Ganz schön bunt

Nach eini­gen Tagen Fahr­pau­se war ich wie­der mit dem Auto unter­wegs. Und ich staun­te. Leuch­tend bun­te Mar­kie­run­gen auf den Stra­ßen beglei­te­ten mei­ne Fahrt. Rote Krei­se, gel­be Recht­ecke, selt­sa­me For­men in blau und grün. War da ein unbe­kann­ter Künst­ler heim­lich am Werk gewe­sen um das tris­te Grau auf­zu­hüb­schen? Hat­ten die­se Mar­kie­run­gen eine Bedeu­tung?

Die Bür­ger rät­sel­ten, dis­ku­tier­ten und jemand frag­te bei der Ver­wal­tung nach. „Wir dür­fen aus ver­wal­tungs­tech­ni­schen Grün­den kei­ne Aus­sa­ge machen“, hieß es von offi­zi­el­ler Stel­le. Die Pres­se frag­te und bohr­te nach und dann hat­ten wir eine Erklä­rung: Mit den far­bi­gen Sym­bo­len wer­den die schad­haf­ten Stel­len, auch Schlag­lö­cher genannt, deut­lich mar­kiert. Nein, natür­lich nicht nur ein­fach so, son­dern amt­lich geord­net. Nach zwei­jäh­ri­ger inter­ner Arbeit ist ein Hand­buch ent­stan­den in dem die Ver­fah­rens­wei­se detail­liert fest­ge­legt wur­de. Mit den ver­schie­de­nen Far­ben wer­den die ver­schie­de­nen For­men eines Schlag­lochs mar­kiert. Also rund, eckig oder unför­mig. Außer­dem ist die Tie­fe zu berück­sich­ti­gen. Ganz wich­tig war natür­lich die Eini­gung auf bestimm­te RAL-Far­ben. Denn es kann ja nicht sein, dass jede Kom­mu­ne eine eige­ne Farb­ge­stal­tung vor­nimmt. Das Gan­ze ist also ein hoch­kom­ple­xer Ver­wal­tungs­akt.

„Die­se neue Rege­lung schafft mehr Sicher­heit, mehr Trans­pa­renz und mehr Arbeits­plät­ze“, erklär­te das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um. Jedes Loch muss nun ver­mes­sen und in einer amt­li­chen Kar­te ein­ge­zeich­net wer­den. Dann ent­schei­det eine fach­lich kom­pe­ten­te Kom­mis­si­on wel­ches Loch wel­che Far­be bekommt. Ist es rund oder doch viel­leicht schon leicht oval? Gilt rot oder oran­ge oder wird es doch blau da es zu flach oder zu tief ist.

Und es gibt Son­der­fäl­le. Gera­de wur­de ein Loch blau mar­kiert da brach ein wei­te­res Stück her­aus und es ver­än­der­te sich die Form. Nun wäre die Far­be gelb amt­lich. Aber mit gelb ist es schwie­rig das blau zu über­de­cken. Also macht man es zwei­far­big. Und für alle Ver­kehrs­teil­neh­mer ist nun deut­lich: Hier hat sich ein Schlag­loch ver­än­dert. Eigent­lich doch ganz ein­fach, oder?

Wer in die­sem Vor­gang ein­ge­bun­den ist braucht sich um sei­ne beruf­li­che Zukunft kei­ne Sor­gen zu machen. Denn die Schlag­lö­cher wach­sen ja nach – Arbeit ohne Ende.

Mitt­ler­wei­le hat die­se neue Vor­ge­hens­wei­se Aus­wir­kun­gen auf die Fahr­schu­len und die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung. Schließ­lich müs­sen die Ver­kehrs­teil­neh­mer ja wis­sen was bei wel­cher Far­be zu tun und zu las­sen ist.

Darf man über gelb fah­ren, muss ich bei blau aus­wei­chen und bei grün anhal­ten? Ein schwie­ri­ges Feld und es gibt viel zu ler­nen.

Ganz fre­che Bür­ger mach­ten nun den Ein­wand man kön­ne doch mit die­sem Zeit­auf­wand die Schlag­lö­cher repa­rie­ren. „Dafür fehlt uns das Per­so­nal und auch das Mate­ri­al“, lau­tet die Erklä­rung. Ja, ach so, da kann man wohl nichts machen.

In einer Gemein­de im Ber­gi­schen gibt es eine klei­ne Neben­stra­ße die mitt­ler­wei­le kom­plett bunt ist. Über die sozia­len Netz­wer­ke haben sich die­se Bil­der schnell ver­brei­tet und es wur­den bereits die ers­ten Bus­se mit japa­ni­schen Rei­se­grup­pen gesich­tet. Das hat natür­lich posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die ört­li­che Gas­tro­no­mie, die mit beson­de­ren Ange­bo­ten ein gutes Geschäft macht. Beson­ders beliebt ist die blaue Brat­wurst mit grü­nen Pom­mes und die bun­ten Rei­be­ku­chen, die mit Lebens­mit­tel­far­be eine ganz neue Optik erhal­ten haben.

Fakt ist: Deutsch­land wird bunt!

Foto. Wal­ter Schu­bert

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