„Die Sprache der Natur“ – Ausstellung Stadtbücherei

Ein Bei­trag von Ralf Schö­ne­weiß

Die Natur spricht eine eige­ne Spra­che. Sie erzählt von Far­ben, For­men, Licht und Bewe­gung, von der Har­mo­nie und zugleich von der Zer­brech­lich­keit unse­rer Welt. Die Aus­stel­lung „Die Spra­che der Natur“ lädt dazu ein, die­se Spra­che neu wahr­zu­neh­men – durch die Augen und die Zeich­nun­gen der ukrai­ni­schen Künst­le­rin und Desi­gne­rin Vik­to­ri­ia Kolo­mi­iets.

Vik­to­ria Kolo­mi­iets stammt aus der Ukrai­ne und lebt heu­te in Deutsch­land. Als Desi­gne­rin und Zeich­ne­rin beschäf­tigt sie sich seit vie­len Jah­ren mit Form, Far­be und visu­el­ler Gestal­tung. In ihrer künst­le­ri­schen Arbeit wid­met sie sich vor allem der Natur: Blu­men, Pflan­zen, Bäu­men und Land­schaf­ten. Ihre Zeich­nun­gen zei­gen die Schön­heit der natür­li­chen Welt nicht nur als ästhe­ti­sches Motiv, son­dern auch als etwas, das es zu bewah­ren und zu schüt­zen gilt.

Die Natur als Inspi­ra­ti­on

Für Vik­to­ria ist die Natur eine uner­schöpf­li­che Quel­le der Inspi­ra­ti­on. In ihren Arbei­ten beob­ach­tet sie genau die For­men und Struk­tu­ren, die uns im All­tag oft selbst­ver­ständ­lich erschei­nen: die fei­nen Lini­en eines Blat­tes, die kom­ple­xe Form einer Blü­te, die Bewe­gung eines Zwei­ges oder die Viel­falt der Far­ben.

Aus die­sen Beob­ach­tun­gen ent­ste­hen detail­rei­che Zeich­nun­gen, in denen die Natur manch­mal fast wie eine eige­ne Orna­m­ent­welt erscheint. Blü­ten wer­den zu Kom­po­si­tio­nen, ein­zel­ne Pflan­zen zu gra­fi­schen For­men und natür­li­che Struk­tu­ren zu einer visu­el­len Spra­che.

Dabei geht es der Künst­le­rin nicht dar­um, die Natur ledig­lich abzu­bil­den. Sie möch­te ihre Schön­heit sicht­bar und spür­bar machen. „Wenn wir die Schön­heit der Natur bewusst wahr­neh­men, ent­steht auch der Wunsch, sie zu schüt­zen.“

Die­ser Gedan­ke steht im Zen­trum der Aus­stel­lung. Die Bil­der sol­len den Betrach­ter für die Schön­heit unse­rer Umwelt sen­si­bi­li­sie­ren und dar­an erin­nern, dass das, was uns umgibt, nicht selbst­ver­ständ­lich ist. Die Natur ist nicht nur eine Inspi­ra­ti­ons­quel­le für Kunst – sie ist ein Teil unse­res Lebens und ver­dient unse­re Auf­merk­sam­keit und unse­ren respekt­vol­len Umgang.

Die Kunst der Hand­zeich­nung

Ein beson­de­res Merk­mal der Arbei­ten von Vik­to­ria Kolo­mi­iets ist ihre Tech­nik. Die Künst­le­rin arbei­tet vor allem mit Mar­kern und Linern und legt gro­ßen Wert auf die tra­di­tio­nel­le, manu­el­le Zeich­nung. In einer Zeit, in der immer mehr Bil­der digi­tal ent­ste­hen und künst­li­che Intel­li­genz neue Mög­lich­kei­ten der visu­el­len Gestal­tung eröff­net, besitzt die Hand­zeich­nung für sie eine beson­de­re Bedeu­tung. Jede Linie ent­steht unmit­tel­bar durch die Bewe­gung der Hand. Jeder Strich ist Teil des Ent­ste­hungs­pro­zes­ses und macht das fer­ti­ge Bild zu einem indi­vi­du­el­len Ori­gi­nal. Mar­ker ermög­li­chen dabei eine beson­de­re Ver­bin­dung von Zeich­nung und Far­be. Mit unter­schied­li­chen Farb­tö­nen, Über­la­ge­run­gen und fei­nen Über­gän­gen ent­ste­hen leben­di­ge, inten­si­ve und gleich­zei­tig prä­zi­se Kom­po­si­tio­nen. Die Liner ergän­zen die­se Tech­nik durch kla­re Kon­tu­ren und feins­te gra­fi­sche Details. So ent­steht ein Stil, der zwi­schen Illus­tra­ti­on, frei­er Zeich­nung und Design liegt. Für Vik­to­ria ist die­se unmit­tel­ba­re Ver­bin­dung zwi­schen Hand, Mate­ri­al und Papier ein wesent­li­cher Bestand­teil des künst­le­ri­schen Pro­zes­ses. Hand­zeich­nung bedeu­tet für sie, sich Zeit zu neh­men, genau hin­zu­se­hen und eine Idee Schritt für Schritt ent­ste­hen zu las­sen.

Kunst wei­ter­ge­ben

Die Begeis­te­rung für die­se Tech­nik möch­te Vik­to­ria nicht für sich behal­ten. Neben ihrer eige­nen künst­le­ri­schen Tätig­keit arbei­tet sie auch als Zei­chen­leh­re­rin und ver­mit­telt ihre Erfah­run­gen an Kin­der und Erwach­se­ne an der VSH Schu­le. In ihren Kur­sen ler­nen die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer, wie man mit Mar­kern und Linern arbei­tet, Far­ben kom­bi­niert, For­men beob­ach­tet und aus ein­zel­nen Natur­mo­ti­ven eige­ne Zeich­nun­gen und Kom­po­si­tio­nen ent­wi­ckelt. Dabei steht nicht allein das fer­ti­ge Bild im Mit­tel­punkt. Eben­so wich­tig ist der Weg dort­hin: das genaue Beob­ach­ten, das Expe­ri­men­tie­ren mit Far­ben, das Ent­wi­ckeln einer eige­nen Bild­idee und vor allem die Freu­de am Zeich­nen.

Die Kur­se sind sowohl für Anfän­ger als auch für Men­schen geeig­net, die bereits Erfah­rung mit Zeich­nung haben. Schritt für Schritt zeigt Vik­to­ria, wie aus ein­fa­chen Lini­en und For­men detail­lier­te und aus­drucks­star­ke Bil­der ent­ste­hen kön­nen.

Beson­ders span­nend ist dabei die Arbeit mit Moti­ven aus der Natur. Eine Blu­me kann zum Aus­gangs­punkt einer Illus­tra­ti­on wer­den, meh­re­re Pflan­zen kön­nen sich zu einer orna­men­ta­len Kom­po­si­ti­on ver­bin­den und aus einer ein­fa­chen Skiz­ze kann nach und nach ein fer­ti­ger Ent­wurf ent­ste­hen. Wer die Arbei­ten der Aus­stel­lung betrach­tet und selbst ein­mal aus­pro­bie­ren möch­te, wie die­se Zeich­nun­gen ent­ste­hen, hat die Mög­lich­keit, die­se Tech­nik in Vik­to­ri­as Kur­sen an der VSH Schu­le ken­nen­zu­ler­nen. Dort kön­nen Kin­der und Erwach­se­ne selbst zu Stift und Mar­ker grei­fen und ent­de­cken, wie viel Aus­drucks­kraft in einer hand­ge­zeich­ne­ten Linie steckt.

Von der Natur zur eige­nen Zeich­nung

Viel­leicht liegt genau dar­in die beson­de­re Bot­schaft von „Die Spra­che der Natur“: Kunst muss nicht immer laut sein. Manch­mal genügt eine Linie, eine Blü­te, ein Blatt oder eine beson­de­re Farb­kom­bi­na­ti­on, um unse­re Auf­merk­sam­keit auf etwas Wesent­li­ches zu len­ken. Die Aus­stel­lung ver­bin­det des­halb meh­re­re Aspek­te, die Vik­to­ria Kolo­mi­iets beson­ders wich­tig sind: ihre Lie­be zur Natur, ihre Lei­den­schaft für Hand­zeich­nung, ihre Erfah­rung als Desi­gne­rin und ihre Freu­de dar­an, Wis­sen und krea­ti­ve Fähig­kei­ten an ande­re Men­schen wei­ter­zu­ge­ben. Ihre Bil­der laden dazu ein, inne­zu­hal­ten und genau­er hin­zu­se­hen. Denn die Natur ist über­all um uns – in den gro­ßen Land­schaf­ten eben­so wie in den kleins­ten Details einer Blü­te. Sie spricht stän­dig zu uns. Wir müs­sen nur ler­nen, zuzu­hö­ren.

„Die Spra­che der Natur“ ist eine Ein­la­dung, die­se Schön­heit wie­der bewusst wahr­zu­neh­men – und viel­leicht selbst zu Stift und Papier zu grei­fen.

Die Aus­stel­lung „Die Spra­che der Natur“ ist noch bis zum 29.09. in der Stadt­bü­che­rei Wer­mels­kir­chen zu sehen.

Öff­nungs­zei­ten

Mon­tag: 10:00–12:00 Uhr und 14:30–18:00 Uhr
Diens­tag: 14:30–18:00 Uhr
Mitt­woch: geschlos­sen
Don­ners­tag: 10:00–12:00 Uhr und 14:30–19:00 Uhr
Frei­tag: 14:30–18:00 Uhr
Sams­tag: 10:00–12:00
Sonn­tag: geschlos­sen

Foto: Ralf Schö­ne­weiß

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