Das Rhombus-Projekt ist derzeit eines der meistdiskutierten Themen in Wermelskirchen. Die Planungen zur zukünftigen Entwicklung des Areals stoßen auf unterschiedliches Echo und werden in Bürgerschaft, Politik und Öffentlichkeit intensiv begleitet. Auch auf Forumwk sind dazu bereits mehrere Beiträge erschienen, in denen verschiedene Aspekte des Vorhabens beleuchtet wurden.
Um eine weitere Perspektive in die laufende Diskussion einzubringen, habe ich den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Rat der Stadt Wermelskirchen, Jochen Bilstein, um eine Stellungnahme gebeten. Nachfolgend veröffentlicht Forumwk seinen Beitrag im Wortlaut.
Lutz Balschuweit hat mich gebeten, einen „Pro Rhombus“ Artikel zu schreiben, was mir nicht schwerfällt. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass ich wegen dieser Aufgabenstellung darauf verzichte, auf Argumente einzugehen, die aus inhaltlichen bzw. finanziellen Gründen gegen das Projekt vorgebracht werden.
Eine Bemerkung vorweg: Der Planungs- und Entscheidungsprozess in Sachen „Rhombus Gelände“ ist einige Jahre alt und wurde nicht hinter verschlossenen Türen, sondern weitgehend (soweit dem keine rechtlichen Gründe entgegenstanden) in öffentlichen Sitzungen vorgestellt, diskutiert und beschlossen sowie in der lokalen Presse dargestellt. Erst seit der Veröffentlichung der Gesamtkosten stelle ich jedoch ein größeres öffentliches Interesse fest und zwar vornehmlich an diesen Kosten für die Stadt, weniger an den konkreten städtebaulichen Maßnahmen.
Zum Projekt Rhombus
Über viele Jahre sah es so aus, als würde die Industriebrache nicht nur für die Wermelskirchener Bevölkerung, sondern seit Bestehen der Umgehungsstraße auch für Auswärtige sichtbar, für die Ewigkeit existieren. Die Pläne der Alteigentümer, dort Einzelhandel anzusiedeln, wurde im Interesse einer intakten Innenstadt vom Rat abgelehnt, Pläne für einen Hotelbetrieb zerschlugen sich. Einzelinvestitionen der privaten Eigentümer oder der Stadt Wermelskirchen waren nicht zu stemmen. So blieb nur ein gemeinsames Konzept zur Nutzung des Areals übrig, das aus privaten wie öffentlichen (Stadt Wermelskirchen) Investitionen plus Fördermitteln (Städtebauförderung) durch das Land NRW bestand. Die Stadt erwarb nach schwierigen Verhandlungen einen Teil des Geländes an der B 51, ein weiterer Teil des Geländes an der Umgehungsstraße wurde von den privaten Eigentümern überplant, für den Rest des Grundstücks wurde von einem örtlichen Architekturbüro ein Vorschlag für eine Wohnbebauung (70 Wohneinheiten) vorgestellt.
Die Planungen für den städtischen Grundstücksteil sehen den „Rhombus Campus“ mit Hallenbad und „Haus der Vereine“, einen Quartiersplatz, einen Freiraum mit See und Promenade unterhalb des Hallenbades, einen Grünzug entlang der B51 und eine Brückenverbindung zwischen der Innenstadt am Brückenweg und dem Campus vor.
Was sind aus meiner Sicht die entscheidenden Gründe für eine Umsetzung des Projekts trotz der erheblichen Eigenbeteiligung der Stadt in Höhe von rund 38 Millionen Euro?
- Dass eine Industriebrache in unmittelbarer Nachbarschaft der Innenstadt seit Jahrzehnten zerfällt, einen Schandfleck darstellt und ungenutzt bleibt, ist für sich gesehen schon ein Grund aktiv zu werden.
- Die Überlegungen, welche Nutzung es für ein öffentliches Grundstück geben sollte, sind bereits älter. So war anfangs die Ansiedlung einer Hochschuldependance überlegt worden, was jedoch verworfen wurde. Stattdessen wurde die Idee konkret, das aus technischen und baulichen Gründen zwingend neu zu errichtende Hallenbad nicht an seinem alten Standort im Hüpptal zu errichten, sondern auf dem Rhombus Gelände. Dieser Standort hat eindeutige Vorteile gegenüber dem alten, aus Gründen der verkehrlichen Anbindung und somit einer besseren Erreichbarkeit wie der Integration in das innerstädtische Leben. Ein „Haus der Vereine“ schafft der Volkshochschule nach mehreren Umzügen endlich ein angemessenes und dauerhaftes Quartier. Hinzu kommen multifunktionale Räume für alle Vereine und ehrenamtliche Gruppen der Stadt, weder nur für einen bestimmten Verein, noch ausschließlich für Sportvereine.
- Architektur zu beurteilen ist trotz aller objektiven Maßstäbe, die es gibt, auch immer subjektiven Urteilen unterworfen. Das gilt sicher auch für die geplanten Gebäude des Rhombus Campus. Mich hat, von Einzelheiten vielleicht abgesehen, die Architektursprache, die auch von den privaten Bauherren weitgehend übernommen werden soll, überzeugt. Dazu gehört nicht zuletzt die ökologische Bauweise.
- Der sogenannte „zentrale Freiraum mit See“ überzeugt mich hinsichtlich seiner ökologischen Funktion wie seiner zukünftigen Bedeutung als verkehrsberuhigter, begrünter Ort für die Bevölkerung.
- Damit das Quartier aus der Innenstadt fußläufig und per Rad gut zu erreichen ist, plant man einen „Stadtbogen“ von dem städtebaulich in Teilen aufgewerteten Brückenweg über die B 51.
Wenn ich die geplanten baulichen Maßnahmen – ich beziehe mich im Wesentlichen auf das öffentliche Gelände, übergreifende Projekte von Stadt und Privat werden durch städtebauliche Verträge geregelt – abschließend zusammenfasse und eine Kosten – Nutzenbetrachtung vornehme, komme ich zu dem Ergebnis, dass der mittel- wie langfristige Nutzen die finanziellen Belastungen, die in der Tat enorm sind, überwiegen. Die schon jetzt auch bei vielen Bewohnern der Nachbarstädte beliebte Wermelskirchener Innenstadt wird für alle attraktiver. Wichtige Sport‑, Ehrenamts- und Bildungseinrichtungen sind zentral sichtbar und erreichbar im Zentrum untergebracht. Auswärtige Investoren, die an unserer Stadt Interesse haben, erleben eine Aufbruchsstimmung gerade in Zeiten von Depression und Pessimismus. Das sollte nicht den Großstädten vorbehalten bleiben. Deshalb werde ich am 9.2. im Rat dem Beschluss zum Rhombus Projekt zustimmen.
Foto: Forumwk


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