“Nachfreud’ ist besser als Vorfreud’ ” – dieses alte Sprichwort hielt Karl Friedrich Wilhelm Wander im Deutschen Sprichwörter-Lexikon Band 3 schon 1873 fest.
Ich kannte den Ausdruck bisher nicht, nur das Gegenstück – die Vorfreude – ist mir noch ein Begriff. Vorfreude, insbesondere in der Adventszeit ein starkes Gefühl. Eigentlich – wenn da nicht all die vielen Termine, Vorbereitungen, Events, Besorgungen…wären. Wir erleben das jährlich nach der Großen Kirmes in Wermelskirchen, wenn die ersten Spekulatius und Lebkuchen die Regale erobern. Dann geht’s los. Aber womit eigentlich?
Vorfreude bedeutet für mich, die Freude auf etwas Besonderes möglichst lange auszukosten. Das beinhaltet auch ein bisschen Verzicht, ein Sehnen. Ich mag gerne Weihnachtsplätzchen, besonders das selbstgebackene Spritzgebäck oder die Vanillekipferl haben es mir angetan. Aber – die gibt’s erst ab Nikolaus, mag die Stube auch noch so sehr duften oder die Packungen verführerisch aus den Regalen winken. Nein, ich erhalte mir die Vorfreude auf den ersten Bissen, das Gefühl, wenn es zwischen den Zähnen cruncht und die Aromen von Butter, Vanille, Zucker die Zunge erobern.
Als Kind war die Vorfreude besonders am Heiligen Abend ganz groß. Und schlimm. Denn die Erwachsenen wollten immer erst essen, bevor es am Abend endlich die Bescherung gab. Puh, das Sehnen war da schon echt hart. Aber eben auch toll! Kennen wir das Gefühl heute überhaupt noch? Vorfreude? Vielleicht auf den ersehnten Urlaub?
Was hat es mit der Nachfreude auf sich? Wie ist es bei Euch, seid ihr schon längst wieder im Alltag angekommen? Alle Geschenke ausgepackt, weggeräumt, die letzten Kekse gegessen, Weihnachtsbaum abgeschmückt? Oder ist da noch Raum für Nachfreude, für das Nachspüren dessen, was in der besonderen Zeit um Weihnachten und Silvester passiert ist?
Wenn Dich der Alltag (und vielleicht auch das Schneewetter) mächtig im Griff hat, nimm Dir doch eine Nachfreude-Auszeit. Mach Dir einen Tee, leg die Füße hoch und genieße nochmal in Gedanken die schönen Momente, die Dir in den letzten Wochen begegnet sind. Der Besuch bei Oma, der leckere, selbstgebackene Kuchen, der Weihnachtsbraten, das Strahlen im Gesicht der Beschenkten, das empfundene Glück beim Beisammensein. Nachfreude ist kein Sehnen, sondern Dankbarkeit für das, was uns beschert wurde – nicht (nur) materiell, sondern das, was in uns Glück und Freude geweckt hat. Wenn das kein Grund zur (Nach-)Freude ist, was dann?
Bei all dem verrückten Chaos um uns herum – und damit meine ich ausdrücklich nicht die Schneeflocken – kann wohl jeder von uns gute Gefühle gebrauchen. Die wünsche ich Dir von Herzen,
Deine Andy Sax
Bild: Andy Sax ertellt mit Canva


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