Klartext

Buch­emp­feh­lung von Sabri­na Ollig aus der Stadt­bü­che­rei.


Klar­text

von Sara Novic
Aus dem ame­ri­ka­ni­schen Eng­lisch von Judith Schwa­ab

476 Sei­ten

btb Ver­lag 2025

In einem Inter­nat für Gehör­lo­se kreu­zen sich auf schick­sal­haf­te Wei­se die Wege einer Leh­re­rin und drei­er Jugend­li­cher.

Char­lie ist die rebel­li­sche Neue an der River Val­ley School. Sie trägt ein Coch­lea-Implan­tat und kämpft damit, sich ver­ständ­lich zu machen, denn bis­her hat­te sie kei­nen Kon­takt zur Gemein­schaft der Gehör­lo­sen und sie muss die Gebär­den­spra­che erst ler­nen. Aus­tin gilt als Über­flie­ger, doch als sei­ne klei­ne Schwes­ter hörend gebo­ren wird, gerät sei­ne Welt ins Wan­ken. Und Schul­lei­te­rin Febru­ary Waters hat damit zu kämp­fen, dass ihre Schu­le schlie­ßen muss – und ihre Ehe womög­lich vor dem Aus steht. Dann ver­schwin­den Char­lie und Aus­tin zusam­men mit einem wei­te­ren Schü­ler aus dem Inter­nat und für Febru­ary beginnt ein Wett­lauf gegen die Zeit.

Die Autorin ist selbst gehör­los, erleb­te den Hör­ver­lust aber erst im Lau­fe ihres Lebens, wes­halb sie bei­de Wel­ten gut kennt. Sie beschreibt das Leben von Gehör­lo­sen und deren Ange­hö­ri­gen sehr authen­tisch sowie die Schwie­rig­kei­ten mit denen sie sich aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Zwi­schen den Kapi­teln ver­mit­telt sie immer wie­der Sach­wis­sen über die Gebär­den­spra­che und den his­to­ri­schen, gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Umgang mit der Gehör­lo­sig­keit.

“Klar­text” ist eine Mischung aus Own-Voice-Roman, Coming-of-Age-Geschich­te und Fami­li­en­dra­ma, der bei­läu­fig vie­le Infor­ma­tio­nen zur Gehör­lo­sig­keit ver­mit­telt. Es ist ein viel­schich­ti­ger und empa­thi­scher Roman, der einen mit­rei­ßen­den Ein­blick in die Gemein­schaft und Kul­tur der Gehör­lo­sen bie­tet und eine berüh­ren­de Geschich­te mit lebens­ech­ten und lie­bens­wer­ten Cha­rak­te­ren über Zusam­men­halt und Ver­bun­den­heit, aber auch über Ver­ant­wor­tung, Selbst­ver­trau­en und den Mut, für sei­ne Idea­le zu kämp­fen und sei­nen eige­nen Weg zu gehen. Es ist ein augen­öff­nen­der Roman für mehr Ver­ständ­nis, Inklu­si­on, Diver­si­tät und das Recht auf Selbst­be­stim­mung.

Bil­der: Marie-Loui­se Lich­ten­berg

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