Impfstopp in der Werkstatt Lebenshilfe Bergisches Land

VON WOLFGANG HORN

Wermelskirchen | Heute sollte ab mittags in der Werkstatt der Lebenshilfe eine mit dem leitenden Impfarzt des Rheinisch-Bergischen-Kreises, Dr. Christian Meyer, abgestimmte Corona-Impfung aller impfwilligen Klienten stattfinden. Sollte. Denn das Ministerium hat in der vergangenen Nacht eine Verfügung erlassen, die das Impfen in ambulanten/teilstationären Einrichtungen der Eingliederungshilfe (Behindertenhilfe) untersagt. Hierdurch will man ein unterschiedliches Tempo in den verschiedenen Städten und Landkreisen im Land NRW vermeiden.

Wie bitte? Das ist doch ein Witz, oder? Nein. Und wenn, dann ein ganz, ganz schlechter. Etwa 500 Personen sollten mit dem AstraZenica Impfstoff geimpft werden. Und nun? Essig. Fällt alles aus. Was für ein Stuß. Da wird ohnehin nur schleppend geimpft, weil nichts wirklich funktioniert hat in der Vorbereitung. Kein Impfstoff, Impfzentren, die in ländlichen Regionen weit ab von Schuß liegen und kaum erreichbar sind für sehr betagte Menschen, eine Terminvergabe, die zunächst überhaupt nicht geklappt hat, weil die Kassenärztliche Vereinigung nicht gut genug vorbereitet war. Was dem Land und seinen Menschen eine spürbare Erholung in der Pandemie bescheren sollte ging letztlich komplett schief. Die vielgerühmte deutsche Bürokratie versagte komplett.

Kein Wunder, das die Lebenshilfe richtig empört ist und die Argumentation des Landes nicht nachvollziehen kann. “Der Impfstoff AstraZeneca wird derzeit tonnenweise eingelagert, da die Akzeptanz in der Gesamtbevölkerung nicht so hoch ist, wie erhofft. Es gibt derzeit zudem keine andere ‘Impfgruppe’ im Rheinisch-Bergischen – Nordkreis, die vorrangig diesen Impfstoff nach Impfverordnung bekommen sollte und müsste.”

Die Lebenshilfe Wermelskirchen hat der Politik und dem Ministerium ihren Ärger und ihr Unverständnis über diesen sehr kurzfristigen Stopp deutlich gemacht. 

Wie ein Land schnell und effizient verwaltet werden soll angesichts gehöriger Probleme im Bildungs- und Gesundheitsbereich, angesichts einer verschlafenen Digitalisierung, nach Jahrzehnten vernachlässigter Infrastrukturinvestitionen, wenn der Amtsschimmel fröhlich Urständ feiern kann, hat sich mir noch nicht erhellt. Schade drum.

Kommentare (7) Schreibe einen Kommentar

    • stefan wiersbin
    • 19.02.21, 21:51 Uhr

    Was diese Entscheidung für die Menschen mit einem kognitiven Handicap bedeutet, kann und konnte wohl keiner der entscheidenden Mitarbeiter im Ministerium erahnen. Wir, die in der Eingliederungshilfe, mit und für diese Menschen jeden Tag arbeiten, können diese nun Auffangen. Vor allem aber, die die am heutigen Tag schon mit ihren Ängsten zu kämpfen hatten, vor dem nächsten Impftermin erneut motivieren sich impfen zu lassen. – Wie sagte Dr. Meyer in Richtung Ministerium: „Hier wird in Menschen erster und zweiter Klasse unterschieden.“

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    • Marie-Louise Lichtenberg
    • 19.02.21, 22:03 Uhr

    Ich bin entsetzt und habe kein Verständnis für die Entscheidung des Ministeriums unter Gesundheitsminister Laumann. Wie kann man so dumm sein und in so kurzer Zeit so viel Vertrauen verspielen.
    Die Lebenshilfe, die sich vorbildlich um die Gesundheit ihrer zu betreuenden Menschen mit Handicap kümmert, die sich ebenso verantwortungsbewusst um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmert, der verantwortliche Arzt Dr. Hans-Christian Meyer mit seinem Team – alle diese Menschen wurden heute auf nicht nachvollziehbare Weise brutal vor den Kopf gestoßen. So nimmt man die Bevölkerung nicht mit, die Maßnahmen gegen das Virus mitzutragen. Ich kann nur hoffen, dass diese Entscheidung schnellstmöglich revidiert wird.

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    • EDV-Schrauber
    • 20.02.21, 13:36 Uhr

    Dem Ministerium sind die Leute doch scheißegal. Alte, Behinderte, wen juckts. Das ist humanes Material, welches man ohne große politische Folgen einfach so rumschubsen kann. Die wehren sich eh nicht. Keine Lobby und so.

    Und während die Politik jeden Tag wieder ihr Totalversagen bei den Coronaschutzimpfungen nach Außen präsentiert, schauen wir deren Treiben rat- und tatenlos zu.

    Sie können das alle gerne weiterhin kommentieren und ihrer Empörung Ausdruck verleihen. Sie können auch gerne scharf formulierte Noten veröffentlichen. Ändern wird das ganz genau gar nichts.

    Mit freundlichem Gruß
    -EDV-Schrauber-

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    • Stefan janosi
    • 20.02.21, 14:31 Uhr

    Nachdem jetzt auch die Erlaubnis zur Verwendung von Zeroresidualspritzen zurückgezogen wurde, muss man sich ernsthaft fragen ob Unfähigkeit bei den Verantwortlichen im Ministerium zum Prinzip erhoben worden ist. Übrigens eine Injektionstechnik die seit Jahren in der Augenheilkunde zum Standardrepetoire in der Therapie von Makulaerkrankungen gehört. Eine absolut sichere und bewährte Injektionstechnik.

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