Umkehr

Gespräche mit Stefan

Beim Stöbern in den sozialen Netzwerken bin ich auf folgendes gestoßen:

„Es wäre schön, mit den Kindern zu sprechen,
die wir mal waren, und sie zu fragen,
was sie über die Erwachsenen denken,
zu denen wir geworden sind“       (J. Gabanhia)

Tja, was würde der kleine Stefan, was der jugendliche Stefan zu meinem jetzigen Leben sagen?

Der kleine Stefan würde sicherlich erstmal lachen und mir sagen, Papst oder Pilot bist Du nicht geworden. Zum Zoll bist Du auch nicht … und Kinder haste auch keine. Der liebe Gott hatte etwas anderes mit Dir vor.

Der jugendliche Stefan würde wohl staunend vor mir stehen und sagen, Mensch Du hast wirklich zu Dir gefunden. Du hast Dich in Deinem Sein, mit allen Facetten, die Dich ausmachen, akzeptiert. Du stehst endlich mit gradem Rücken da und versteckst keine deiner Seiten. Sondern sagst laut, so wie ich bin, so wie mich Gott, Allah, Jehova oder wer auch immer geschaffen hat, bin ich gut. – Du hast akzeptiert, dass Dein Ich einem stetigen Wandel unterliegt. Nicht alles, was Dich heute ausmacht, morgen noch gelten muss.

Was ist aus Deinem Einsatz für Pax Christi, für eine gerechtere, friedlichere Welt geworden? – Ja, seit geraumer Zeit setzt Du dich wieder politisch ein und versuchst, der Botschaft einer gerechteren und friedlicheren Welt Gehör zu verschaffen. Aber auch Du hast Deinen Teil beigetragen, dass die Welt ungerechter, unfriedlicher geworden ist. Du und Deine Generation haben viel zu oft unreflektiert das Mantra des steten Wachstums, des „Geiz ist Geil“ gelebt, ohne zu hinterfragen, welchen Preis die Menschheit dafür zahlen muss. Es ist doch deutlich zu erkennen, dass euer Lebensstandard von irgendwem bezahlt werden muss. Und das war auch schon vor 25 Jahren deutlich. Gezahlt wird das mit einer ausgebeuteten Natur. Von Arbeitssklaven in der sogenannten Dritten Welt, aber eben nicht nur dort, sondern auch von Arbeitssklaven in unserem europäischen Haus, etwa auf den Gemüse- und Obstplantagen in Spanien oder, wie die Corona-Krise wieder sichtbar gemacht hat, in der Fleischindustrie.

Welche christlichen Werte verteidigst Du und Deine Generation? Die der Bergpredigt Christi? –  Wenn dem so ist, wird es Zeit umzukehren, euren Lebensstandard den Ressourcen der Natur anzupassen und für eine gerechte, faire Weltwirtschaft zu sorgen, die allen Menschen auf Augenhöhe begegnet. Schafft eine Weltwirtschaft, die dem Menschen, die allen Menschen dient und nicht dem Mammon. – Euer Turmbau ist zum Scheitern verurteilt, so wie der Turmbau zu Babylon im Alten Testament.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.