Vor ungefähr zwei Jahren setzte ich mich morgens in unser Auto und hatte ein bis heute prägendes Erlebnis. Schlüssel einstecken und …… schon hörte ich eine unfreundliche Frauenstimme: „Ich habe Sie nicht verstanden“, sagte die Dame. War da noch jemand im Auto? Und noch einmal: „Ich habe Sie nicht verstanden.“ Was war das? Ich hatte nichts gesagt, ich hatte nichts gefragt und ich wollte auch gar nichts wissen – nur losfahren. Nun wurde schnell klar: Mein Navi hatte eine Spracheingabe. Hatte ich bis dahin nie vermisst und auch nie gesucht.
Und überhaupt piepte und blinkte es ohne Unterlass. Rückwärts? Klar mit Kamera und piepsen. Klar mache ich die Tür zu und ich schnalle mich auch an. Muss es dafür immer piepsen? Das Navi reagierte nach Tagesform. Auf der A1 in Richtung Köln fahre ich – nach Navi – in Richtung Schloss Burg. Was soll ich mit so einem Mist?
Bin ich zu blöd um geradeaus zu fahren? Offensichtlich. Es ruckelte im Lenkrad. Aha. Der Spurhalteassistent und seine Assistentin waren bei der Arbeit. Klar, das Auto weiß auch wann ich zu bremsen habe. Passt zwar nicht immer aber besser ist besser. Wunderbar wenn man gar nicht damit rechnet.
Reifen wechseln durfte ich auch nicht mehr selbst machen. Das Reifendruck-Kontrollsystem musste ja wieder neu justiert werden. Wie konnte ich nur so alt werden ohne Schaden zu nehmen. Fällt ein Scheinwerfer aus muss ich in die Werkstatt. Um ein Birnchen zu wechseln muss die gesamte Einheit ausgebaut werden. Ein Riesenaufwand und eine unverschämte Rechnung. Dabei hab’ ich noch Glück gehabt. Es gibt Fahrzeuge bei denen muss die gesamte Frontpartie abgebaut werden. Ist für eine Fahrzeugentwicklung eigentlich eine Ausbildung erforderlich?
Ich bin es satt, Ich bin es so leid. Werkstattkosten für 200 Euro die Stunde für… Ja, für was eigentlich? Anschließen eines Diagnosegerätes und dann Austausch eines (vermeintlichen) fehlerhaften Teils? Reparatur? Richtige, kompetente Suche? Kostengünstige Instandsetzung? Weit gefehlt.
Erst einmal braucht es einem Termin. Na ja, so drei Monate im voraus. Dann geht es zur Anmeldung danach zur Dialog-Annahme. Dialog? War das nicht was wie miteinander sprechen, sich austauschen? Was soll ich mit jemandem besprechen, der weder Lust noch Ahnung von seinem Job hat?
Ja, ja, früher war nicht alles besser aber irgendwie schon. Einen Kaffee trinken und eine Zigarette rauchen mit dem Meister in der Werkstatt? Heute undenkbar! Früher ging das und nach der zweiten Zigarette war das Problem fast schon gelöst. Es gab sogar Lösungsvorschläge: „Wenn wir das so machen ist es billig – hält aber nicht lange. Wenn wir es so machen ist es teurer aber dann wieder gut. Und wir haben da noch ein tolles gebrauchtes Teil, total in Ordnung, das geht auch.“ Noch ein Kaffee und noch eine Zigarette und wir hatten eine Lösung. Arbeitszeit-Erfassung, Arbeitswerte oder so was gab es nicht. Was gemacht werden muss muss eben gemacht werden.
Ach, ich verschließe mich nicht den neuen Entwicklungen. Beheizbares Lenkrad und eine Sitzheizung und Massagefunktion wären toll aber dann bitte auch mit einer automatischen Pups-Absaugung. Natürlich mit Digitalanzeige und einem akustischem „PalimPalim“-Signal.
Nach Ablauf der Leasingzeit haben wir dann ein gebrauchtes Fahrzeug gekauft. Ein Rentnerauto für Rentner. Dieses Auto wird im nächsten Jahr 10 Jahre alt und hat ganz viel nicht – Gott sei Dank. Und es spricht nicht mit mir. Tolle Sache!
Foto: Walter Schubert


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