Von Wermelskirchen nach China – und mit mehr zurück als nur Jetlag

Was fällt einem eigent­lich als Ers­tes auf, wenn man nach Chi­na kommt?

Sind es die Ess­stäb­chen? Die rie­si­gen Hoch­häu­ser? Die Tat­sa­che, dass der Deckel an der Plas­tik­fla­sche ein­fach kom­plett abgeht? Oder die schie­re Grö­ße von allem?

Für mich war es etwas ande­res.

Es war das Gefühl, will­kom­men zu sein.

Als ich vor zehn Tagen in Bei­jing aus dem Flug­zeug stieg, wuss­te ich, dass ein vol­les Pro­gramm vor mir lag. Kon­fe­ren­zen, Vor­trä­ge, Trai­nings, Kran­ken­haus­be­su­che, Kun­den­ter­mi­ne und unzäh­li­ge Gesprä­che. Was ich nicht wuss­te: Wie sehr mich die­se Rei­se per­sön­lich beein­dru­cken wür­de.

Mei­ne Road­show führ­te mich durch Bei­jing, Guang­zhou und Shang­hai. Drei Städ­te, die zusam­men ver­mut­lich mehr Ein­woh­ner haben als Deutsch­land. Und selbst das, so wur­de mir von mei­nen chi­ne­si­schen Kol­le­gen mehr­fach erklärt, sei­en ver­mut­lich nur die offi­zi­el­len Zah­len.

Man kann sich die­se Dimen­sio­nen kaum vor­stel­len, bis man mit­ten­drin steht.

Zwi­schen Vor­trä­gen vor Hun­der­ten bis Tau­sen­den Teil­neh­mern, Kran­ken­haus­be­su­chen und Fach­ge­sprä­chen blieb zum Glück auch Zeit, Chi­na selbst ken­nen­zu­ler­nen. Ich stand am Temp­le of Hea­ven, blick­te über die Ver­bo­te­ne Stadt, stand auf der Chi­ne­si­schen Mau­er was einem laut Inschrift zum “Hero of the Wall” macht und spa­zier­te am Bund in Shang­hai ent­lang, wäh­rend die Sky­line von Shang­hai vor mir leuch­te­te.

An man­chen Momen­ten muss­te ich ein­fach ste­hen blei­ben und alles auf mich wir­ken las­sen.

Denn egal, wie viel man vor­her gele­sen oder gese­hen hat: Chi­na erlebt man erst, wenn man dort ist.

Beson­ders beein­druckt hat mich die Offen­heit der Men­schen. Nicht nur gegen­über mir als Gast, son­dern auch gegen­über neu­en Ideen. In den Kran­ken­häu­sern, bei den Pfle­ge­kräf­ten, im Manage­ment und bei mei­nen loka­len Arbeits­kol­le­ge aus mei­nem Kon­zern spür­te ich immer wie­der den Wunsch, von­ein­an­der zu ler­nen.

Natür­lich wur­den auch poli­ti­sche The­men dis­ku­tiert.

Für mich war es span­nend zu erle­ben, wie Deutsch­land aus chi­ne­si­scher Sicht wahr­ge­nom­men wird. Eini­ge Namen deut­scher Poli­ti­ker waren über­ra­schend bekannt, ande­re über­haupt nicht. Dabei wur­de mir erneut bewusst, wie unter­schied­lich Wahr­neh­mun­gen ent­ste­hen kön­nen, je nach­dem, wel­che Infor­ma­tio­nen Men­schen errei­chen.

Und genau des­halb waren die­se Gesprä­che so wert­voll.

Nicht um Recht zu behal­ten.

Son­dern um zu ver­ste­hen.

Ich habe viel über Chi­na gelernt. Aber min­des­tens genau­so viel über Deutsch­land.

Zum Bei­spiel, dass wir manch­mal glau­ben, nur wir hät­ten die rich­ti­gen Ant­wor­ten. Dabei haben ande­re Län­der durch­aus Ansät­ze, von denen wir ler­nen kön­nen. Gleich­zei­tig wur­de mir aber auch bewusst, wie wich­tig unse­re demo­kra­ti­schen Wer­te, Mei­nungs­frei­heit und offe­ne Dis­kus­sio­nen sind.

Es geht nicht dar­um, das eine Sys­tem gegen das ande­re aus­zu­spie­len.

Es geht dar­um, die guten Ideen zu erken­nen und von­ein­an­der zu ler­nen.

Beruf­lich neh­me ich vie­le Impul­se mit. Neue Kon­tak­te, neue Per­spek­ti­ven auf OP-Ver­sor­gung, Auf­be­rei­tung von Medi­zin­pro­duk­ten, Digi­ta­li­sie­rung, Logis­tik und Pro­zess­op­ti­mie­rung.

Per­sön­lich neh­me ich aber etwas ande­res mit.

Die Erkennt­nis, dass die Welt oft deut­lich weni­ger kom­pli­ziert wird, wenn Men­schen mit­ein­an­der spre­chen.

In den Nach­rich­ten begeg­nen wir häu­fig Staa­ten, Regie­run­gen oder poli­ti­schen Sys­te­men. Vor Ort begeg­net man Men­schen.

Men­schen, die für ihre Fami­li­en sor­gen wol­len.

Men­schen, die stolz auf ihre Arbeit sind.

Men­schen, die hof­fen, dass die Zukunft bes­ser wird.

Eigent­lich gar nicht so anders als wir.

Viel­leicht ist das die wich­tigs­te Erkennt­nis, die ich von die­ser Rei­se mit nach Hau­se neh­me: Die Welt wird nicht bes­ser, wenn wir mehr über­ein­an­der reden. Sie wird bes­ser, wenn wir mehr mit­ein­an­der reden.

Nun sit­ze ich auf dem Rück­flug nach Deutsch­land.

Im Gepäck sind Sou­ve­nirs, Visi­ten­kar­ten und unzäh­li­ge Fotos.

Viel wich­ti­ger sind jedoch die Erfah­run­gen, Begeg­nun­gen und Geschich­ten, die blei­ben wer­den.

Und die Gewiss­heit, dass eine Rei­se von Wer­mels­kir­chen nach Chi­na zwar vie­le tau­send Kilo­me­ter umfasst – die Ent­fer­nung zwi­schen Men­schen aber manch­mal nur ein ein­zi­ges Gespräch beträgt.

Fotos: Phil­ipp Scholz

Bewer­te die­sen Post!
[Gesamt: 12 Durch­schnitt: 4.9]

Kommentare

Ein Kommentar zu „Von Wermelskirchen nach China – und mit mehr zurück als nur Jetlag“

  1. Avatar von Barbara Horn-Birkhölzer
    Barbara Horn-Birkhölzer

    Ein sehr ermu­ti­gen­der Bericht im Kon­trast zu den Bil­dern in den Medi­en! Dan­ke!

    1
    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert