Engagement erkennen – Inszenierung hinterfragen

Bür­ger­schaft­li­ches Enga­ge­ment ist ein wich­ti­ger Bestand­teil einer leben­di­gen Demo­kra­tie. Wenn sich Men­schen öffent­lich ein­set­zen, Ver­ant­wor­tung zei­gen und Nähe zur Stadt­ge­sell­schaft suchen, wirkt das zunächst sym­pa­thisch und ver­trau­ens­bil­dend.

Gera­de des­halb ist es sinn­voll, nicht nur auf das sicht­ba­re Auf­tre­ten, son­dern auch auf den poli­ti­schen Gesamt­kon­text zu ach­ten. Ein­zel­ne posi­ti­ve Ges­ten oder öffent­lich­keits­wirk­sa­me Akti­vi­tä­ten sagen wenig dar­über aus, wel­che Wer­te lang­fris­tig ver­tre­ten wer­den, wel­che Zie­le ver­folgt wer­den und wel­che Kon­se­quen­zen dar­aus ent­ste­hen kön­nen.

Goe­the lässt Mephis­to in Faust sagen:

„Ich bin ein Teil von jener Kraft,
die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“

Die Zei­le beschreibt ein altes Mus­ter: Hand­lun­gen kön­nen gut aus­se­hen, wäh­rend die dahin­ter­lie­gen­den Zie­le oder Fol­gen pro­ble­ma­tisch blei­ben. Nicht alles, was kon­struk­tiv wirkt, ist es auch im Gan­zen.

Es gibt poli­ti­sche Akteu­re, bei denen sozia­le, öko­lo­gi­sche und gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung tief in Pro­gram­men, Ent­schei­dun­gen und lang­jäh­ri­ger Pra­xis ver­an­kert sind. Dort sind öffent­li­ches Enga­ge­ment und poli­ti­sche Hal­tung eng mit­ein­an­der ver­bun­den.

Dane­ben exis­tie­ren jedoch auch Grup­pie­run­gen, die gezielt mit posi­ti­ven Bil­dern, ein­fa­chen Bot­schaf­ten und schein­bar unpo­li­ti­schem Ein­satz arbei­ten, um Ver­trau­en auf­zu­bau­en – obwohl ihre Posi­tio­nen in zen­tra­len Fra­gen von Soli­da­ri­tät, Men­schen­wür­de oder Nach­hal­tig­keit die­sen Ein­drü­cken wider­spre­chen kön­nen.

Des­halb gilt:
Nicht jede gute Ges­te steht für eine gute Hal­tung.
Nicht jede Bür­ger­nä­he bedeu­tet Gemein­wohl­ori­en­tie­rung.
Und nicht jedes Enga­ge­ment ist frei von stra­te­gi­schem Kal­kül.

Demo­kra­ti­sche Wach­sam­keit heißt, genau­er hin­zu­se­hen: auf Pro­gram­me, auf Abstim­mungs­ver­hal­ten, auf Spra­che und auf das Men­schen­bild, das hin­ter öffent­li­chem Auf­tre­ten steht. Oder, um es mit Goe­the zu sagen: Es lohnt sich, nach dem „Pudels Kern“ zu fra­gen.

Lutz Bal­schu­weit

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