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	<title>Briefe aus dem Krieg Archive - Forum Wermelskirchen</title>
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	<title>Briefe aus dem Krieg Archive - Forum Wermelskirchen</title>
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		<title>Post von Paul (3 von 3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Schwanke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Jan 2026 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Briefe aus dem Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Post von Paul]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>VON YVONNE SCHWANKE Yvonne Schwanke läßt nicht nach: Immer wieder gräbt sie Fundstücke aus der Vergangenheit aus, immer wieder bewegt sie sich auf den Spuren des Gewesenen, immer wieder reichert sie auch ihre bereits geschriebenen Stücke mit Neuem an, mit Dokumenten, Fotos, Briefen, Erkenntnissen, die alle weit zurück deuten. Yvonne Schwanke ist gleichsam zur Buchholzener [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forumwk.de/2026/01/04/post-von-paul-3-von-3/">Post von Paul (3 von 3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://forumwk.de">Forum Wermelskirchen</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">VON YVONNE SCHWANKE</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><em>Yvonne Schwanke läßt nicht nach: Immer wieder gräbt sie Fundstücke aus der Vergangenheit aus, immer wieder bewegt sie sich auf den Spuren des Gewesenen, immer wieder reichert sie auch ihre bereits geschriebenen Stücke mit Neuem an, mit Dokumenten, Fotos, Briefen, Erkenntnissen, die alle weit zurück deuten. Yvonne Schwanke ist gleichsam zur Buchholzener Lokalhistorikerin geworden, nebst all den anderen Dingen, die sie auch noch so am Wickel hat. Jetzt wieder die Geschichte von Paul. Dem vorliegenden Beitrag, ursprünglich bereits am 19. November 2019 veröffentlicht, hat Yvonne Schwanke ein Update verpaßt, so daß wir ihn der geneigten Leserschaft erneut empfehlen . Danke, Yvonne Schwanke<br>(Schrieb damals Wolfgang Horn)</em></p>
</blockquote>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Am 1. September diesen Jahres trat Paul unerwartet und plötzlich in mein Leben. Die Suche nach ihm eröffnete mir eine neue Sicht auf die Vergangenheit, den Horror eines fast vergessenen Krieges und das Leben an sich.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>18. Oktober 2019</strong><br>Habe heute lange mit Rinas (Pauls Großnichte) Sohn telefoniert. Es sind fast 30 Jahre ins Land gegangen, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Er freut sich ebenso wie ich, dass unser Kontakt auf diese verrückte, abenteuerliche Art und Weise wiederaufgelebt ist.&nbsp;<br>Nach wie vor suche ich nach Fotos von Paul und am besten auch seiner Frau Emma. Rina, die die Schwester eines weiblichen Zwillingspärchens war, (was mir nicht bekannt war), gesteht zerknirscht, dass sie nach dem Tod ihrer Mutter Caroline zugelassen habe, dass ihre Schwester sämtliche Fotos an sich nahm. Mittlerweile sind beide Zwillinge verstorben. Ich bitte Rina um Kontaktaufnahme zum Witwer der „Foto“-Schwester, um herauszufinden, ob diese noch existieren und sie verspricht, sich zu kümmern.<br>Einmal mehr heißt es für mich: warten.<br><br>Am Abend des 18. Oktober erhalte ich überraschende WhatsApp-Nachrichten von der netten Bauunternehmungs-Dame, die noch einmal in einer Kiste gekramt hat: Fotos von Hilde und Verwandten. Ich freue mich sehr darüber und bin gespannt, was da draußen noch auf mich wartet.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>19. Oktober 2019</strong><br>In der Nacht renne ich in einem schier endlosen Traum durch unbekannte Räume, in denen ich auf meist denselben alten, elfenbeinfarbenen Küchenschrank stoße. Jedes Mal öffne ich das mittlere Fach, das Einzige mit Glaseinsatz, das auf Kopfhöhe liegt. Und jedes Mal, in jedem Raum geschieht das Gleiche: unzählige alte Briefe explodieren förmlich heraus und stürzen auf mich ein. Auf jedem einzelnen Pauls Schrift. Hunderttausende Male Paul.<br>Will mir dieser Traum etwa andeuten, dass ich langsam durchdrehe, in dem ich einem Phantom hinterherjage, von dem nichts mehr übrig ist? Oder will er mir sagen: „Mach weiter! Hör nicht auf! Da kommt noch was!“?<br>Was auch immer mir mein Unterbewusstsein zurufen will; es führt dazu, dass ich am frühen, sehr frühen Samstagmorgen leicht traumverkatert an meinem PC sitze, um die Erkenntnisse der letzten Wochen zu sortieren.<br>Emma Knapp (Pauls Frau) sollte also laut Frau Ulli zwei Schwestern gehabt haben: Alma und Frau Pohlhaus.<br>Ich beschließe eine erneute Mail an die großartige Dame aus dem Archiv Wipperfürth zu schreiben, um diese Angaben und die Angaben zu Pauls „Stumpemann“ zu überprüfen, (könnte Hilde doch einen kleinen Bruder gehabt haben?) den er in den Briefen erwähnt.<br>Leider erhalte ich eine Abwesenheitsnotiz. Urlaubszeit.<br>Augenscheinlich möchte mir irgendjemand mal wieder das Wort „Geduld“ näherbringen.<br><br>Zur Ablenkung stürze ich mich auf die Transkription eines Versteigerungsprotokolls und eines Kaufvertrages aus den Jahren 1866/1867, die den Verkauf des Grundstückes beschreiben, auf dem heute unser Haus steht.<br></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>28. Oktober 2019</strong><br>Paul und ich stehen seit Tagen auf einem Abstellgleis der Geschichte und werden irgendwie nicht abgeholt.<br>An diesem Morgen schreibe ich noch einmal an den Standesamtsherrn vom Landkreis-Oder-Spree und teile ihm meine neuesten Erkenntnisse zu Pauls Familie mit:<br><br><em>„Sehr geehrter Herr…,<br>was ich bisher erfahren habe:<br>Gustav Paul Saarmann geb. am 28.2.1885 hatte<br>einen Bruder, Walter Saarmann, geb. am 6.3.1897.<br><br>Gustav Paul hatte aber ebenfalls eine Schwester, von der mir weder Namen noch Daten vorliegen. Auch die nächsten Angehörigen konnte keine weiteren Angaben beisteuern.<br><br>Das sind die Ergebnisse meiner Recherchen der vergangenen Woche.“</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Nachdem ich diese Email abgeschickt habe, erwacht in mir das leise Gefühl, dass Paul und ich so langsam wieder auf Strecke gesetzt werden. Ich soll Recht behalten.<br>Am frühen Nachmittag erhalte ich Nachricht aus dem Archiv Wipperfürth:<br><br><em>„Sehr geehrte Frau Schwanke,</em><br><br><em>vielen Dank für Ihre Email vom 19.10.2019.</em><br><br><em>Emma Saarmann, geb. Knapp wurde, wie bekannt, am 18.11.1885 zu Fuhr, Gemeinde Hückeswagen geboren. Ihre Eltern waren Ludwig Knapp und Amalie Buscher.</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><em>Aus dieser Ehe geht, nach den Standesregistern der Gemeinde Hückeswagen,&nbsp;<strong>eine</strong>&nbsp;weitere Tochter hervor: Adele Amalie Anna Knapp, geboren am 19.03.1884 zu Fuhr. Diese heiratete im Jahre 1909 in Wipperfürth den August Pohlhaus und verstarb am 12.05.1970 in Wipperfürth.<br>Bzgl. der zweiten Anfrage kann ich Ihnen leider nur eine Fehlanzeige vermelden. Zwischen 1905 und 1919 wurde in Wipperfürth kein Kind männlichen Geschlechts mit dem Nachnamen Saarmann geboren.“</em><br>Emma hatte also nur EINE Schwester und das war Frau Pohlhaus.<br>Aber wer war denn dann Alma? In welchem Verhältnis stand sie zu Emma und Hildegard?<br>Eine weitere Frage, die sich hoffentlich noch klären läßt.“<br>Und Hilde hatte also auch keine weiteren Geschwister.<br>„Mensch Paul, was sollte dann der Gruß an „Stumpemann“, oder meintest Du damit etwa doch Hilde? Oder war das Wermutkraut, das ihr geraucht habt, zu stark?“, murmele ich vor mich hin und starre aus dem Fenster.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>30. Oktober 2019</strong><br>Der Herr Landkreis Oder Spree möchte wissen, ob ich weitere Daten zu Pauls Schwester habe. Die habe ich, wie bereits in der Email konstatiert, leider nicht. Ohne Angaben ist eine Suche leider schwerlich möglich.<br>Ich bestelle somit lediglich einen Abzug der Geburtsurkunde Pauls, um meine Unterlagen zu vervollständigen.<br>Immer noch keine Nachricht oder Neuigkeiten von Rina bezüglich der Fotos.<br><br>Warten und nichts-tun-können ist kein erhebender Zustand. Echt nicht.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>1. November 2019&nbsp;Allerheiligen, Dia de los Muertos</strong><br>Einmal mehr ist etwas vollkommen Unglaubliches passiert! Ich befinde mich in einem leicht hysterischen Zustand der Fassungslosigkeit.<br><br>Der Traum mit dem Schrank voller Briefe wiederholte sich in dieser Nacht. Heute früh erwachte ich mit einem dicken Schädel. Das lag jedoch weniger an meinem Traum als viel mehr an dem guten Prosecco beim Lieblingsitaliener am Abend zuvor.<br><br>Leicht verkatert schlurfe ich in die Küche und mache mir einen Kaffee. Kurz danach beschließe ich, die liebe 90jährige Ruth wieder zu besuchen. Auf einem alten Bild entdecke ich meinen Ururgroßvater, meine Urgroßeltern, ihren Vater, ihre Mutter und zwei Personen, die ich nicht identifizieren kann.<br>Ruth nimmt die Lupe, schaut drauf und sagt: „Opa Karl, dann der Carl mit dem Buckel, dessen Frau Marie, deine Urgroßmutter Tonie, meine Mama, mein Papa und dein Urgroßvater Walter.“<br>Ich liebe es, wenn die 90jährige Ruth „meine Mama und mein Papa“ sagt, sie sagt das so sehnsüchtig und zärtlich, dass man beinahe weinen muss.<br>„Was macht Paul?“, fragt Ruth. „Ist immer noch tot“, sage ich und wir beide müssen lachen.<br>„Ich bin noch nicht groß weitergekommen, aber seit heute Morgen habe ich ein komisches Gefühl“, sage ich.<br>„Ich bin gespannt“, sagt Ruth.<br>„Und ich erst“, denke ich.<br><br>Es ist früher Nachmittag, als ich erneut in meinem Abstellraum stehe. Ein unbestimmtes Gefühl treibt mich um; ein Gefühl, dass mich minutenlang auf die gestapelten Kisten starren lässt, die ich schon so oft umgestellt und neu geordnet habe.<br>„Hol ALLE alten Sachen und Unterlagen hervor, die Du hier finden kannst“, flüstert das Gefühl.<br>Mein Blick bleibt an einer Kiste haften. Alte Schulunterlagen meines Vaters, Kinderzeugs von ihm, eine Blechdose und ein altes Album kann ich entdecken.<br>„Was war das gleich nochmal für ein Album?“, fragt es in mir, denn ich kann mich nicht erinnern, da bereits jemals hineingeschaut zu haben.<br>Kurzerhand schleppe ich die gesamte Kiste ins Esszimmer und räume sie aus.<br>Schulunterlagen von Papa, Möbelkataloge aus den 60er und 70er Jahren mit antiquierten, unfreiwillig komischen Werbeslogans und das Album.<br>Ich schlage es auf und mein Herz macht einen Satz. Es ist von Hildegard!<br>Fassungslos gehe ich es durch und frage mich, warum ich davon nichts geahnt oder gewusst hatte. &nbsp;<br>Ich blicke auf schwarz-weiße Fotos aus den Jahren 1933, 1934, 1935. Sie alle sind sehr klein und das Album ist nicht einmal annähernd voll.<br>Kein Foto von Paul.<br>Natürlich nicht, denn zu diesem Zeitpunkt war er bereits seit 14 Jahren tot.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad007e4e&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad007e4e" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="768" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_081859-e1572713320520-1024x768.jpg" alt class="wp-image-3863" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_081859-e1572713320520-1024x768.jpg 1024w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_081859-e1572713320520-300x225.jpg 300w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_081859-e1572713320520-768x576.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_081859-e1572713320520.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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		</button><figcaption class="wp-element-caption">Hildegards Album</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ich wende mich der Blechkiste zu und öffne diese.<br>Schwarz-Weiß-Fotos quellen mir entgegen, springen heraus wie kleine Kistenteufel, so daß ich einige vom Boden aufklauben muss.<br>Die Fotos, sie sind von Hildegard.<br>Ein kleiner Hoffnungsfunke glimmt in mir auf und entfacht ein Feuer der Aufregung. Behutsam beginne ich die vollkommen durcheinandergewürfelten Fotos zu sichten. Sämtlich Jahrzehnte scheinen vertreten zu sein: Hildegard in allen Altersphasen, auf diversen Festivitäten, einige wundervolle uralte Kinderfotos und weitere Familienfotos .. Fotos, auf deren Rückseite gelegentlich etwas notiert wurde. (DANKE, Hildegard!)<br>Ein Fotografenstempel aus Fürstenwalde fällt mir ins Auge, dazu eine Widmung in Kurrentschrift:&nbsp;<em>„Ein frohes Fest wünscht Euch allen, Oma. Habe keine andere Karte….“</em><br>Darauf ist eine alte Dame mit Hund abgebildet. Pfingsten 1932 ist vermerkt.<br>Ich habe die damals schon sehr betagte Luise Saarmann vor mir. Pauls Mutter. Hildes Oma.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad008a26&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad008a26" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img decoding="async" width="768" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_135751-e1572712250172-768x1024-1-768x1024.jpg" alt class="wp-image-3864" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_135751-e1572712250172-768x1024-1-768x1024.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_135751-e1572712250172-768x1024-1-225x300.jpg 225w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_135751-e1572712250172-768x1024-1.jpg 900w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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		</button><figcaption class="wp-element-caption">Luise Saarmann, geb. Wanneke</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ein weiteres Foto mit Widmung sagt:&nbsp;<em>„Opa Walter mit Rina.“</em>&nbsp;Es ist ca. 1947/48 aufgenommen worden und zeigt Pauls jüngeren Bruder, Walter Saarmann.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad0095be&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad0095be" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img decoding="async" width="768" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_135849-e1572712903368-768x1024.jpg" alt class="wp-image-3865" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_135849-e1572712903368-768x1024.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_135849-e1572712903368-225x300.jpg 225w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_135849-e1572712903368.jpg 900w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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		</button><figcaption class="wp-element-caption">Walter Saarmann</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Dann ein Gruppenfoto mit Hund, ganz links Hildegard, daneben ihre Mutter Emma, die ich, dank der WhatsApp-Hilfe von Frau Ulli (die Dame mit dem Koffer), sowohl in jung als auch in alt identifizieren kann.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad00a0bb&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad00a0bb" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="551" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_142102-551x1024.jpg" alt class="wp-image-3866" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_142102-551x1024.jpg 551w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_142102-162x300.jpg 162w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_142102.jpg 646w" sizes="auto, (max-width: 551px) 100vw, 551px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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		</button><figcaption class="wp-element-caption">Von links: Hilde und Emma Saarmann</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Auf einem weiteren Foto sehe ich Hilde Hand in Hand mit einem Soldaten.<br>Es könnte ihr Verlobter gewesen sein, der, so wie ihr Vater Paul seinerzeit, in den Krieg zog und nicht zurückkehrte.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad00ab13&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad00ab13" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="529" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_164747-529x1024.jpg" alt class="wp-image-3867" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_164747-529x1024.jpg 529w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_164747-155x300.jpg 155w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_164747.jpg 620w" sizes="auto, (max-width: 529px) 100vw, 529px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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			</svg>
		</button></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Und wieder halte ich ein Gruppenfoto in Händen. Zwanzig nicht mehr ganz taufrisch aussehende Soldaten schauen mich an, ich drehe das Bild herum und erkenne sofort die mir nur allzu bekannte Handschrift auf der Rückseite.<br>Mir schießen die Tränen in die Augen, als mir klar wird, dass ich meinen heiligen Gral in Händen halte:<br><br>Pauls bisher letzte (aktuellste) Karte, die zugleich auch ein Foto ist, wie früher üblich.<br>Und wieder sitze ich auf meiner Bank und weine wegen Paul.<br>Dieses Mal aber vor Freude.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Paul schreibt:<br><em>Tscheljabinsk, (insgesamt werden 3 Daten angegeben)<br>Liebe Frau!<br>Die besten Grüße von hier bin noch gesund und geht mir jetzt ganz gut. Hoffentlich kommt die Karte an. Wie lange mag es noch dauern? Giebts kein Ende, Kämpfe sind doch nicht mehr.<br>Nun herzlichen Gruß und Kuß, dein Paul</em></p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad00b5be&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad00b5be" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_091739-e1572713162639-768x1024.jpg" alt class="wp-image-3868" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_091739-e1572713162639-768x1024.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_091739-e1572713162639-225x300.jpg 225w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191102_091739-e1572713162639.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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			</svg>
		</button></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Du warst die ganze Zeit hier, Du Idiot und Du hast nichts gesagt und ich habe es mal wieder nicht gewusst oder geahnt!“, heule ich und mir fällt auf, dass ich mit 20 schwarz-weißen Soldaten spreche, die mitunter riesige russische Fellmützen tragen und mich erwartungsvoll anstarren.<br>„Du hast dich doch noch getraut, es zu schicken, du Teufelskerl! Und jetzt habe ich dich gefunden und dann doch wieder nicht. Weil ich nicht weiß, welcher von denen Du bist!“, beschimpfe ich halb lachend, halb weinend das Foto. „Wie fies ist das denn bitte?!“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Und plötzlich fällt mir mein wiederkehrender Traum ein, der Schrank, aus dem Myriaden von Briefen herausexplodieren. Unwillkürlich schaue ich auf die Foto-Blechdose: „Wir müssen an deinem Sinn für Symbolik arbeiten, Paul!“, denke ich.<br>Danach sitze ich eine Zeit lang stumm und fassungslos vor Pauls letzter Karte. Später kontaktiere ich Uti, um ihr alles zu erzählen.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Uti ist mehr als überrascht und sagt dann: „Das ist unglaublich! Wirklich unglaublich! Und es ist wundervoll! Aber es musste auch so kommen, findest Du nicht?“<br>Ich schicke ihr das Foto und Uti jagt es durch ihr Colorationsprogramm.<br><br>Das Ergebnis ist atemberaubend!<br>Hier erst einmal die Ausführung in schwarz/weiß, damit ihr erkennen könnt, welchen Unterschied die Nachcoloration macht. &nbsp;</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad00c133&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad00c133" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="659" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/Paul-Sebassna-Bataillon-1024x659-1-1024x659.jpg" alt class="wp-image-3869" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/Paul-Sebassna-Bataillon-1024x659-1-1024x659.jpg 1024w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/Paul-Sebassna-Bataillon-1024x659-1-300x193.jpg 300w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/Paul-Sebassna-Bataillon-1024x659-1-768x494.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/Paul-Sebassna-Bataillon-1024x659-1.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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			</svg>
		</button><figcaption class="wp-element-caption">Paul im Sebassna Bataillon</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ich erinnere noch einmal an den Wortlaut aus Pauls bisher letztem, nun vorletztem Brief:<br><em>Tscheljabinsk 16.1.1918</em><br><em>Liebe Frau!</em><br><em>Teile dir mit, daß ich immer noch hier bin und wahrscheinlich bis zum Frieden bleiben werde. Bin auf dem Sebassna Battalion Regiment 109 in der Porot Bäckerei.</em><br><em>Kleidung ist russische Soldatenuniform. Habe mir auch Photographieren lassen, aber schicken tue ich keins denn ich weiß nicht ob es ankommt. Sonst fühle ich mich noch ganz gesund und Hunger leide ich augenblicklich auch nicht. Ist das erste Mal in meiner Gefangenschaft, daß es mir gut geht, man muß sich eben selbst zu helfen wissen. Am russischen Neujahr war ich im Kino und dann im Circus war ganz schön. Abends mit dem Schlitten nach Hause fahren lassen für 3 Rubel. Haben volle Freiheit hier. Nun herzlichen Gruß und Kuß und baldiges Wiedersehen, dein Paul</em><br><em>Gruß an alle</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Was wissen wir also?<br>Paul hatte sich fotografieren lassen und war sich nicht sicher, ob er das wertvolle Foto als Postkarte verschicken solle, das dreimal veränderte Absendedatum seiner allerletzten Karte ist bezeichnend.<br>Dass er sich letztendlich für den 3. Februar 1918 entschied, entbehrt nicht einer gewissen Komik, denn eigentlich gab es dieses Datum in diesem Jahr in Russland gar nicht.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Es folgt ein kurzer Exkurs:<br><strong>Vor 100 Jahren revolutionierte die Sowjetregierung alles: Kalender, Maßeinheiten, Schreibweisen.</strong>Was geschah in Russland zwischen dem 1. und dem 13. Februar 1918? Antwort: Nichts, diese 13 Tage hat es nie gegeben.<br>Vor 100 Jahren mitten in den Wirren nach der Oktoberrevolution stellte die neue kommunistische Macht auch noch den Kalender um. Auf den 31. Januar folgte direkt der 14. Februar. Damit wurde der Rückstand des altkirchlichen julianischen Kalenders auf den in Westeuropa gebräuchlichen gregoriarischen Kalender aufgeholt. (Quelle: n‑tv.de/wissen)</p>
</blockquote>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Zurück zu Paul: Was wissen wir noch?<br>Paul war 34 Jahre alt, wirkte wahrscheinlich etwas älter und trug mittlerweile eine russische Soldatenuniform.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad00cd78&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad00cd78" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="662" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG-20191102-WA0064-1024x662-1-1024x662.jpg" alt class="wp-image-3870" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG-20191102-WA0064-1024x662-1-1024x662.jpg 1024w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG-20191102-WA0064-1024x662-1-300x194.jpg 300w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG-20191102-WA0064-1024x662-1-768x497.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG-20191102-WA0064-1024x662-1.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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			</svg>
		</button><figcaption class="wp-element-caption">Paul im Sebassna Bataillon coloriert</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ich nehme das Foto, schicke es Rina (Pauls Großnichte) via WhatsApp und frage, ob sie bei einem der Herren Familienähnlichkeit feststellen könne oder nicht und sie antwortet recht schnell.<br>„Der in der hinteren Reihe ganz Rechts könnte ein Saarmann sein“, schreibt sie.<br><br>Gut, die Chance, dass sie Paul tatsächlich identifiziert hat, liegt bei 1/20.<br>Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es mir bisher mehrfach ohne Vorkenntnis gelungen ist, auf Gruppenbildern jemanden aus meiner Ahnenreihe zu erkennen. (Ruth konnte mir meine Vermutungen immer bestätigen und so weiß ich, dass ich bisher jedes Mal richtig lag).<br><br>Eine 100%tige Sicherheit werden wir wohl nie bekommen.<br>Aber eines ist gewiss:<br><br>Einer der Männer auf diesem Foto ist unser Paul.<br><br>Heute, an Allerheiligen, fand ich also endlich ein Foto von ihm und zwar an einem Ort, den ich auswendig zu kennen glaubte. An einem Ort, an dem ich ihn zuallerletzt vermutet hätte:<br>Bei mir.<br><br>Dem ein oder anderen mag sich der Gedanke aufdrängen, dass, hätte ich DIREKT alle alten Sachen durchwühlt, ich mir einen Teil der Odyssee hätte ersparen können.<br>Und ganz kurz dachte ich das auch….<br>Letztendlich aber komme ich zu dem Schluss:<br>„Nein! Es war richtig so. Es sollte und mußte so sein.“<br><br>Ich ende daher mit einem Zitat meines geliebten Terry Pratchett:<br><strong>Why do you go away? So that you can come back.<br>So that you can see the place you came from with new eyes and extra colors. Coming back to where you started is not the same as never leaving.<br></strong>(Warum gehst Du fort? Damit Du zurückkehren kannst.<br>Um den Ort von dem Du kamst mit neuen Augen und in zusätzlichen Farben zu sehen. An einen Ort zurückzukehren ist nicht das Gleiche wie ihn nie zu verlassen. )<br><br>P.S.: Sollte Pauls Grab gefunden werden, lasse ich es Euch wissen und dann geht es an dieser Stelle weiter …</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>UPDATE!</strong><br><strong>20.12.2021 Nachtrag</strong><br>An der o.g. Stelle dachte ich, dass keine weiteren Paul-Informationen oder Habseligkeiten auftauchen würden, aber der Gute hat eine schräge Art von Humor, die mich wahrscheinlich Geduld lehren sollte.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Einige Wochen nach der Veröffentlichung von „Post von Paul 3“ wühlte ich ich mich durch verschiedene alte Bücher in meinem Fundus.<br>Ein altes, abgegriffenes Schulbuch fiel mir in die Hände.<br>Als ich es aufschlug, den Namen des Besitzers las und die Schrift erkannte, stand mein Herz für einen kurzen Moment still; und dann mußte ich herzlich lachen. Hier seht ihr, was ich sah:</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad00d889&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad00d889" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20211220_103350-1024x768-1-768x1024.jpg" alt class="wp-image-3871" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20211220_103350-1024x768-1-768x1024.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20211220_103350-1024x768-1-225x300.jpg 225w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20211220_103350-1024x768-1.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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			</svg>
		</button></figure>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad00e2a1&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad00e2a1" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20211220_103407-1024x768-1-768x1024.jpg" alt class="wp-image-3872" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20211220_103407-1024x768-1-768x1024.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20211220_103407-1024x768-1-225x300.jpg 225w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20211220_103407-1024x768-1.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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			</svg>
		</button></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Es ist schon irgendwie verrückt, das 129 Jahre alte Lesebuch in der Hand zu halten, das auch schon vom damals 7jährigen Paul gehalten wurde.<br>Der kleine Junge von damals ahnte nicht, dass er in einem fremden Land fern der Heimat, mit nur 34 Jahren, sterben würde.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad00ed2e&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad00ed2e" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20211220_144929-1024x768-1-768x1024.jpg" alt class="wp-image-3875" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20211220_144929-1024x768-1-768x1024.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20211220_144929-1024x768-1-225x300.jpg 225w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20211220_144929-1024x768-1.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Die Entdeckung des Lesebuchs facht meine Entdecker-und Abenteuerlust erneut an und so durchsuche ich erneut das Memorabilienschränkchen meines Vaters.<br>Aus einem alten Zigarrenkästchen starren mich verschiedene Orden an.<br>Durch den lieben Tommy Gratza können diese alle in kürzester Zeit zugeordnet werden.<br>Zu dem obenstehenden Foto lautete der Kommentar: „Witwenkreuz für Ehefrauen oder Mütter von gefallenen Soldaten des ersten Weltkrieges“.<br>Ich starre auf das Kreuz und frage mich tatsächlich kurz, warum wir ein solches in unserem Besitz haben, denn mein Ur-Opa hatte ja den Krieg überlebt.<br>„Paul!“, schiesst es mir plötzlich in den Sinn.<br>„Oh Mann, das ist das Witwenkreuz von Emma. Es kann gar nicht anders sein! Alle sonst in Frage kommenden Personen kehrten damals zurück.“<br>Aufgeregt betrachte ich die Brosche, doch die Gedanken, die in mir auftauchen, machen mich traurig:<br>Ein Stück Metall an einer Schleife als Ersatz für ein durch den Krieg genommenes Menschenleben … wie bitter, wie zynisch.<br>Ich frage mich, ob sie es jemals getragen hat.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Weitere Sachfunde aus der Vergangenheit oder Pauls Leben tauchten bisher nicht auf.<br><br>Aber der Volksbund Kriegsgräberfürsorge reagierte am 9.6.21 auf meine Suche nach Paul mit folgender Nachricht:<br><br><em>Sehr geehrte Frau Schwanke,</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><em>wir danken für Ihre Anfrage und bedauern, dass wir erst heute dazu kommen, Ihnen zu antworten.</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><em>Bisher lag uns zu Ihrem Angehörigen keine Meldung vor. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die ausgelagerten Bestände des Zentralnachweisamtes für Kriegerverluste und Kriegergräber, bei dem seinerzeit die Unterlagen über die deutschen Gefallenen des Ersten Weltkrieges gesammelt vorlagen, größtenteils vernichtet. Lediglich in einigen Landesarchiven sind Aufzeichnungen in Duplikaten vorhanden.</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><em>Der VOLKSBUND konnte jedoch im Laufe der Jahre aus verschiedenen in- und ausländischen Quellen und infolge des Einsatzes seines Umbettungsdienstes eine Erfassung zusätzlicher Angaben von Kriegstoten des Ersten Weltkrieges vornehmen. Diese Angaben betreffen jedoch überwiegend Gefallene des ehemals westlichen Kriegsschauplatzes. Für den östlichen Kriegsschauplatz liegen bisher nur bruchstückhafte Unterlagen vor.</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><em>Während der Suchdienst des DRK seit 2004 digitalen Zugriff auf russische Unterlagen des RGWA zu Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges erhalten haben, können wir Ihnen für die Unterlagen des Ersten Weltkrieges diesbezüglich leider kein Archiv nennen.</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><em>Aus einer inzwischen online gestellten Verlustliste vom 8.1.1917 geht in Bestätigung Ihrer Angaben hervor, dass Ihr Angehöriger zunächst als vermisst galt und sodann in Kriegsgefangenschaft verstarb. Sein Todesort oder eine Grablage sind diesen Listen leider nicht zu entnehmen.</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong><em>Um den Namen Ihres Angehörigen vor dem Vergessen zu bewahren, haben wir seine Daten in das Gedenknamenbuch der in Russland Verstorbenen übernommen. Einen entsprechenden Auszug aus dem Namenbuch können Sie gern bei uns bestellen.</em></strong></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><em>Wir hoffen, Ihnen hiermit behilflich zu sein.</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><em>Mit freundlichen Grüßen</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Gustav PAUL Saarmann steht nun also offiziell im Gedenknamenbuch der in Russland Verstorbenen.<br>Viel wichtiger aber: durch seine Briefe kennen wir alle einen Teil seiner Geschichte. Er ist nicht vergessen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ich bin mir ziemlich sicher, dass kein eigentliches Grab mehr zu finden sein wird. Aber eine Suche danach, dort, vor Ort in Omsk, könnte aufregend werden. Mal schauen, was sich machen lässt.<br><br>Der Sänger mag sterben, aber das Lied verklingt nie.<br><br>Danke, dass ihr Paul und mir zugehört habt.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Fotos: Yvonne Schwanke</p>



<div class="wp-block-query is-layout-flow wp-block-query-is-layout-flow"><ul class="wp-block-post-template is-layout-flow wp-block-post-template-is-layout-flow"><li class="wp-block-post post-3837 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-kolumnen tag-briefe-aus-dem-krieg tag-post-von-paul">
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</li><li class="wp-block-post post-3862 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-kolumnen tag-briefe-aus-dem-krieg tag-post-von-paul">
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		<title>Post von Paul (2 von 3)</title>
		<link>https://forumwk.de/2025/12/28/post-von-paul-2-von-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Schwanke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Dec 2025 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Briefe aus dem Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Post von Paul]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>30. September 2019Es ist verrückt und wunderschön zugleich zu erfahren, welche Entwicklungen und Reaktionen die Veröffentlichung des ersten Teils&#160;„Post von Paul“&#160;nach sich gezogen haben.Ute „Uti“ Keller teilte den Link in einer Ahnenforschungsgruppe auf Facebook.Gestern, kurz vor Mitternacht (ich schlief bereits), schickte Uti einen Screenshot aus FB. Eine Frau schreibt dort: „Sehr bewegende Geschichte. Mein Urgroßvater [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forumwk.de/2025/12/28/post-von-paul-2-von-3/">Post von Paul (2 von 3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://forumwk.de">Forum Wermelskirchen</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>30. September 2019<br></strong>Es ist verrückt und wunderschön zugleich zu erfahren, welche Entwicklungen und Reaktionen die Veröffentlichung des ersten Teils&nbsp;<a href="https://forumwk.de/2025/12/21/post-von-paul-1-von-3/">„Post von Paul“</a>&nbsp;nach sich gezogen haben.<br>Ute „Uti“ Keller teilte den Link in einer Ahnenforschungsgruppe auf Facebook.<br>Gestern, kurz vor Mitternacht (ich schlief bereits), schickte Uti einen Screenshot aus FB. Eine Frau schreibt dort: „Sehr bewegende Geschichte. Mein Urgroßvater war ebenfalls vor dem 1. Weltkrieg Glasbläser und hat meine Uroma in Wipperfürth kennengelernt. Wer weiß, vielleicht kannte er Paul….“<br><br>Ich lese die Nachricht morgens, bin mit einem Schlag hellwach und möchte sofort mit der netten Dame chatten.<br>Uti stellt den Kontakt her.<br>Noch vor 9 Uhr morgens lerne ich eine weitere wundervolle Person kennen,&nbsp;die sehr viel über die Geschichte ihres Glasbläser-Urgroßvaters erzählen kann. Meine Frage, in welcher Firma dieser gearbeitet habe, kann sie mir zunächst aber leider auch nicht beantworten.<br>Nachmittags erhalte ich eine weitere Nachricht von ihr:<br>Laut ihren Eltern sei die Möglichkeit groß, dass ihr Opa, somit auch eventuell Paul, bei der Firma Radium in Wipperfürth gearbeitet haben könnten.<br>Radium! Glühbirnen! Natürlich!<br>Den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen …<br><br>Abends wende ich mich über das Kontaktformular der Webseite mit einer ungewöhnlichen Anfrage an die Firma:<br><em>„Sehr geehrte Damen und Herren!<br>Vor einigen Wochen fand ich Kriegsgefangenenpost aus dem ersten Weltkrieg.<br>Der Absender war der Glasbläser Paul Saarmann aus Fürstenwalde, der seit ca. 1904/05 in Wipperfürth ansässig war und im 1. Weltkrieg in&nbsp; russischer Gefangenschaft landete.<br>&nbsp;<br>War er in Ihrem damals neu gegründeten Unternehmen beschäftigt?<br>Können Sie mir eventuell mit Unterlagen, Fotos oder Informationen weiterhelfen?<br>&nbsp;<br>&nbsp;Für eine Antwort Ihrerseits wäre ich sehr dankbar!!<br>&nbsp;<br>&nbsp;Hier meine aktuellen Recherchen zu Paul Saarmann:<br><a href="https://forumwk.de/2025/12/21/post-von-paul-1-von-3/">https://forumwk.de/2025/12/21/post-von-paul-1-von‑3/</a><br>&nbsp;Mit freundlichen Grüßen<br>&nbsp;Yvonne Schwanke „<br></em><br>Und wieder einmal heißt es: Warten!<br><br><strong>1. Oktober 2019</strong><br>Eine Koinzidenz jagt die nächste …<br>Ich unterhalte mich mit einer lieben Klientin und erzähle, dass ich der Antwort auf die Frage, was einen Glasbläser aus Fürstenwalde wohl damals nach Wipperfürth getrieben haben mag, näher gekommen sei.<br>Ihre Antwort ist kurz, aber dafür mit durchschlagender Wirkung: „Radium!“<br>Perplex starre ich sie an: „Sag mal, wie kommst Du denn so schnell darauf?“<br>„Mein Mann arbeitet da und die suchen wohl gerade einen Glasbläser.“<br>Ich traue meinen Ohren kaum und sage, noch in leichter Schockstarre:<br>„Ich habe da gestern hingeschrieben und bis jetzt natürlich noch keine<br>Antwort erhalten.“<br>„Ich frage ihn mal, ob er nachhorchen kann.“<br>„Unfassbar!“, sage ich, „das ist unfassbar!“<br>„Hätte ich Dir direkt sagen können, wenn ich das vorher gewußt hätte!“<br>„So habe ich es halt nun von hinten durch die Brust ins Auge in Erfahrung bringen können und habe dafür einen weiteren hilfsbereiten Menschen kennengelernt.“<br>Wir amüsieren uns beide köstlich.<br><strong><br>2. Oktober 2019</strong><br>Email-Antwort der Firma Radium:<br><em>„Hallo Frau Schwanke,<br>das ist ja eine sehr interessante Geschichte… leider können wir – was diese&nbsp; Zeit anbetrifft – hier nicht wirklich weiterhelfen, da es kein so weit zurückreichendes Archiv gibt.<br>Dennoch viel Erfolg bei der weiteren Suche!<br>&nbsp;&nbsp;<br>mit freundlichen Grüßen/ Best regards „</em><br><br>Scheisse! Diese Spur verläuft also ins Leere.<br>Nun gut, daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen …<br><br>Noch 8 Tage bis ich Dame „Ulli“ wegen Hildes Koffer kontaktieren kann.<br><br>Um 17:30 Uhr erreicht mich folgende Email aus dem Landkreis Oder-Spree:</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;<br><em>„Sehr geehrte Frau Schwanke,<br>Ihre Anfrage zu der Familie Saarmann wurde vom Standesamt Fürstenwalde an uns&nbsp; weitergeleitet und liegt mir zur Bearbeitung vor. Der Geburteneintrag von Gustav Paul Saarmann aus dem Geburtenbuch von 1885 des Standesamtes Fürstenwalde ist bei uns im Kreisarchiv vorhanden.<br>Für die weitere Bearbeitung und die Zustellung des Gebührenbescheides benötige ich Ihre Anschrift. Ich bin bis 13. Oktober nicht erreichbar und werde Ihr Anliegen ab dem 14. Oktober bearbeiten.<br>Freundliche Grüße „</em><br><br>Meine Anfrage stammte vom 12. September.<br>Ich atme tief ein und aus.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Geduld soll eine Tugend sein – aber als die verteilt wurde, war ich wohl schon weg, weil mir das Ganze einfach zu lange gedauert hat …<br><br><br><strong>3. Oktober 2019&nbsp;<br></strong>Um die Wartezeit zu überbrücken, nehme ich mir die 111 Feldpostkarten meines Ur-Großvaters Walter Hessenbruch vor, die er im 1.Weltkrieg an meine Uroma geschrieben hat.<br>Von diesen Karten wußte ich seit jeher, sie waren kein Überraschungsfund, so wie die von Paul. Zudem sind sie in Sütterlin bzw. Kurrentschrift verfasst.<br>Und zusätzlich hatte Ur-Oppa eine echte Sauklaue.<br>Ich beschließe also, meiner 91jährigen Nachbarin Meta auf den Keks zu gehen, damit sie mir bei der Übersetzung behilflich sein kann.<br>Während wir uns mit der Transkribierung abmühen, trifft ein weiterer meiner lieben Nachbarn ein. Da er standesamtliche Kenntnisse besitzt, fällt mir ein, dass sich vielleicht mit seiner Hilfe eine weitere offene Frage zu Paul klären läßt.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„In der mir vorliegenden Heiratsurkunde von Paul und Emma gibt es einen Zusatz, der Fragen aufwirft“, sage ich.<br>„Was für einen Zusatz?“, fragt er.<br><em>„Laut Heiratsurkunde aus dem Jahre 1908 erklärt Paul Saarmann, das „am&nbsp; 06.11.1905 in Wipperfürth geborene Kind Hildegard als das seinige&nbsp; anzuerkennen.</em>“ „Merkwürdiger Satz, wie ich finde. Kann es sein, dass Hildegard gar nicht seine leibliche Tochter war?“<br>Er überlegt kurz: „Das ist auf keinen Fall der Wortlaut einer Adoption. Zu 95% ist das ein Vaterschaftsanerkenntnis.“<br>„Unverheiratet schwanger zur damaligen Zeit?! Das hätte doch eigentlich zu einer Art Shotgun-Wedding führen müssen“, sage ich ungläubig.<br>„Tja, keine Ahnung“, erwidert mein Nachbar.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong><em>Ehehindernisse und Eheverbote</em></strong><br><em>Wie kommt es, dass nicht früher geheiratet wurde? So wie heute war es nicht unwichtig, dass eine ausreichende Lebensgrundlage für eine neue Familie gegeben war. Viele warteten sicherlich mehr oder weniger freiwillig, bis sie in der Lage waren, diese zu gewährleisten. Einer der Gründe für das späte Heiratsalter lag aber auch in den verschiedenen Ehehindernissen und Eheverboten, die es in den deutschen Staaten gab. Oft wurde eine Heiratsgenehmigung der jeweils zuständigen Obrigkeit vorausgesetzt. Bereits im Mittelalter benötigten Heiratswillige oft die Zustimmung ihres Gutsherrn. In Hamburg&nbsp;</em><strong>(Anmerkung von mir: Hansestadt übrigens, wie Wipperfürth)</strong><em>&nbsp;war für die Erteilung einer Heiratsgenehmigung spätestens ab Mitte des 18. Jahrhunderts das Bürgerrecht notwendig. Dieses zu erwerben, kostete Geld, setzte voraus, dass man einem Erwerb nachging, von dem man leben konnte, und beinhaltete eine Bürgermilitärpflicht inkl. Anschaffungskosten für Uniform und Bewaffnung. Nicht jeder Heiratswillige konnte sich dies leisten. Für Zugezogene&nbsp;</em><strong>(Paul kam aus Fürstenwalde<em>)</em></strong><em>&nbsp;waren die Bestimmungen noch schwerer zu erfüllen. Des Weiteren durften viele Einwohner ohnehin nicht heiraten. So z.B. einfache Soldaten, Handwerksgesellen (die erst mit Erlangung der Meisterwürde heiraten konnten) sowie nicht den Zünften angehörende Handwerker. Aber z.B. auch in Süddeutschland wurden die Heiratschancen der armen Bevölkerungsschichten ab Ende des 18. bis ins 19. Jahrhundert beschnitten. Offiziell sollte auf diesem Wege meist die Armut gemindert und die Armenkassen entlastet werden. Tatsächlich führten die Vorschriften keineswegs zu einer Verminderung von Armut, viel eher verfestigten sie die Ständeunterschiede und begünstigten das Entstehen von sogenannten Konkubinaten oder „wilden Ehen“ sowie von unehelichen Geburten. Manchmal konnte später noch eine Heirat erreicht werden, aber nicht immer. Als „sittenlos“ wurden die Lebensgemeinschaften vermutlich vor allem von Seiten der Kirche und der höheren Schichten angesehen, im eigenen Umfeld kann, mit Unterschieden, durchaus von einer gewissen Akzeptanz ausgegangen werden. Allerdings drohte eine polizeiliche Verfolgung und ggf. zwangsweise Trennung. &nbsp;<strong>Und was heißt das für die Ahnenforschung?</strong>&nbsp;Wir gehen für unsere Suche nach Vorfahren meist von einem Heiratsalter ab etwa 23–25 Jahren für beide Geschlechter aus.&nbsp;<strong>Für die Suche nach Kindern kann man durchaus auch 1–2 Jahre vor einem Heiratsdatum schauen.</strong>&nbsp;<strong>Wie beschrieben, kam es nämlich durchaus vor, dass erst nach der Geburt des ersten oder sogar mehrerer Kinder geheiratet wurde.<br><br>Quelle: BeyondHistory</strong></em></p>
</blockquote>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Somit wäre also auch DAS geklärt. Hildegard war zu 99% Pauls leibliche Tochter.<br><br>Meta und ich schmeißen, was Uropas Post von der Westfront angeht, die Flinten in die Körner. Und so beschließe ich, noch einmal meiner geliebten 90jährigen Ruth auf den Senkel zu gehen.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>4. Oktober 2019</strong><br>Habe Ruth besucht und sie hat 3 Karten von Ur-Opa transkribieren können.<br>Sie wollte wissen, ob es Neuigkeiten von Paul gäbe. Ich erzähle ihr, dass wir nun die Bestätigung haben, dass Hildegard doch seine leibliche Tochter war.<br>„Immerhin etwas“, brummt sie.<br>Wir klappern alte schwarz-weiß Fotografien ab und sie identifiziert die Schreiber einiger alter Briefe an meine Ur-Oma und Oma. &nbsp;<br>Ich verspreche ihr, Bescheid zu geben, sobald ich Neuigkeiten habe.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>5. Oktober 2019<br></strong>Auf Anraten meines lieben Nachbarn mit den Standesamtskenntnissen, schreibe ich bezüglich der Uropa-Karten-Transkribierung an Volker Ernst vom Bergischen Geschichtsverein (BGV) Wermelskirchen.<br>„Wenn der das nicht lesen kann, kanns keiner,“ ist die Aussage, die ich von mehreren Menschen zu hören bekommen habe.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>7. Oktober 2019<br></strong>Und so lerne ich kurz darauf, zunächst virtuell, den Sütterlinfachmann Volker Ernst kennen, mit dem ich mich auf ein Treffen im BGV-Archiv Wermelskirchen verabrede.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>8. Oktober 2019</strong><br>Herr Ernst suchte in den ihm vorliegenden Zeitungsinfos aus den Jahren des ersten Weltkrieges nach Hinweisen auf Paul. Er findet keine, was eigentlich auch völlig klar<br>ist, da Paul in Wipperfürth ansässig war und nicht in Wermelskirchen. Aber man weiß ja nie.<br>Spontan erkundige ich mich, ob ich zum BGV Stammtischtreffen am 9.10 hinzukommen darf.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>9. Oktober 2019<br></strong>Erinnert ihr Euch noch an Ulli? Die Dame mit Hildes Koffer, die ich ab dem 10.10. anrufen konnte?<br>Ich gebe es zu, ich habe es nicht ausgehalten. Im Laufe des heutigen Tages versuchte ich, sie via Handy zu kontaktieren. Sie ging auch ran.<br>Allerdings geschah folgendes:“Frau Schwanke! Ich bin gerade unterwegs. Ja, natürlich erinnere ich mich. Aber diese Woche wird kn…..“<br>Es knackt. Das Gespräch wurde unterbrochen. Ich wähle erneut. Besetzt.<br>Das darf doch nicht wahr sein! kreischt es hysterisch in mir.<br>Dann, eine Nachricht auf meiner Mailbox:“ Hallo Frau Schwanke. Ich bins. Ich rufe in ca. zwei Stunden noch mal an, weil ich noch unterwegs bin und keinen Kalender zur Hand hab. Bis nachher! Tschüß!“<br>Ich warte also. Mal wieder. Aber weder zwei Stunden später noch bis zum späten Abend erfolgt ein Rückruf.<br>Mit meinem Laptop, Ur-Opas Karten und den heißen Kohlen, auf denen ich bezüglich des Rückrufes sitze, mache ich mich abends auf den Weg in die Gaststätte, in der der Stammtisch des BGV stattfindet.<br>Ich treffe auf einen freundlichen Trupp, die sich als passionierte, kenntnisreiche Jäger und Sammler von Informationen aus der Vergangenheit entpuppen.<br>Ich bin so begeistert über deren leidenschaftliches Engagement, dass ich diesen Menschen guten Gewissens vorübergehend die Karten meines Ur-Opas anvertraue.<br>„In Sachen Paul“ verweist Volker auf Erich Kahl, den Vorsitzenden des HGV Wipperfürth.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>10. Oktober 2019<br></strong>Versuche es am späten Morgen telefonisch bei Frau Ulli wegen des Koffertermins. Erfolglos. Bin resigniert. Nachmittags versuche ich es wieder. Niemand geht ran. Bin etwas niedergeschlagen.<br>Ich kontaktiere Herrn Kahl vom HGV via Email, schicke ihm den „Post-von-Paul-Link“, den Wortlaut der Heiratsurkunde von Paul und Emma und einige weitere Ergebnisse meiner Recherchen und frage, ob er mir weiterhelfen könne.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>11. Oktober 2019</strong><br>Leichte innere Krise. Soll die Spur wirklich hier enden? Inakzeptabel.<br>Ich entscheide mich daher, gegen Mittag noch einmal bei Fr. Ulli anzurufen. Dieses Mal auf dem Festnetz.<br>Ich erreiche sie tatsächlich.<br>„Ach, Frau Schwanke! Gottseidank, dass Sie sich melden. Erst hatte ich vergessen zurückzurufen und dann sind Sie nicht rangegangen, als ich es versucht habe.“<br>Ich bin erleichtert und wir vereinbaren den „Kofferöffnungstermin“ für Mittwoch, den 16.10. um 10:30 Uhr.<br>„Viel ist aber nicht mehr da“, sagt sie. „Die Hauptsache ist, dass noch etwas da ist“, sage ich und hoffe trotzdem insgeheim noch auf ein Foto von Paul.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>12. Oktober – 15. Oktober 2019</strong><br>Habe Antwort von Herrn Kahl erhalten und bin mal wieder völlig begeistert und berührt von dem Enthusiasmus und dem Wissen der Heimatforscher.&nbsp;<br>Werde in den nächsten Zeilen die Ergebnisse unseres Schriftverkehrs vom 12.–15.10 für Euch zusammenfassen:</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Im Adressbuch von 1910 ist Paul Saarmann als wohnhaft in der Gaulstraße (leider ohne Hausnummer) in Wipperfürth verzeichnet.<br>Die Adresse des Trauzeugen August Wigger kann, dank Herrn Kahl, ebenfalls festgestellt werden. Der Trauzeuge Voerste ist zunächst nicht auffindbar. Herr Kahl reist für mich weiter zurück in der Zeit ins Adressbuch von 1900:<br>„Paul Saarmann taucht im Adressbuch für 1900 nicht auf. Das ist aber auch nicht verwunderlich. Einmal enthält das Adressbuch deutlich weniger Namen als das von 1910; wahrscheinlich war die Eintragung noch kostenpflichtig. Zum anderen wurden in Wipperfürth erst seit 1902 Glühbirnen hergestellt, und zwar zunächst für Taschenlampen. 1904 tat sich der junge Fabrikant Richard Drecker, der in einem Schuppen neben der 1902 abgebrannten väterlichen Wollgarnspinnerei produzierte, mit Adolf Berrenberg zusammen, einem Mitarbeiter Thomas A. Edisons, der aus Griemeringhausen bei Marienheide stammte und im Besitz von Patenten war. Seit Dezember 1904 heißt die Firma Radium.<br>Interessant ist ein anderer Fund im Adressbuch von 1900: Der<br>Weichensteller Ludwig Knapp (Vater von Pauls Frau Emma) wohnte ebenso wie die Witwe Louis Voerste im Haus Bahnstraße 3. Das war wahrscheinlich das Bahnhofsgebäude, denn die Witwe Voerste betrieb das Bahnhofsrestaurant.“<br>Wir stellen also fest, dass Emma mit ihrem späteren Trauzeugen in einem Haus wohnte.<br>Herr Kahl sendet mir Fotos des alten Bahnhofes, der leider mittlerweile abgerissen und durch ein neues Gebäude ersetzt worden ist:</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad01da3d&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad01da3d" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="662" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/023-EK-Wf-Bahnhof-01-1024x662.jpg" alt class="wp-image-3855" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/023-EK-Wf-Bahnhof-01-1024x662.jpg 1024w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/023-EK-Wf-Bahnhof-01-300x194.jpg 300w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/023-EK-Wf-Bahnhof-01-768x497.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/023-EK-Wf-Bahnhof-01.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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		</button><figcaption class="wp-element-caption">Quelle: Bildarchiv des Heimat-und Geschichtsvereins Wipperfürth</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Meine Phantasie geht auf die Reise: Emma wohnte also am Bahnhof in Wipperfürth! Höchstwahrscheinlich half sie der Witwe Voerste gelegentlich im Bahnhofsrestaurant aus.<br>Irgendwann zwischen 1902 und 1905 trifft dort ein junger Glasbläser aus Fürstenwalde ein, der von dem aufstrebenden Lampenunternehmen Berrenberg/Radium gehört oder dort sogar bereits einen Arbeitsplatz in Aussicht hat.<br>Dieser junge Mann macht Halt im Bahnhofsrestaurant und erkundigt sich bei der Bedienung nach einer freien Wohnung in der Stadt. Ungefähr so könnte die Geschichte von Paul und Emma ihren Anfang genommen haben …<br>Doch gibt es die Adresse noch, an die Pauls Briefe gerichtet waren? Als ich dem findigen Herrn Kahl Hausnummer und Strasse nenne, an die Pauls Briefe adressiert waren, kann er sogar ein Foto aus dem Hut zaubern, bei dem es sich möglicherweise um eben jenes Haus handelt und, zusätzlich, mit ziemlicher Sicherheit, aber ebenfalls ohne Gewähr, eben jenes Haus unter neuer Adresse ausmachen. Es steht immer noch, ist jedoch umgebaut worden.<br>Prompt juckt es mir abermals in den Fingern … man könnte ja mal einen Brief an die jetzigen<br>Besitzer schreiben und nachfragen, ob da nicht vielleicht, also …eventuell … ach was, erst mal die Kofferöffnung abwarten.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad01e55b&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad01e55b" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="752" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/021b-EK-NN-1927-1024x752-1-1024x752.jpg" alt class="wp-image-3856" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/021b-EK-NN-1927-1024x752-1-1024x752.jpg 1024w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/021b-EK-NN-1927-1024x752-1-300x220.jpg 300w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/021b-EK-NN-1927-1024x752-1-768x564.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/021b-EK-NN-1927-1024x752-1.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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		</button><figcaption class="wp-element-caption">Quelle: Bildarchiv des Heimat-und Geschichtsvereins Wipperfürth</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>16.Oktober 2019<br>Kofferöffnungstag!</strong><br>Endlich! Es ist 10:22 Uhr, als ich erneut den schmalen kleinen Weg zwischen Häuschen hochfahre und mein Auto genau dort hinstelle, wo beim letzten Mal der knallorange Wagen des Mieters gestanden hatte.<br>Ich bemerke, dass ich direkt vor einer Art Grabschmuck + Licht parke, und muß unwillkürlich lächeln, da bei uns zuhause der Grabstein meiner Tante Toni im Vorgarten steht.<br>Schließlich drücke ich den Klingelknopf und höre nach einiger Zeit, dass sich innen jemand vor sich hin pfeifend nähert.<br>Herr Ulli öffnet mir die Tür, seine Frau sei noch zur Grippeimpfung beim Arzt und käme jeden Moment zurück, sagt er, bittet mich herein und bietet mir einen Kaffee an.<br>Keine 2 Minuten später ist sie da. Ulli. Endlich lernt man sich persönlich kennen. Wir lassen uns in einem hübschen Wintergarten nieder und sie holt den kleinen braunen Koffer von Hilde. Sie rekapituliert alles, an was sie sich noch von meiner Familie erinnern kann und das ist einiges. Sie erinnert sich an meinen Opa, meine Oma, die einen Jungen hatten (meinen Papa) und an eine alleinstehende Frau (Toni, deren Grabstein in meinem<br>Garten steht). Auch hat sie mitbekommen, dass mein Papa vor einigen Jahren verstorben ist.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad01efcd&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad01efcd" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="713" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191016_120939-2-713x1024.jpg" alt class="wp-image-3857" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191016_120939-2-713x1024.jpg 713w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191016_120939-2-209x300.jpg 209w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191016_120939-2-768x1104.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191016_120939-2.jpg 835w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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		</button></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Schließlich öffnen wir den Koffer. Papiere und Akten rutschen uns entgegen und wir gehen sie durch. Dabei erzählt sie von Hilde, die mit Emma und Alma zusammen wohnte.<br>„Äh, Alma?“, frage ich.<br>„Emma hatte zwei Schwestern, Alma und die … hach Vorname weg … Frau Pohlhaus“, erklärt Ulli.<br>Ich schlage mir mit der flachen Hand vor die Stirn: “Der Name Pohlhaus kommt in Pauls Briefen auch vor! Jetzt kann ich ihn zuordnen! Ich wusste gar nicht, dass Emma Schwestern hatte. Leben noch irgendwelche Nachfahren?“<br>„Soweit ich weiß, sind alle tot“, erwidert Ulli.<br>Wir finden Hildes Meisterbrief, ihr Schulzeugnisheft und ein sehr altes Formular. Ich weiß nicht, warum, aber mir schießen die Tränen in die Augen, als ich bemerke, was da vor mir liegt: das Original von Paul Saarmanns Sterbeurkunde.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad01fa69&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad01fa69" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="687" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191018_104140-687x1024.jpg" alt class="wp-image-3858" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191018_104140-687x1024.jpg 687w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191018_104140-201x300.jpg 201w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191018_104140-768x1145.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191018_104140.jpg 805w" sizes="auto, (max-width: 687px) 100vw, 687px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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		</button></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Und … es gibt keine Fotos?“, frage ich.<br>„Nein. Also, nicht dass ich wüsste. Ich habe lange bei Hilde gearbeitet und habe niemals irgendwelche Fotoalben oder Ähnliches gesehen …“<br>„Und Emmas Schwester Alma war nicht verheiratet?“<br>„Nein.“<br>„Also „ungeöffnet zurück“ wie Hilde?“, frage ich.<br>Ulli lacht: „Mag sein. Weiß ich nicht.“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Sterbekassenbelege rutschen uns entgegen. „Hilde hatte für alles gesorgt. Ich mußte mich nur um die Umsetzung kümmern. Im Februar diesen Jahres habe ich ihr Grab aufgelöst, waren ja 30 Jahre rum.“<br>„Oh. Da bin ich wohl mal wieder zu spät. Aber Hilde ist doch 1986 verstorben …“, sage ich.<br>„Nein. 1989. Sie hatte 1986 einen Schlaganfall und lag daraufhin 3 Jahre im Pflegeheim.“<br><br>Ich ging die ganze Zeit vom falschen Todeszeitpunkt aus. Oh Mann.<br>Aber gut, mir war ja ebenfalls nicht klar gewesen, dass Hildes Mama zwei Schwestern gehabt hatte.<br><br>Dass es noch dicker kommen sollte, konnte ich in diesem Moment noch nicht ahnen.<br><br>Wir gehen weiter die Papiere durch, als mir ein Kondolenzbrief ins Auge fällt. „Caroline Saarmann? Merseburg?“, frage ich und irgendetwas klingelt leise in mir.<br>„Ja. Das war wohl Hildes Cousine!“, sagt Ulli.<br>„Oh Mann! Dann hatte Paul also Geschwister! Ist das schön!“<br>Ein kleiner, magentafarbener Zettel rutscht aus dem weiß-grauen Stapel.<br>Ich lese einen Nachnamen, eine Straße und wieder: „Merseburg“.<br>Eine alte Erinnerungsspur rastet in meinem Hirn ein, fällt, wie eine kaputte Zugbrücke in neues Wissen und unwillkürlich entfährt mir: „Franz und Rina?!“<br>„Ja! Genau! Rina! Die waren auch ein paar Mal hier!“<br>„Ich weiß, die haben bei uns gewohnt“, sage ich und in diesem Moment wird aus dem leisen Ahnungsklingeln ein donnernder Haufen Geistesblitze.<br>‚Das ist jetzt nicht wahr‘, denkt es in mir, ‚das ist nicht wahr: seit Wochen bin ich auf der Suche nach weiteren Angehörigen von Paul…. DABEI KENNE ICH SIE SEIT JAHREN …‘„Von hinten durch die Brust ins Auge“, murmele ich fassungslos halblaut vor mich hin.<br>„Also, wenn meine Annahme richtig ist und Rina die Tochter von Caroline Saarmann ist, dann kenne ich Pauls Großnichte seit Jahren und konnte einfach nie eine Verbindung herleiten, weil die Verwandtschaftsverhältnisse nie klar waren“, sage ich überwältigt und weiß nicht, ob ich hysterisch lachen oder weinen soll.<br>Solche skurrilen, unerwarteten Rechercheergebnisse kann man sich nicht ausdenken. Sie passieren einfach.<br><br>„Es freut mich, dass der Koffer tatsächlich weitergeholfen hat!“<br>Wir reden noch eine Weile und ich bin Dame Ulli rückblickend sehr dankbar, für die Treue mit der sie zu der alleinstehenden Hildegard gehalten hat: „Sie war offen und gradlinig, ein feiner Mensch. Und sie hatte ausdrucksstarke Augen bis zuletzt, die Hilde“, sagt Ulli und das freut mich sehr. &nbsp;</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad02057a&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad02057a" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191018_104709-1024x768-1-1024x768.jpg" alt class="wp-image-3859" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191018_104709-1024x768-1-1024x768.jpg 1024w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191018_104709-1024x768-1-300x225.jpg 300w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191018_104709-1024x768-1-768x576.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20191018_104709-1024x768-1.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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		</button><figcaption class="wp-element-caption">Hilde’s Meisterbrief</figcaption></figure>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Auf der Heimfahrt sitze ich, teils amüsiert und erfreut, teils schockiert und fassungslos, teils achichweißnichtwie hinter meinem Steuer. Ich rufe meine Mutter an und erzähle ihr von den Ergebnissen.<br>Die Reaktion meiner Mutter: “ACH JAA!! Da fällt mir ein, dass Hilde damals keinen Platz hatte, ihren Besuch unterzubringen und dann Oma Leni gefragt hat, ob Franz und Rina bei uns unterkommen könnten. Und so kam dann der Kontakt zustande! Jetzt, wo Du es sagst, dämmert es mir.“<br>(Fein! Ich freue mich WIRKLICH, dass dir das JETZT einfällt, Mama!, denke ich stumm.)<br>„Mama, dann check doch mal bitte, ob die Caroline, die müsste zwar jetzt 90 oder älter sein, noch unter der Adresse lebt, die in Google steht. Du kanntest die doch irgendwie.“<br>Mama macht mit und erweist sich als sehr gute Rechercheurin. Zwanzig min später ruft sie zurück:<br>„Die Nummer war nicht mehr vergeben. Da habe ich dann die Auskunft angerufen und der Mann sagt, die sei vor Jahren abgemeldet und nicht neu vergeben worden. Dann habe ich ihn gefragt, ob er nicht mal die Altenheime der Gegend dort nach dem Namen abklappern könne. Hat er tatsächlich gemacht. War aber nix. Und da habe ich dann die alte Nummer von Franz und Rina herausgesucht und gewählt. Und Rina war direkt dran. Wir haben uns beide so gefreut nach so vielen Jahren voneinander zu hören. Ich habe ihr kurz gesagt, worum es geht.<br>Du kannst sie heute Nachmittag anrufen. Ich schicke dir gleich die Nummer.“<br>„Klasse, Mama! Das hast Du MEGA gut gemacht!“, freue ich mich.<br>Am Nachmittag klingelt es leider vergeblich, als ich die Nummer wähle und so verschiebe ich den Anruf auf den nächsten Tag.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>17. Oktober 2019</strong><br>Es ist früher Nachmittag als ich, nach einer recht kurzen Nacht, todmüde einen erneuten Anrufversuch starte. Rina geht ans Telefon.<br>Wir können beide nicht sagen, wie lange wir uns schon nicht gesehen oder gesprochen haben. Es ist jedenfalls sehr lange her. Ich frage sie: „ Sag mal, bist Du eine geborene Saarmann?“<br>„Ja. Bin ich.“ Dieses Mal lag ich also mit meiner Vermutung nicht falsch.<br>Und dann erzähle ich ihr von Pauls Post und schicke ihr später den ersten Forum Wermelskirchen-Paul-Link via Whatsapp.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ergebnis des Telefonats: Gustav Paul Saarmann hatte einen Bruder und eine Schwester.<br>Pauls Bruder wurde 1897 geboren (war also zwölf Jahre jünger als Paul) und bekam mit seiner Frau Caroline Tochter Rina und eine weitere Tochter (die mittlerweile verstorben ist.)<br>Rina, mit der ich gerade telefoniere, ist somit Pauls Großnichte.<br><br>Ich telefoniere mit einer Angehörigen Pauls, die ich mich zu suchen aufgemacht hatte und die ich unwissentlich seit Jahren bereits kannte … wie herrlich verrückt doch das Leben sein kann!<br><br>Ich frage nach Fotos von Paul. Sie antwortet, ihre verstorbene Schwester habe nach Mutter Caroline Saarmanns Tod alle Fotos bekommen und sie könne nicht sagen, ob ihr Schwager die noch besäße, und wenn, ob etwas dabei sei.<br>Aber sie wolle sich kümmern und ich finde es schön, nach all der Zeit ihre Stimme zu hören.<br><br>Ich hoffe weiterhin auf Fotos.<br>Aber, selbst wenn keine mehr existieren sollten, von Paul und Emma oder den anderen (was mich traurig machen würde), so hat mich diese skurrile Rechercheodyssee wieder zurück zu Menschen geführt, die für lange Zeit immer mal wieder ein Teil unseres Familien-Lebens waren und die wir, aus welchem Grund auch immer, aus den Augen verloren hatten.<br><br>Und während dieser Suche traf ich auf viele großartige Leute, die ich sonst vielleicht nie getroffen hätte: Die passionierten Heimatforscher des BGV Wermelskirchen und Herrn Kahl vom HGV Wipperfürth, die nette Dame aus dem Internet, deren Uropa auch Glasbläser in Wipperfürth war, Frau Ulli mit dem Koffer, Frau Ullis netten Untermieter, Frau D. von der Bauunternehmung, die kompetente, lichtgeschwinde Dame aus dem Archiv Wipperfürth (die ich bald doch mal wieder kontaktieren muss) … und wer weiß, was noch auf mich wartet, da das Suchergebnis nach Pauls Grab noch offen steht …<br><br>Dank Rina weiß ich nun auch, daß Hilde wohl einst verlobt war, doch ihr Verlobter zog in den Krieg und kehrte, wie ihr Vater, nicht mehr zurück. So blieb sie dann allein.<br>Und wieder war es der Krieg, an den Hilde einen weiteren wichtigen Mann ihres Leben verlor.<br><br>Für mich heißt es weiterhin: Warten und hoffen, auf Fotos, Grab oder weitere Informationen.<br>Das Leben ist ein Abenteuer voller Geschichten, voller Twists und Turns und Sackgassen und es ist immer genau das, was man draus macht.<br>Aber eins ist es zumindest nie: Langweilig.<br><br>Die bisherigen Ergebnisse der Recherche waren jedenfalls die Mühen wert, finde ich.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Fotos: Yvonne Schwanke</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übersicht der Teile</p>



<div class="wp-block-query is-layout-flow wp-block-query-is-layout-flow"><ul class="wp-block-post-template is-layout-flow wp-block-post-template-is-layout-flow"><li class="wp-block-post post-3837 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-kolumnen tag-briefe-aus-dem-krieg tag-post-von-paul">
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		<item>
		<title>Post von Paul (1 von 3)</title>
		<link>https://forumwk.de/2025/12/21/post-von-paul-1-von-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Schwanke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Dec 2025 16:09:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Briefe aus dem Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Post von Paul]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir veröffentlichen hier eine wahre Erzählung von Yvonne Schwanke, die sie bereits im September 2019 im damaligen Forum Wermelskirchen veröffentlicht hatte. Diese Geschichte soll nicht in Vergessenheit geraten – für alle, die sie kennen, als Erinnerung, und für alle, die sie noch nicht kennen, als Einladung zum Weiterlesen. Aus dem Tagebuch einer kniffligen historischen Recherche [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Wir veröffentlichen hier eine wahre Erzählung von Yvonne Schwanke, die sie bereits im September 2019 im damaligen Forum Wermelskirchen veröffentlicht hatte. Diese Geschichte soll nicht in Vergessenheit geraten – für alle, die sie kennen, als Erinnerung, und für alle, die sie noch nicht kennen, als Einladung zum Weiterlesen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Aus dem Tagebuch einer kniffligen historischen Recherche</h2>



<p class="wp-block-paragraph">VON YVONNE SCHWANKE</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Sonntag, 1. September 2019</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Heute fand ich im hintersten Winkel unseres Abstellraums einen alten Karton voller uralter Briefumschläge: Verlobungsgratulationen, Todesanzeigen, Beileidsbekundungen, Hochzeits- und Silberhochzeitsglückwünsche und bunte Grußkarten aus den Jahren 1909–1956.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Und zwischen all diesen uralten Lebensereignissen entdeckte ich lesbare Feldpostbriefe (bis auf einen, der in Sütterlin geschrieben ist) aus den Jahren 1916–1918. Ich sortierte diese chronologisch und begann zu lesen: Und so lernte ich Paul kennen. Paul, der, in der Mitte des ersten Weltkrieges, in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Pauls Zeilen packten mich, sogen mich ein, machten die Vergangenheit gegenwärtig. Ich folgte ihm durch die stetige Ungewissheit, die Schmerzen, die Wut, den Zorn, die Sehnsucht, die Hoffnung, die Irrtümer und die Verzweiflung in und zwischen seinen Zeilen. Pauls Zeilen brachten mich zum Weinen.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Mein Mann fand mich schluchzend in meiner Lese-Ecke und als er fragte, was denn los sei, antwortete ich: „Ich weiß nicht, ob Paul aus dem Krieg zurückgekehrt ist!“ „Wer zum Teufel ist Paul?!“ „Der Papa von Tante Hilde.“ „Wer ist Tante Hilde?“ „Die hast Du nicht mehr kennengelernt …“, sagte ich schniefend und beschloß, mehr über Paul herauszufinden.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">In den nächsten Stunden vergrub ich mich in Schwarz-Weiß Fotos, Kriegspost vom Ur-Opa aus dem Ersten und von Opa aus dem Zweiten Weltkrieg. Aber weitere Briefe von Paul oder gar eine Abbildung? Fehlanzeige.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Wegen der überall herumliegenden Schwarz-Weiß-Fotos fragte mich meine Tochter Abby, ob die Welt denn früher schwarz-weiß gewesen und ab wann sie denn bunt geworden sei. So kindlich naiv diese Frage klingt, so bringt sie doch auf den Punkt, welchen Effekt alte schwarz-weiße Fotografien und Filme auf uns haben: Sie schieben sich wie ein Unwirklichkeitsfilter zwischen die Gegenwart und die Vergangenheit. Die Personen und Gesichter in schwarz-weiß-sepia mit ihren martialischen Gesichtsausdrücken wirken streng und maskenhaft und die Bewegungen in alten Schwarz-Weiß-Filmen ungelenk und surreal. Das erleichtert uns die Abgrenzung und trägt dazu bei, dass viele Erkenntnisse und Geschehnisse aus der Vergangenheit verblassen, weil „schwarz-weiß-sepia“ als nicht real wahrgenommen wird. Wir vergessen, dass zu jeder Zeit die Menschen in bunt gelebt und geliebt haben, und dass das Gras damals genauso grün und der Himmel genauso blau waren wie heute. Auch Pauls Briefe wurden von keiner unwirklichen schwarz-weißen Kriegsfotografie geschrieben. Hier schrieb ein lebendiger, bunter Mensch voller Emotionen und Leben.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ich will versuchen, sein Schicksal „nachzucolorieren“, und zwischen seinen Briefzeilen gelegentlich ergänzen, was zu dieser Zeit politisch in Russland geschah. Diesen Schatz und alles, was nach seiner Entdeckung geschah, geschieht und geschehen wird, möchte ich mit den Lesern teilen, damit Paul nicht vergessen wird. (Die nachfolgenden Briefkarten entdeckte ich übrigens nicht alle an einem einzigen Tag. Doch davon wird später noch die Rede sein.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles weitere hört ihr nun von ihm selbst:&nbsp;</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad0307de&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad0307de" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="573" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/70384896_527658674652777_5484508104089403392_n-1024x573.jpg" alt class="wp-image-3840" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/70384896_527658674652777_5484508104089403392_n-1024x573.jpg 1024w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/70384896_527658674652777_5484508104089403392_n-300x168.jpg 300w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/70384896_527658674652777_5484508104089403392_n-768x429.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/70384896_527658674652777_5484508104089403392_n.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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<h2 class="wp-block-heading">Post von Paul</h2>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-625cfbc36ca7b9be168b79b77796aa0a wp-block-paragraph"><strong>29. September 1916</strong><br>Liebe Frau! Teile Dir mit, dass ich kriegsgefangen bin, sonst noch gesund, nur kalt. Adresse kann nicht mitteilen, da noch keinen Bestimmungsort. Hast du Ella zur Hochzeit gratuliert, ich wollte ja auch da sein, aber ist anders gekommen. Nun sei herzlich gegrüßt und geküßt von deinem Paul. Gruß an Hilde und Alle</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-e59c656595c98ae9e3e2c4a51f9980c8 wp-block-paragraph"><strong>10. Oktober 1916</strong><br>Liebe Frau u. Hilde! Teile Euch mit, daß ich kriegsgefangen bin, leider aber noch keine Adresse angeben kann, da ich noch keine habe. Sonst gehts noch so weit gut. Laß dir die Löhnung von der Comp. schicken, die du erhältst bis zu meinem bekannt werden. Nun seid recht herzlich gegrüßt und geküßt von eurem Vater. Gruß an Alle.</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-c2eac8dcb4c0f53518280e6f0eba537c wp-block-paragraph"><strong>22. Oktober 1916</strong><br>Liebe Frau! Hoffentlich hast du meine Karten erhalten mit der Nachricht, daß ich kriegsgefangen bin. Leider kann ich dir noch immer keine Adresse mitteilen, da ich selbst keine weiß und noch nicht an Ort und Stelle bin. Augenblicklich liege ich in Sibirien im Lazarett an Krätzebehandlung und Verpflegung ist in demselben sehr gut. Gratuliere nun zu deinem und Hildegards Geburtstag recht herzlich und wünsche ein baldiges Wiedersehen. Gleichzeitig wünsche ich euch allen recht fröhliche Weihnachten und gesundes Neujahr. Hätte ja auch gerne mal eine Nachricht von Euch und Strümpfe, Hemden aber leider keine Adresse. Auch Geld brauche ich sehr nötig. Nun hoffentlich dauert es nicht mehr lange. Herzlichen Gruß und Kuß dein Paul Gruß an Alle. Seit meinem Urlaub nur ein Brief von Dir erhalten, wer hätte das gedacht. Frdl Gruß an Pfarrer Hunke, kann ja Hildegard bestellen.</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-86116e7eeb0d8def6666816767282c5b wp-block-paragraph"><strong>Sibirien, 4. November 1916</strong><br>Liebe Frau! Hoffentlich hast Du schon einige Karten von mir aus der Gefangenschaft erhalten. Bin aus dem Spital wieder entlassen und werde weiter befördert. Leider bin ich noch nicht in der Lage meine Adresse mitzuteilen. So gern ich Nachricht von dir hätte. Man muss eben aushalten. Hoffentlich dauert es kein Jahr mehr. Hier ist der Winter ordentlich streng. Sonst gehts noch soweit gut, was man so sagen tut. Bloß das Reißen plagt mich schrecklich, aber auch dieser Schmerz geht vorüber. Hast Du Mutter meine Lage mitgeteilt? Diese Weihnachten in Gefangenschaft ist allerhand. Wo du mit arbeitest haben doch ein Herrenleben kannst du ihnen sagen. Mehr kann ich leider nicht mitteilen. Nun bis auf frohes Wiedersehen grüßt und küßt dich dein Paul. Gruß an Malchen, Hildegard, August, Anna, Gretchen und Franz …</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-db8e87e860f19c3a0c6d01a989330bcc wp-block-paragraph"><strong>Uralgebirge, 12. November 1916</strong><br>Liebe Frau! Teile Dir nun umgehend meine Adresse mit, musst nur genau so schreiben wie ich sie geschrieben habe oder laß sie besser von Pfarrer Hunke schreiben. Allerdings wenn du schreibst dürfst du nichts von der Lage mitteilen auch im Paket keine älteren Zeitungen einwickeln sonst ist es verloren. Du mußte ja nun wissen, was der Friedel macht, habe große Sehnsucht nach ihm, kann er schon laufen? Sollte keine Aussicht, dann schicke mir ein Hemd Hose Strümpfe Taschentuch Kautabak und Zigarretten. Vor allen Dingen etwas Geld erstens ist es in 3 Wochen hier und Paket geht länger. Geld läßt Du am besten durch Pfarrer Hunke besorgen der schreibt dann die Adresse und schickt es durch dem roten Kreuz Hamburg. 10 Mark sind nun 5 Rubel bekomme aber nur 3,25 Rubel ausbezahlt. 35% werden einbehalten. Nun warte ich mit Schmerzen auf Nachricht. Bin noch soweit gesund und jetzt Bergmann geworden im Silberbergwerk, bloss kein Geld. Nun sei herzlich gegrüßt und geküßt von deinem Paul. Gruß an Anna und Hildegard und Familie …..</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-4ba486cf49986d848de9222e551d5016 wp-block-paragraph"><strong>Ural, 28. Dezember 1916</strong><br>Liebe Frau! Teile Dir mit, daß ich noch gesund bin was hoffentlich auch zuhause der Fall sein wird. Wie habt ihr Weihnachten verlebt? Wir haben uns auch einen Weihnachtsbaum gemacht und von der Grubenverwaltung pro Mann einen Rubel erhalten als Weihnachtsgabe. Bei der Feier war unser Haus überfüllt auch von Zivil. Nun hoffentlich nimmt der Krieg mal ein Ende denn alles ist vergänglich. Bis jetzt noch keine Nachricht von dir. Herzlichen Gruß und Kuß dein Paul</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-2be65fa0babaebad96327b4230683f62 wp-block-paragraph"><strong>Russland, 18. Januar 1917</strong><br>Warte nun schon den 5 Monat auf eine Nachricht von dir. Allem Anschein nach scheine ich für Euch schon gestorben zu sein. Hoffentlich kommt bald eine Nachricht, habe vor langer Zeit um Wäsche, vor allem Strümpfe geschrieben und Zigarren Kautabak auch Geld habe ich gebeten, aber leider nicht mal eine Karte. Will dir ja deshalb nicht verurteilen, denn ich bin hier informiert über die Zustände aber mal müsste doch auch was ankommen. 2 Zeilen ZENSIERT/GESCHWÄRZT Herzlicher Gruß und Kuß dein Paul Gruß an Alle</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>Am 23. Februar 1917</em><br><em>Februarrevolution in Petrograd … Anfänge der russischen Revolution</em></p>
</blockquote>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-865065db39bdd8a57a4c95add475ebd9 wp-block-paragraph"><strong>1. März 1917</strong><br>Liebe Frau! Muß doch wieder eine Nachricht von mir geben, denn vorläufig fühle ich mich noch dazu verpflichtet. Wenn auch bis jetzt noch nichts angekommen ist, so glaube ich doch bestimmt annehmen zu können, daß du meine Karten wenigstens die Mehrzahl erhältst. Hier ist noch immer Winter 30 c Kälte. Zu Hause fängt nun bald die Gartenarbeit an, hier ist kein Sand nur Gebirge. Bin soweit noch ziemlich gesund. Nun herzlichen Gruß an Alle Paul Gruß an Franz</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>3. März 1917</em><br><em>Rücktritt des Zaren</em><br><em>12.März 1917 Provisorische Regierung unter Lwow (Doppelherrschaft)</em></p>
</blockquote>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-b30720de47330856149150558a5829f5 wp-block-paragraph"><strong>Russland, 12. März 1917</strong><br>Liebe Frau! Da ich bis jetzt noch immer ohne Nachricht von Dir bin, so versuche ich es nochmal mit zwei Adressen. Habe mir nun die Finger krumm geschrieben, aber leider immer ohne Antwort. Hatte um Wäsche geschrieben, vor allem ein paar Strümpfe, Taschentücher, Hemd und Unterhose. Ebenfalls um Geld und Zigarren. Geld brauchst Du nun nicht absenden, da ich auf einen besseren Gedanken kam, dafür ein Paket für 10Mark Kautabak mit Papier welches ich gut los werde und keinen Abzug habe. Auch Zigarren für meinen Bedarf benötige ich sehr. Bin noch gesund was hoffentlich auch bei dir eintrifft. Gruß an Hildegard, auch an sie eine Karte geschrieben. Nun herzlichen Gruß und Kuß dein Paul Gruß an Alle.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-4a30f57724dfff547d41e4087dc4f093 wp-block-paragraph"><strong>Palmsonntag, 1. Mai 1917</strong><br>Liebe Frau! Warte noch immer mit Ungeduld auf eine Nachricht von dir, aber leider gehts mir wie so vielen meiner Kameraden nichts kommt an nur die Hoffnung bleibt. Ich glaube Friede wird es wohl nie mehr. Heute ist nun Palmsonntag und vor 18 Jahren war es auch für mich ein bedeutungsvoller Tag und jetzt? Warum haben mich die Kugeln verschont? Nur wenigstens Nachricht dann wäre das Los leichter. Kaufe rote Kreuzkarten mit Rückantwort für Kriegsgefangene die kommen noch am meisten an. Nun herzlichen Gruß und Kuß dein Paul</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-207a782bce5ea4c1c93e18433320394f wp-block-paragraph"><strong>Ural, 16. Mai 1917</strong><br>Liebe Frau! Bin noch immer ohne Nachricht von dir kommen meine Karten nicht an oder schreibst du die Adresse nicht richtig. Sonst noch gesund. Hoffentlich kommen wir in diesem Jahren noch nach Haus. ZEILEN ZENSIERT Nun herzlichen Gruß und Kuß dein Paul Gruß an Alle, vor allem Hildegard</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">BRIEF GEFUNDEN AM 5.9</p>
</blockquote>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-a1395125f00324453965675fa1aa4455 wp-block-paragraph"><strong>7. Juni 1917</strong><br>Liebe Frau, Da bis jetzt immer noch keine Nachricht von dir oder sonst jemandem eingetroffen ist, so nehme ich an, das ich wohl überhaupt nichts erhalten werde, entweder schreibst du die Adresse nicht richtig habe ans rote Kreuz geschrieben um Übermittlung meiner Adresse aber kommt nichts. Wer weiß wie lange das Zigeunerleben noch dauert? keine rote Kreuzkommission nichts kümmert sich um uns und ist so dringend nötig. Herzlichen Gruß Paul. Gruß an alle. Gehe schon lange barfuß. Komme in den nächsten Tagen hier fort wie es heißt zum Bauer.</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-23a6332ee5f87a2293eca53ad812a00a wp-block-paragraph"><strong>Russland, 24. Juni 1917</strong><br>Liebe Frau Hilla, Bis jetzt immer noch ohne Nachricht von euch, es ist zum verzweifeln. Schreibst du denn nicht ich meine mal muß doch mal was ankommen, du mußt die rote Kreuzkarten mit Rückanwort kaufen für Kriegsgefangene die kommen an. Bin noch gesund und munter hoffentlich du auch und alle. Wer weiß wie lange es noch dauert bis auf ein Wiedersehen dieses Jahr gibt es wohl noch nichts. Sind denn von mir Karten schon angekommen? Bin gespannt wie es dort aussieht und ob noch alles so ist wie ich es verlassen habe? Die bei Blanke sind wohl noch da schade daß ich weg bin, empfiehle mich bei Sie. Nun herzlichen Gruß und Kuß dein Paul</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-3f4bcb40b42b8f27a914a9ccdc8a5423 wp-block-paragraph"><strong>Ural, 10. Juli 1917</strong><br>Liebe Frau! Endlich ist ein Brief eingetroffen.Zugleich eine Karte von Pfarrer Hunke vom 1.3 und deine vom 19.5. War sehr erfreut darüber, denn nun weiß ich wohl dass du Nachricht von mir hast. Hattest du Wäsche abgeschickt? Aber möglichst geflickte aus gewissen Gründen und vor allem Zigarren und Kautabak auch Pfeife. Rauche getrockneten Wermut. Edles Kraut. Wenn nicht bald Schluss wird gehen wir alle zugrunde. Die russischen Gefangenen sollen doch besser behandelt werden, so lautet heute die Parole von der Miliz, dann würde es für uns auch besser. Sollten es nur nachhause schreiben, obs wahr ist? Nun, hoffentlich bald wieder Post. Sonst noch gesund und herzliche Grüße und Kuß von Paul Grüße aber alle. Hat Hildegard meine Karten erhalten? Was macht meine Mutter? Lebt Walter noch? Leider Schluss.</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-12b3e0300ed762999243dd27fd0b8624 wp-block-paragraph"><strong>Ural, 16. Juli 1917</strong><br>Liebe Frau! Wie schon mitgeteilt, deine Karte vom 19/5 am 8. Juli erhalten, gleichzeitig eine vom Pfarrer Hunke. Nun wird wohl wieder eine lange Zeit nichts ankommen warte mit Schmerzen auf Paketinhalt, Strümpfe, Tabak Zigarren und nicht zu wenig Prim. Sonst alles wohl wenn nur erst der Krieg ein Ende hätte aber dieses Jahr wird es wohl wieder nichts werden. Den Weihnachtsbaum haben wir schon wieder ausgesucht. Jetzt ist doch zuhause die schönste Zeit, neue Kartoffel Beeren und hier? Allerdings Erdbeeren gibts hier viel, nur man kann keine suchen. Herzlichen Gruß und Kuß dein Paul Gruß an Stumpelmann vor allem</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">BRIEF GEFUNDEN AM 5.9</p>
</blockquote>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-91ce81281c1ece2233a4d09c9c54f284 wp-block-paragraph"><strong>Konjuchowski, Ural 24. Juli 1917</strong><br>Liebe Frau! Wie schon mitgeteilt wird wohl nun wieder die Post ausbleiben nachdem eine Karte angekommen ist vom 19/5. Die Hauptsache wo ich drauf warte ist Tabak und der wird mich wohl auch nicht erreichen, denn bis hier ist ein weiter Weg, ankommt es, aber was noch drin ist, darüber schweigt des Sängers Höflichkeit. Haben schon zweimal ans Einsatz Battalion geschrieben um Uniform und Schuhe. Laufe schon länger barfuß, was wird es nur im Winter geben, ob noch keine Aussichten sind. Von Franz auch eine Karte erhalten. Nun herzlichen Gruß und Kuß dein Paul. Gruß an Alle, vor allem unsern Stumpelmann<br><br><strong>25. Juli 1917</strong><br>Liebe Frau! Soeben in aller Frühe wieder eine Karte vom 28/5. von dir erhalten. Aber die Hauptsache bleibt aus nämlich Tabak, Grobschnitt keinen Shack denn der geht verloren auch eine kurze Pfeife und Wäsche, Strümpfe. Schreibe nun auf jeder Karte dasselbe aber Paket trifft keins ein seit November. Wird denn der Krieg nicht bald ein Ende nehmen? Oder gibts noch einen im Winter? Bekommst du die Löhnung weiter? Schreibe mal davon. Du willst wissen ob mirs gut geht, nun wenn ich Schuhe hätte, wäre ich hier längst vergessen, aber jetzt hält mich wieder die Post. Nun herzlichen Gruß und Kuß dein Paul Gruß an Alle, vor allem unserm kleinen Fräulein nicht Stumpelmann</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">BRIEF GEFUNDEN AM 5.9</p>
</blockquote>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad032208&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad032208" class="wp-block-image aligncenter size-full wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="576" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20190914_114828-1024x576-1.jpg" alt class="wp-image-3846" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20190914_114828-1024x576-1.jpg 576w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20190914_114828-1024x576-1-169x300.jpg 169w" sizes="auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-ebba6027fac944200667c4a6ee6380f0 wp-block-paragraph"><strong>Iwanowski, 25. August 1917</strong><br>Liebe Frau, Bin nun schon wieder lange ohne Nachricht. Hast du denn nun endlich die gewünschten Sachen abgeschickt oder nicht? Du erwähnst überhaupt nichts davon. Kein Geld, kein Tabak, nichts erhalte ich, wie geht das eigentlich zu. Hatte letzte Nacht einen schlechten Traum, betrifft deiner, hoffentlich ist noch alles so wie früher….. 4 Zeilen durch die Zensurstelle geschwärzt Grüße und Kuß, Gruß an alle dein Paul vor allem Hildegard. Jetzt grübelt (?) noch wieder nicht. Oben in einer Ecke steht, wie nachträglich schnell hingekritzelt: Hab keine Zweifel.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-05b51525ba99ee8e5f06d7e26b076266 wp-block-paragraph"><strong>Tscheljabinsk, 11. September 1917</strong><br>Liebe Frau! Wie du aus dieser Karte ersiehst, bin ich von dort weg wo ich war und zwar 150km. Sind auf Wanderschaft und haben uns hier gestellt. Wie lange wir hier bleiben ist unbestimmt, denn es geht wieder auf Arbeit, aller Wahrscheinlichkeit nach zum Bauern. Falls du es schreiben solltest, aber nach hier addressieren, denn von hier holen wir die Post ab. Schreibe auch an Mutter meine Adresse. Auf dem vorigen Ort war es nicht mehr auszuhalten. Nun herzlichen Gruß und Kuß dein Paul.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">BRIEF GEFUNDEN AM 6.9.</p>
</blockquote>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-5a73c84973f55243c52bcd2af2c0facf wp-block-paragraph"><strong>Tscheljabinsk, 14. September 1917</strong><br>Liebe Frau! Wie schon mitgeteilt, bin ich jetzt hier und bitte dich deshalb Post nach hier zu senden, nun ist schon wieder Winter aber immer ist noch keine Wäsche angekommen, wie oft muß ich denn noch danach schreiben, ich habe doch welche dort ebenso wie sieht es mit Tabak aus, Zigarren und Kautabak aus. Hoffentlich kommt bald mal ein Paket. Schreibe Mutter meine neue Adresse, bin von der vorigen auf Reise gegangen und hier wieder gestellt, waren rund 180km genau in 4 Tagen und 3 Nächten zurückgelegt, aber die Füße sind kaputt. Nun herzlichen Gruß und Kuß dein Paul Also bitte möglichst schnell Paket Strümpfe und Handtuch nicht vergessen. seitlicher Vermerk: Frieden gibts wohl überhaupt nicht mehr!</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-bb4cf2dc0d7ccea5e2907cdfc831306f wp-block-paragraph"><strong>Tscheljabinsk, 15. Oktober 1917</strong><br>Liebe Frau! Hoffentlich hast Du jetzt schon meine Briefe und Karte erhalten und daraus ersehen, wie sehr ich auf Pakete warte. Bin seit 8 Tagen aus dem Spital, aber der Fuß fängt schon wieder an. Haben nach …. geschrieben um Geld und bleibt abzuwarten, ob was eintrifft. Bis jetzt hast du auch immer noch keine Anwort auf meine Anfrage gegeben ob du die Löhnung erhältst. Wenn nicht auch dann Mitteilung. Habe auch an Mutter geschreiben.Nun gratulier ich Dir und Hildegard herzlichst zum Geburtstage und wünsche dass wir uns recht bald wiedersehen möchten, aber wann wird die Zeit kommen? Nun herzlichen Gruß und Kuß dein Paul vor allem unserer kleinen Stumpelmann</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>24./25.Oktober 1917</em><br><em>Sturm auf das Winterpalais. Revolution in Petrograd: Die Revolutionäre übernehmen die Macht.</em><br><em>26. Oktober 1917</em><br><em>Gesamtrussischer Sowjetkongress: Rat der Volkskommissare übernimmt die Regierungsgewalt</em></p>
</blockquote>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-f34e648b69c96a06ef12ae6be0a4d902 wp-block-paragraph"><strong>Tscheljabinsk, 6. November 1917</strong><br>Hoffentlich hast Du nun meine Briefe von hier erhalten, warte nun deine Antwort ab, eher schreibe ich nicht, da Karten und Papier schwer zu haben sind. Bin noch gesund hoffentlich zu Haus auch alle. Heute hat ja Hildegard Geburtstag. Wann hat der Mist ein Ende? Gruß und Kuß dein Paul</p>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-467062ae7288295d4aefbd27aaaf0c4a wp-block-paragraph"><strong>Tscheljabinsk, 15. November 1917</strong><br>Liebe Frau! Bis jetzt auf der neuen Adresse noch nichts erhalten und bin da auch nicht mehr seit heute, wo es nun hingeht weiß ich nicht, man spricht vom Ural, weißt ja wo ich war, nun werde ich wohl überhaupt keine Post mehr bekommen, denn geht es dahin, so bin ich fest enschlossen wieder loszugehn und wenn ich zu Grunde geh. Also vorläufig wird die Adresse sein ob es dann nachgeschickt wird ist wieder eine Frage. Nun herzlichen Gruß und Kuß dein Paul. Gruß an Alle. Hat der Mist noch nicht bald ein Ende? Zeit wirds, sonst die armen Plennys.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Plennys“, abgeleitet von dem russischen Wort „Woennoplennyi“, bedeutet „Kriegsgefangene“.<br><br><em>Aufgrund der Oktoberrevolution wird Russland zu einer kommunistischen Diktatur und beendet für sich den Ersten Weltkrieg.</em><br><br><em>Am 15. Dezember 1917 wird daher der Waffenstillstand zwischen Sowjetrussland und den Mittelmächten (Deutschland, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich und Bulgarien) vereinbart.</em></p>
</blockquote>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-e403d577e95cf77d082f5621e4deb216 wp-block-paragraph"><strong>Tscheljabinsk, 21 Dezember 1917</strong><br>Liebe Frau! Werde wieder mal ein Lebenszeichen von mir geben hoffentlich erhältst du es. Im allgemeinen bin ich nicht sehr erbaut vom Schreiben, denn es ist immer die Frage kommts an? Seit ich von der Grube bin, nichts mehr erhalten. Bin soweit noch gesund hoffentlich zu Hause auch alles. Wie lange mag der Mist noch dauern? Noch 3 Tage und es ist schon wieder Weihnachten, hoffentlich sind die fünfte besser. Zum Glück ist der Winter bis jetzt noch gnädig gegen voriges Jahr. 40 Grad waren dieses Jahr doch noch nicht. Ich denke jetzt sehr viel an Euch, wie das kommt weiß ich nicht hoffentlich ist noch alles so wie ich es verlassen habe. Sonst weiß ich nichts weiter zu berichten nur daß ich nach Hause möchte. Ist im März noch kein Schluß so gehts auf Leben und Tod, geht wie es geht aber durch. Nun herzlichen Gruß und Kuß dein Paul. Gruß an Alle vor allem Hildegard.&nbsp;</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>Am 22. Dezember 1917 beginnen die Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk.</em><br><em>Am 6. Januar 1918 wird die gewählte verfassungsgebende Verfassung durch die Bolschewisten aufgelöst.<br>Am 15. Januar 1918 gründet Leo Trotzki die Rote Armee. Der russische Bürgerkrieg ist in vollem Gange und Paul als Kriegsgefangener unfreiwillig mittendrin.&nbsp;</em></p>
</blockquote>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">BRIEF GEFUNDEN AM 6.9.</p>
</blockquote>



<p class="has-text-align-justify has-custom-color-1-color has-text-color has-link-color wp-elements-e29023a34f3f80a138537c3b829ddffb wp-block-paragraph"><strong>Tscheljabinsk, 16. Januar 1918</strong><br>Liebe Frau! Teile dir mit, daß ich immer noch hier bin und wahrscheinlich bis zum Frieden bleiben werde. Bin auf dem Sebassna Battalion Regiment 109 in der Porot Bäckerei. Kleidung ist russische Soldatenuniform. Habe mir auch Photographieren lassen, aber schicken tue ich keins denn ich weiß nicht ob es ankommt. Sonst fühle ich mich noch ganz gesund und Hunger leide ich augenblicklich auch nicht. Ist das erste Mal in meiner Gefangenschaft, daß es mir gut geht, man muß sich eben selbst zu helfen wissen. Am russischen Neujahr war ich im Kino und dann im Circus war ganz schön. Abends mit dem Schlitten nach Hause fahren lassen für 3 Rubel. Haben volle Freiheit hier. Nun herzlichen Gruß und Kuß und baldiges Wiedersehen dein Paul Gruß an alle</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity">



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Dies scheint Pauls letzte Karte gewesen zu sein. Sein Schicksal läßt mich nicht los. Ich habe 1000 Fragen.<br><br><em>Sonntag, 2. September 2019</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Die Wichtigste aber: Kehrte Paul er aus dem Krieg zurück? Was ist mit ihm geschehen? Bekannt ist: Paul war der Vater meiner Tante Hildegard aus Wipperfürth. Auch bekannt: Hildegard war nur meine Nenn-Tante. Die genaue verwandtschaftliche Bezeichnung ist mir noch nicht klar.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Im Internet finde ich zunächst nichts, was mich nennenswert weiterbringt. Viele Informationsportale verlangen für erweiterte Recherche eine bezahlte Mitgliedschaft.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Meine Freundin „Uti“ Ute Keller, leidenschaftliche Hobby-Genealogin, unterstützt mich bei der Suche nach Paul, der mit Nachnamen Saarmann hieß. Sie findet gleich mehrere Einträge zu Paul Saarmann in den Verlustlisten des ersten Weltkrieges. Aber der gefundene Paul soll aus Fürstenwalde stammen, nicht aus Wipperfürth. Verwirrend. Die Recherche geht weiter, denn ich weigere mich, Paul einfach aufzugeben.&nbsp;</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad0336e4&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad0336e4" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="700" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/hgoajkedeemphaph-1024x700.jpg" alt class="wp-image-3847" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/hgoajkedeemphaph-1024x700.jpg 1024w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/hgoajkedeemphaph-300x205.jpg 300w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/hgoajkedeemphaph-768x525.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/hgoajkedeemphaph.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Montag, 2. September 2019</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Habe Pauls in Sütterlin geschriebene Karte von der genialen 90jährigen Ruth Koch übersetzen lassen. Wieder ein Stück weiter in Sachen „Post von Paul“.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dienstag, 3. September 2019</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ich sende eine Personenstandsanfrage an das Archiv in Wipperfürth und bin über die schnelle Reaktion der freundlichen Mitarbeiterin positiv überrascht. Das Ergebnis ist jedoch ernüchternd:<em>&nbsp;„Aus den Personenstandsregistern Wipperfürth geht hervor, dass der Glasbläser Gustav Paul Saarmann, geb. zu Fürstenwalde/Lebus, Gefreiter der 3. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 65, am 20.08.1919 im Lazarett II in Omsk in Sibirien „an Krankheit“ verstorben ist.“</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Es war also der richtige Paul, den wir in den Verlustlisten aufgetrieben hatten. Aber es ist auch klar, dass Paul nicht mehr nach Hause kam. Wie mögen die letzten zwei Jahre seines Lebens wohl für ihn gewesen sein? Sein Schicksal macht mich traurig, obwohl seit seinem Tod, fast auf den Tag, schon 100 Jahre vergangen sind.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Paul, der eigentlich Glasbläser war, musste als Gefreiter der Reserve in den Krieg ziehen und starb in der Fremde. Er hinterließ Frau und Kind. Und er wurde nur 34 Jahre alt. Neue Frage: Was macht ein Glasbläser aus Fürstenwalde in Wipperfürth?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Donnerstag 5. September 2019</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Meine Mutter hat mir eine rotsamtene Kiste mit alten Schwarz-Weiß-Fotos und einigen Dokumenten mitgebracht, darunter erkenne ich drei weitere Karten von Paul! Ich traue meinen Augen kaum und durchsuche Mamas Keller, finde jedoch keine weiteren Anhaltspunkte mehr. Ich füge die Brieftexte chronologisch zusammen. Pauls Situation verdichtet sich weiter; es zeichnet sich ein trostloses Bild voller Verzweiflung, Hunger, Schmerzen, Heimweh und Ungewißheit ab. Es macht mich traurig. Und ist gleichzeitig Ansporn, weiterzuforschen.&nbsp;<br><br>Habe heute eine Erklärung dafür gefunden was den Gläsbläser Paul aus Fürstenwalde nach Wipperfürth gezogen haben könnte: das Bergische Land war vor dem zweiten Weltkrieg so etwas wie die Hochburg der Glasbläserkunst in Deutschland. Hatte ich echt nicht auf dem Schirm. Wieder was gelernt.<br><a rel="noreferrer noopener" href="http://broschueren.naturparkbergischesland.de/download/broschueren/bergische_berufe.pdf" target="_blank">Quelle</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Freitag, 6. September 2019</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Es ist 7 Uhr in der Frühe, als ich zu meinem Memorabilien-Schränkchen gehe, in dem ich uralte Stammbücher, Liederbücher, Fotos, Bücher von Großeltern und Ur-Großeltern aufbewahre. Ich kann nicht sagen, warum, aber einem Impuls folgend, greife ich nach dem „Taschenbuch für den Offizier der Eisenbahntruppe“ und schlage es auf.<br>Zwei weitere Briefe von Paul rutschen mir entgegen.<br>Mir stehen die Nackenhaare zu Berge und ich bekomme Ganzkörpergänsehaut. Aufgeregt durchsuche ich alle weiteren Bücher und den gesamten Schrank. Weitere Post von Paul finde ich jedoch nicht mehr. Sofort rufe ich Ute an, um ihr davon zu erzählen. Manche Dinge sind so spooky, dass, wenn man sie nicht selbst erlebt hätte, man sie kaum glauben könnte.<br>Für Ute und mich steht nun fest, dass Paul gefunden werden WOLLTE.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Einer der beiden Briefe ist der erste und einzige aus dem Jahre 1918, der andere ist auf Sütterlin (vier Zeilen wurden durch die Zensurbehörde geschwärzt) …</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Die Karte aus dem Januar 1918 ist die erste, auf der Paul zuversichtlich klingt, und irgendwie freut mich das, auch noch nach 101 Jahren. Pauls Schriftverkehr endet hier, doch der Krieg endete damals noch lange nicht.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Fragen: Was geschah mit Paul zwischen Januar 1918 bis zu seinem Tod am 20.08.1919 im Lazarett im russischen Omsk? Wer informierte die Angehörigen über den Tod? Gibt es noch ein Foto von ihm? Wo wurde er begraben?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Samstag 7. September 2019</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Habe im Internet auf der Denkmalprojektseite die Information zu einem 1. Weltkriegsdenkmal aus Fürstenwalde entdeckt, das es leider nicht mehr gibt. Auf dessen Inschrift war Paul Saarmann vermerkt. Allerdings mit dem falschen Todesdatum 12.09.1916. Interessant!<br>Lande auch versehentlich auf Reichsbürgerseiten und frage mich mal wieder, wo die wohl gewesen sind, als das Hirn verteilt wurde.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Mittwoch 11. September 2019</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ich kann und will mich nicht damit abfinden, dass zwischen dem Datum des letzten Briefes von Paul am 16.01.1918 und seinem Tod im Lazarett in Russland am 20.08.1919 mehr als anderthalb Jahre ohne eine weitere Nachricht vergangen sein sollten. Was widerfuhr ihm in diesen 19 Monaten?</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Man darf nicht vergessen, daß politisch zu dieser Zeit die Hölle los war: Die russische Oktoberrevolution 1917 sorgte für Chaos. Dadurch verschärften sich die Gegensätze in Staat und Gesellschaft. Die Folge war der Bürgerkrieg.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Es ist durchaus wahrscheinlich, dass aufgrund der herrschenden chaotischen Zustände nur noch wenige bis gar keine Briefe mehr „durchkamen“.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph"><strong>Eine Chronologie:</strong><br>Am 16. Februar 1918 befiehlt die deutsche Heeresleitung die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen gegen Rußland, daher erhält der am 3. März 1918 unterzeichnete Friedensvertrag von Brest-Litowsk zwischen Russland und den Mittelmächten u.a. Zusatzverträge für den Gefangenenaustausch.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Am 27. April 1918 beginnen die Verhandlungen der Hauptkommission für Gefangenenaustausch und Fürsorge.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Am 7. August 1918 erfolgt die 28. (sic!!) und letzte Sitzung dieser Kommission. Laut der schwedischen Rotkreuzschwester Elsa Brandström gelingt es nach dem Brester Friedensvertrag bis zum Spätherbst 1918, Deutschland und den anderen Mittelmächten, etwa 101 000 deutsche Kriegsgefangene und 214 000 Zivilgefangene, 725 000 österreichisch-ungarische Kriegs- und Zivilgefangene und 25 000 türkische Kriegsgefangene heimzuholen.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Die in Sibirien und Turkestan Befindlichen sehen sich durch den Aufstand der tschechoslowakischen Legion und der „Weißen Armee“, vom Heimtransport abgeschnitten.&nbsp;<strong>Laut seiner letzten Standortangabe ist Paul definitiv einer davon.&nbsp;</strong></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Am 11.November 1918 endet der 1. Weltkrieg.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Am 13.11.1918 annulliert jedoch das Gesamtrussische Zentralkomitee der Sowjets und der Rat der Volkskommissare der RSFSR (der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjet-Republik) den Vertrag von Brest-Litowsk. Damit nimmt auch der Gefangenenaustausch vorläufig ein Ende.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Nach sowjetischen Angaben wurden vom 5. November 1918 bis zum 1. August 1919 200 000 Kriegsgefangene unter Mithilfe der ausländischen Räte evakuiert. Laut der schwedischen Rotkreuzschwester Brandström befinden sich um die Jahreswende 1918/19 noch 35 000 Kriegsgefangene in Turkestan und ungefähr 400 000 in Sibirien.&nbsp;<strong>Einer davon ist Paul.</strong></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Die Wiederaufnahme der diplomatischen Kontakte erfolgt erst wieder 1920 (!).</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Diese Verhandlungen enden am 19.4.1920 mit einem Vertrag über den Gefangenenaustausch. Zu dieser Zeit vollendete die Rote Armee ihren Siegeszug in Sibirien und befreite jene Gefangenen, die dort 1918 unter die Herrschaft der Weißen Armee und der Tschechoslowaken gekommen waren und durch die die Gefangenen wieder unter ein hartes Lagerregime gestellt waren.&nbsp;<br>(Quelltext u.a. :&nbsp;<em>Georg Wurzer: Die Kriegsgefangenen der Mittelmächte in Rußland im Ersten Weltkrieg</em>)</p>
</blockquote>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Für Paul kamen diese letzten Maßnahmen zu spät, da er bereits am 20.08.1919 im Lazarett II in Omsk an Krankheit verstarb. Die Frage, wer damals die Nachricht von Pauls Tod überbrachte, konnte durch die Hilfe des Archives Wipperfürth geklärt werden:&nbsp;<em>Der Abteilungsvorstand der Zweigstelle der Intendantur des VIII. Armeekorps, Abteilung Kavallerie meldete Pauls Tod</em>, der Name des Abteilungsvorstandes wird in der Sterbeurkunde nicht genannt. Da der Sterbefall erst zwei Jahre nach dem Tod von Paul Saarmann beurkundet wurde, vermutet man, dass die Meldung über Pauls Tod erst im August 1921 eingegangen ist.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">ZWEI JAHRE zwischen Tod und Nachricht. ZWEI JAHRE in vollkommener Ungewissheit für die Familie. VERDAMMTER KRIEG!</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Die geschichtlichen Hintergründe zeigen klar, dass es schwierig bis unmöglich sein wird, weitere Spuren von Paul zu finden … Allerdings war „einfach-so-aufgeben“ noch nie eine Option für mich …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Anhang Pauls o.g. „jüngster und letzter Brief“.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad0349f6&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad0349f6" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_20190914_120048-1024x1024-1-1024x1024.jpg" alt class="wp-image-3848" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_20190914_120048-1024x1024-1-1024x1024.jpg 1024w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_20190914_120048-1024x1024-1-300x300.jpg 300w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_20190914_120048-1024x1024-1-150x150.jpg 150w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_20190914_120048-1024x1024-1-768x768.jpg 768w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_20190914_120048-1024x1024-1.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Donnerstag 12. September 2019</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Digital begab ich mich in den vergangenen Tagen in den Osten Deutschlands, indem ich Fragen an verschiedene Standesämter versandte: Fürstenwalde, Seelow, Lebus und den MOL (oder so ähnlich) verschickte. Ich wurde weitergeleitet ans Archiv Brandenburg. Die Antwort steht noch aus. Es geht um das Stammbuch von Pauls Eltern und eventuelle weitere Informationen.&nbsp;<br><br>Zusätzlich wende ich mich per Email an die evangelische Kirche in Wipperfürth, da hier der von Paul erwähnte Pfarrer Hunke tätig war. Leider befinden sich in den kirchlichen Beständen keine weiteren Paul Briefe mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Analog habe ich beschlossen, auf eine kleine „Paul“-Forschungsreise durchs Bergische zu gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu muss ich wohl manches zum ersten Mal in meinem Leben tun: an fremden Haustüren klingeln zum Beispiel und dabei hoffen, auf nette Menschen zu treffen, die nicht gleich die Jungs mit den Zwangsjacken rufen, wenn ich von Paul erzähle …</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Nachtrag zu Donnerstag, dem 12. September 2019</em></p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a3e9ad0355c5&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a3e9ad0355c5" class="wp-block-image aligncenter size-large wp-lightbox-container"><img loading="lazy" decoding="async" width="608" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20190911_091056-2-768x1294-1-608x1024.jpg" alt class="wp-image-3849" srcset="https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20190911_091056-2-768x1294-1-608x1024.jpg 608w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20190911_091056-2-768x1294-1-178x300.jpg 178w, https://forumwk.de/wp-content/uploads/2025/12/20190911_091056-2-768x1294-1.jpg 712w" sizes="auto, (max-width: 608px) 100vw, 608px"><button class="lightbox-trigger" type="button" aria-haspopup="dialog" data-wp-bind--aria-label="state.thisImage.triggerButtonAriaLabel" data-wp-init="callbacks.initTriggerButton" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-style--right="state.thisImage.buttonRight" data-wp-style--top="state.thisImage.buttonTop">
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<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Darf ich vorstellen? Pauls Tochter Hildegard Saarmann, in jungen Jahren.<br><br>Dank Hildes, von Paul auch „Frau Hilla“ genannt, Sentimentalität existieren Pauls Briefe weiterhin. Und dank der Sentimentalität meiner Oma Leni, die 1986 nach Hildes Tod, Teile des Nachlasses aufhob, konnte Paul nicht in Vergessenheit geraten. Der neue Dreh-und Angelpunkt meiner Recherchen werden die Spuren von Tante Hilde sein. Da ich 10 Jahre alt war, als Hilde starb, kannte ich weder die alte Adresse, noch etwaige andere Details, die als Anhaltspunkt dienen könnten. Meine Mama erinnert sich lediglich daran, dass Hilde mit ihren Vermietern, den Besitzern einer Bauunternehmung, sehr gut befreundet war.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ich ergoogle sämtliche Bauunternehmungen Wipperfürths und lese sie meiner Mutter vor. Irgendwann ruft sie: „Die! Die waren das!“ Ein neuer Anhaltspunkt auf meiner ziemlich kleinen Liste. Immerhin. Besser als nichts.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Einer fixen Idee folgend, bringe ich Hildes alte Adresse in Erfahrung, verfasse einen Brief für die neuen Bewohner des Hauses, in dem ich die Situation erkläre und frage, ob sie in ihrem Keller eventuell Foto- oder Brief- Hinterlassenschaften von Hilde vorgefunden haben und diese behalten hätten. (Während ich den Brief aufsetze, frage ich mich, in welcher Höhe der „Bescheuert-Skala“ man mich wohl ansiedeln kann.)</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Am Donnerstag Mittag führt mich mein Weg ins Oberbergische. Google Maps leitet mich am Ziel einen kleinen Weg hinauf zu vier verklinkerten Reihenhäusern und … einer Bauunternehmung.<br>DER Bauunternehmung!<br>Mein Herz setzt kurzzeitig aus. UNFASSBAR! Ich atme tief durch und zögere. „Ach, scheiss drauf!“, sage ich schließlich laut, steige aus dem Auto und klingle an der Bürotür (NATÜRLICH ausserhalb der Geschäftszeiten). Ein freundlicher junger Mann öffnet.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Guten Tag! Mein Name ist Yvonne Schwanke und … jetzt wird es etwas schräg“, begrüße ich ihn, bevor ich weiter spreche: „Bis 1986 wohnte meine Tante Hildegard Saarmann in Nummer soundso. Und ich wollte fragen, ob sich noch jemand an sie erinnert, denn ich habe uralte Briefe gefunden, die mich hierher geführt haben.“ „Kommen Sie doch herein“, sagt er, „ich rufe mal eben die Senior-Chefin an.“ Verlegen stehe ich in der Tür. Ein kleiner Hund begrüßt mich freudig, in meinem leicht aufgewühlten Zustand sage ich: „Oh, Du bist aber eine nette Fusshupe!“ und streichle ihn, während ich dem Rest des Telefonats lausche: „Ja. Frau Schwanke. Wegen Hildegard Saarmann.“ Pause. „Oh. Okay. Perfekt!“ Er legt auf und sagt:“Warten Sie bitte. Sie kommt jetzt.“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Keine drei Minuten später öffnet sich die Tür und eine schlanke Dame um die 70 mit einem Fahrradhelm in der Hand schaut herein:“Sie sind Frau Schwanke? Kommen Sie doch vor die Tür, die Sonne wärmt so schön.“ Meinen vorbereiteten Brief in der Hand erkläre ich die Situation, bis die Dame sagt:“Das klingt sehr interessant! Aber hier liegt, soweit ich weiß, nichts mehr! Haben Sie denn schon mit Frau W. gesprochen?“ „Wer ist Frau W.?“, frage ich. „Die Dame ist bei Frau Saarmann in die Lehre gegangen und hat sich bis zu ihrem Tod um sie gekümmert. Ich glaube, ich habe die Nummer des Sohnes irgendwo. Aber jetzt muß ich weg zum Flötenunterricht“, sagt sie und schnallt den Helm auf.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau W.! Ein neuer Anhaltspunkt!! Innerlich tanze ich vor Freude!&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ich drücke ihr den Brief in die Hand: „Der war für die Bewohner von Hildes Wohnung, lesen Sie ihn sich durch und entscheiden Sie dann einfach, ob Sie mir weiterhelfen mögen. Meine Nummer ist vermerkt.“ „Ich werde ihn lesen“, ruft sie während sie losdüst. „Danke!“, rufe ich hinterher.<br>„Wieso? Noch habe ich gar nichts getan!“ ruft sie und radelt davon. Auf der Rückfahrt nach Hause lächle ich glücklich aber immer noch ein wenig aufgeregt, mittlerweile aber deshalb, weil ich einen neuen wichtigen Anhaltspunkt habe, jedoch nicht weiß, ob die Bauunternehmungs-Dame sich melden wird …</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Es ist 21:37 Uhr, als ich eine Whatsapp von Unbekannt erhalte: „Hallo Frau Schwanke, danke für Ihre interessanten Informationen, besonders die Briefe sind sehr informativ&nbsp;<em>(Ich hatte ein Foto von vier Briefen beigefügt</em>). Soweit ich mich erinnere, wurde die Wohnung von Ihren Verwandten leergeräumt. Sie wurde anschließend weiter vermietet. Meine Schwiegereltern und Hilde Saarmann waren befreundet, auch in deren Nachlass gab es keine weiteren Briefe von Paul Saarmann. Frau W. hat sich auch viel um Hilde gekümmert und hatte wohl noch bis zu Hildes Tod Kontakt mit ihr. Ihre Adresse ist: … Leider kann ich Ihnen keine weiteren Informationen geben. Für Ihre Recherche wünsche ich Ihnen viel Erfolg. Freundliche Grüße D.“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ich danke ihr von Herzen und frage, ob ich sie auf dem Laufenden halten soll. „Sehr gerne!“ lautet die Antwort.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Am nächsten Tag, so versprach ich ihr, würde ich sofort Frau W. kontaktieren … und das tat ich dann auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Freitag 14. September 2019</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Nach Erhalt der freundlichen WhatsApp-Nachricht von Frau D. schreibe ich am frühen Freitag Morgen einen weiteren Brief. Dieser Brief ist für Frau W., die Hilde bis zu ihrem Tod begleitet hat. Ich füge das Paul-Brief-Foto bei und auch eine Kopie des Bildes von Hilde in jungen Jahren. Es ist kurz vor 7 Uhr in der Frühe und ich überlege hin-und hergerissen, ob ich ihn nicht jetzt schon zustellen sollte. Ein Blick auf Google-Maps verrät: Fahrzeit von 23 Minuten. Ich stutze, denn aufgrund eines kleinen Ortszusatzes, den Google nicht annehmen will, hätte ich auf eine zehn Minuten kürzere Fahrzeit getippt. Zu wenig Zeit bis zum nächsten Termin, also entscheide ich mich dafür, ab neun Uhr erst einmal bei Frau W. anzurufen.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Obwohl ich ziemlich beschäftigt bin, ziehen sich die Stunden wie Sirup. Um neun Uhr wähle ich die Nummer und lausche mit leicht erhöhtem Herzschlag. Schließlich ertönt eine freundliche weibliche Stimme und sagt: „Dieser Anschluss ist zur Zeit leider nicht erreichbar. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.“ „Oh, nee! Das darf doch jetzt echt nicht wahr sein!“, schimpft es in mir als ich auflege. 15 Minuten später versuche ich es noch einmal, mit dem gleichen Ergebnis. Und auch zwei und vier Stunden später bleibt es bei der freundlichen Roboterdamenstimme.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Am späten Nachmittag, nach der Arbeit und einem weiteren fruchtlosen Kontakt mit der Telefonansage, mache ich mich auf den Weg zu der genannten Adresse. Google-Maps zeigt immer noch eine Fahrtzeit von 23 Minuten. Komisch. Und so fahre ich wieder Richtung Oberbergisches, vorbei an grünen Wiesen, Feldern, üppigen Wäldern und kleinen Dörfern. Ich biege in eine breite Straße und frage mich, warum ich das Gefühl habe, dass irgendetwas nicht stimmt. In sechs Kilometern soll ich das Ziel erreichen. Moment mal! Was war das denn?! Ein vorbeiflitzendes Holzschild zieht, mit leichter Verzögerung, meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich entscheide mich gegen die Vollbremsung und für eine halbe Handbremsendrehung, um den nächstbesten Wendeplatz zu ergattern.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Kann es denn sein, dass es diese Adresse hier tatsächlich zweimal gibt?! Ich fahre zurück, wende noch einmal, vergewissere mich, dass ich richtig gelesen habe, und biege daraufhin in einen sehr kleinen, sehr steilen Weg ein, der als Sackgasse vor einem hübschen Haus endet. Der Platz ist mit Kies bestreut, es knirscht als ich die Handbremse anziehe und mich, im Auto sitzend, nach Hauseingang und Briefkasten umsehe.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Aus dem Augenwinkel sehe ich links von mir auf einem Stellplatz einen weiteren Wagen. Es ist knallorange und in seinem Inneren bewegt sich etwas. Die Fahrertür öffnet sich und ein großer Mann, der ein blaues Bandana auf dem Kopf trägt, steigt aus und kommt auf mich zu.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Krass, wirkt wie ein Easy Rider“, denke ich, öffne meine Fahrertür, schwinge mich halb hinaus und sage:“Guten Tag! Wohnt hier Familie W.?“ „Ja, die wohnt hier“, erwidert er und schaut mich fragend an. „Oh, das ist ja großartig!“, rufe ich freudentaumelnd,“ wissen Sie, das ist eine echt verrückte Geschichte, ich habe nämlich in meinem Haus uralte Kriegsgefangenen-Briefe gefunden, die mich schließlich hierher geführt haben und ich habe viele Fragen …“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Lachend unterbricht er mich und sagt:“Moment, Moment! Bevor Sie weiterreden. Familie W. wohnt hier, aber die sind jetzt erst einmal für drei bis vier Wochen mit dem Wohnmobil unterwegs! Ich bin nur der Untermieter.“ „Oh nein! Oh Mist! Das erklärt aber wenigstens, warum niemand ans Telefon ging!“, sage ich enttäuscht und reiche ihm den vorbereiteten Brief. „Sie können ihn ruhig öffnen, da ist nichts Schlimmes drin … Sagen Sie, Sie dürfen nicht zufällig die Mobilnummer weitergeben, oder?“ „Ich werde den Brief natürlich nicht lesen. Die Nummer kann ich Ihnen leider nicht geben, aber ich habe eine andere Idee.“ Er zieht sein Handy aus der Tasche. „Ich versuche mal eben, die zu erreichen, vielleicht haben wir ja Glück!“ Amüsiert den Kopf schüttelnd, lauscht er dem Handy und murmelt: „Sowas Verrücktes …“ Es tutet, es tutet sehr, sehr lange und er will gerade auflegen, als am anderen Ende eine Stimme ertönt. „Ja! Ach schön! Ich bins. Hömma! Gehts Euch gut? Schön! Gibste mir mal eben bitte die Ulli? Nein, natürlich will ich auch mit Dir sprechen. O.k., dann sprechen wir halt ein bißchen.“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Entschuldigend zuckt er mit den Schultern, setzt sich auf eine Bank vor dem Haus und ich setze mich neben ihn. Hier sitze ich nun, neben einem mir völlig Fremden, der gerade zwei weitere völlig fremde Personen für mich anruft. Die Aussicht von der Bank ist herrlich, das Leben ist ein Abenteuer und neben mir sagt der freundliche Bandana-Mann schließlich: „Bad Füssing. Toll. Kannst Du mir jetzt bitte mal die Ulli an den Hörer holen? Ich habe hier nämlich jemanden neben mir sitzen, die eine verrückte Geschichte zu erzählen hat.“ Eine Frauenstimme ertönt am anderen Ende. „Hallo Ulli! Also, ich reiche dich jetzt mal weiter. Hier sitzt eine Dame neben mir, die Dich gesucht hat. Völlig verrückte Geschichte!“ Er reicht mir sein Handy.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">„Hallo, meine Name ist Yvonne Schwanke und Hildegard Saarmann war meine Nenn-Tante. Ich hörte, dass Sie bis zu ihrem Tod Kontakt mit ihr hatten. Erinnern Sie sich noch an Tante Hilde?“ Ein warmes, erstauntes Lachen ertönt am anderen Ende:“Natürlich erinnere ich mich an Hildegard.“ „Ach, wie schön!“, sage ich und erzähle von Pauls Briefen, meiner Recherche und von meiner Oma Leni, die damals Hildes Wohnung ausräumen mußte. „Wie war Ihr Mädchenname?“, fragt Frau W. „Hessenbruch“, antworte ich. „Buchholzen“, sagt sie. „Ja! Genau!“, erwidere ich erstaunt. „Immer wenn mein Mann und ich mit dem Rad da her fahren, sage ich: Hier war ich in den 60er Jahren ein paar Mal mit Hildegard, um Sachen zu flicken bei den Hessenbruchs (zur Erklärung: Hildegard war Schneiderin und Frau W. ging bei ihr in die Lehre). Ich erinnere mich noch gut an Ihre Oma.“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ich bin sprachlos, sitze zwar immer noch mit einem fremden Mann auf einer fremden Bank vor einem fremden Haus, aber es fühlt sich nicht mehr so fremd an wie zuvor. „Wissen Sie“, sage ich, „ich habe so gehofft, dass Sie eventuell noch ein paar Geschichten kennen oder gar Fotos oder Briefe von Paul als Erinnerung an Hilde behalten haben …“ „An Geschichten kann ich mich nicht erinnern und Fotos habe ich auch leider keine …“ Mein Herz sinkt. „Aber ich habe einen kleinen Koffer von ihr, in dem einige Sachen sind, die ihr am Herzen lagen. Und ich würde ihn sehr gerne gemeinsam mit Ihnen öffnen, sobald wir aus dem Urlaub zurückkommen. Ich bin sehr froh, dass Sie Interesse daran haben!“ Mein Herz explodiert beinahe vor Aufregung und Freude! Wir tauschen Handynummern aus und vereinbaren, dass ich mich am 10.Oktober bei ihr melde, so sie denn nicht vorher anrufen sollte.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Der liebe Untermieter, der gar kein blaues Bandana, sondern einen blauen Kopfverband trägt, bekommt quasi als „Danke schön“ von mir noch einmal die ganze Geschichte erzählt, lacht und sagt schließlich:“Was für eine verrückte, herrliche Geschichte! Ich bin gespannt, was Sie noch finden werden!“</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Ich bin froh, dass ich das Schild gesehen habe, denn wäre ich zur falschen Adresse gefahren, hätte ich den netten Herrn nicht mehr angetroffen … vielleicht hat Paul ja doch seine Hände im Spiel …</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Später informiere ich Frau D. von der Bauunternehmung über meine Fortschritte. Sie freut sich und fiebert weiterhin mit. Die Spannung, vielleicht doch noch etwas mehr über Paul herauszufinden, bleibt also bis zur offiziellen Kofferöffnung im Oktober.</p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Aber, egal, was ich noch finden werde, die menschlichen Begegnungen waren bisher die Mühen wert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dienstag 17. September 2019</em></p>



<p class="has-text-align-justify wp-block-paragraph">Habe heute den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge quasi mit der Suche nach Pauls Grab beauftragt. Ich hoffe, daß sie trotz der widrigen historischen Konstellationen etwas finden können.&nbsp;<br>Das Militärarchiv in Freiburg besitzt scheinbar keine weiteren Informationen, da fast alle Akten im zweiten Weltkrieg zerstört wurden.<br><br>Randnotiz:<br>Heute massierte ich in der Damensauna in Hückeswagen. Dabei hatte ich eine Begegnung mit einer älteren Dame mit einem interessanten Akzent.<br>„Ich bin Spätaussiedlerin“, sagt sie.<br>„Ach, Russland-Deutsche?“, frage ich.<br>„Ich bin Deutsche!“, betont sie und es hört sich ein wenig an wie „DEITSCHE“.<br>„Entschuldigung, ich komme da in der Differenzierung immer ein wenig durcheinander.“<br>„Nicht, schlimm“, sagt sie, „man gehört irgendwie nirgendwo dazu.“<br>Dieser Satz macht mich sehr nachdenklich.<br>„Wo in Russland haben Sie denn gelebt?“, frage ich.<br>„Kasachstan“, sagt sie. (Kasachstan, ist, genauso wie der Rest von Russland, verdammtscheissriesig.)<br>„Oh, Kasachstan“, sage ich, „daran grenzt auch die Oblast Omsk, oder?“<br>„Stimmt“, sagt sie überrascht,“woher wissen Sie das?“<br>„Ich habe Gefangenenpost aus dem 1. Weltkrieg gefunden und ich verfolge gerade seinen Weg durch Russland. Er mußte im Ural im Silberbergwerk arbeiten, kam nach Tscheljabinsk und starb schließlich im Lazarett in Omsk an Krankheit. Und ich will wissen, ob es dort ein Grab gibt, auf dem sein Name steht.“<br>„Es heisst: Schilljabinsk!“<br>„Schilljabinsk“, wiederhole ich und sie lacht.<br>„Scheiss Krieg!“, schnauft sie, „aber erzählen Sie mehr!“<br>Und so erzähle ich von Paul und sie lauscht gespannt, stellt Zwischenfragen, erzählt vom Leben als Deutsche in Russland und ihrer Meinung zur allgemeinen Lage.<br>„Was machen Sie, wenn es tatsächlich ein Grab gibt?“, fragt sie, als ich ende.<br>„Ist doch klar! Ich fahre nach Omsk!“<br>„Schauen Sie, bekomme ich Gänsehaut am ganzen Körper! Das ist wunderbar! Machen Sie das! Das soll so sein!! Das nächste Mal, wenn wir uns sehen, hoffe ich, dass Sie mehr herausgefunden haben!“<br><br>Ohne Paul, wäre es wohl nie zu einer solchen Unterhaltung gekommen.<br><br>Freitag 27. September 2019<br><br>Habe heute doch das Militärarchiv in Freiburg angeschrieben, weil ich eine kleine Hoffnung habe, Einsicht in Pauls Lazarettakte zu bekommen.<br><br>Meine digitalen Recherchen laufen jetzt in alle möglichen Richtungen.<br>Jetzt bleibt nur noch Warten und Hoffen: auf Gräberauskunft, Lazarettakten und Stammbücher … und das kann dauern.<br>Ich hoffe inständig auf Hildes Koffer, auch wenn mir Frau W. keine großen Hoffnungen auf Fotos oder Briefe gemacht hat.<br><br>Es bleibt spannend …</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Fotos: Yvonne Schwanke</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übersicht der Teile</p>



<div class="wp-block-query is-layout-flow wp-block-query-is-layout-flow"><ul class="wp-block-post-template is-layout-flow wp-block-post-template-is-layout-flow"><li class="wp-block-post post-3837 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-kolumnen tag-briefe-aus-dem-krieg tag-post-von-paul">
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</li><li class="wp-block-post post-3862 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-kolumnen tag-briefe-aus-dem-krieg tag-post-von-paul">
<h2 class="wp-block-post-title has-medium-font-size"><a href="https://forumwk.de/2026/01/04/post-von-paul-3-von-3/" target="_self">Post von Paul (3 von 3)</a></h2>
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