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	<title>Tourist Archive - Forum Wermelskirchen</title>
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	<description>Ein Ort für Informationen, Meinungen, Kommentare, Hinweise, Tipps und Service, Termine und Veranstaltungen, Meldungen, Wermelskirchen betreffend und von öffentlichem Belang.</description>
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	<title>Tourist Archive - Forum Wermelskirchen</title>
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		<title>Der Tourist und der Fischer</title>
		<link>https://forumwk.de/2025/10/14/der-tourist-und-der-fischer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lutz Balschuweit]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Oct 2025 18:07:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur/Bildung/Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral]]></category>
		<category><![CDATA[Fischer]]></category>
		<category><![CDATA[Heinrich Böll]]></category>
		<category><![CDATA[Tourist]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir leben in einer Zeit, in der alles immer ein bisschen mehr sein soll. Mehr Leistung, mehr Erfolg, mehr Tempo. Selbst die Pausen müssen effizient sein. „Höher, schneller, weiter“ – das klingt nach Fortschritt, nach Bewegung, nach Zukunft. Doch oft vergessen wir, dass Wachstum auch Grenzen kennt – und dass Stillstand nicht immer Rückschritt ist. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Wir leben in einer Zeit, in der alles immer ein bisschen mehr sein soll. Mehr Leistung, mehr Erfolg, mehr Tempo. Selbst die Pausen müssen effizient sein. „Höher, schneller, weiter“ – das klingt nach Fortschritt, nach Bewegung, nach Zukunft. Doch oft vergessen wir, dass Wachstum auch Grenzen kennt – und dass Stillstand nicht immer Rückschritt ist.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Vielleicht ist die wahre Kunst unserer Zeit nicht, immer mehr zu schaffen, sondern wieder zu spüren, was genug ist. Langsamer zu werden, um klarer zu sehen. Denn das, was zählt, lässt sich selten in Zahlen messen.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Heinrich Böll beschrieb es in seiner “Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral” schon zum Tag der Arbeit am 1. Mai 1963</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Zusammenfassung gefunden bei veritas.at:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Heinrich Böll<br>Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">In einem Hafen an einer westlichen Küste Europas liegt ein ärmlich gekleideter Mann in seinem Fischerboot und döst. Ein schick angezogener Tourist legt eben einen neuen Farbfilm in seinen Fotoapparat, um das idyllische Bild zu fotografieren: blauer Himmel, grüne See mit friedlichen schneeweißen Wellenkämmen, schwarzes Boot, rote Fischermütze. Klick. Noch einmal: klick, und da aller guten Dinge drei sind, und sicher sicher ist, ein drittes Mal: klick. Das spröde, fast feindselige Geräusch weckt den dösenden Fischer, der sich schläfrig aufrichtet, schläfrig nach seiner Zigarettenschachtel angelt, aber bevor er das Gesuchte gefunden, hat ihm der eifrige Tourist schon eine Schachtel vor die Nase gehalten, ihm die Zigarette nicht gerade in den Mund gesteckt, aber in die Hand gelegt, und ein viertes Klick, das des Feuerzeuges, schließt die eilfertige Höflichkeit ab. Durch jenes kaum messbare, nie nachweisbare Zuviel an flinker Höflichkeit ist eine gereizte Verlegenheit entstanden, die der Tourist – der Landessprache mächtig – durch ein Gespräch zu überbrücken versucht.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Sie werden heute einen guten Fang machen.“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Kopfschütteln des Fischers.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Aber man hat mir gesagt, dass das Wetter günstig ist.“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Kopfnicken des Fischers.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Sie werden also nicht ausfahren?“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Kopfschütteln des Fischers, steigende Nervosität des Touristen. Gewiss liegt ihm das Wohl des ärmlich gekleideten Menschen am Herzen, nagt an ihm die Trauer über die verpasste Gelegenheit.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Oh, Sie fühlen sich nicht wohl?“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Endlich geht der Fischer von der Zeichensprache zum wahrhaft gesprochenen Wort über.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Ich fühle mich großartig“, sagt er. „Ich habe mich nie besser gefühlt.“&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Er steht auf, reckt sich, als wollte er demonstrieren, wie athletisch er gebaut ist.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Ich fühle mich phantastisch.“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Der Gesichtsausdruck des Touristen wird immer unglücklicher, er kann die Frage nicht mehr unterdrücken, die ihm sozusagen das Herz zu sprengen droht:&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Aber warum fahren Sie dann nicht aus?“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Die Antwort kommt prompt und knapp.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Weil ich heute morgen schon ausgefahren bin.“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„War der Fang gut?“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Er war so gut, dass ich nicht noch einmal auszufahren brauche, ich habe vier Hummer in meinen Körben gehabt, fast zwei Dutzend Makrelen gefangen …“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Der Fischer, endlich erwacht, taut jetzt auf und klopft dem Touristen beruhigend auf die Schultern. Dessen besorgter Gesichtsausdruck erscheint ihm als ein Ausdruck zwar unangebrachter, doch rührender Kümmernis.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Ich habe sogar für morgen und übermorgen genug“, sagt er, um des Fremden Seele zu erleichtern. „Rauchen Sie eine von meinen?“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„ Ja, danke.“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Zigaretten werden in Münder gesteckt, ein fünftes Klick, der Fremde setzt sich kopfschüttelnd auf den Bootsrand, legt die Kamera aus der Hand, denn er braucht jetzt beide Hände, um seiner Rede Nachdruck zu verleihen. „Ich will mich ja nicht in Ihre persönlichen Angelegenheiten mischen“, sagt er, „aber stellen Sie sich mal vor, Sie führen heute ein zweites, ein drittes, vielleicht sogar ein viertes Mal aus, und Sie würden drei, vier, fünf, vielleicht gar zehn Dutzend Makrelen fangen … stellen Sie sich das mal vor .“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Der Fischer nickt.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Sie würden“, fährt der Tourist fort, „nicht nur heute, sondern morgen, übermorgen, ja, an jedem günstigen Tag zwei‑, dreimal, vielleicht viermal ausfahren – wissen Sie, was geschehen würde?“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Der Fischer schüttelt den Kopf.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Sie würden sich spätestens in einem Jahr einen Motor kaufen können, in zwei Jahren ein zweites Boot, in drei oder vier Jahren könnten Sie vielleicht einen kleinen Kutter haben, mit zwei Booten oder dem Kutter würden Sie natürlich viel mehr fangen – eines Tages würden Sie zwei Kutter haben, Sie würden …“, die Begeisterung verschlägt ihm für ein paar Augenblicke die Stimme, „Sie würden ein kleines Kühlhaus bauen, vielleicht eine Räucherei, später eine Marinadenfabrik, mit einem eigenen Hubschrauber rundfliegen, die Fischschwärme ausmachen und Ihren Kuttern per Funk Anweisungen geben, Sie könnten die Lachsrechte erwerben, ein Fischrestaurant eröffnen, den Hummer ohne Zwischenhändler direkt nach Paris exportieren – und dann …“, wieder verschlägt die Begeisterung dem Fremden die Sprache. Kopfschüttelnd, im tiefsten Herzen betrübt, seiner Urlaubsfreude schon fast verlustig, blickt er auf die friedlich hereinrollende Flut, in der die ungefangenen Fische munter springen.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Und dann“, sagt er, aber wieder verschlägt ihm die Erregung die Sprache. Der Fischer klopft ihm auf den Rücken, wie einem Kind, das sich verschluckt hat. „Was dann?“, fragt er leise.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Dann“, sagt der Fremde mit stiller Begeisterung, „dann könnten Sie beruhigt hier im Hafen sitzen, in der Sonne dösen – und auf das herrliche Meer blicken.“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Aber das tue ich ja schon jetzt“, sagt der Fischer, „ich sitze beruhigt am Hafen und döse, nur Ihr Klicken hat mich dabei gestört.“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Tatsächlich zog der solcherlei belehrte Tourist nachdenklich von dannen, denn früher hatte er auch einmal geglaubt, er arbeite, um eines Tages einmal nicht mehr arbeiten zu müssen, und es blieb keine Spur von Mitleid mit dem ärmlich gekleideten Fischer in ihm zurück, nur ein wenig Neid.</p>
</blockquote>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">(Heinrich Böll: Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral. In: Robert C. Conrad (Hg.): Heinrich Böll. Kölner Ausgabe. Bd. 12. 1959–1963. ©2008 by Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch GmbH &amp; Co. KG, Köln)</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Beitragsbild ChatGPT</p>
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