Es geschah während des Schneechaos in NRW am 07. Januar – jenem Tag, an dem Schneeflocken plötzlich als Verkehrsminister fungierten und Busse wie Züge gleichermaßen kapitulierten. Während Autos quer standen, Fahrpläne zur unverbindlichen Lektüre wurden und ganz Nordrhein-Westfalen kollektiv „Oh je!“ seufzte, war Frank Hermes natürlich unterwegs – ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, versteht sich. Was andere zur Weißglut bringt, liefert ihm Stoff für Beobachtungen, Anekdoten und eine gehörige Portion Humor, die er sonst gern in den sozialen Medien teilt. Diesen besonderen Bericht aus dem winterlichen Ausnahmezustand hat er dem Forum Wermelskirchen zur Verfügung gestellt. Anschnallen ist nicht nötig – aber warm anziehen.
Jetzt geht’s los!
Ich habe heute wieder etwas Dummes getan. Ich bin wieder raus und mit dem Zug durch das Oberbergische gefahren, dabei wollte ich nach einer kleinen Morgenwanderung nur nach Hause. Dann dachte ich mir, mach doch nochmal ne Runde. Neuschnee gibt es doch erst Nachmittags. Gegen 12 Uhr war ich mit dem 336er in Wipperfürth, um 13 Uhr bei Sonne in Marienheide, dann mit der RB 25 nach Köln und dann nach Hause. Die Fahrt in der Oberbergischen Bahn war sehenswert. Sehr chillig herunter nach Köln.
Damit hatte ich den umgekehrten Weg vom letzten Freitag genommen. Clever, weil… in Köln weniger Schnee liegt.
Es war sehr entspannt bis ich um 14 35 Uhr in Köln Deutz ankam. Da hatte es schon 1 Stunde am Stück geschneit und die 260 war verpasst um 3 Minuten.
Alternativ mit der S6 nach Leverkusen Mitte. Schnell was Essen und Trinken und dann nach Hause. Um 15 Uhr dort angekommen merkte ich, dass Leverkusen von den Schneemengen überrascht war. Ich hörte von über 300 km Stau auf NRWs Autobahnen.
Also nix essen und schnell mit der SB 24 nach Hause?
Es stehen viele Leute am Busbahnhof, aber nur 1 einziger Bus nach Lützenkirchen. Die Wupsi begann gerade, den Busverkehr Linie für Linie einzustellen. SB 24 kamen keine. Einer nach Monheim. Dann die 212 nach Odenthal. Die fährt über Schlebusch Post.
Eigenartige Stimmung an Bord. Per Lautsprecher wird verkündet, welche Linien alle nicht mehr fahren. Es werden immer mehr. Der Bus rutscht leicht. Die Hauptstraßen sind voll. Langsam gleitet der Bus voran, niemand sagt etwas. 15:35 Uhr bin ich in Schlebusch Post. Anzeigeband verkündet, dass Linie 260 und die gesamte Wupsi den Betrieb vorübergehend einstellen.
Es fährt eine 208 nach Mathildenhof vor. Ich denke – bereits im Krisenmodus – über meine Optionen nach. Nehme den 208 bis Fettehenne, Höfer Weg. Dort steht ein 260er am Mittelberg abgestellt an der Seite. Dann ist fast 16 Uhr und Schluss.
Dort – in Fettehenne – kann man sich unterstellen. Ein Glück.
Option 1: zu Fuß, sind 15,6 km, das schaff ich nicht (mehr).
Option 2: Freunde anrufen. Bei dem Wetter und nach der Nummer letzten Freitag … ist mir peinlich.
Option 3: Übernachtung im Landhotel “Fettehenne” für 84 € incl. Frühstück, nur 200 m entfernt. Noch 2 Zimmer frei, jederzeit stornierbar, eingeloggt, beruhigend.
Option 4: Taxi aus Schlebusch nach Hause kostet auch 80 € mit mindestens einer halben Stunde Wartezeit. Ich muss aufs Klo. Sitze auf einer Wärmepumpe im Kalten aber Trockenen.
Taxi bestellt.
Junger Mann, Herr Robertson, kommt nach Hause. Darf ich bei Ihnen mal auf Toilette? Ja klar. Ich mit in die 1. Etage in dem Schieferhaus wo früher die Raucherkneipe in Fettehenne [seit Jahren zu] war.
Freundlicher Mann, sehr nett.
Ein Mann um die 30 geht zu Fuß vorbei und eine Dame mit kleinem weißen Hund an der Leine. Sie [die Hündin] heißt Lena und ist angeleint, weil sie verrückt ist wegen des Schnees und schnell unsichtbar werden würde. Ich streichle sie. Die Dame wünscht mir viel Erfolg beim “nach Hause kommen”.
Mehr als eine halbe Stunde gewartet. Anruf beim Taxi Unternehmen – keiner geht ran. Da kommt wie eine Fata Morgana ein 260er durch die Baustelle. Ich reibe mir die Augen, aber er bleibt. Ich steige ein und kriege einen Sitzplatz. Der Bus ist voll, aber nicht so voll wie ich gedacht hatte.
Taxi abgesagt, Hotel storniert. Dieser Busfahrer sagt, er wolle bis zur RVK noch kommen. Da stehe sein Auto. Der Verkehr wird weniger.
Ein Mann wird noch zwischen 2 Haltestellen mitgenommen, der an mir vorbeigegangen war. Er war fast bis Neuboddenberg gekommen. Vereinzelter Applaus für den Busfahrer.
Die Anzeige ist aus. Der Busfahrer brüllt nach hinten: “Jemand am Schnorrenberg raus?” Auf den beiden Steilstücken möchte er nicht halten.
“Blechersiefen” will auch keiner raus. Der Busfahrer nimmt Anlauf. Keiner spricht. Ein 260er Bus steht in Blechersiefen an der Haltestelle. Kein Fahrer zu sehen. Wir fahren vorbei.
Dann beim Anstieg nach Straßerhof 2 PKWs vor uns. Sehr langsam – Sommerreifen?! Unser Bus setzt zum Überholmanöver an. Allen stockt der Atem, da der hintere PKW auch ansetzt. Es passt genau, PKW überholt PKW, dann unser Bus beide.
Es brandet von ca. 25 verbleibenden Fahrgästen Applaus auf. Kannte ich auch noch nicht, aber er hatte es verdient.
Jetzt haben wir gute Chancen, nach Wermelskirchen zu kommen. Wer aussteigen will, meldet sich rechtzeitig beim Busfahrer. Kaltenherberg, Hilgen, Tente, In den Birgden.
Busfahrer sagt, entweder hier aussteigen oder am Busbahnhof. Dann fahre ich in die Wagenhalle. Eine zaghafte Beschwerde. Der Busfahrer: “Sie fahren mit einer Linie, die den Verkehr vor zweieinhalb Stunden eingestellt hat.
Am Busbahnhof dann “rien ne va plus”. Danke Busfahrer. Reisende nach Remscheid müssen gucken. Aber das kennen wir ja schon. Noch ein Brot gekauft. Um 18 Uhr war ich dann zu Hause.
Fotos: Frank Hermes


Schreibe einen Kommentar