Rhombus-Projekt: Prestigezwang oder Notwendigkeit?

Meinung:

In Kür­ze wird der Stadt­rat über die För­der­an­trä­ge für das soge­nann­te Rhom­bus-Pro­jekt ent­schei­den. Der Rats­be­schluss über die Umset­zung die­ses „Leucht­turm­pro­jekts“ liegt zwar bereits vor, aber es gab schon frü­he­re Beschlüs­se zu ande­ren gro­ßen Bau­vor­ha­ben in Wer­mels­kir­chen, die dann doch nicht rea­li­siert wur­den. Bei­spiel: das Hal­len­bad im Hüpp­tal für das sogar schon erheb­li­che Pla­nungs­kos­ten anfie­len. Beglei­tet wur­de das Rhom­bus-Pro­jekt bis­her von wohl­wol­len­den Kom­men­ta­ren diver­ser Kom­mu­nal­po­li­ti­ker und des wahl­kämp­fen­den Bür­ger­meis­ters Hibst. Alle beschwo­ren die ein­ma­li­ge Chan­ce. Doch ange­sichts der aktu­el­len Haus­halts­la­ge und eines dro­hen­den Sanie­rungs­kon­zepts stellt sich eine Fra­ge mit wach­sen­der Dring­lich­keit: Kön­nen – und soll­ten – wir uns die­ses Enga­ge­ment der­zeit über­haupt leis­ten?

Die finan­zi­el­le Situa­ti­on der Stadt ist seit Jah­ren ange­spannt. Käm­me­rer Irlen­busch selbst macht kei­nen Hehl dar­aus, dass neue Inves­ti­tio­nen nur sehr ein­ge­schränkt mög­lich sind und selbst mit Unter­stüt­zung von Land und Bund kaum Spiel­räu­me bestehen (BM 04.01.2026). Pflicht­auf­ga­ben, Sanie­rungs­staus bei Schu­len und Infra­struk­tur, stei­gen­de Sozi­al­aus­ga­ben sowie der dau­er­haf­te Druck auf frei­wil­li­ge Leis­tun­gen zeich­nen ein kla­res Bild: Jeder Euro muss mehr­fach umge­dreht wer­den.

Vor die­sem Hin­ter­grund wirkt es min­des­tens befremd­lich, wenn ein ambi­tio­nier­tes Pro­jekt wie Rhom­bus zwar öffent­lich­keits­wirk­sam bewor­ben wird, sei­ne lang­fris­ti­gen finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen auf den städ­ti­schen Haus­halt jedoch nur am Ran­de the­ma­ti­siert wer­den. För­der­mit­tel klin­gen ver­lo­ckend – sie sind jedoch sel­ten kos­ten­los. Eigen­an­tei­le sowie Fol­ge­kos­ten für Betrieb, Per­so­nal und Instand­hal­tung blei­ben in der Regel bei der Kom­mu­ne hän­gen. Genau die­se Kos­ten wer­den all­zu oft erst spür­bar, wenn die För­der­ku­lis­se längst ver­schwun­den ist.

Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet daher nicht, ob das Rhom­bus-Pro­jekt inhalt­lich inter­es­sant oder inno­va­tiv ist. Die Fra­ge ist, ob es in der aktu­el­len Situa­ti­on Prio­ri­tät haben soll­te. Ist es sinn­voll, erheb­li­che per­so­nel­le und finan­zi­el­le Res­sour­cen in ein Pro­jekt zu bin­den, wäh­rend an ande­rer Stel­le drin­gend benö­tig­te Inves­ti­tio­nen auf­ge­scho­ben oder ganz gestri­chen wer­den müs­sen? Wel­che Signa­le sen­det der Stadt­rat an Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die tag­täg­lich mit maro­den Stra­ßen, bau­fäl­li­gen Kitas oder sanie­rungs­be­dürf­ti­gen Schu­len sowie kos­ten­in­ten­si­ven Zwi­schen­lö­sun­gen (Ten­te-OGS) oder einer neu­en, sich stän­dig ver­teu­ern­den Bau­stel­le Hüpp-Park­an­la­ge kon­fron­tiert sind?

Ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Umgang mit Steu­er­gel­dern erfor­dert gera­de in schwie­ri­gen Zei­ten Zurück­hal­tung und eine kla­re Prio­ri­tä­ten­set­zung. Visio­nen dür­fen nicht los­ge­löst von der finan­zi­el­len Rea­li­tät ver­folgt wer­den. Der viel zitier­te „Prüf­stand“ darf kein blo­ßes Schlag­wort blei­ben, son­dern muss eine ehr­li­che Abwä­gung beinhal­ten – inklu­si­ve der Opti­on, Pro­jek­te zu ver­schie­ben oder ganz auf Eis zu legen.

Der Stadt­rat steht vor einer rich­tungs­wei­sen­den Ent­schei­dung. Sie soll­te nicht allein von För­der­quo­ten und Image­ge­win­nen bestimmt wer­den, son­dern vor­ran­gig von der nüch­ter­nen Fra­ge, was die Stadt jetzt wirk­lich braucht – und was sie sich leis­ten kann.

Foto: Lothar Dähn

Kommentare

16 Antworten zu „Rhombus-Projekt: Prestigezwang oder Notwendigkeit?“

  1. Avatar von Richard Kranz
    Richard Kranz

    Es fällt Herrn Dähn ganz offen­sicht­lich schwer zu rea­li­sie­ren, daß das Schul­den­brems-Kon­zept, also das Ver­schie­ben drin­gend not­wen­di­ger Sanie­run­gen in eine unbe­stimm­te Zukunft, und sein Ober­ver­fech­ter, ein aus Wer­mels­kir­chen stam­men­der Bank­rot­teur, vom Bun­des­wahl­volk abser­viert wur­de. Unter die­sen Umstän­den sind nach­hal­ti­ge Vor­schlä­ge zur Nut­zung des Rhom­bus-Are­als nicht zu erwar­ten.

    Im übri­gen bezweif­le ich, daß einer der hier täti­gen Dis­pu­tan­ten im Rah­men des Ver­fah­rens aktiv gewor­den ist und sei­ne Rech­te als Bür­ger, Anre­gun­gen und Beden­ken gel­tend zu machen, wahr­ge­nom­men hat. ICH habe dies getan des­halb, weil mir sinn­vol­le Stadt­ent­wick­lung Ehren­sa­che ist.

    Mop­pern kann jeder; sich ein­brin­gen und Ver­ant­wor­tung zei­gen ist eine Fra­ge der Hal­tung.

  2. Avatar von Frank Kaluscha
    Frank Kaluscha

    So ganz stim­men hier die Zah­len zum Hal­len­bad nicht und es feh­len auch Grün­de für den Stand­ort­wech­sel zum Rhom­bus­ge­län­de.

    Zuerst zu den Kos­ten: 2022 wur­den die Kos­ten für einen Hal­len­bad­neu­bau (die wirt­schaft­li­che­re Vari­an­te gegen­über einer Sanie­rung laut Gut­ach­ten) auf knapp 11 Mil­lio­nen geschätzt. Bei der Betrach­tung der Zuwe­gung ist aber die Not­wen­dig­keit einer zusätz­li­chen Anbin­dung über die Dün­ner Stra­ße nicht zu ver­ges­sen. Dazu hieß es in der Sit­zung: “Zu dis­ku­tie­ren sind vor allem der finan­zi­el­le Auf­wand für den Neu­bau einer Stra­ße und die zusätz­li­chen Ein­grif­fe in den wert­vol­len Natur­raum im Hüpp­tal.” Also min­des­ten 1 bis 2 Mil­lio­nen drauf und dazu wie­der wert­vol­ler Natur­raum der “geop­fert” wird. Und natür­lich wäre auch hier mit Bau­kos­ten­stei­ge­run­gen zu rech­nen gewe­sen.

    Von daher sind die 28 Mil­lio­nen eine Men­ge Holz und die Stadt muss sich das auch leis­ten kön­nen. Das ist in der aktu­el­len Situa­ti­on nicht ein­fach. Sie sind aber inklu­si­ve neu­es Gebäu­de für die VHS und Haus der Ver­ei­ne (da hof­fe ich auch auf ein trag­fä­hi­ges Kon­zept) + wei­te­re Nut­zungs­mög­lich­kei­ten teu­er aber nicht unver­hält­nis­mä­ßig teu­er (für die Stadt).

    Als Ver­gleich die geschät­zen Kos­ten für den Neu­bau (das Meis­te) und die Sanie­rung des Rests der Grund­schu­le Ten­te: 17.983.906,51 €.

    Dazu kommt, dass das neue Hal­len­bad wesent­lich ver­kehrs­güns­ti­ger liegt als das alte Hal­len­bad (maxi­mal 5 Minu­ten zu Fuß vom Bus­bahn­hof oder aus der Innen­stadt). Außer­dem erwar­te ich durch das Hal­len­bad an die­ser Stel­le mehr Fre­quenz in der Innen­stadt.

    Und kurz zur alten Pla­nung (Rem­schei­der Bau­un­ter­neh­men): Die Beschrei­bung ist rich­tig, das Pro­blem wäre nur eine wei­te­re “Ver­elen­dung” der Innen­stadt. Wir/Ihr haben/habt schon Aldi und Lidl das Bau­en auf der “grü­nen Wie­se” fal­scher Wei­se erlaubt. Nach dem Weg­zug an der unte­ren Eich ist die Fre­quenz von Kun­den dort stark zurück gegan­gen.

  3. Avatar von Harald Heidbüchel
    Harald Heidbüchel

    Ein Stern für Herr Hen­ning Reh­se für Zah­len und Fak­ten aus ers­ter Hand, so funk­tio­niert gute und infor­ma­ti­ve Kom­mu­nal­po­li­tik.

  4. Avatar von Forum Wermelskirchen
    Forum Wermelskirchen

    Nach­trag – Unter­la­gen zum Kom­men­tar von Hen­ning Reh­se

    a) ISEKInnovationsquartier_2025-09–21_Versand

    b) Anlage3_Sanierungsgebiet

  5. Avatar von Lothar Dähn
    Lothar Dähn

    Der Kom­men­ta­tor Hen­ning Reh­se lie­fert kon­kre­te Zah­len (PDF) und einen Insi­der-Rück­blick auf loka­le Groß­pro­jek­te der Ver­gan­gen­heit. Der Hin­weis auf eine mög­li­che Ver­teue­rung noch vor Bau­be­ginn ist eben­falls wich­tig. Mit einer wei­te­ren Ver­teue­rung wäh­rend der Bau­pha­se muss mög­li­cher­wei­se mit Blick auf den Ver­ga­be­ver­trag eben­falls gerech­net wer­den. Jetzt feh­len noch die Anga­ben zu den jähr­li­chen Instand­hal­tungs­kos­ten des Kli­ma­tei­ches und des Gebäu­de­ma­nage­ments für das Haus der Ver­ei­ne. Liegt für die­ses Haus eigent­lich eine Bedarfs­ana­ly­se und ein schlüs­si­ges Kon­zept vor? Viel­leicht kann jemand noch einen Grund­riss bei­steu­ern? Der Prüf­stand nimmt Gestalt an. Ich zol­le allen Respekt, die den Mut haben, eige­ne bis­he­ri­ge Posi­tio­nen zu die­sem Pro­jekt zu über­den­ken.

  6. Avatar von Henning Rehse
    Henning Rehse

    För­der­gel­der

    Die hier bis­lang vor­ge­tra­ge­nen Argu­men­te und Kri­tik­punk­te sind durch­weg rich­tig und beden­kens­wert.

    Das Wort För­der­gel­der hat eine schon magi­sche dro­gen­ähn­li­che Wir­kung: Für Schö­nes und Wün­schens­wer­tes gibt es Geld von Drit­ten.
    Es sei dar­an erin­nert, dass ers­tens die­ses Geld der Drit­ten letzt­end­lich auch von Bür­gern und Unter­neh­men gezahl­te Steu­ern sind, zwei­tens es einen selbst zu finan­zie­ren­den Eigen­an­teil gibt und drit­tens För­der­pro­jek­te stets zu einer Ver­zö­ge­rung der Inves­ti­ti­on füh­ren, die ihrer­seits über die Kos­ten­stei­ge­rung das Pro­jekt nicht uner­heb­lich ver­teu­ert.

    Vor kur­zem hat das Land erst mit­ge­teilt, dass es 13,1 Mio.€ Alt­schul­den Wer­mels­kir­chens über­nimmt, das sind weni­ger als 10% aller Schul­den der Stadt. 139 Mio.€ Schul­den blei­ben. Die­se Alt­schul­den­über­nah­me ent­las­tet den städ­ti­schen Haus­halt um jähr­lich ca. 600T€ – immer­hin.

    Im Sep­tem­ber wur­de dem Aus­schuss für Stadt­ent­wick­lung und Ver­kehr die aktu­el­le Kos­ten­auf­stel­lung zu Rhom­bus (liegt dem Admi­nis­tra­tor die­ses Blogs vor) vor­ge­legt. Die Stadt Wer­mels­kir­chen hat für das Pro­jekt net­to nach Abzug der För­der­mit­tel 28.660 Mio.€ auf­zu­brin­gen. Das sind mehr als dop­pelt so vie­le neue Schul­den, als Alt­schul­den getilgt wur­den. Dazu kom­men noch drin­gend not­wen­di­ge Schul­pro­jek­te wie Ten­te, die auch größ­ten­teils über neue Schul­den finan­ziert wer­den und die jähr­li­che Belas­tung wei­ter anstei­gen las­sen.

    Der Hin­weis, dass die Poli­tik hier­über ganz­heit­lich bera­ten und ent­schei­den muss, sind also abso­lut rich­tig.

    Dabei soll­te aber auch ein­mal an die His­to­rie hin­sicht­lich städ­ti­scher Groß­pro­jek­te erin­nert wer­den. Jeder soll­te gera­de die­se Pro­jek­te in der Nach­be­trach­tung auf Kos­ten und Nut­zen ein­mal kri­tisch hin­ter­fra­gen.
    2005 wur­de der Schwa­nen­platz kom­plett umge­stal­tet.
    Es folg­te der Innen­stadt­aus­bau. Hüpp und Rhom­bus ste­hen jetzt an – alles mit dem Hin­weis auf die För­de­rung beju­belt und beschlos­sen.

    Par­al­lel ließ sich die Stadt dann aber auch noch ihre Wün­sche und Vor­stel­lun­gen mit Mil­lio­nen­be­trä­gen etwas kos­ten:
    Der Kauf­preis des Loches-Platz wur­de mit einem sie­ben­stel­li­gen Betrag zuguns­ten des Inves­tors geför­dert, obwohl es Optio­nen gab, den Platz auch anders zu gestal­ten und zu bebau­en, halt ohne Sub­ven­tio­nie­rung – aber die heu­ti­ge Ver­si­on muss­te es sein, kos­te es, was es wol­le, im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes.
    2011 – also vor 15 Jah­ren – trat die Eigen­tü­mer­ge­mein­schaft des Rhom­bus-Gelän­des, das sich aus­schließ­lich in Pri­vat­be­sitz befand, mit einem kom­plett pri­va­ten Inves­to­ren­kon­zept an die Stadt her­an. Die Gemein­schaft woll­te kom­plett in pri­va­ter Regie mit einem Rem­schei­der Inves­tor die Flä­che ent­wi­ckeln, sanie­ren, bebau­en und ver­mark­ten. Ein­zi­ger Part der Stadt wäre die geneh­mi­gungs­tech­ni­sche Sei­te gewe­sen. Eine Min­der­heit in Rat und Ver­wal­tung, zu der ich auch gehör­te, war vor 15 Jah­ren bereit, die­sem Kon­zept zu fol­gen. eine Mehr­heit sah dies aller­dings anders und schloss Ein­zel­han­del jen­seits der Dell­mann­stra­ße aus zumin­dest theo­re­tisch nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den aus. Damit war das Pro­jekt gestor­ben und die Bra­che blieb jah­re­lang lie­gen.
    Bereits vor Jah­ren war klar, dass das Hal­len­bad tech­nisch bau­lich in sei­ne Lebens­end­pha­se ein­bog. Völ­lig rich­tig: Ein neu­es Hal­len­bad muss­te über kurz oder lang her. Ers­te Kos­ten­schät­zun­gen für ein ange­mes­se­nes neu­es Bad am Quel­len­weg lagen bei unter 10 Mio.€. Die­ses Bad könn­te seit Jah­ren in Betrieb sein, wenn es nicht immer wie­der neue „Ideen“ gege­ben hät­te.
    Jüngs­te Idee war dann eben das „Zusam­men­bin­den“ von Rhom­bus und Hal­len­bad im jet­zi­gen Pro­jekt.
    Heißt also, dass man für net­to 28,660 Mio.€ in ein paar Jah­ren ein „Hal­len­bad plus“ bekommt, wäh­rend man vor eini­gen Jah­ren für weni­ger als 10 Mio.€ „nur“ ein Hal­len­bad bekom­men hät­te.
    Wenn man sich denn in der finan­zi­el­len Situa­ti­on der Stadt die gan­zen Vor­stel­lun­gen, Vor­ga­ben in Form von „Add-Ons“ (noch) leis­ten kann…
    … dar­über muss in der Tat gespro­chen wer­den!

    Anhang: PDF-Datei

  7. Avatar von Klaus Ulinski
    Klaus Ulinski

    Wenn man den Bei­trag und die Dis­kus­si­on hier liest, bleibt vor allem eines zurück: ein enor­mes Maß an Unklar­heit – und genau das ist der Kern des Pro­blems. Ein sol­ches Zen­trum auf einem Gelän­de zu errich­ten, bei dem bis heu­te nicht ein­mal ver­läss­lich geklärt ist, wel­che Fol­ge­kos­ten durch mög­li­che Boden­kon­ta­mi­nie­run­gen ent­ste­hen kön­nen, wirkt weder ver­ant­wor­tungs­voll noch zukunfts­ori­en­tiert. Wer zahlt am Ende, wenn sich die Risi­ken mate­ria­li­sie­ren? Dar­über wird erstaun­lich wenig gespro­chen.
    Auch das immer wie­der bemüh­te „Haus der Ver­ei­ne“ soll­te man sehr kri­tisch hin­ter­fra­gen. War­um wird so getan, als gäbe es in Wer­mels­kir­chen kei­ne Alter­na­ti­ven? Im Zuge der Hüp­p­­tal-Ent­wick­lung rund um den Fuß­ball­platz hät­te man die bestehen­de Anla­ge gezielt für die Ver­ei­ne wei­ter­ent­wi­ckeln kön­nen. Unter­halb des Quel­len­ba­des liegt zudem eine gro­ße Brach­flä­che – mut­maß­lich ein ehe­ma­li­ger Fuß­ball­platz –, die heu­te vor sich hin ver­rot­tet. Wer die­se Flä­che sieht, kann die welt­frem­den Beteue­run­gen der Poli­tik über die angeb­lich so hohe Wert­schät­zung der Ver­eins­ar­beit kaum noch ernst neh­men.
    Gera­de hier hät­te sich eine ech­te Chan­ce gebo­ten: War­um nicht die Sanie­rung des Quel­len­ba­des mit der Schaf­fung eines wirk­li­chen, funk­tio­na­len Zen­trums für Ver­ei­ne ver­bin­den? Ein Ort, der erreich­bar ist, sicher, sinn­voll ein­ge­bet­tet – und nicht ein Pres­ti­ge­pro­jekt an frag­wür­di­ger Stel­le.
    Ein kon­kre­tes Bei­spiel macht das Dilem­ma deut­lich: der Judo­club Wer­mels­kir­chen. Hier wird Woche für Woche groß­ar­ti­ge Arbeit geleis­tet. Eine beein­dru­cken­de Anzahl von Kin­dern trai­niert dort, ange­lei­tet von Ehren­amt­li­chen, denen man gar nicht genug Respekt ent­ge­gen­brin­gen kann. Und doch: Haben sich die Ver­ant­wort­li­chen ein­mal ange­se­hen, in wel­cher Umge­bung die Kin­der zum Trai­ning kom­men müs­sen? Dich­tes Bus- und Auto­ver­kehrs­auf­kom­men, Eltern mit Kin­dern, die zwi­schen Fahr­zeu­gen Stra­ßen über­que­ren, prak­tisch kei­ne Park­mög­lich­kei­ten. Dass hier noch nichts Ernst­haf­tes pas­siert ist, grenzt an ein Wunder.Es ist beschä­mend für Wer­mels­kir­chen, ein sol­ches Enga­ge­ment zwar in Sonn­tags­re­den zu loben, es aber struk­tu­rell im Stich zu las­sen. Ein ech­tes „Haus der Ver­ei­ne“, sinn­voll gele­gen und sicher erreich­bar, wäre für Kin­der, Eltern, Ehren­amt­li­che und letzt­lich für die gesam­te Stadt ein Gewinn.
    Das Rhom­bus-Pro­jekt hin­ge­gen wirkt der­zeit vor allem wie ein Gewinn für weni­ge. Für die brei­te All­ge­mein­heit – und ins­be­son­de­re für die Ver­ei­ne – ist die­ser Mehr­wert bis­lang nicht erkenn­bar.

    1. Avatar von Frank Kaluscha
      Frank Kaluscha

      Und hier noch eine Ant­wort auf Herrn Ulin­ski hin­sicht­lich der Schad­stoff­be­las­tung des Rhom­bus­are­als:

      Ich zitie­re die Ver­wal­tung: „Tei­le des brach­lie­gen­den Are­als sind auf­grund der Vor­nut­zung (u.a. Gal­va­nik) mit Schad­stof­fen belas­tet, sodass eine Boden­sa­nie­rung not­wen­dig ist….“ „Die mit der Qua­li­fi­zie­rung des Stand­orts ver­bun­de­nen Kos­ten waren bis­her ein wesent­li­cher ent­wick­lungs­hem­men­der Fak­tor, da eine pri­vat­wirt­schaft­lich ren­tier­li­che Inves­ti­ti­on, die die Zie­le der Stadt­ent­wick­lung der Stadt Wer­mels­kir­chen berück­sich­tigt…. “
      Wer soll denn die seit lan­gem fäl­li­ge Ent­sor­gung über­neh­men? Ich hal­te es für wesent­lich umwelt­ge­rech­ter, wenn eine Kom­mu­ne die Sanie­rung min­des­tens inten­siv beob­ach­tet, wenn nicht bes­ser direkt beauf­tragt, als wenn das die pri­va­ten gewinn­ori­en­tier­ten Eigen­tü­mer über­neh­men. Nicht nur dort gab es schon Stra­fen für das unsach­ge­mä­ße Ent­sor­gen von Gefah­ren­stof­fen.
      Die Ent­sor­gung der Schad­stof­fe ist in den Gesamt­kos­ten auch ent­hal­ten. Ob es auch hier zu Kos­ten­stei­ge­run­gen kommt, hof­fe ich nicht. Vor­un­ter­su­chun­gen hat es auf jeden Fall reich­lich gege­ben.

      Aber was wäre denn zukunfts­ori­en­tiert? Alles las­sen so wie es ist?

      Zum „ver­rot­te­ten“ Fuß­ball­platz /der alte Asche­platz im Eif­gen. Der wur­de auf­ge­ge­ben im Zuge der Umwand­lung des Rasen­plat­zes zu einem Kunst­ra­sen­platz (wesent­lich höhe­re Nut­zungs­zei­ten, Kos­ten redu­zie­ren). Die eine Hälf­te wur­de dar­auf­hin als Leicht­ath­le­tik­feld (Kugel­sto­ßen und Speer­wer­fen sind auf einem Kunst­ra­sen­platz nicht emp­feh­lens­wert) vor allem für die Schüler*innen des Gym­na­si­ums (Sport­ab­itur) her­ge­rich­tet. Die ande­re Hälf­te soll­te mal ein Bolz­platz wer­den, da scheint aber kein Bedarf zu sein. Unmit­tel­bar dar­un­ter ist ja noch ein Bolz­platz. Das hat kaum was mit Wert­schät­zung von Ver­eins­ar­beit zu tun.

  8. Avatar von Harald Heidbüchel
    Harald Heidbüchel

    Lie­ber Herr Dähn, ein Wach­rütt­ler zur gege­be­nen Zeit.
    Vie­len Dank für die­sen Bericht!!!
    Ich hof­fe nur dass unse­re gewähl­ten Ver­tre­ter die Weit­sich­tig­keit besit­zen über den Tel­ler­rand zu schau­en.

  9. Avatar von Rolf Hemmerle
    Rolf Hemmerle

    Ich bin der Mei­nung das ande­re Pro­jek­te, Kran­ken­haus, Schu­len, Kin­der­gär­ten einen drin­gen­de­ren Hand­lungs­be­darf haben. Daher wür­de ich den Bau des neu­en Hal­len­ba­des auf dem Rom­bus­ge­län­de bis auf wei­te­res zurück stel­len.

  10. Avatar von Ralf Schöneweiẞ
    Ralf Schöneweiẞ

    Guten Abend,

    ich habe per­sön­lich an der Vor­stel­lung des Pro­jek­tes im Rah­men des Bei­rats für Men­schen mit Behin­de­rung teil­ge­nom­men. Nach mei­ner Wahr­neh­mung und Ein­schät­zung ist es kein Pro­jekt wel­ches den Namen “Leucht­turm” ver­dient hat. Es geht nicht nur dar­um, dass eini­ge wesent­li­che Detail­fra­gen nicht beant­wor­tet wer­den konn­ten, son­dern viel­mehr um den Mehr­wert für die Stadt und die Bür­ger. Genau das kann ich in dem Kon­zept nicht erken­nen. Die Lage des Rhom­bus­ge­län­des mit sei­nen enor­men Höhen­dif­fe­ren­zen ist schlicht und ergrei­fend ungüns­tig. Der Zuschnitt eini­ger Räu­me ist schlauch­ar­tig, was eine Nut­zung extrem schwie­rig machen wird. Ob der Zuschnitt der Räu­me für die VHS güns­tig ist kann ich nicht beur­tei­len, auf jeden Fall ist sie dann schlech­ter zu errei­chen als heu­te. Wo ist also der Mehr­wert für die Bür­ger? War­um soll für das Pro­jekt so viel Geld aus­ge­ben wer­den, wo doch ande­re Inves­ti­tio­nen wie Kitas,Schulen, Stra­ßen etc viel wich­ti­ger sind?

    Übri­gens, die Plä­ne für den Hal­len­bad­bau am Eif­gen sind wesent­li­chen pro­fes­sio­nel­ler und bes­ser durch­dacht! Scha­de um das Geld für die Pla­nungs­kos­ten.

    Ralf Schö­ne­weiẞ

  11. Avatar von Marc Dabringhaus
    Marc Dabringhaus

    Unser Hal­len­bad ist, wie ich immer ger­ne scher­ze, das ein­zi­ge Hal­len­bad mit einer eig­nen Inter­net­prä­senz um die Bür­ger zu infor­mie­ren, wann es zufäl­lig mal geöff­net ist…
    Die Tage die­ser Schwimma­re­na sind schon längst gezählt und jeder wei­te­re Öff­nungs­tag kos­tet wohl mehr, als er Nut­zen bringt. Bevor man hier wei­ter inves­tiert, wie zB in ein völ­lig unsin­ni­ges KI-basier­tes Sicher­heits­sys­tem, soll­te man einen Neu­bau vor­an­trei­ben. Die­ser ist eigent­lich schon lan­ge über­fäl­lig.
    Natür­lich gibt es das nicht umsonst. Ja, so ein Neu­bau ist teu­er…
    Wird für ein neu­es Bad mehr Per­so­nal benö­tigt? Wer­den die Ener­gie­kos­ten durch den Neu­bau stei­gen? Eher unwahr­schein­lich, da Iso­lie­rung und Tech­nik end­lich mal dem neu­es­ten Stand der Tech­nik ent­spre­chen.
    Aus­ser­dem gibt es dazu doch bestimmt belast­ba­re Zah­len, oder, wie in Wer­mels­kir­chen üblich, sicher­lich ein Gut­ach­ten.
    Geld­VER­SCHWEN­DUNG gibt es in Wer­mels­kir­chen genü­gend an ande­ren Stel­len…
    Das gin­ge hier jetzt aber zu weit.

    1. Avatar von Richard Kranz
      Richard Kranz

      Von dem Geld, das in den letz­ten 30 Jah­ren allein für die Ener­gie­kos­ten des größ­ten ein­zel­nen Ver­brau­chers, näm­lich fürs Quel­len­bad wort­wört­lich ver­brannt wur­de, hät­te man zwei neue bau­en kön­nen, und ja natür­lich: Das neue Bad wird rd. 2/3 weni­ger Ener­gie ver­brau­chen als das alte.

      Sagen Sie das dem lang­jäh­rig an der Umset­zung des Kon­zep­tes “Ener­ge­ti­sche Gebäu­de­sa­nie­rung” geschei­ter­ten Ver­ant­wort­li­chen!

  12. Avatar von Jan Beschoten
    Jan Beschoten

    Die rich­ti­ge Schluss­fol­ge­rung zie­hen Sie Herr Dähn. Es soll­te im Sin­ne Wer­mels­kir­chens eine ehr­li­che Dif­fe­ren­zie­rung nach Not­wen­dig­kei­ten und Wün­schens­wer­tem erfol­gen in Anbe­tracht der finan­zi­el­len Aus­sich­ten. Selbst not­wen­di­ge Inves­ti­tio­nen und Erhal­tungs­maß­nah­men müss­ten prio­ri­siert wer­den. Wie ich es im Wahl­kampf letz­tes Jahr bereits ver­tre­ten habe, man muss selbst­ver­ständ­lich das Rhom­bus­pro­jekt gegen z.b. die Finan­zie­rung des Kran­ken­hau­ses, Schul­ent­wick­lung u..a. wich­ti­ge The­men auf­wie­gen. Genau das war die Bekennt­nis für das Rhom­bus­pro­jekt: eine Ent­schei­dung- die weit reicht…Jan Bescho­ten

    1. Avatar von Richard Kranz
      Richard Kranz

      Schon gemerkt? Das alte Kran­ken­haus an der König­stra­ße ist wirt­schaft­lich tot und mit noch so viel Geld nicht zu reani­mie­ren. Wer­mels­kir­chen braucht kei­nen abge­wirt­schaf­te­ten Beton­klotz aus den 1960er Jah­ren, son­dern ein funk­tio­nie­ren­des Sys­tem medi­zi­ni­scher Grund­ver­sor­gung. Der Anspruch als “Voll­sor­ti­men­ter” wird schon lan­ge nicht mehr erfüllt.

  13. Avatar von Harald Heidbüchel
    Harald Heidbüchel

    Ein wirk­lich tol­les Objekt und für das WK Image ein High­light.
    Wenn da nicht die Kos­ten und im beson­de­ren die Fol­ge­kos­ten wären?
    Drin­gen­der Hand­lungs­be­darf ande­rer Objek­te ‚so wie im Bericht erwähnt, sehr ich als Not­wen­di­ger an.

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