Persönlicher Rückblick

Was hät­ten wir uns frü­her gefreut wäre der Zug aus­ge­fal­len oder zu spät gekom­men. Frü­her heißt: 1966, in der Zeit der legen­dä­ren Bahn-Wer­bung.

„Alle reden vom Wet­ter – Wir nicht“ lau­te­te der Slo­gan. Und im Gegen­satz zu den meis­ten Wer­be­sprü­chen stimm­te das tat­säch­lich zu der dama­li­gen Zeit.

So ab 1963 /1964 bin ich mit dem Zug nach Bur­scheid zur Real­schu­le gefah­ren. Aben­teu­er­li­che Gerä­te waren da unter­wegs – manch­mal noch mit Dampf, dann mit einer Die­sel­lok und dann mit dem berühm­ten roten Schie­nen­bus. Unvor­stell­bar: Es gab noch Rau­cher- und Nicht­rau­cher-Abtei­le und die Aschen­be­cher hat­ten die Grö­ße eines klei­nen Eimers. Die Türen und Fens­ter konn­te man selbst auf und zu machen und das Schü­ler-Ticket kauf­te man ana­log, also per­sön­lich und kör­per­lich vor Ort an einem Schal­ter am Bahn­hof Wer­mels­kir­chen. War eine ein­fa­che und über­sicht­li­che Zeit.

Als Schü­ler hät­ten wir uns über Aus­fäl­le oder min­des­tens Ver­spä­tun­gen gefreut. „Sor­ry, Zug hat­te Ver­spä­tung“ und schon hät­te man sich eine elen­de Mathe­stun­de gespart.

Aber nichts pas­sier­te, Die­se Din­ger fuh­ren immer – selbst im Win­ter. Wenn heu­te ein paar feuch­te Blät­ter auf den Schie­nen lie­gen bricht alles zusam­men. Ich kann mich wirk­lich nicht erin­nern dass wir mal nicht fah­ren konn­ten.

Nach der Real­schu­le ging es nach Wup­per­tal zur Fach­ober­schu­le. Von Wer­mels­kir­chen nach Len­nep, umstei­gen und dann wei­ter bis Wup­per­tal Unter­bar­men. Ja, schon damals war es zum Erbar­men, die­ses Unter­bar­men.

Es roch nach Urin, war ver­müllt und ver­sifft. Da hat sich nichts geän­dert. Aber die Züge fuh­ren pünkt­lich und zuver­läs­sig.

Wäh­rend der Berufs­zeit bin ich ein­mal (!) mit dem Zug von Köln nach Frank­furt zu einem Semi­nar gefah­ren. Erkennt­nis: Nie wie­der!

Spä­ter haben wir dann noch ein­mal einen Motor­rad-Rei­se­zug genutzt. Von Köln nach Mün­chen. Unglaub­lich umständ­lich, unglaub­lich zeit­in­ten­siv und unglaub­lich unfreund­lich. Ergeb­nis: Nie wie­der!

Danach habe ich nie wie­der einen Zug bestie­gen und ich hat­te Glück nicht zu den unglück­li­chen Zug­pend­lern zu gehö­ren. Heu­te brau­che ich kei­nen Zug mehr und wahr­schein­lich hät­te ich gar kei­ne Chan­ce da der Zug ja sowie­so nicht kommt.

Allen eine gute Fahrt.

Foto: Wal­ter Schu­bert

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