Nach gut zwei Stunden gemeinsamer Sitzung der Ausschüsse Stadtentwicklung und Verkehr sowie Umwelt und Bau (StuV und AUB) am Montagabend (02.02.2026) im großen Bürgersaal ist eines kaum zu überhören – jedenfalls ganz vorne im Saal: Begeisterung. Fast Euphorie. Verbales Schulterklopfen quer durchs politische Farbspektrum. Es scheint, als habe das Rhombus-Projekt die Ausschüsse bereits für sich gewonnen.
Hochglanzfolien eines Münchner Planungsbüros laufen über die Leinwand, der technische Beigeordnete erklärt die Lage, „mindestens 50 % Förderung“ verspricht ein weiterer Fachmann. Also mal ehrlich: Wenn das nicht gut klingt! Die verbleibenden rund 37 Mio. Euro Investition für die Stadt? Kreditfinanziert. Das böse Wort Verschuldung fällt eher ungern. Aber zum Glück sagt auch niemand „Sondervermögen“. Böse Überraschungen – davor ist schließlich kein Projekt gefeit. Allgemeine Kostensteigerungen? Nun gut, der Index sei ja eingepreist. Also: alles sicher?
Als Referenz, nicht weit von Wermelskirchen entfernt, führt das bundesweit bekannte Münchner Planungsbüro unter anderem das Römisch-Germanische Museum in Köln an.
Ein altgedienter, erfahrener Ratsherr ruft einem Kollegen zu: „Kostet doch nicht viel mehr als eine neue Schule, weißt du doch noch.“
Am neuen Hallenbad werden jährlich 200.000 Euro an Energiekosten gespart, so neue Berechnungen. “Eine Solitär-Lösung kostet 25 bis 30 Mio.”, sagt der Chef der Stadt – anhand ausgewählter Kalkulationen.
Die Zuhörer sitzen ganz hinten. Schlechte Akustik plagt sie. Und das ausgerechnet jetzt, bei den eigentlich spannenden Fragen, die folgen sollten:
Wie hoch ist die tatsächliche Mehrbelastung für den städtischen Haushalt?
Was bedeutet das für ein drohendes HSK?
Für die Sanierung von Kitas, Schulen und Straßen?
Für freiwillige Leistungen, Jugend- und Vereinsarbeit?
Dem CDU-Ökonomen mit 40 Jahren Ratserfahrung wird das jetzt zu viel. Er zeigt sich empört – allerdings nicht über die Kosten oder die Klärung der verbindlichen Förderhöhe. „Solche Fragen von der FDP…!?“ Auch den anderen Ausschuss-Mitgliedern reicht offenbar für heute die Transparenz. Keine weiteren Fragen. Stattdessen sein Vorschlag: Man müsse den Verantwortlichen dankbar sein und sie „auf einer Sänfte durch die Stadt tragen“.
„Ein Kleinod für die Stadt“, schwärmt eine Grüne.
„Die neue Visitenkarte Wermelskirchens“, jubelt ein Lokal-Schwarzer gleich zu Beginn.
Begeisterung, Harmonie und Einigkeit – so könnte man meinen.
Aber halt! Da ist doch noch diese Referenz. Das Römisch-Germanische Museum in Köln. Gab es da nicht … Informationen? Ja, richtig. Laut Presseberichten soll das Projekt dort ursprünglich (2015) rund 42 Millionen Euro kosten. Inzwischen ist von 169 bis 177 Millionen Euro die Rede. (Quellen: Kölner Stadtanzeiger, „Versäumnisse und Mängel – Stadt trennt sich von Generalplaner des Römisch-Germanischen Museums“ vom 21.03.2025, WDR, “Neue Probleme beim Römisch-Germanischen-Museum in Köln” vom 21.03.2025, Express, “Zu viele Fehler – Stadt trennt sich von Generalplaner für wichtige Museums-Sanierung – „Fristen verpasst“” vom 21.03.2025)
Foto: Chat GPT/Lutz Balschuweit


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