p class="has-x-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Die Angst, die bleibt</strong></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Bei aller Zuversicht, die im Gespräch immer wieder aufblitzt, verschweigt niemand aus dem Bündnis die Sorge vor Eskalation. Man arbeite bewusst als Bündnis und nicht als einzelne Personen, gerade weil Übergriffe inzwischen auch hier angekommen seien – „man hat das im Hinterkopf”, sagt eine Sprecherin. Diese Vorsicht hat längst den Alltag junger Menschen in Wermelskirchen erreicht, die mit dem Bündnis sympathisieren oder sich dort engagieren: Wer abends vom Jugendzentrum am Bahndamm aufbricht, geht inzwischen nicht mehr allein nach Hause, sondern zu zweit oder in Gruppen. Was früher selbstverständlich war, ist es nicht mehr. Es ist eine kleine, fast beiläufig erzählte Beobachtung – und zugleich eine der eindringlichsten des ganzen Gesprächs: Die Sorge vor Anfeindungen oder Gewalt hat längst begonnen, das Verhalten von Jugendlichen im öffentlichen Raum einer Kleinstadt zu verändern, die sich selbst gern als weltoffen versteht.</p>



<p class="has-x-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Zuversicht mit Vorbehalt</strong></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Auf die Frage, ob das eigene Engagement eher aus Sorge oder aus Zuversicht gespeist sei, fällt die Antwort nicht eindeutig aus. Zuversicht sei da, sagt ein Sprecher – aber er würde sie sich nicht mehr für Gespräche „verausgaben”, von denen er wisse, dass sie ohnehin nicht zu einer Verständigung führen. Was bleibe, sei die Zuversicht, dass das eigene Engagement etwas bewirkt und dass sich gesellschaftliche Entwicklungen wieder „auf die richtige Schiene” bringen lassen – wie lange sich diese Haltung durchhalten lässt, wisse man allerdings selbst nicht. Andere im Bündnis verweisen auf kleine, aber reale Erfolge: Momente, in denen Menschen im persönlichen Gespräch, in der Schule oder im Freundeskreis tatsächlich umdenken. Und auf so etwas wie eine politische Hoffnung, dass Strömungen etwa innerhalb der SPD wieder zu einer sozialeren, an sozialer Gerechtigkeit orientierten Politik zurückfinden könnten – auch wenn, oder vielleicht gerade wenn dafür, wie es im Gespräch heißt, „ein reinigendes Gewitter” innerhalb der Partei nötig wäre.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Für die Zukunft wünscht sich das Bündnis vor allem eines: mehr junge Menschen in Verantwortung, etwa über Quoten im Stadtrat, damit Zukunftsthemen wie Stadtentwicklung oder Klima nicht länger von einer Generation entschieden werden, die diese Zukunft selbst kaum noch erlebt. Und einen öffentlichen Diskurs, der nicht länger von Angst bestimmt wird, sondern von der Bereitschaft, einander zuzuhören.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Am Ende des Gesprächs bleibt ein Satz hängen, der zu Beginn fiel und der wie eine Zusammenfassung der ganzen Haltung des Bündnisses klingt: Man wolle zeigen, wofür man steht – für ein Miteinander, für Vielfalt, für Demokratie – und eben nicht in erster Linie gegen jemanden. Dass daraus, in einer Kleinstadt wie Wermelskirchen, ein Netzwerk geworden ist, das junge Menschen dazu bringt, wieder in Gruppen statt allein nach Hause zu gehen, ist hinsichtlich des Zusammenhalts zwar Erfolg aber auch Mahnung: Sichtbarkeit für Demokratie zu schaffen, ist offenbar nötiger, als es noch vor wenigen Jahren war.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="has-medium-font-size has-text-align-justify wp-block-paragraph"><em>Dieser Beitrag beruht auf einem Gespräch, das der Autor am 26. August 2026 mit vier Vertreterinnen und Vertretern von „Wermelskirchen gegen Rechts” geführt hat. Auf Wunsch des Bündnisses und zum Schutz der Beteiligten wurden alle Namen anonymisiert</em></p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Bild: mit freundlicher Genehmigung von “Wermelskirchen gegen Rechts”</p>
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