Sean Webster & Band im “Haus Eifgen”

Ein Bei­trag von Ros­wi­tha Geis­ler

Info: Der Bei­trag ent­stand aus per­sön­li­cher Initia­ti­ve und stellt eine pri­va­te Kon­zert­wahr­neh­mung als Besu­che­rin dar.


Zum Glück gab es noch Tickets an der Abend­kas­se – und so stan­den mei­ne Freun­din­nen und ich wenig spä­ter mit die­ser leicht krib­beln­den Vor­freu­de im “Haus Eif­gen”, die man nicht erklä­ren kann – man merkt ein­fach: Heu­te pas­siert was. Und tat­säch­lich: Kaum betre­ten Sean Webs­ter & Band um 20:10 die Büh­ne, kippt der Abend ohne Vor­war­nung in genau die­sen Zustand, den guter Blues­rock erzeu­gen kann, wenn er nichts bewei­sen muss, son­dern ein­fach pas­siert. Kein gro­ßes Geplän­kel, kein Auf­wär­men – es braucht nur ein paar Tak­te, und ich bin drin.

Und wie­der ein­mal bestä­tigt es sich: Webs­ter ist jemand, der längst weiß, wo er steht. Sei­ne Stim­me – rau, erdig, mit die­ser ange­neh­men Rei­bung – trägt Erfah­rung und Gefühl gleich­zei­tig, tief im Soul ver­wur­zelt und frei von jeder Effekt­ha­sche­rei. Das ist kein Blues­rock, der erklärt wer­den will, das ist einer, der wirkt. Und sei­ne Gitar­re macht genau das, was ich an die­sem Gen­re lie­be: Sie erzählt. Kein Vir­tuo­sen-Schau­fens­ter, kein „Schaut her, was ich kann“, son­dern ein Ton, der direkt ist – ehr­lich, klar und ohne Umwe­ge. Einer, der nicht glän­zen will, son­dern trifft. Groß­ar­tig für Herz und See­le.

Was mich dabei genau so begeis­tert, ist die­ses Band­ge­fü­ge. Eine Groo­ve-Arma­da, die nicht beglei­tet, son­dern denkt, reagiert, schiebt. Hier greift alles inein­an­der, und zwar so selbst­ver­ständ­lich, dass man kurz ver­gisst, wie viel Kön­nen dahin­ter­steckt.

Flo­ris Poes­se zieht sei­ne Bass­li­ni­en unter die Songs wie elas­ti­sche Spann­sei­le – tra­gend, federnd, immer in Bewe­gung –, wäh­rend er selbst mit sei­ner gro­ßen, schlak­si­gen Erschei­nung fast sto­isch wirkt. Ein schö­ner Wider­spruch. Rob van der Lin­de am Schlag­werk hält das Gan­ze nicht mit Druck zusam­men, son­dern mit Gespür, näm­lich mit die­sem fei­nen Ver­ständ­nis für die Zwi­schen­räu­me, in denen Groo­ve erst ent­steht. Und Axel Zwin­sel­man an den Keys setzt, die blon­den Locken schüt­telnd, sei­ne Klang­far­ben so fein über die Songs, dass sie wie Licht­re­fle­xe auf altem Vinyl wir­ken: warm, flir­rend und genau rich­tig dosiert.

Was mir dabei auf­fällt: Es spielt über­haupt kei­ne Rol­le, ob die Songs vom neu­en Album Light Of Day stam­men oder schon län­ger im Pro­gramm sind – alles bekommt den­sel­ben Fun­ken, die­sel­be Fri­sche, die­sel­be Lust am Spie­len. Als wären selbst die älte­ren Stü­cke gera­de erst wie­der neu auf­ge­la­den wor­den. Kei­ne Rou­ti­ne, kein Abspu­len, kein „wir haben das schon hun­dert­mal gespielt“. Son­dern die­ser schö­ne Live-Moment, in dem alles noch ein­mal rich­tig auf­leuch­tet. Ein­fach Ener­gie – und zwar durch­ge­hend spür­bar.

Und dann die­se Ansa­gen! Webs­ter erzählt zwi­schen den Songs mit tro­cke­nem Humor klei­ne Anek­do­ten, völ­lig unprä­ten­ti­ös, manch­mal mit einem klei­nen Augen­zwin­kern. Ich muss mehr als ein­mal lachen – und habe gleich­zei­tig das Gefühl, dass das hier kei­ne Unter­bre­chung ist, son­dern ein­fach Teil die­ses Abends. Kurz Luft holen, dann geht’s wei­ter.

Vor der Büh­ne pas­siert der­weil genau das, was pas­sie­ren muss: Bewe­gung. Es wird getanzt, gewippt, mit­ge­sun­gen oder zumin­dest sehr über­zeu­gend genickt – jede und jeder auf eige­ne Art, aber im glei­chen Sog. Han­dys gehen hoch, Bier­glä­ser auch – und für einen Abend ver­schie­ben sich die Prio­ri­tä­ten erstaun­lich klar in Rich­tung Musik.

Einer der stärks­ten Momen­te für mich ist die Bal­la­de „Your Eyes On Me“. Sean Webs­ter an Gesang und Gitar­re, dazu Axel Zwin­sel­man an den Keys. Mehr braucht es nicht. Hier redu­ziert sich alles auf einen kon­zen­trier­ten Dia­log zwi­schen Stim­me, Sai­ten und Flä­che. Jeder Ton sitzt, jede Pau­se hat Gewicht. Ich mer­ke, wie ich auto­ma­tisch stil­ler wer­de.

„Was für ein Abend…“, sagt spä­ter mei­ne Freun­din neben mir – und ich muss lachen, weil sie es so schlicht auf den Punkt bringt: „Ich kann­te Sean Webs­ter gar nicht. Aber das hat sich vom ers­ten Moment an kom­plett geöff­net für mich.“

Genau das ist es. Kein Mythos, kein gro­ßes Ver­spre­chen – son­dern die­ser sel­te­ne Moment, in dem Musik ein­fach funk­tio­niert und etwas ver­schiebt, ohne sich erklä­ren zu müs­sen.

Am Ende ste­hen wir noch eine Wei­le vor dem Aus­gang, als woll­ten wir uns noch ein biss­chen Zeit las­sen, bevor wir wirk­lich gehen. Als wir schließ­lich los­lau­fen, weist uns die Taschen­lam­pe den Weg hin­un­ter zum Wan­der­park­platz, wir reden ohne Pau­se wei­ter, lachen zwi­schen­durch noch über ein­zel­ne Momen­te des Abends, und irgend­wie klingt alles immer noch nach, als wäre die Musik ein­fach mit­ge­kom­men. Ja, genau so fühlt sich ein per­fek­ter Blues­rock-Abend an, der dann noch weit bis in den nächs­ten Tag hin­ein­leuch­tet.

Dan­ke­schön Mr. Webs­ter – und bit­te bald wie­der.


Text Copy­right: Ros­wi­tha Geis­ler / Alle Fotos Copy­right: Ros­wi­tha Geis­ler /Info: Der Bei­trag ent­stand aus per­sön­li­cher Initia­ti­ve und stellt eine pri­va­te Kon­zert­wahr­neh­mung als Besu­che­rin dar.

Kommentare

Ein Kommentar zu „Sean Webster & Band im “Haus Eifgen”“

  1. Avatar von Barbara Horn-Birkhölzer
    Barbara Horn-Birkhölzer

    Ja, so war es, ein Abend wie außer­halb von Raum und Zeit, alles stimm­te zu 100% und war für mich Über­ra­schung pur! Es bleibt gro­ße Dank­bar­keit, auch für die­sen so erhel­len­den Bericht! Dan­ke Rosie!

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