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Verzeichnend-erhellende Zeichnungen im Wermelskirchener Rathaus

VON WOLFGANG HORN

Wermelskirchen | Eine Zeichnung, die verzeichnet, die Menschen oder politische und gesellschaftliche Zustände überspitzt darstellt, komisch daherkommt, bissig beschreibt, mitunter böse kritisiert, auf jeden Fall nicht ausgewogen-diplomatisch kommentiert, das ist eine Karikatur. Die Karikatur ist ein bildhaft-unterhaltender Kommentar, der ohne viele Worte viel auszusagen vermag. Die hohe Kunst der Karikatur ist in den nächsten beiden Wochen im hiesigen Rathaus zu bewundern. In der ersten Etage, dort, wo auch der Bürgermeister sein Büro hat, sind 60 Karikaturen von 30 international renommierten Zeichnern zu sehen, die sich allesamt der deutschen Teilung, der speziellen deutsch-deutschen Geschichte, der 40-jährigen Trennung und der Wiedervereinigung widmen.

30 Jahre und zwei Tage nach dem Mauerfall eröffnete heute der Hausherr im Rathaus, Bürgermeister Rainer Bleek, im Beisein von Schülern der neunten Klassen von Gymnasium und Sekundarschule die Ausstellung. Er verwies darauf, daß der Mauerfall vor 30 Jahren ein einschneidendes Ereignis für beinahe alle Menschen in Deutschland war, vor allem aber für die Menschen in der DDR und die vielen getrennten Familien in beiden Teilen Deutschlands, die nunmehr wieder zueinander finden konnten.

Obwohl in beiden deutschen Staaten die gleiche Sprache gesprochen wurde und es eine gemeinsame Vergangenheit und Kultur gab, haben sich doch im Verlauf der langjährigen Teilung sehr unterschiedliche Staaten und politische Systeme entwickelt, die es auch heute noch zu Irritationen im wiedervereinigten Deutschland kommen lasse. Bleek fragte, warum geflüchtete Menschen heutzutage im Osten Deutschlands weniger akzeptiert würden als im Westen, obwohl dort doch wesentlich weniger Flüchtlinge angesiedelt seien? „Warum ist dort der Zuspruch für rechtsradikale Politiker so hoch?“ Oder: Warum habe der Westen immer noch ein deutlich höheres Lohnniveau?

Kurzum, so der Bürgermeister, die Ausstellung der Karikaturen zu den grundlegenden deutsch-deutschen Fragen biete einen frischen und spannenden Zugang zu einem, zu dem zentralen Thema der jüngeren deutschen Geschichte. Er ermunterte die Anwesenden, Werbung für dieses einzigartige Angebot der politischen Bildung zu machen und dankte den Lehrern und Schülern für ihr Interesse, der Stadtsparkasse für die finanzielle Unterstützung der Ausstellung, Frau Dohr für die Organisation und Herrn Schiwy und Herrn Madel, beide Hausmeister im Rathaus, für den Aufbau der Ausstellung, die doch wesentlich mehr Arbeit gemacht habe, als man ursprünglich angenommen habe.

Volker Ernst, der Vorsitzende der Abteilung Wermelskirchen des Bergischen Geschichtsvereins, machte sich anschließend die Mühe, den vielen jungen Menschen im Rathaus die Beschäftigung mit politischen Karikaturen aus der Vergangenheit nahezubringen. Mit zusätzlichen Erläuterungen half Ernst, einige Zeichnungen besser zu verstehen, und plädierte abschließend dafür, nach dem Fall der Steine, die die Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten gebildet hatten, es nun endlich auch zum Abbau der Mauer in den Köpfen kommen zu lassen.

Hier die Einführung von Volker Ernst als PDF-Datei:

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