Erstellt von Kathrin Kellermann | 04.02.2026
Seit Jahrzehnten liegt das Rhombus-Gelände als Industriebrache in direkter Innenstadtnähe überwiegend brach. Fast ebenso lange gab es immer wieder Planungen, wie das Gelände in der Zukunft wieder genutzt werden könnte. Aber erst nachdem die Stadt Wermelskirchen 2023 ein Teilstück des Geländes erwerben konnte, haben die Planungen für das „Innovationsquartier Rhombus“ Gestalt angenommen, um dem Areal in Kooperation mit den Privateigentümern des restlichen Geländes wieder neues Leben einzuhauchen.
Kommenden Montag, 9. Februar, wird der Rat der Stadt Wermelskirchen in seiner Sitzung um 17 Uhr über die Entwurfsplanungen der geplanten Maßnahmen beraten. Bei einem Beschluss wird die Verwaltung beauftragt, die Planungen fortzuführen.
Die letzten Feinschliffe bei den Planungen für die finalen Ergänzungen der Förderanträge sind erfolgt, der Zeitplan steht und der Abriss der alten Fabrikgebäude auf dem Rhombus-Gelände soll im Sommer 2026 stattfinden.
Was ist auf dem Rhombus-Areal geplant?
Die wohl wichtigsten Baumaßnahmen der Stadt im „Innovationsquartier Rhombus“ sind im „Rhombus-Campus“ das neue Hallenbad, der neue Bildungsstandort für die Volkshochschule (VHS) und ein „Haus der Vereine“, deren Räumlichkeiten sowohl der VHS als auch den Vereinen der Stadt zur Verfügung steht.
Weitere öffentliche Baumaßnahmen sind der Verbindungssteg „Stadtbogen“ und der Quartiersplatz vor dem Campus. Der „Stadtbogen“ führt vom Brückenweg über die B51 auf das Rhombus-Areal und gewährleistet damit die direkte Anbindung an die Innenstadt. Der geplante Quartiersplatz, auf dem der Steg ankommt, bildet nicht nur eine barrierefreie Verbindungsebene vom Brückenweg auf das Areal und dort zum Eingangsbereich der VHS und der Promenade, sondern bietet auch viel Raum für Begegnungen und Veranstaltungen. „Um die topografischen Höhenunterschiede auszugleichen, wurden gemeinsam mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen barrierefreie, begrünte Rampen erarbeitet“, so die Stadtplanung.
Das verbindende Rückgrat des Quartiers ist die verkehrsberuhigte, begrünte Promenade mit Blick auf den geplanten See in der Mitte des Quartiers. Dieser Bereich lädt an lauen Sommerabenden zum Chillen am Wasser ein und wird kostenfrei für die öffentliche Nutzung von den Privateigentümern für Besucherinnen und Besucher zur Verfügung gestellt. Um zusätzlich noch mehr Raum für Natur zu schaffen, ist ein öffentlicher „grüner Spazierweg“ entlang der B51, der Wolfhagener Straße und an der Remscheider Straße und eine „Grüne Schlucht“ für Klimaresilienz und ökologische Vielfalt geplant. Letztere schafft eine grüne Verbindung zwischen den städtischen Gebäuden des „Rhombus Campus“ und den Gebäuden, die die Privateigentümer planen. Auf dem privaten Teil des Geländes sollen eine große Seniorenpflegeeinrichtung, ein moderner Gesundheitsstandort mit Fitnessstudio und Arztpraxen sowie mehrere Wohngebäude entstehen.
Optisch wurden die Planungen der Gebäude an die historische Sheddach-Fassade angelehnt, die Besucherinnen und Besucher der Stadt als Begrüßung schon auf der B51 sehen und die fast zu einem Erkennungsmerkmal der Stadt geworden ist. „In vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern haben wir mitgenommen, dass die Fassade zum Stadtbild gehört und gleichzeitig die Geschichte des Areals lebendig hält“, meint Florian Leßke, Amtsleiter Stadtentwicklung. Die Fassade soll saniert und damit erhalten bleiben und auch das Hallenbad bekommt ein Sheddach, um an die Industriephase des Geländes zu erinnern.
Die ersten Pläne für das Hallenbad, die VHS, das Haus der Vereine und das „Innovationshaus“, das in privater Trägerschaft entstehen soll, hatte die Stadt bereits im vergangenen Sommer zahlreichen Interessierten unter dem Motto „Rhombus entdecken“ im Bürgerzentrum vorgestellt. „Das Feedback zu den Plänen war sehr positiv. Wir merken, die Bürgerinnen und Bürger freuen sich darauf“, sagt Florian Leßke.
Um das „Innovationsquartier Rhombus“ umsetzen zu können, hat die Stadt Wermelskirchen hohe Fördersummen beantragt. Der Eigenanteil der Stadt für das gesamte städtische Areal, das Hallenbad, die weiteren Gebäude, den Verbindungssteg und die Freiflächen belaufen sich auf 37,7 Millionen Euro.
Fragen und Antworten rund um das Projekt “Innovationsquartier Rhombus”
Kann das Projekt auch später umgesetzt werden?
Die Chance, die Brachfläche im Sinne der Innenstadt zu entwickeln, ergibt sich nur jetzt. Aufgrund eines überzeugenden Gesamtkonzeptes hat die Stadt die einmalige Gelegenheit, das von allen staatlichen Ebenen anerkannt wichtige Stadtentwicklungsprojekt mit Hilfe von umfassenderer finanzieller Unterstützung umzusetzen, als es normalerweise möglich wäre.
Sind Bodenproben auf dem Industriegelände genommen worden?
Es sind mehrfach und sehr engmaschig Bodenproben entnommen und geprüft worden, um genau abzuklären, ob und wie sehr der Boden belastet ist. Es sind auch Altlasten gefunden worden, aber in einem Maße, der bei einer Sanierung handhabbar ist. Das ist aber tatsächlich auch einer der Gründe, warum es für brachliegende Flächen große Förderungen gibt, weil die Sanierung besondere Herausforderungen, aber auch große Chancen darstellt. Dadurch können auf brachliegende Flächen, die ansonsten wirtschaftlich unrentabel wären, neue Arbeitsplätze, Gewerbe oder Wohnraum entstehen. Zusätzlich bietet eine Sanierung der Flächen natürlich auch ökologische Vorteile, weil dadurch die Bodenverschmutzung reduziert wird.
Ist Rhombus nicht nur ein Prestigeprojekt und sollte man die Mittel nicht lieber für den Straßenausbau verwenden?
Im Straßenausbauprogramm sind diverse Straßensanierungen enthalten. Allerdings erfolgt beim Straßenausbau in vielen Fällen eine verpflichtende finanzielle Beteiligung der Straßenanlieger (Erschließungsbeiträge), auch wenn die Investitionsmittel des Rhombus-Projektes zusätzlich hierfür verwendet würden. Dann gäbe es aber kein Hallenbad, keine zeitgemäßen Räumlichkeiten für die Erwachsenenbildung, keinen Mehrwert für das Wermelskirchener Vereinsleben, keine Stärkung der Innenstadt und auf sehr lange Zeit eine riesige Brache an prominenter Stelle der Stadt. Die politische Abwägung ist bisher eindeutig in Richtung Bildung, Ehrenamt und Sport ausgefallen, um einen dauerhaften Mehrwert für Bürgerschaft und Wirtschaft (Fachkräftegewinnung durch einen attraktiven Wohnstandort) zu schaffen.
Wirkt sich die Entwicklung des Rhombus-Areals finanziell negativ auf Schulen und Kindergärten aus?
Neben der Entwicklung des städtischen Teils des Rhombus-Areals sind zahlreiche Bauprojekte der Bildungsinfrastruktur weiterhin mit einer Summe von rund 200 Millionen Euro für große Projekte im Zeitraum der Jahre 2026 bis 2031 eingeplant. Diese Projekte sind Kindergärten, Grundschulen (darunter gesamter OGS-Ausbau und Umsetzung Schulentwicklungsplan) sowie weiterführende Schulen, wobei da große Sanierungen am Berufskolleg und Gymnasium enthalten sind sowie Neubauten und Sanierungen an Gesamtschule/Sekundarschule. Zusätzlich finden laufend Ertüchtigungen, Bauunterhaltung und Wartung von Sportstätten statt, die auch den Schulen dienen.
Macht es mehr Sinn, „nur“ das Hallenbad zu bauen?
Das Hallenbad auf dem Rhombus-Areal zu bauen, ohne die aktuelle Planung weiter zu verfolgen, würde bedeuten, dass es kein Geld aus der Städtebauförderung gibt. Ohne Fördergelder würde das Hallenbad alleine mindestens 27,5 Millionen Euro kosten. Dazu kommen Kosten für die Erschließung und die Außenanlagen sowie Parkplätze. Zusätzliche 5 Millionen Euro kämen voraussichtlich durch weitere Baukostensteigerung wegen einer Verschiebung der Fertigstellung vom Jahr 2031 auf 2033 dazu. Ebenfalls nicht berücksichtigt in dieser Summe sind die Kosten für den Abbruch- und die Schadstoffsanierung auf dem Rhombus-Gelände.
Inwieweit ist die Entwicklung des Areals eine Investition in die Zukunft?
Mit Blick auf das Gesamtareal erstellt die Stadt etwa 1/3 des Gebäudevolumens auf dem Areal. Daraus ergibt sich, dass weitere zig Millionen Euro direkt innerhalb der Stadt durch private Seite investiert werden, die in weiten Teilen in die heimische Wirtschaft fließen. Neben einer geplanten Seniorenresidenz und einem Gesundheitsturm sind auch etwa 80 neue Wohneinheiten in Innenstadtnähe geplant. Vergleichbar ist die Entwicklung mit dem Stadtumbau der Innenstadt in den 1990er und 2000er Jahren. Neben dem städtischen Invest der Umgestaltung der Innenstadt, wurden auch private Maßnahmen umgesetzt (siehe Kölner Straße Kirche). Hinzu kommen nicht messbare Effekte wie Aufenthaltsqualität oder gesteigerte Identifizierung mit der Stadt, Stärkung der Innenstadt (Gastronomie und Gewerbe), Schaffung attraktiver Angebote für Bildung/Vereine/Sport, die wiederum Wermelskirchen als lebenswerten Wohnstandort und Unternehmensstandort unterstützen. Die Maßnahmen sollen einen Mehrwert für die Stadt erreichen und beispielsweise durch den Erhalt der Fassade eine zentrale Identität der Stadt und ihrer Industriegeschichte schaffen.
Wie kommt es zu der Kostensteigerung?
Erst seit dem Frühsommer 2025 konnten nach und nach die Planungsbüros beauftragt werden, die dann mit einer konkreten Planung begonnen haben. Grundvoraussetzung für die Beauftragung war, dass die Siegerentwürfe für den Hochbau und den Steg noch von der Jury ausgewählt wurden. Bis dahin konnte beispielsweise der Freiraum, insbesondere der Quartiersplatz (jetzt: 1.550.000 Euro) und der geplante See (jetzt: 1.817.000 Euro), zahlenmäßig kaum genau erfasst werden. Auch der Hochbau musste durch intensive, planerische Abstimmungen der Bauweise und Festlegungen erst konkretisiert werden. Das ist ein ganz normaler Vorgang im Zuge eines Planungsprozesses. Dazu kommen höhere Kosten durch die Indexsteigerung. Derzeit ist der Stand der Planung der Gebäude in der Entwurfsplanung, der Bereich der Freiflächen in der Vorplanung. Durch diverse Festlegungen ist allerdings angestrebt, bereits heute möglichst genaue Kostenannahmen treffen zu können. Dass die Stadt sehr schnell plant, ist der hohen Fördersumme, die der REGIONALE zu verdanken ist, geschuldet, um in der Frist für die Fördergelder zu liegen. Normalerweise reicht eine ganz grobe Planungsidee für den Erstantrag zur Förderung. Wenn diese überzeugt, würde nicht nur Geld für weitere Planungen ausgeschüttet, sondern der Zeitrahmen auf zwei Jahre festgelegt, um die Planungen auszuarbeiten und die Kosten zu konkretisieren. Den Folgeantrag würden wir erst stellen, sobald die Ausschreibungsreife vorliegt.
In dem speziellen Rhombus-Fall bekommt die Stadt aber nach allen Zusagen deutlich mehr Geld von Land und Bund, weil es sich um ein REGIONALE-Projekt mit besonderer regionaler Strahlkraft handelt und außerdem besonders ist, weil es in einer öffentlich-privaten Kooperation umgesetzt wird. Da die REGIONALE aber in diesem Jahr endet, müssen die Planungen schneller vorliegen. Das ist im Sinne der Stadt, weil die Grundsteinlegung für den Neubau des Hallenbades so schnell wie möglich erfolgen soll und auch im Sinne der Privat-Eigentümer des Areals, die mit der Umsetzung ihrer Planungen (Senioreneinrichtung, Gesundheitsturm und Wohnungen) beginnen wollen.
Beispiel Fassade: Wie ist die Kostensteigerung zu erklären?
In vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern kam heraus, dass die historische Fassade erhalten bleiben müsste, weil es ein Erkennungsmerkmal der Stadt ist und an die Historie des Geländes erinnert. Insgesamt handelt es sich um eine 190 Meter lange Wand, die zwischen drei und sieben Meter hoch ist. Es ist also eine große Fläche an altem Mauerwerk, dessen Substanz vorab nur sehr schlecht einzuschätzen war. Deshalb wurden damals etwa 440.000 Euro für die Sanierung zugrunde gelegt. Während der Planungsphase musste festgestellt werden, dass die Wand seit dem Teilabbruch der Dächer sowie der Entfernung der Eternitfassade aufgrund von Witterungseinflüssen in kurzer Zeit sehr stark gelitten hat. Deshalb ist aus Gründen der Transparenz realistisch von dem deutlich höheren Sanierungsaufwand in Höhe von 2,5 Millionen Euro auszugehen.
Was waren die Ergebnisse der Bürgerbefragung 2024?
Bevor es in die Planungen ging, erfolgte Anfang 2024 eine wissenschaftlich betreute Potenzial- und Bedarfsanalyse, in die alle relevanten Beteiligten eingebunden wurden. Prof. Dr. Jörg Erpenbach von der FOM Hochschule für Oekonomie & Management und sein Team haben Bürgerinnen und Bürger nach ihren Einstellungen und Wünschen an den Rhombus-Standort befragt. Die Ergebnisse:
Die Erschließung der Rhombus-Fläche durch die Stadt erachte ich für sinnvoll: 83 Prozent
Der Bau eines Schwimmbads ist richtig: 80 Prozent
Die geplante Bildungseinrichtung ist ein Mehrwert für die Stadt und die Region: 75 Prozent.
Das Bündeln von unterschiedlichen Bildungsangeboten an einem Ort stärkt die Attraktivität der Region: 77 Prozent
Mehr Infos zum Thema gibt es auch hier.
Foto: Stadt Wermelskirchen / Kathrin Kellermann


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