Von Roswitha Geisler
„Das kostbarste aller Güter“ im Film-Eck Wermelskirchen
Das „Film Eck“ bot am heutigen Sonntag den würdigen Rahmen für eine ganz besondere Vorführung: Gezeigt wurde der animierte Spielfilm „Das kostbarste aller Güter“ – eine Veranstaltung, die auf großes Interesse stieß und vollständig ausverkauft war.
Organisiert wurde der Abend von Schiffler-Events in Zusammenarbeit mit Marie-Louise Lichtenberg, die das Publikum mit einer ebenso sachkundigen wie einfühlsamen Einführung auf den Film vorbereitete. Als Autorin mehrerer Bücher zum Thema Holocaust verstand sie es, historische Einordnung mit persönlicher Haltung zu verbinden und den Blick für die leisen, menschlichen Dimensionen des Films zu öffnen.
Ein Film von außergewöhnlicher Kraft
„Das kostbarste aller Güter“ erzählt eine Geschichte aus der Zeit des Holocaust – reduziert, behutsam und gerade deshalb von großer Eindringlichkeit. Bemerkenswert ist dabei nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form: Der Film ist vollständig gezeichnet. Diese künstlerische Entscheidung verleiht dem Geschehen eine besondere Tiefe.
Die Zeichnungen schaffen Distanz und Nähe zugleich: Sie zeigen das Unvorstellbare, ohne es auszustellen, und ermöglichen es, sich dem Grauen anzunähern, ohne es zu banalisieren. Die visuelle Zurückhaltung verstärkt die emotionale Wirkung – jede Linie, jede Bewegung scheint bedacht, jede Szene getragen von Respekt vor dem Erzählten.
„Das kostbarste aller Güter“ gehört zu den herausragendsten europäischen Animationsfilmen der letzten Jahre. Der Film feierte seine internationale Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes und wurde seither auf zahlreichen renommierten Festivals gezeigt und mehrfach ausgezeichnet. Kritikerinnen und Kritiker würdigen ihn als außergewöhnliches Beispiel dafür, wie sich Animation als ernsthafte, literarisch und moralisch anspruchsvolle Erzählform behaupten kann.
Warum dieser Film heute so wichtig ist
Der Film erinnert uns daran, dass Geschichte nicht nur aus Zahlen, Daten und Fakten besteht, sondern aus einzelnen Schicksalen, Entscheidungen und Gesten der Menschlichkeit – selbst unter unmenschlichen Bedingungen.
Gerade in einer Zeit, in der Zeitzeugen immer seltener werden und gesellschaftliche Gewissheiten erneut ins Wanken geraten, zeigt dieser Film, wie wichtig Erinnerung, Empathie und Verantwortung bleiben. Er lädt dazu ein, innezuhalten und sich zu fragen, was Mitmenschlichkeit heute bedeutet – im Alltag, im gesellschaftlichen Miteinander, im Umgang mit Ausgrenzung und Gleichgültigkeit.
Im Anschluss an die Vorführung nutzten viele Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit zum Gedankenaustausch und Gespräch. Unterstützt wurde dieser offene Dialog durch einen thematisch passenden Büchertisch, den Frau van Wahden zusammengestellt hatte und der das filmische Erlebnis um literarische Perspektiven ergänzte.
Dank an die Organisatoren
Ein herzlicher Dank gilt Schiffler-Events und Marie-Louise Lichtenberg für die Organisation dieses besonderen Nachmittags sowie allen Mitwirkenden, die ihn mit Sensibilität und Engagement gestaltet haben. Solche Veranstaltungen zeigen, wie wichtig kulturelle Orte wie das Film-Eck für unsere Stadt sind: als Räume des Erinnerns, des Austauschs und des gemeinsamen Nachdenkens.
Text und Foto: Copyright Roswitha Geisler


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